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Artenhilfsprogramm Fledermäuse

An einer Mauer aus hellgelben Bruch- und roten Backsteinen im stillgelegten Wasserwerk Tegel haben sich eine Wasserfledermaus und ein Großes Mausohr niedergelassen. Aneinandergeschmiegt hängen die beiden Tiere mit dem Kopf nach unten. Ihre eng angelegten Flügel sind fast so lang wie ihr mit hellbraunem Fell bedeckter Körper. Die Haut über den Flügelknochen glänzt gräulich-rosa, auch die Innenseiten ihrer spitzen Ohren schimmern gräulich.
Großes Mausohr und Wasserfledermaus im Wasserwerk Tegel.
Bild: SenUVK

Hauptstadt der Fledermäuse

Fledermäuse gehören zu den am stärksten bedrohten nachtaktiven Säugetierarten Mitteleuropas. In Städten finden sie viele Quartiere in und an Gebäuden: frostsichere Keller, alte Bunker, Dächer, aber auch Baumhöhlen, die sie rund ums Jahr nutzen. Selbst mitten in der Stadt flattern sie deshalb an Sommerabenden durch Grünanlagen und vor allem über Gewässern. In Berlin gibt es 43 größere Winterquartiere – und das sind nur die bekannten! – Das ist mehr als in jeder anderen europäischen Stadt. Die wichtigsten dieser Quartiere wurden von 2014 bis 2015 rechtlich langfristig gesichert und für die Tiere ausgebaut.

Ein eigenes Artenhilfsprogramm

1987 hat Berlin eins der ersten Artenhilfsprogramme in Deutschland aufgelegt, um Daten zu erfassen, die Winterquartiere zu erhalten und sie zu optimieren. 21 solche Quartiere sind seit 1989 neu entstanden oder den Fledermäusen zugänglich gemacht worden. Partner wie die Berliner Forsten oder die Berliner Wasserbetriebe haben mitgeholfen. So wurden etwa Belichtungsschächte von Buschwerk befreit und instand gesetzt. Und in den stillgelegten unterirdischen Sandfiltern und Reinwasserbehälter der Wasserwerke Tegel und Friedrichshagen wurden hunderte neue Versteckmöglichkeiten durch lückige Ziegelmauern, Hohlblocksteine und Flachkästen geschaffen.

Fledermäuse aller Art schätzen diese Quartiere, um sicher zu überwintern. Von 2014 bis 2017 wurden 17 Quartiere klimatisiert, mit zusätzlichen Verstecken ausgestattet oder auf andere Art hergerichtet – zum Beispiel im Forsthaus Alte Saubucht, im Schlosspark Biesdorf oder einem alten Keller im Kaniswall. 2016 wurden diese Aktivitäten als „Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet.

Weitere Aktivitäten

Auch die Bezirke sind aktiv. Charlottenburg-Wilmersdorf etwa lässt seit 2018 in mehreren ausgewählten Grünanlagen untersuchen, welche Arten vorkommen und wo sie Unterschlupf finden, z.B. im Georg-Kolbe-Hain und im Ruhwaldpark. Vorhandene Habitate werden auf den Erhaltungszustand überprüft. Wo nötig, werden diese instandgesetzt oder mit künstlichen Quartieren Ersatz angeboten.

Zitadelle Spandau

Bildvergrößerung: Ein Blick über den breiten Wassergraben auf eine der vier Bastionen der Zitadelle Spandau. In der Bildmitte weist eine Spitze des imposanten Bollwerks zum Betrachter. Grüne Baumwipfel überragen die steinerne Festungsanlage. Auch entlang der massiven Außenmauern wachsen Bäume und Sträucher. Die glatte Oberfläche des Wassergraben reflektiert die Wallanlage und den strahlend blauen Himmel.
In den Bastionsspitzen der Zitadelle Spandau überwintern viele Fledermäuse.
Bild: bgmr Landschaftsarchitekten

Zu den wichtigsten Winterquartieren gehören die Wasserwerke Friedrichshagen und Tegel, das Fort Hahneberg und die Zitadelle Spandau. Die Zitadelle und auch die anderen Quartiere sind deshalb als Fauna-Flora-Habitat geschützt. Im Winter werden hier jedes Jahr bis zu 700 Fledermäuse gezählt, weit mehr jedoch überwintern unentdeckt im Mauerwerk. Schätzungen gehen davon aus, dass in den Schwärmphasen im Jahresverlauf sogar bis zu 10.000 Tiere die Zitadelle als Quartier nutzen. Die Lage, die verwinkelten Gemäuer mit vielen Nischen und Spalten, die hohe Luftfeuchtigkeit und ausreichend Frostschutz machen die alte Festungsanlage für Fledermäuse so attraktiv. Großes Mausohr, Fransenfledermaus, Wasserfledermaus, Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus und das Braune Langohr kommen hier vor.

Zuletzt wurden 2018 in einer der Bastionsspitzen 44 Hangelemente angebracht, damit sich die Tiere verstecken können. Außerdem wurden Fenster geschlossen, um das Mikroklima noch zu verbessern. Weitere Maßnahmen wie leichtere Ein- und Ausflugsmöglichkeiten sind in Planung. Entscheidend ist – hier wie in anderen Sommer- und Winterquartieren –, künstliches Licht zu verringern und am besten ganz zu vermeiden: Für Fledermäuse wird es schnell zum unüberwindlichen Hindernis.

Mitmachen!

Helfen Sie Berlins Fledermäusen, in dem Sie Quartiere in und an Gebäuden erhalten oder neu schaffen, im Garten Nachtkerzen und andere heimische Stauden pflanzen, die insekten- und fledermausfreundlich sind, und auf nächtliche Beleuchtung wo immer es geht verzichten.

In der Zitadelle Spandau hat das Berliner Artenschutz Team -BAT- e.V. eine Dauerausstellung mit Schaugehege eingerichtet. Wollen Sie sich ehrenamtlich engagieren, wenden Sie sich an die Vereine BAT, Mausohr oder die Deutsche Fledermauswarte. Interessierte und Freiwillige sind auch bei der NABU Fachgruppe BatCity Berlin willkommen.

Wenn Sie eine herumirrende oder verletzte Fledermaus finden, kontaktieren Sie bitte sofort BAT e.V. in der Zitadelle Spandau, die Kleintierklinik der FU Berlin oder die NABU-Wildtierstation.

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