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Das Modellprojekt

Das Modellprojekt “Abfallvermeidung und Abfallverwertung in der Gastronomie” sollte die Betreiberinnen und Betreiber von Gaststätten zunächst in zwei ausgewählten Bereichen motivieren, die Speiseresttonne korrekt zu nutzen. In das Projekt wurden 2019 Gastronomen im Bereich der Sonnenallee im Bezirk Neukölln sowie rund um den Savignyplatz in Charlottenburg-Wilmersdorf einbezogen.

In diesen Modellgebieten wurden insgesamt rd. 140 größere gastronomische Betriebe ausgewählt und diejenigen ermittelt, die bislang nicht über eine Speisresttonne verfügten.

Für das Projekt wurden viersprachig ein informativer Flyer und eine Landingpage entwickelt. Im Mai 2019 versandte die zuständige Senatsverwaltung an die Betriebe ohne Speiseresttonne den Flyer mit einem Schreiben, in dem eine kostenlose Beratung zu Fragen der Abfalltrennung und Energieeinsparung angeboten wurde. Dieses Beratungsangebot wurde von zahlreichen Betrieben wahrgenommen und für nützlich gehalten: Einerseits konnten die gesetzliche Pflicht, der Umweltnutzen in Form von Klimaentlastung und Düngergewinn und Möglichkeiten der getrennten Sammlung auch von Speiseresten vermittelt werden, andererseits wurde auch in der gemeinsamen Durchsicht der Abrechnungen (meist erstmals) bewusst, dass ein besser kontrollierter Energieeinsatz Kosteneinsparungen erzielen kann, die Schwankungen bei den Abfallkosten bei Weitem übertreffen.

Ergänzend wurde ein anschauliches, mehrsprachiges Plakat entwickelt. Dies wurde und wird auch künftig den Gastronomen zur Verfügung gestellt, so dass es in den jeweiligen Küchen angebracht werden kann und damit durchgehend und praxisnah an die Abfalltrennung erinnert.

Sortierhilfe für Wertstoffe in der Gastronomie

mehrsprachiges Plakat

PDF-Dokument (2.9 MB)

Im weiteren Projektverlauf beteiligten sich stark unterstützend die zuständigen Bezirksämter: Über eine ausgesandte Dokumentations-Anfrage nach der Gewerbeabfallverordnung zur verordnungsgerechten Abfalltrennung und Nachkontrolle des Erfüllungsstandes wurde nochmals eine erhöhte Bewusstheit zur gesetzlichen Verpflichtung erzeugt, die zu deutlich steigenden Bestellungen der Speiseresttonne führte.

Die Umsetzung erfolgt in enger Kooperation mit den Unternehmen BRAL, ALBA, Berlin Recycling, Refood, Jakob-Becker-Gruppe, REMONDIS, veolia und den Berliner Stadtreinigungsbetrieben sowie den beiden bezirklichen Umweltämtern und dem deutsch-türkischen Umweltverband Yeşil Çember.

Erfolgsbilanz: In die Untersuchung wurden jeweils rd. 70 Betriebe (+/-1) einbezogen, bei denen zum Start des Projektes nach Betriebsgröße ein relevantes Speiserestaufkommen erwartet wurde. Über die Nachfragen und Ortsbesuche der Bezirksämter bei den Betrieben stellten sich dann konkret Bedarf und Aufstellmöglichkeiten der Speiseresttonne heraus – in Neukölln konnte mit 22 Betrieben ein deutlich höherer Anteil den Verzicht auf die Speiseresttonne begründen als in Charlottenburg-Wilmersdorf mit nur sechs solcher Betriebe. Alle Betriebe mit berechtigtem Verzicht müssen von der Gesamtanzahl abgezogen werden, um den relativen Nutzungs-Anstieg bei den Betrieben mit Realbedarf an der Speiseresttonne ausweisen zu können. Zu berücksichtigen ist auch, dass in dem längeren Ermittlungszeitraum in Neukölln Corona-bedingt 7 der Betriebe schließen mussten. Der Ausstattungsanteil “Oktober 2020” bezieht sich demnach dort auf die dann noch existierenden Betriebe. Da in Charlottenburg-Wilmersdorf die Bilanz vorher abgeschlossen wurde, ist dort eine Anzahl der danach geschlossenen Betriebe nicht analog ausweisbar.

Nach diesen Randbedingungen verdeutlichen die nachstehenden Abbildungen die im Projektverlauf steigende Nutzung der Speiseresttonne.

Bildvergrößerung: Ergebnisse zum Modellprojekt "Abfallvermeidung und Abfallverwertung in der Gastronomie" in den Bezirken Chrlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln
Ergebnisse zum Modellprojekt "Abfallvermeidung und Abfallverwertung in der Gastronomie" in den Bezirken Chrlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln
Bild: SenUVK

Die Anschlussdynamik ist in beiden Bezirken sehr ähnlich und zeigt nach dem Eingriff der Bezirksämter ab November 2019 einen deutlichen Anstieg – von zu Beginn der Untersuchung jeweils rd. 30 % in Charlottenburg-Wilmersdorf auf rd. 85 % der Betriebe, in Neukölln auf knapp 70 %. Der geringere erreichte Anstieg in Neukölln ist nach Auskunft des Bezirksamtes auch dadurch begründet, dass bei verschiedenen Groß-Imbissen derzeit noch die Reste des Verzehrs durch Gäste als Mischung von Speiseresten, Aluminiumfolien, Plastiktrinkbechern und -besteck in die Abfallbehälter gegeben werden und sich damit dem trennenden Zugriff eines Servierpersonals entziehen. Dem muss künftig abgeholfen werden, durch Reduzierung vergärungsstörender Verpackungsmaterialien, Einsatz von Mehrweggeschirr und -besteck, Aufstellung separater Abfallbehälter im Verzehrbereich sowie auffordernde Information der Gäste über z.B. entsprechend ausgehängte Trenn-Hinweise.

Nach diesen dennoch erzielten, deutlichen Erfolgen soll das Projekt auf die Gesamtbezirke Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf ausgeweitet werden. Ziel ist die Erhöhung des Anschlussgrades an die Biotonne sowie die Steigerung der Menge an gesammelten Speiseresten und deren Qualität.
Methodisch wird ähnlich vorgegangen wie in den Modellgebieten erfolgreich erprobt:

  • Intensive Aufklärung über Informationsmaterialien (u.a. Flyer/Landingpage) zu Abfallvermeidung und -trennung.
  • Fortsetzung des kostenlosen Beratungsangebotes zu Abfalltrennung und Energieeinsparung
  • Zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Institutionen und Verbänden.
  • Verstärkte Bewerbung der Speiseresttonne parallel durch die Betriebe der Entsorgungswirtschaft
  • Verwiegung und Mengenbilanzierung der Abfallfraktionen bei ausgewählten Betrieben, Auswertung der Ergebnisse u.a. anhand der Parameter Anschlussgrad, erfasste Menge an Abfällen und Qualität der Speisereste. Über diese Verwiegungen und Bilanzierungen werden weitere Musterbetriebe ermittelt, die als Vorbilder im Projekt vorgestellt werden.

Diese Maßnahmen sind Teil der “Zero-Waste”-Strategie des Landes Berlin und lassen nach den Erfahrungen des vorausgegangenen Projektes einen weiteren und ausgedehnteren Erfolg erwarten.

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Speiseresttonne für die Gastronomie: Unterstützer