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Kennzeichenerhebungen

Bildvergrößerung: Kennzeichenerhebung
Kennzeichenerhebung
Bild: CAT-Traffic Cichon Automatisierungstechnik GmbH

Wie sauber ist die Berliner Fahrzeugflotte im Jahr 2021?
Wie wirken die Dieselfahrverbote?
Wie hat sich die Flotte während der Corona-Pandemie entwickelt?

Diese Fragen lassen sich mittels der technischen Eigenschaften der Fahrzeuge, die auf den Straßen fahren, beantworten. Mit Videokameras werden dafür die Kfz-Kennzeichen auf ausgewählten Straßen erfasst. Damit können dann bei den Zulassungsbehörden die technischen Merkmale abgefragt werden.

Die Auswertung ergibt dann z.B. den Anteil von Diesel-Pkw der neuesten Abgasnorm Euro 6 und ermöglicht Aussagen zum Schadstoffausstoß der Fahrzeugflotte.

Viele Maßnahmen der Luftreinhaltung, wie die Umweltzone, haben das Ziel, den Anteil von sauberen Fahrzeugen im Straßenverkehr zu erhöhen. Mit den seit Januar 2020 geltenden Durchfahrtsverboten für Dieselfahrzeuge bis einschließlich Euro 5 wird gezielt die Fahrzeugflotte auf den höchst belasteten Straßen beeinflusst.
Um die Wirkung dieser Maßnahmen beurteilen zu können, muss die Zusammensetzung der Fahrzeugflotte auf Berliner Straßen untersucht werden. Dabei wird festgestellt,
a. welche Fahrzeuge (Pkw, Lkw, Busse usw.) im Verkehr unterwegs sind,
b. welche Antriebe (Otto-, Diesel- oder alternativer Antrieb) genutzt werden,
c. welchen Abgasstandard die Fahrzeuge haben und
d. ob die Fahrzeugflotte der Fahrverbotsstrecken sauberer ist als auf anderen Straßen.

Diese Angaben lassen sich am besten ermitteln, wenn anhand der Kennzeichen der Fahrzeuge im Verkehr die technischen Daten und daraus der Schadstoffausstoß bestimmt werden. Eine solche Kennzeichenerfassung mit Videokameras wird vom 30. Oktober bis 7. November 2021 im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz an elf ausgewählten Straßenabschnitten mit und ohne Fahrverbote durchgeführt. Die Erhebungen finden sowohl werktags als auch am Wochenende statt, um mögliche Unterschiede in der Zusammensetzung der Flotte erkennen und bei der Bestimmung des Schadstoffausstoßes besser berücksichtigen zu können.
Bei der Kennzeichenerhebung werden mit Videokameras über 12 h die Kennzeichen der vorbeifahrenden Fahrzeuge registriert. Die Kennzeichen der in Berlin zugelassenen Fahrzeuge werden weitergeleitet an die Berliner Kfz-Zulassungsbehörde, auswärtige deutsche Kennzeichen gehen an das Kraftfahrt-Bundesamt.

Damit von den Behörden keine Rückschlüsse auf Ort und Zeit der Erfassung des einzelnen Kennzeichens möglich sind, werden diese Angaben codiert. Die ausgelesenen Kennzeichen werden nach Übermittlung an die Berliner Zulassungsbehörde oder das Kraftfahrt-Bundesamt gelöscht. Die technischen Daten werden von den Behörden ohne Kennzeichen zurückgegeben.

Die Zulassungsbehörden liefern fahrzeuggenaue Angaben zu folgenden technischen Merkmalen:
  • Jahr der Erstzulassung
  • Fahrzeugklasse und Aufbauart
  • Emissionsklasse (= Emissionsschlüsselnummer)
  • Kraftstoff/Antrieb
  • Hubraum und Motorleistung in kW
  • Leergewicht und zulässiges Gesamtgewicht
  • Fahrzeuglänge
  • Zahl der Achsen (Lkw und Busse)
  • Anzahl der Sitzplätze und der Stehplätze (Busse)

und soweit Angaben vorhanden:
CO2-Emissionswert für Pkw, Ausrüstung mit Partikelfilter und Ausrüstung mit SCR-Hardwarenachrüstung.

Anhand der technischen Daten können der Abgasstandard und der Schadstoffausstoß der Fahrzeuge bestimmt werden. Außerdem erfolgt eine Zuordnung der Fahrzeuge zu den Plaketten (Schadstoffgruppen) der Umweltzone. So kann ermittelt werden, wie gut die Anforderungen der Umweltzone innerhalb und außerhalb der Umweltzone erreicht wurden.

Die Kennzeichenerhebung wurde im Vorfeld mit dem Datenschutzbeauftragten der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz abgestimmt. Die automatisierte Auswertung der Kennzeichen erfolgt unter Berücksichtigung der EU-Datenschutzgrundverordnung und des Bundesdatenschutzgesetzes. Das Videosystem registriert nur das Kennzeichen, nicht aber ein Bild des Fahrzeugs oder gar der Insassen. Die Daten werden der Zulassungsbehörde ohne Ortsangaben mitgeteilt und es erfolgt keine Abfrage der Halterdaten.

Die Kennzeichenerhebung dient somit ausdrücklich nicht der Ahndung von Verstößen gegen die Umweltzone. Weitere Informationen zum Datenschutz für die Kennzeichenerhebung finden sich unter:

Informationen gemäß Artikel 13 Absatz 1 und 2 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) aufgrund der Erhebung von personenbezogenen Daten - Datenschutzerklärung

PDF-Dokument (71.3 kB)

Diese Datenschutzhinweise sind nicht zu verwechseln mit unseren

Vergleichbare rechtmäßige Videoerhebungen wurden erstmals 2008 und zuletzt im Jahr 2020 eingesetzt, um die Wirkung der ersten und zweiten Stufe der Umweltzone auf den Schadstoffausstoß zu untersuchen.

Der Berichte zur Kennzeichenerhebung stehen als Download bereit:

Ermittlung der Flottenzusammensetzung und der mittleren täglichen Emissionen aus dem Kfz-Verkehr anhand von Kennzeichenerhebungen 2020 (EFEK)

PDF-Dokument (7.7 MB)

Ermittlung der täglichen Emissionen aus dem Kfz-Verkehr – Kfz-Kennzeichenerfassung 2019 an 10 Standorten in Berlin

PDF-Dokument (4.4 MB)

Ermittlung der täglichen Emissionen aus dem Kfz-Verkehr – Kfz-Kennzeichenerfassung 2018 an 10 Standorten in Berlin

PDF-Dokument (4.6 MB)

Wesentliche Ergebnisse der Kennzeichenerhebung 2020

Der Anteil der Diesel-Pkw hat gegenüber den Jahren 2018 und 2019 weiter abgenommen. Im Jahr 2020 hatten im Mittel 30 % aller Pkw einen Dieselmotor, im Vorjahr waren es noch rund 34 %. Der Dieselanteil ist damit inzwischen sehr viel niedriger als bei den Prognosen im Luftreinhalteplan für Berlin mit 44 % für das Jahr 2020 angenommen worden war. Diese Prognose basiert auf dem Wissensstand von 2017, als noch von einem stetigen Anstieg des Diesel-Pkw-Anteils ausgegangen wurde. Der Dieselabgasskandal und die Diskussionen um Dieselfahrverbote haben diesen Trend jedoch gestoppt und umgekehrt.
Der Anteil der rein batterieelektrischen Fahrzeuge erreichte im Mittel 1,1 % und ist damit fast doppelt so hoch wie 2019. Hinzu kommen noch etwa 0,6 % extern aufladbare Hybridfahrzeuge (Plug-in-Hybrid).

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Durch die weiteren Modernisierungen in der Fahrzeugflotte, Nachrüstung von Linienbussen der BVG mit Stickoxidminderungssystemen und den zunehmenden Einsatz von Elektrobussen sank der Ausstoß von Stickoxiden im Vergleich zur Kennzeichenerhebung 2019 im Mittel um 12 % (HBEFA Version 4.1). Bei Dieselrußpartikeln waren die Emissionen der Flotte 2020 ca. 13 % niedriger als mit der Flotte des Jahres 2019.

Der Beitrag der Pkw zu den Stickoxidemissionen liegt zwischen etwa 40 % (Französische Straße) und 70 % (Alt-Moabit, Schildhornstraße, Frankfurter Allee).

Leichte Nutzfahrzeuge, z.B. Transporter, verursachen zwischen 13 % (Silbersteinstraße) und 22 % (Brückenstraße) der Stickoxidemissionen.
Diese Unterschiede resultieren in erster Linie aus den unterschiedlichen Fahrleistungsanteilen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den einzelnen Straßen und nicht auf systematischen Unterschieden des Emissionsverhaltens dieser Fahrzeuge.

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Die Kriterien der grünen Plakette erfüllen inzwischen innerhalb und außerhalb der Umweltzone über 99 % aller Fahrzeuge und es sind keine oder nur sehr geringfügigen Unterschiede zwischen den Abschnitten innerhalb und außerhalb der Umweltzone erkennbar. Bezogen auf Dieselfahrzeuge lagen die mittleren Anteile der „grünen“ Fahrzeuge zwischen 93 % (Reisebusse) und 99 % (Diesel-Pkw).

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Zur Bewertung der 2019/2020 eingerichteten Dieseldurchfahrverbote wurden die Flottenzusammensetzungen und die Emissionen für vier Strecken mit Dieseldurchfahrverboten (Alt-Moabit, Brückenstraße, Leipziger Straße und Silbersteinstraße) mit den Ergebnissen der übrigen sechs untersuchten Straßen sowie mit den Ergebnissen aus der Kennzeichenerhebung 2019 verglichen.

An den Strecken mit Dieseldurchfahrverbot sank im Vergleich zu anderen Straßen der Anteil der betroffenen Fahrzeuge (Diesel bis Euro 5) im Mittel um 12 % bei den Pkw und 6 % bei den leichten Nutzfahrzeugen. Bei schweren Lkw konnte kein eindeutiger Effekt festgestellt werden. In der Silbersteinstraße und der Straße Alt Moabit konnte der Anteil der betroffenen Lkw um circa 30 % gesenkt werden, während der Rückgang gemittelt über die untersuchten Straßen ohne Fahrverbot bei 17 % lag. In der Leipziger Straße und der Brückenstraße veränderte sich der Anteil der betroffenen Lkw kaum, lag aber auch schon im Jahr 2019 unter dem Durchschnitt aller Straßen.

Durch das Dieseldurchfahrverbot sanken die Stickoxidemissionen an den Abschnitten Brückenstraße und Leipziger Straße um ca. 4 %, für die Straße Alt Moabit um ca. 7 % sowie in der Silbersteinstraße um ca. 10 %.

Die motorbedingten PM10-Emissionen sanken in der Brückenstraße um ca. 6 %, in den Abschnitten Alt Moabit und Leipziger Straße um ca. 10 % sowie in der Silbersteinstraße um ca. 17 %.

Bei einer 80-prozentigen Reduktion der betroffenen Fahrleistungsanteile, wie in den Szenarien für den Luftreinhalteplan angenommen, würde die Minderung der Gesamtemissionen der Stickoxide ca. 30 %, die des Dieselrußes ca. 25 % betragen. Da jedoch auch so die Luftqualitätsgrenzwerte im Jahr 2020 eingehalten werden konnten, besteht zurzeit keine Notwendigkeit zu einer schärferen Kontrolle oder einer Aussetzung der Regelung „Anlieger frei“.

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