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Informationsgrundlagen für den Bodenschutz

Link zu: Link zum Thema Bodenfunktionen im Umweltatlas
Umweltatlas Berlin Karte 01.12 Bodenfunktionen

Bodenschutz ist eine Querschnittsaufgabe und erfordert fachübergreifende Handlungsansätze. Für die Berücksichtigung von Belangen des Bodenschutzes in der räumlichen Planung und den Vollzug von Bodenschutzmaßnahmen werden daher Daten aus verschiedenen Bereichen benötigt. So werden auch Informationen über Vegetationsbedeckungen oder Flächennutzungen benutzt, um Qualitäten des Bodens zu beschreiben. Um Bodenschutz umsetzen zu können, müssen diese Daten verfügbar gemacht werden. In Berlin werden bodenschutzrelevante Informationen im Rahmen des Informationssystems Stadt und Umwelt (ISU) organisiert, verwaltet und zum Teil auch erarbeitet.

Viele bodenschutzrelevante Informationen werden auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Umweltatlas sind eine Vielzahl von Karten zum Thema Boden und zu verwandten Themen veröffentlicht. Bestandteil dieser Karten sind in der Regel auch detaillierte Erläuterungen in Textform. Außerdem bietet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt über das Geoportal / FIS-Broker einen Zugang zu einer umfangreichen Palette von Karten an.

Einige ausgewählte Grundlagen für den Bodenschutz werden kurz vorgestellt.

Bodenkarten

Bodengesellschaftskarte 1 : 50 000
Die unterschiedlichen Böden werden als Bodentypen beschrieben. Diese wechseln zwar oft kleinräumig, folgen in ihrer Nachbarschaft – ihrer “Vergesellschaftung” – aber natürlichen oder nutzungsbedingten Mustern. Als erster Ansatz zu einer flächendeckenden Darstellung der Verbreitung der Böden in Berlin ist in den vergangenen Jahren eine Karte solcher Bodengesellschaften erarbeitet worden. Sie ist als teilverifizierte Konzeptkarte zu verstehen: für den überwiegenden Teil der ausgewiesenen Bodengesellschaften liegen detaillierte Beschreibungen einschließlich Profilbeschreibungen, bodenkundlicher Kenngrößen etc. vor, einige wenige Bodengesellschaften wurden bisher noch nicht im Gelände überprüft. Aus den vorhandenen Daten lassen sich flächendeckende Karten wichtiger Bodenkundlicher Kennwerte ableiten, die zum Beispiel für die Bewertung der Bodenfunktionen oder anderer Modelle von großem Interesse sind. Für Aussagen auf der übergeordneten Planungsebene (z.B. im Maßstab 1 : 50 000) ist diese Karte eine ausreichende Grundlage, sie wurde im Umweltatlas veröffentlicht.

Bodenübersichtskarte 1 : 200 000
Für länderübergreifende Aussagen zum Boden- und Umweltschutz wird von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Diensten der Bundesländer (SGD) – hier der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt sowie dem Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg – die digitale Erstellung der Bodenübersichtskarte 1:200 000 (BÜK 200) und ihrer Flächendatenbank fortgeführt. Von dieser Karte liegt das Blatt Berlin vor. Wegen der einheitlichen Bearbeitung der Berliner und der Brandenburger Gebiete ist sie vor allem für Zwecke der Regionalplanung geeignet.

Bodenübersichtskarte 1 : 300 000
Die Bodenübersichtskarte 1 : 300 000 (BÜK 300) ist die erste aktuelle mittelmaßstäbige flächendeckende digitale Bodenübersichtskarte für das Land Brandenburg. Sie schließt die Fläche des Landes Berlin ein. Die Karte wurde vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg in Kooperation mit der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt erstellt. Sie ist auf der Website des Landesamtes auch digital zugänglich.

Mittelmaßstäbige Landwirtschaftliche Standortkartierung
Die Mittelmaßstäbige Landwirtschaftliche Standortkartierung, kurz MMK, wurde im Auftrag des Forschungszentrums für Bodenfruchtbarkeit Müncheberg der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, Bereich Bodenkunde/Fernerkundung Eberswalde in den 1970er Jahren als bodenkundliches Grundlagenwerk für die Landwirtschaft erarbeitet. In Berlin wurden nur die landwirtschaftlichen Flächen im Nordosten erfasst. Die Karte der MMK ist im Geoportal verfügbar.

Weitere wichtige Karten für den Bodenschutz

Grundwasserstände und Flurabstand
Oberflächennahe Grundwasserstände (bis ca. 2 m unter Gelände) haben einen erheblichen Einfluss auf die Bodenbildung und die ökologischen Eigenschaften dieser Böden. Die Kenntnis des Grundwasserstandes ist daher von entscheidender Bedeutung für die Bewertung der Bodenfunktionen sowohl auf der übergeordneten Ebene als auch beim vorhabensbezogenen Bodenschutz und der Bewertung von Verdachtsflächen. Für die grobe Einschätzung kann die vorhandene Flurabstandskarte des Umweltatlas verwendet werden. Für genauere Angaben erstellt der Landesgrundwasserdienst Grundwasserauskünfte, die auf manuellen Interpolationen der Messwerte der Grundwassermessstellen beruhen.

Flächennutzung
Die Flächennutzung hat einen entscheidendenden Einfluss auf die bodenökologischen Kennwerte der Böden. Zur Ableitung bodenkundlicher Kenngrößen aus der Bodengesellschaftskarte ist die aktuelle Nutzung von entscheidender Bedeutung. So sind bei der gleichen Bodengesellschaft unter Ackernutzung beispielsweise ganz andere pH-Werte anzutreffen als unter Wald. Die erforderlichen Daten für die landesweite Ebene werden im Informationssystem Stadt und Umwelt (ISU) fortgeschrieben und im Umweltatlas veröffentlicht.

Versiegelung
Die Kenntnis des Versiegelungsgrades sowie die Art und Weise der Versiegelung (Oberflächenbeläge, Bebauung) ist eine unverzichtbare Datengrundlage für den Bodenschutz. Die in den vergangenen Jahren aktualisierten Versiegelungsdaten und die Versiegelungskarte sind eine wichtige Grundlage für die gesamtstädtische Ebene.

Bodenfunktionen und Leistungsfähigkeit des Bodens

Nachhaltiger Bodenschutz muss alle Funktionen sichern und entwickeln. Da jedoch gerade die natürlichen Bodenfunktionen und die Archivfunktion durch die Wahrnehmung der Nutzungsfunktionen eingeschränkt oder ganz unterbunden werden, steht der Schutz der natürlichen Bodenfunktionen somit im Mittelpunkt der Bestrebungen für nachhaltigen Bodenschutz.

Zielgerichtete Maßnahmen zum Bodenschutz setzen die Kenntnis der Leistungsfähigkeit, der Schutzwürdigkeit und der Empfindlichkeit der Böden voraus. Im Rahmen der Erarbeitung einer Bodenschutzkonzeption wurden die Bodenfunktionen in einem ersten Ansatz für Berlin bewertet und in Karten dargestellt. Dies geschah auf Grundlage der in Berlin zur Zeit verfügbaren Daten, vor allem der Bodengesellschaftskarte und der dazugehörigen Bodendatenbank. Mit der Bewertung der Bodenfunktionen, d.h. der Leistungsfähigkeit der Böden im Naturhaushalt, werden schutzwürdige und schutzbedürftige Böden in Berlin erfasst, für die vorrangig Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung zu ergreifen sind.

Karten zu diesem Themenbereich wurden im Umweltatlas veröffentlicht (Karten Bodenfunktionen 1-6).

Planungshinweise zum Bodenschutz

Mit der vorliegenden Karte wurde ein wichtiges planerisches Instrument für die bodenschutzfachliche Bewertung erarbeitet. Die Wichtung der unterschiedlichen Funktionen und Empfindlichkeiten der Berliner Böden ermöglicht eine differenzierte Bewertung. Die Karte soll insbesondere im Rahmen der Bauleitplanung den an der Umweltprüfung beteiligten Bodenschutzbehörden helfen, einen raschen Überblick hinsichtlich der Ziele und Maßgaben des Bodenschutzes für die einzelnen Flächen zu gewinnen. Für die zuständige Bodenschutzbehörde ergibt sich eine zügige Einordnung und Bewertung des Planungsfalls und eine Ableitung ggf. erforderlicher Maßgaben. Planungsentscheidungen und Planungsabläufe können so aus Sicht des Bodenschutzes verbessert werden.

Die Vielfalt und räumliche Kleinteiligkeit der jeweiligen Bewertungen und Maßnahmenvorschläge sind in einer analogen Karte nicht mehr adäquat darstellbar. Die Karte baut deswegen auf der digitalen Sachdatenanzeige des FIS-Brokers auf, die zu den ausgewählten Flächen die detaillierten Sachinformationen, Bewertungen und Maßnahmenvorschläge zusammengestellt.

Das Projekt wird unter Vorsorgender Bodenschutz in der Bauleitplanung näher erläutert und die dazugehörige Planungshinweiskarte ist im Umweltatlas Berlin veröffentlicht.

Entsiegelungspotenziale

Um eine verbesserte Verfügbarkeit von Entsiegelungsflächen zu erreichen, wurde das Projekt “Entsiegelungspotenziale in Berlin” ins Leben gerufen. Das Projekt hat die Erfassung und Bewertung von Flächen mit Entsiegelungspotenzial zum Inhalt und soll dazu dienen, Flächen im Land Berlin aufzufinden, die im Rahmen von baurechtlichen oder naturschutzfachlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in absehbarer Zukunft dauerhaft entsiegelt werden können.

Das Projekt wird unter Entsiegelungspotenziale näher erläutert und die dazugehörige Karte Entsiegelungspotenziale ist im Umweltatlas veröffentlicht.

Bodenbelastungskataster

Wegen der besonderen Bedeutung des sogenannten stofflichen Bodenschutzes für Berlin ist ein Schwerpunkt der Bearbeitung von Informationsgrundlagen auf das Bodenbelastungskataster gelegt worden. Seit 1986 werden in Berlin Informationen über nachgewiesene oder vermutete Bodenverunreinigungen in einem Altlasten(verdachtsflächen)kataster zusammengeführt.

Im Jahre 2001 wurde auf das neue Bodenbelastungskataster umgestellt, das seine Rechtsgrundlage im Berliner Bodenschutzgesetz hat und an den Anforderungen des am 1. März 1999 in Kraft getretenen Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) ausgerichtet ist. Die Fortschreibung des landesweit einheitlichen Bodenbelastungskatasters erfolgt dezentral durch die bezirklichen Umweltämter und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Anleitung für die bodenkundliche Kartierung im Land Berlin

Mit dieser Fachanleitung wird eine moderne Grundlage für eine einheitliche und validierbare Erfassung bodenkundlich relevanter Punktdaten durch Bodenkundler für den urbanen Raum Berlins geschaffen Weitere Informationen