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Botanische Anlagen

Unter strahlend blauem Himmel mit weißen Wolken verläuft links im Bild ein Weg, gesäumt von Obstbäumen. Darauf sind Spaziergänger unterwegs. Rechts daneben grenzt ein Wildtierzaun einen weitläufigen Gemüsegarten ab. Großflächig sind Beete angelegt. In der Ferne sind einige Leute bei der Gartenarbeit erkennbar. Ganz weit im Hintergrund steht eine Menschengruppe vor Bäumen.
Alte Kulturlandschaft mit Obstbaumalleen und neue Formen urbaner Landwirtschaft im Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow.
Bild: Christo Libuda (Lichtschwärmer)

In den Gewächshäusern und Gärten botanischer Anlagen werden Pflanzen aus aller Welt gehegt und gepflegt. Die Einrichtungen sind Orte der Umweltbildung und der Forschung zur biologischen Vielfalt. Als lebendige Archive tragen sie wesentlich dazu bei, Artenvielfalt und genetische Vielfalt zu erhalten. In Berlin gibt es gleich drei solcher Anlagen: den Botanischen Garten und das Botanische Museum der Freien Universität Berlin, den Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow und das Späth-Arboretum der Humboldt-Universität. Das Späth-Arboretum ist auch am Projekt „Urbanität und Vielfalt“ beteiligt, in dem seltene Wildpflanzen vermehrt und wieder in Berlin ausgepflanzt werden.

Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin

Bildvergrößerung: Ein Bromeliengewächshaus mit Schaubeeten entlang eines Weges. Im Vordergrund wächst eine riesige Brocchinia micrantha mit langen, schmalen Blättern. Links daneben ragt der Stamm eines Grünborken-Kapokbaums auf. Seine glatte Rinde ist dicht mit Stacheln besetzt, an den langen dünnen Zweigen sprießen neue, frischgrüne Blätter. Von oben hängen wie graugrüne Gardinen Bartflechtenähnliche Tillandsien herab. Durch das Glasdach des Gebäudes fällt Sonnenschein auf die Pflanzen.
Bromeliengewächshaus des Botanischen Gartens Berlin.
Bild: Franziska Krug

Die Einrichtung im Süden Berlins gehört mit rund 20.000 Pflanzenarten, fast vier Millionen getrockneter Herbarbelege, einer DNA-Bank und einer Saatgutbank für Wildpflanzen zu den weltweit wichtigsten Sammlungs- und Forschungsstätten für Pflanzen, Pilze und Algen. Auf dem 43 Hektar großen Gelände finden sich 15 Gewächshäuser, eine pflanzengeografische Anlage, die die Pflanzenwelten verschiedener Erdteile nachbildet, und ein Arboretum. Eine Botanikschule unterstützt – als Kooperationseinrichtung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie –Berlins Schulen bei den Themen Botanik, Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung. Die Schule bildet Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher weiter, entwickelt Unterrichtsmaterialien und bietet Schulklassen die Möglichkeit, anschaulich vor Ort zu lernen.

Der Botanische Garten Berlin bildet dabei eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft: Die Forschung, die hier in Zusammenarbeit mit Institutionen weltweit geleistet wird, liefert Wissensgrundlagen, um die Biosphäre zu schützen und nachhaltig zu nutzen. Eins dieser internationalen Projekte ist „World Flora Online“, das 2020 erstmals alle 350.000 Landpflanzenarten der Welt in einer Online-Datenbank dokumentiert hat – ein Meilenstein der globalen Biodiversitätsforschung. Das Botanische Museum wird derzeit neu konzipiert. 2023 soll es Besucherinnen und Besuchern wieder offenstehen.

Botanischer Volkspark Blankenfelde-Pankow

Die heute denkmalgeschützte Anlage in Pankow entstand 1949 als städtischer Schulgarten auf einem ehemaligen Rieselfeld am Stadtrand. Ihre Gestaltung orientiert sich am Raster dieser Rieselfelder. Nahe des Eingangs liegen, eingefasst von vielen Stauden, Schaugewächshäuser und ein Arboretum seltener Baumarten aus Asien und Osteuropa. Die anschließenden Parzellen spiegeln die eiszeitlich geprägte Kulturlandschaft mit Äckern und Alleen wider. Die weitgehend naturbelassene Niederung um den Zingerteich bildet ein Tor zur offenen Landschaft. Auf zwei Rieselfeldparzellen werden neue Formen urbaner Landwirtschaft praktiziert, die Umweltbildung und nachhaltige Entwicklung fördern: Die eine ist einer der vier Standorte des Bauerngartens. Hobbygärtnerinnen und -gärtner können auf kreisförmigen Beeten unter Anleitung Gemüse ziehen – zertifiziert mit dem Bioland- und dem europäischen Bio-Siegel. Auf der zweiten Parzelle macht ein Weltacker anschaulich, wieviel Anbaufläche heute nötig ist, um einen Menschen zu versorgen.

Späth-Arboretum

Bildvergrößerung: Auf einer weitläufigen, sonnigen Wiese wächst eine gelblich-rote Sommerwurz. Die Blätter der Sommerwurz sind zu Schuppen reduziert und der Pflanze fehlt das Blattgrün. Sie ist daher gelb-braun. Der Spross ist etwa 20-30 cm hoch, unverzweigt und trägt an seinem Ende einen dichten, traubigen Blütenstand. Im Hintergrund rahmen hohe Bäume in verschiedenen Grüntönen die Wiese ein.
Die Sommerwurz, eine Schmarotzerpflanze ohne Blattgrün ernährt sich mit ihren Saugwurzeln aus den Wurzeln anderer Pflanzen. Hier blüht sie im Späth-Arboretum der Humboldt-Universität.
Bild: Anika Dreilich

Das Arboretum wurde 1879 als Schau- und Versuchsgarten der privaten Baumschule Ludwig Späth eröffnet. Ab 1961 entwickelte die Humboldt-Universität die Anlage zum botanischen Garten weiter, der heute rund 4.000 Arten beherbergt. Neben einer großen Sammlung an Gehölzen finden sich ein Steingarten, ein Teich mit Mooranlage, ein Gewächshaus und eine systematische Abteilung, in der die Pflanzen nach ihrer natürlichen Verwandtschaft sortiert sind. Forschungsschwerpunkte sind die Vielfalt und Evolution der Pflanzen mit Schwerpunkten auf Farnpflanzen und „Schmarotzerpflanzen“, also Arten, die ihren Wasser- und Nährstoffbedarf decken, indem sie Wurzeln oder Sprosse anderer Pflanzen anzapfen.

Mitmachen!

Besuchen Sie Berlins botanische Anlagen! Lernen Sie im Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin aktuelle Bürgerwissenschaftsprojekte kennen, helfen Sie beim Entziffern alter Herbaretiketten oder nehmen Sie eins der vielen weiteren Angebote wahr!