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Handbuch Gute Pflege

Wiesensalbei ist Teil des Blühstreifens am Eingang zum Park am Nordbahnhof
Wiesensalbei ist Teil des Blühstreifens am Eingang zum Park am Nordbahnhof
Bild: Christian Grabowski

Die Vielfalt fördern

Das Handbuch Gute Pflege berücksichtigt nicht nur Belange des Naturschutzes wie die Biodiversität. Auch die Aspekte Gartenkunst und Erholung sind Basis seiner Empfehlungen. Die Schwerpunkte variieren – je nach Art und Geschichte eines Freiraums. Grundsätzlich soll bei allen Pflegemaßnahmen auf die Bedürfnisse der Tier- und Pflanzenarten geachtet werden, die am Ort vorkommen. Nester und Brutplätze sollen geschützt werden. Dazu gehört, Pflegemaßnahmen zeitlich so umzusetzen, dass sie Brut und Aufzucht nicht stören. Pflanzen sollen möglichst so ausgewählt und gepflegt werden, dass sie in Struktur und Blüte Wildbienen und anderen Insekten einen reich gedeckten Tisch und zudem Überwinterungsmöglichkeiten bieten. Um die Biodiversität zu fördern, soll möglichst gebietsheimisches Saatgut zum Einsatz kommen.

Pflegen, testen und beobachten

Berlins Fachbehörden haben das Handbuch Gute Pflege 2016 entwickelt. Seit 2018 wird es mit mindestens einem Pilotprojekt in jedem der 12 Bezirke getestet. Bei einigen dieser Projekte steht die Biodiversität im Vordergrund. Dabei wurde zunächst der Bestand kartiert, um die Effekte später dokumentieren zu können.

Hotspot Park am Nordbahnhof

Bildvergrößerung: Pflegearbeiten im Park am Nordbahnhof
Pflegearbeiten im Park am Nordbahnhof
Bild: bgmr Landschaftsarchitekten

Eins dieser Pilotprojekte ist der Park am Nordbahnhof in Berlin-Mitte. Dank seines naturnahen Charakters ist er schon lange ein Hotspot der Artenvielfalt. Das Besondere an diesem Park: Er besteht überwiegend aus Spontanvegetation. Ziel der Pflege ist es, das kleinteilige Mosaik unterschiedlicher Sukzessionsstadien zu erhalten. Dafür sollen immer wieder unbewachsene Stellen geschaffen werden, um dort die Sukzession neu zu starten und Arten wie einigen Wildbienen, die zum Nisten auf offenen Boden angewiesen sind, eine Heimat zu bieten. Einige Flächen im Park werden mit ausrangiertem Sand von Spielplätzen „ausgemagert“. Gemäht wird mosaikartig und zeitlich gestaffelt: So bleiben immer einige Teilflächen als Rückzugsbereiche erhalten. Nichtheimische invasive Arten und vor allem unliebsame Gehölze wie Stockausschläge von der Robinie werden entfernt. Wildwachsende Gehölze, die erwünscht sind, werden dagegen gefördert. Am Eingang zum Park entstand 2019 ein Blühstreifen für blütenbesuchende Insekten. Außerdem werden Strukturen gepflegt, in denen Insekten überwintern können. So bleiben etwa in Saumbereichen die Stängel von Stauden den Winter überstehen.

Bunte Wiesen am Hufeisenteich

Eines der jüngeren Projekte ist die Entwicklung der zentralen Freiflächen in der denkmalgeschützten Hufeisensiedlung in Berlin-Neukölln. Seit 2020 wird der Rasen um den Teich so gepflegt, dass eine artenreiche Wiese mit vielen Blüten heranwächst.