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Lebensraum Waldrand

Bildvergrößerung: Vor verschwommenen, dicht belaubten grünen Sträuchern verläuft ein verästelter Schlehen-Zweig von links nach rechts. Zahlreiche leuchtend blaue Früchte wachsen daran. Sie sind kugelförmig und von einem weißlichen Belag überzogen, der ihnen eine samtartige Oberfläche verleiht. Die Zweige mit grober dunkler Rinde sind mit vielen Kurztrieben besetzt. Dazwischen sind grüne Laubblätter in Büscheln angeordnet.
Schlehe
Bild: Andrea Wilhelm / fotolia.com

Berlin ist die waldreichste Metropole Deutschlands und bietet in seinen typischen Mischwäldern zahlreichen Tier- und Pflanzenarten großzügigen Raum zum Leben. Waldränder sind ein wichtiger Bestandteil naturnaher Wälder, insbesondere wenn sie aus möglichst vielen standortgerechten, gebietseigenen Pflanzenarten bestehen. Als Faustregel kann dabei gelten: Je blütenreicher und abwechslungsreicher der Waldrand, desto bunter ist auch die Tier- und Artenvielfalt.

Im vielfältigen Übergangsbereich zwischen Wäldern und den daran angrenzenden Lebensräumen entstehen auch unterschiedlichste Wohnräume für eine große Zahl verschiedener Tierarten. Begründet ist dieses vor allem auch durch die wechselnden Verhältnisse von Licht und Schatten und den damit einhergehenden kleinklimatischen Unterschieden auf engstem Raum.

Im Dickicht der Sträucher finden Vogelarten wie z.B. Grasmücken, Baumpieper und Neuntöter Nahrung und Versteckmöglichkeiten. Gräser, Kräuter, blühende Büsche und Sträucher ziehen zahlreiche Schmetterlingsarten wie z.B. den Kleinen Eisvogel und C-Falter an. Aber auch Wärme liebende Besucher wie Zauneidechsen und Waldameisen fühlen sich in den sonnigen Abschnitten der Waldränder wohl. In der Dämmerung jagen hier häufig Fledermäuse, die die Waldränder als wichtige Leitlinien und Nahrungsquellen benötigen.

Warum braucht der Kienberg Waldränder mit vielen Arten?

Die Waldränder und Lichtungen des Kienbergs wurden in den vergangenen Jahren zunehmend durch die rapide Ausbreitung von nicht heimischen Baumarten, vor allem des Eschen-Ahorns, gleichförmiger und artenärmer.

Engagierte Umweltinitiativen und das Grünflächenamt des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf haben in der Vergangenheit mehrfach versucht, durch aktive Pflegemaßnahmen diese Entwicklung zu stoppen oder zu steuern. Leider waren die Erfolge der Maßnahmen häufig nur von kurzer Dauer, da sie einer regelmäßigen Wiederholung bedürfen und die hierfür notwendigen Mittel nicht jedes Mal zeitnah zur Verfügung standen.

Durch die starke Ausbreitung nicht heimischer Gehölze fehlte die Lebensraumqualität für zahlreiche Vogelarten, wie den Gelbspötter, Girlitz, Grauschnäpper und Heckenbraunelle. Sie alle lieben vielfältige Waldränder und Lichtungen mit Verstecken und einem großen Nahrungsangebot. Da diese am Kienberg fehlten, konnten diese Vogelarten hier in den letzten Jahren leider nicht mehr beobachtet werden.

Mit der IGA Berlin 2017 wurde auf dem Kienberg die Vielfalt der Waldränder wieder deutlich erhöht. Insbesondere am äußeren Saum des Waldes, am Rand von Lichtungen und entlang der bestehenden und neuen Wege wurden offene und halboffene Bereiche als breites Band aus heimischen Sträuchern und Bäumen gestaltet..

Weißdorn, Schlehen und Rosen, aber auch Pfaffenhütchen, Ebereschen, Traubeneichen sowie verschiedene Wildobstarten kamen zum Einsatz. In Verbindung mit diesen Säumen wurde noch eine Vielzahl unterschiedlicher heimischer Stauden und Kräuter gepflanzt und angesät. Diese tragen zu einem möglichst vielfältigen Lebensraum und einem umfangreichen Nahrungsangebot für die tierischen Bewohner des Kienbergs bei. Somit wird ein wichtiger Beitrag zur biologischen Vielfalt auf dem Kienberg geleistet.

Die neuen Waldränder müssen kontinuierlich gepflegt werden, da sich sonst vor allem der Eschen-Ahorn schnell wieder ausbreitet. Dazu kann neben dem regelmäßigen Gehölzschnitt auch die Entnahme einzelner Bäume gehören.

Auf diese Weise sind die Waldränder am Kienberg nun ein schönes und abwechslungsreiches Zuhause für viele Pflanzen und Tiere und zu jeder Jahreszeit optisch eine Freude für alle Besucherinnen und Besucher.