Eigenkompostierung

Eigener Kompost im Garten

Eigener Kompost im Garten

Selbst erzeugter Kompost im eigenen Garten ist das „Gold der Gärtnerinnen und Gärtner“. Das ist richtig, solange durch sachgemäße Erzeugung und Verwendung der Eigenkomposte der Gartenboden nicht überdüngt wird und der Nährstoffhaushalt der Beete und Rasenflächen nicht aus der Balance gerät. Letzteres ist leider oft der Fall. Ob dies auch in Berlin zutrifft, zeigen die Ergebnisse eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Forschungsprojektes.

Sind auch Berliner Hausgärten überdüngt?

Im Sommer 2021 bot die Berliner Senatsumweltverwaltung an, bei zwei Recyclinghöfen der BSR Berliner Stadtreinigungsbetriebe Gartenbodenproben zur kostenlosen Nährstoffanalyse abzugeben. Dem folgten rd. 340 Berliner Hausgärtner:innen und gaben über 600 Bodenproben ab, überwiegend aus Nutz- und Zierbeeten sowie Rasenflächen; dazu einen ausgefüllten Fragebogen zu Gartengröße, Flächenaufteilung, Art der Kompostverwendung, Einsatz von Düngemitteln und der Angabe, ob eine Biotonne genutzt wird.

Die Bodenproben wurden im Labor auf die Nährstoffe Phosphat, Kalium und Magnesium analysiert. Die gemessenen Werte der Bodennährstoffe werden in „Gehaltklassen“ unterteilt („sehr niedrig“ bis „überhöht“).

90% der Beete weisen höhere Phosphatgehalte auf als benötigt, fast 60 % sind hoch überdüngt. Etwas abgeschwächt findet sich diese hohe Überversorgung auch beim Magnesium und Kalium wieder. Am höchsten mit Phosphat überdüngt zeigten sich die Gemüsebeete, mit 75 % in den Gehaltklassen „sehr hoch“ und „überhöht“. Beim Rasen liegt der Anteil der Überdüngung bei allen Nährstoffen deutlich niedriger.

Wie kommt es zu dieser Überdüngung und dem Unterschied zwischen Beeten und Rasen?

Die Angaben der Gärtner:innen offenbarten, welchen Anteil Beete und Rasen an der Gesamtfläche des Gartens haben, und welche Anteile des selbst erzeugten Kompostes auf diesen Flächen ausgebracht werden. Die folgenden Abbildungen zeigen den deutlichen Unterschied zwischen diesen Anteilen:

links: Anteil Gartenflächen (mittlere Gartengröße: 431 m²) - Beete 39 % / rechts: Anteil Kompostanwendung - Beete 79 %

links: Anteil Gartenflächen (mittlere Gartengröße: 431 m²) - Beete 39 % / rechts: Anteil Kompostanwendung - Beete 79 %

Der nährstoffreiche Kompost aus den Grünabfällen des gesamten Gartens wird zu fast 80 % auf die Beete verbracht, die aber nur knapp 40 % der Gesamtfläche bilden. Der Rasenschnitt liefert nach Flächenanteil fast die Hälfte der nährstoffhaltigen Kompost-Rohmasse, aber nur 7 % des Kompostes werden auf den Rasen zurückgeführt. Diese stark einseitige Kompostverwendung auf den Beeten erklärt, dass dort eine Überdüngung entsteht. Der Rasen würde ohne Kompostrückführung längst „verhungert“ sein – um das zu verhindern, wird er i.d.R. mit anderen (Mineral)Düngern versorgt, und diese Nährstoffe gelangen mit dem Rasenschnitt nach dessen Kompostierung letztlich auf die Beete. Durch die häufig mitkompostierten Küchenabfälle wird dort die Überdüngung noch verstärkt.

Ist wirklich Kompost für die Überdüngung verantwortlich? Oder sind es andere Düngemittel?

Die Beteiligten gaben im Fragebogen Auskunft darüber, wie viel Liter an Kompost sie pro Jahr auf die Fläche ausbringen, aus der sie die Bodenprobe gezogen haben. Danach konnte den Nährstoff-Gehaltklassen eine jährlich ausgebrachte Kompostmenge (Median-Werte) zugeordnet werden.

Eindeutig ist zu erkennen, dass die Überdüngung mit der ausgebrachten Kompostmenge steigt.

Nach einschlägiger Expertenauffassung dürfen für eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung maximal 3 Liter Kompost pro Quadratmeter und Jahr ausgebracht werden; auch das gilt nur, wenn es sich um stark zehrendes Gemüse handelt und sich der Boden in der Gehaltklasse „Normalversorgung“ (optimal) befindet. Für Zierbeete und Rasen gelten maximal 2 l/m², a. Liegt der Boden in Gehaltklasse „hochversorgt“, sind diese Werte zu halbieren, ab Klasse „sehr hoch versorgt“ – bei den Beeten im Phosphatgehalt rd. 60 %! – ist kein Kompost mehr auszubringen.

Rund die Hälfte der Befragten gab an, außer Kompost noch weitere Düngestoffe einzusetzen, im wesentlichen Mist, Hornspäne und Mineraldünger. Nur beim Mineraldünger gab es jedoch genügend auswertbare Angaben zur jährlich ausgebrachten Menge. Diese Mengenwerte konnten nun ebenfalls zugeordnet werden – es zeigte sich praktisch kein Einfluss der Mineraldüngergabe auf die Gehaltklassen.

Es lässt sich zunächst zusammenfassen:
  • Die Überdüngung speziell der Beete entsteht durch zu hohe Kompostgaben,
  • An Küchen- und Gartenabfällen wird insgesamt zu viel selbst kompostiert – die für die Kompostverwendung bevorzugten Beete sind zu klein, um diese Kompostmengen aufzunehmen.

Was bewirkt hier die Biotonne?

Eine Bilanzrechnung für die gartenreichen Außenbezirke Berlins ergab: Die Biotonne erfasst pro Grundstück und Jahr rd. 450 kg an Küchen- und Gartenabfällen, mit etwa 2,5 kg darin enthaltenen, landwirtschaftlich nutzbaren Haupt-Nährstoffen (Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium).

Der Vergleich der Bodenanalysen mit und ohne Biotonne zeigte: Über eine längere Nutzungsdauer der Biotonne werden speziell die hohen Phosphat-Überdüngungen in den Beeten abgebaut: Die von den Pflanzen dem Boden entzogenen Nährstoffe kehren bei der Biotonnen-Nutzung nicht mehr in den garteneigenen Kreislauf zurück, die vorher überhöhten Bodenwerte sinken allmählich ab.

Zudem wird aus den in der Biotonne erfassten Küchen- und Gartenabfällen über die Vergärung Biogas gewonnen; neben der sinnvollen Verwertung der Nährstoffe wird ein regenerativer Energieträger gewonnen und damit ein Beitrag zur Klimaentlastung geleistet.

Eine vollständige Nutzung der Biotonne auf allen Grundstücken der Außenbezirke Berlins erscheint danach sinnvoll und geboten. Erfolgt dies bei dem verbliebenen Drittel der Grundstücke, die derzeit noch nicht über eine Biotonne verfügen, würden über die zusätzlich erfassbaren Bioabfallmengen von rd. 21.000 Tonnen pro Jahr an ökologischen Werten erschlossen:

Insgesamt rd. 180 Tonnen der Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium gelangen zum sinnvollen Einsatz in der Landwirtschaft. Die rd. Tonnen an umgelenktem Phosphat würden z.B. ausreichen, um pro Jahr über 20.000 Tonnen Kartoffeln zu produzieren.

Über die Vergärung wird die in der organischen Masse gebundene (Sonnen)Energie in Biogas umgewandelt. Dessen Nutzung kann eine Klimaentlastung von rd. 3.300 Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr erzielen.

Führt die Biotonne zu einer Humus- und Nährstoffverarmung meines Gartenbodens?

Nein. Ob die Biotonne genutzt wird oder nicht: Die untersuchten Böden zeigten keinen Unterschied in der zu 80 % guten Humusversorgung der Böden.

Bei den meisten Nährstoffen, speziell beim Phosphat, besteht ein – bei Fortsetzung der bestehenden Kompost-Praxis weiter steigender – Überschuss, der über die Nutzung der Biotonne in Richtung „Normalversorgung“ abgebaut wird. Selten auftretende Mängel an Stickstoff oder Kalium können durch entsprechende Einzeldünger (z.B. Hornspäne für Stickstoff) ausgeglichen werden.

Wichtig zudem: 75 % der Beteiligten mit Biotonne gaben an, die eigene Kompostierung trotzdem fortzusetzen, und das ist mit reduzierten Mengen auch gut so. Die Bilanzrechnung ergab, dass im Mittel die Nutzer:innen der Biotonne noch immer einige Hundert kg pro Jahr selbst kompostieren. Auch diese Menge sollte angesichts der auch dort häufig angetroffenen Überdüngungen noch gesenkt werden.

Soweit auf gleichmäßige und bedarfsgerechte Kompostverteilung geachtet wird, ist die in deutlich gemindertem Umfang fortgesetzte Eigenkompostierung für die Versorgung der Gartenböden weiter sinnvoll und damit eine gute „Partnerin“ der Biotonne.

  • Die Vorteile der Biotonne – auch bei Eigenkompostierung

    Ressourcenschonung: Durch die Biotonne werden größere Anteile der nährstoffhaltigen Pflanzen- und Küchenabfälle der häuslichen Kompostierung entzogen und die überschüssigen Nährstoffe gelangen dorthin, wo sie wirklich von Nutzen sind: In der Landwirtschaft.

    Energiegewinnung: Bei der Eigenkompostierung der organischen Abfälle bleibt deren Energie ungenutzt: Aus 1.000 kg organischen Abfällen, die sich zu rund 300 kg Kompost umwandeln, gewinnt eine Biogasanlage aus dem Inhalt der Biotonne zusätzlich noch 100 m³ Biogas durch die Vergärung – gut für den Klimaschutz.

    Weniger Restmüll: Organische Abfälle bilden noch immer rund 40 Prozent des Hausmülls. Diese erhebliche Menge soll verwertet und nicht verbrannt werden. Deswegen gehören Küchen- und Gartenabfälle nicht in den Hausmüll sondern in die Biotonne! Die Biotonne ist ein zentraler Bestandteil der Zero Waste-Strategie des Berliner Senats, der die Restmüllmengen reduzieren und möglichst viele Abfälle recyceln möchte.

    Komfort: Eine Biotonne erfasst pro Jahr zwischen 400 und 700 kg an Küchen- und Gartenabfällen. Diese Menge nicht mehr selbst in der eigenen Kompostierung umschaufeln zu müssen, spart Zeit und Rückenschmerzen.

    (Weniger) Abfallgebühren: Wenn Sie bei den BSR zur Bestellung der Biotonne gleichzeitig die Streckung der Leerung Ihres 60 l-Hausmüllbehälters von 14 auf 28 Tage schriftlich beantragen oder die „Nachbarschaftstonne“ nutzen, sparen Sie sogar noch Abfallgebühren!

Wissenswertes zum Selberkompostieren, zur Überdüngung und zu den Berliner Bodenprobenprojekten 2019/2021

Die folgenden Infoblätter geben Ihnen ausführliche Hintergrundinformationen zu den Themen:

  • Merkblatt: Überdüngungsrisiko von Gartenböden

    PDF-Dokument (309.0 kB)

  • Merkblatt: Richtig selber kompostieren und Kompost bedarfsgerecht einsetzen

    PDF-Dokument (312.8 kB)

  • Merkblatt: Ergebnisse der Bodenprobenkampagne 2019

    PDF-Dokument (198.3 kB)

  • Kurzfassung Endbericht Projekt Bodenanalysen Berlin 2021

    Ressourcen- und klimaentlastender Abbau der Überdüngung von Hausgärten durch Biotonne und Öffentlichkeitsarbeit am Beispiel Berlin

    PDF-Dokument (1.3 MB)