Pflanzenschutz  
 

Pflanzenschutz im Stadtgrün - Schadorganismen in Berlin

Tierische Schaderreger: Buchsbaumzünsler


v.l.n.r.: Anfangsbefall, der leicht zu übersehen ist, 'zerfaserte' Blätter, ausgefressene Blätter, Fotos: Pflanzenschutzamt Berlin
v.l.n.r.: Anfangsbefall, der leicht zu übersehen ist, "zerfaserte" Blätter, ausgefressene Blätter

Der Buchsbaumzünsler ist seit 2017 flächig im Stadtgebiet Berlin vertreten. In Buchsbaumbeständen sind somit Fraßschäden durch die Raupen des Buchsbaumzünslers zu erwarten.

Der Anfangsbefall (obere Abbildungen) wird sehr häufig übersehen und die Raupen entwickeln sich ungestört weiter. Erst mit dem Fraß der älteren Raupen wird der Schaden sichtbar und für mögliche Bekämpfungsmaßnahmen ist es dann meist zu spät, zumal der Schaden dann schon gesetzt ist.

Weitere Informationen unter: Merkblatt Buchsbaumzünsler (pdf; 839 KB)

Lebensweise


Tabelle mit Lebenszyklus
Lebenszyklus der Buchsbaumzünsler

Buchsbaumzünsler - Cydalima perspectabilis
Vorkommen: Buchsbaumarten
Überwinterung: als Jungraupe im Gespinst zwischen Blättern
Raupenfraß: möglich ab ca. Ende März/Anfang April (Temperaturen ab ca. 12 °C)
Verpuppung: ab Ende Mai / Anfang Juni bis Anfang Juli
Flugzeit (1. Generation): ab Mitte Juni bis (in Abhängigkeit von der Witterung) Anfang August
Eigelege: ab Mitte Juli bis Anfang/Mitte August
Jungraupen: ab Mitte Juli bis Ende Juli
Ältere Raupen: ab Ende Juli bis Mitte September
Puppenstadium: ab Mitte August bis Mitte/Ende September
Flugzeit (2. Generation): ab Anfang September bis Ende September
Eigelege: ab Mitte September bis Mitte Oktober
Jungraupen: ab Anfang Oktober
Überwinterung: ab Anfang Oktober als ca. 4 mm lange Larve (L3/L4), im Gespinst zwischen Blättern
Generationen: i.d.R. zwei
Symptome: Fensterfraß an der Blattunterseite, "zusammengesponnene Blätter", Blattfraß, helle Blätter, Gespinste, Kot

Eine sich unbemerkt aufbauende Population des Buchsbaumzünslers kann zu sehr starken Fraßschäden am Buchsbaum führen. Der Bux treibt zwar wieder aus, wird aber häufig durch die darauffolgende Raupengeneration erneut stark geschädigt, so dass die Pflanzen anschließend entfernt werden. Gelingt es durch frühzeitige Kontrollen den Anfangsbefall festzustellen, so ist es möglich den Bestand durch gezielte Maßnahmen zu erhalten. Dazu können neben den mechanischen Maßnahmen, wie einem frühen Schnitt und dem Absammeln von großen Raupen und Puppen, auch Pflanzenschutzanwendungen gehören.

starker Fraßschaden
starker Fraßschaden
 

Überwachung

Überwachung des Flugverlaufes des Buchsbaumzünslers:
Über den Beginn, das Ende des Flugverlaufes und die Anzahl der Falter kann die Stärke des Befalls und der optimale Zeitpunkt für chemische Bekämpfungsmaßnahmen ermittelt werden.
Dazu wird eine Lockstofffalle mit einem entsprechenden Lockstoff (Pheromon) vor dem Flug der Falter (Mitte Juni und Ende August) in einem Buchsbaumbestand aufgehängt.

Fangergebnis Ende Juni 2017
Fangergebnis Ende Juni 2017
 

Maßnahmen

Optimale Vorgehensweise bei Befall:
  • Dauerhafte Kontrolle der Bestände zur Erfassung der Befallsstärke
    • auf erste Fraßsymptome bereits im zeitigen Frühjahr
    • ggf. Absammeln der älteren Raupen / Puppen
  • Frühzeitiger Schnitt zur Entfernung der überwinternden Jungraupen bis spätestens Ende Mai
    • Schnittgut nicht im Bestand lassen
    • Kontrolle des Bodens auf herabgefallene Raupen
  • Überwachung des Buchsbaumbestandes mit Pheromonfallen ab Mitte Juni
  • u.a. Behandlung der Jungraupen mit biologischen Präparaten:
    Bacillus thurigiensis spp. kurstaki Stamm ABTS 351 / Bacillus thurigiensis spp. aizawai Stamm GC-91 (BT)
  • ggf. weitere Pflanzenschutzmaßnahmen nach Beratung mit dem zuständigen Pflanzenschutzdienst

Optimaler Anwendungszeitpunkt von Pflanzenschutzmitteln:

Die Präparate wirken nur auf die Raupenstadien. Eine Bekämpfung ist dann am erfolgreichsten, wenn sich zum Zeitpunkt der Behandlung die Raupen noch in den ersten Raupenstadien befinden (Abb. Raupenstadien, mittlere Raupe). Dieses Stadium erreichen die Raupen in der Regel in der zweiten Aprilhälfte / Anfang Mai und Mitte bis Ende Juli. Zu diesen Zeitpunkten können BT-Präparate eingesetzt werden. Bei älteren Raupenstadien müssen dann für eine ausreichende Wirkung andere Wirkstoffe zum Einsatz kommen. Hier kann die Beratung der Pflanzenschutzdienste hilfreich sein.

Kriterien zur geeigneten Auswahl der Pflanzenschutzmittel:

  • Die Pflanzenschutzmittel wirken nur gegen die Raupen, deshalb sind Terminspritzungen notwendig.
  • Es können nur Pflanzenschutzmittel gegen beißende Insekten, Schmetterlingsraupen oder freifressende Schmetterlingsraupen eingesetzt werden.
  • Je nach Art der Fläche dürfen nur die Mittel eingesetzt werden, die für die jeweilige Fläche zugelassen bzw. genehmigt sind (öffentliche Flächen (§17) / Haus- u. Kleingarten).
  • Die in der Gebrauchsanleitung angegebenen Auflagen und Anwendungsbestimmungen sind einzuhalten.
  • Die Regelungen des Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzes sind einzuhalten. Genehmigungen der verantwortlichen Behörden können notwendig sein.

Aktuell zugelassene Wirkstoffe:

(Stand März 2019)

Wirkstoff
(Präparat)
Wirkung gegen Wirkungsweise einsetzbar im HuK* einsetzbar auf § 17 Flächen
Bacillus thurigiensis spp.
(u.a. Dipel ES)
L1 und L2
sehr junge Raupen
Fraßstopp, anschließend Absterben der Raupen X X
Azadirachtin
(u.a. Neem-AzalTS)
L1 bis L3
junge Raupen
Fraßstopp, anschließend Absterben der Raupen X X
Acetamiprid
(u.a. Schädlingsfrei Careo)
bis mittlere Raupen-Stadien Fraßstopp X X
Pyrethrine + Abamectin
(u.a. Compo Triathlon Universal Insekten-frei AF)
bis mittlere
Raupen-Stadien
Raupen sofort tot X X
Deltamethrin
(u.a. Bayer Garten Zierpflanzenspray Decis AF)
alle
Raupen-Stadien
Raupen sofort tot,
Repellent Wirkung
X  
Lambda-Cyhalothrin
(Karate Zeon, Kusti)
alle
Raupen-Stadien
Fraßstopp,
Absterben der Raupen,
Repellent Wirkung
  (X)
nur im Ausnahmefall
nach Beratung
* Haus und Kleingartenbereich

Monitoring

Erstmalig trat der Buchsbaumzünsler 2014 als Einzelfund im Stadtgebiet auf. Stärkerer Befall wurde 2016 aus angrenzenden Gemeinden (Kleinmachnow, Teltow, Potsdam-Babelsberg) im Südwesten Berlins gemeldet. Somit wurde für das folgende Jahr ein verstärktes Auftreten im Stadtgebiet erwartet. 2017 konnte auch ein flächendeckender Befall im gesamten Stadtgebiet festgestellt werden, zunächst noch mit moderaten Fraßschäden. Einige wertvolle Buchsbaumbestände wurden schon 2017 mit Pheromonfallen bestückt um die Falteraktivitäten zu dokumentieren.

Zur Feststellung der Befallsstärke wurden 2018 frühzeitig, vor Beginn des Falterfluges, an unterschiedlichen Standorten Pheromonfallen ausgebracht und regelmäßig kontrolliert.

Flugverlauf 2018

Aufgrund der Witterung war der Beginn des Falterfluges bereits Anfang Juni, ca. 2 bis 3 Wochen früher als in normalen Jahren. Der Falterflug der ersten Generation erstreckte sich bis Ende Juli, mit dem Höhepunkt Mitte Juni. Der Falterflug der zweiten Generation begann Anfang August bis Mitte September. Der Hauptflug fand in den ersten drei Wochen des August statt. Bis Mitte Oktober flogen noch einzelne Falter.

Der Falterflug der ersten Generation erstreckte sich bis Ende Juli, mit einem Flughöhepunkt Mitte Juni. Der Falterflug der zweiten Generation begann Anfang August und erstreckte sich bis Mitte September. Der Hauptflug fand in den ersten drei Wochen des August statt. Bis Mitte Oktober flogen noch einzelne Falter.
Flugverlauf des Buchsbaumzünslers 2018; © Pflanzenschutzamt Berlin