Zustand der Straßenbäume (Vitalität)

Eiche mit schweren Kronenschäden

Eiche mit schweren Kronenschäden

Unsere Straßenbäume sind vielfältigen Schadfaktoren ausgesetzt, die in Kombination auftreten und sich teilweise durch Wechselwirkungen verstärken. Um Erkenntnisse über den Zustand der Straßenbäume in der Berliner Innenstadt zu erhalten, wird seit fast 50 Jahren turnusmäßig alle 5 Jahre die Bewertung anhand von Colorinfrarot (CIR) – Luftbildaufnahmen von dem Berliner Senat beauftragt. Die Ergebnisse werden im „Straßenbaum-Zustandsbericht Berliner Innenstadt“ zusammengefasst. Dieser Bericht stellt den Zustand der Straßenbäume nach den untersuchten innerstädtischen Bereichen sowie nach den Baumgattungen Linde, Ahorn und Platane (bis 2020 auch Rosskastanie) dar. Ferner enthält der Bericht einen Vergleich mit den Ergebnissen der vorhergehenden Auswertungen. Nun liegt die Auswertung der Befliegung im Sommer 2025 vor.

Der Vergleich der Straßenbaum-Zustandsberichte von 2020 und 2025 offenbart hinsichtlich der Kronenvitalität der Innenstadt-Straßenbäume einen deutlichen Trend zur Zustandsstabilisierung.

Genaue Aussagen über die Ursachen der Schädigungen und über die Verkehrssicherheit von Bäumen können mit der Methode der Color-Infrarot-Luftbildauswertung allerdings nicht gewonnen werden.

CIR-Luftbild Berlin 2025 (Norden = unten)

Methode CIR

Die Methode, den Zustand der Straßenbäume anhand von Colorinfrarot-Luftbildern zu erfassen und zu bewerten, basiert darauf, dass die Bilder den jeweiligen Vitalitätszustand der Kronen durch Reflexionsunterschiede abbilden. Die unterschiedlichen Reflexionen werden beispielsweise durch Laubschädigungen und Laubverluste hervorgerufen.

Ahorn mit mittleren Kronenschäden

Ahorn mit mittleren Kronenschäden

Um die Vitalität der Bäume anhand eines Luftbildes bewerten zu können, ist der Vergleich von Laubfarbe, Blattmasse, Kronenform und Verzweigung mit sogenannten Referenzbäumen notwendig. Diese Referenzbäume werden zum Zeitpunkt der Befliegung vor Ort vom Boden aus auf ihren Kronenzustand hin untersucht und im Hinblick auf Schadenssymptome und Besonderheiten beschrieben. Dieser sogenannte Interpretationsschlüssel dient dem folgenden Abgleich des vor Ort festgestellten Erscheinungsbildes mit dem des Luftbildes. Nur mit Hilfe dieses Abgleiches kann der Vitalitätszustand der Bäume anhand des CIR-Luftbildes bewertet werden.

Linde ohne nennenswerte Kronenschäden

Linde ohne nennenswerte Kronenschäden

Für die CIR- Methode werden Stichproben-Bäume der Hauptbaumgattungen Linde, Ahorn und Platane (bis 2020 auch Rosskastanie) in Stichprobengebieten bewertet und die Ergebnisse anschließend auf den Gesamtbestand aller bis zum Jahr 1990 gepflanzten Straßenbäume der Berliner Innenstadt statistisch hochgerechnet. Die Bewertung des Zustands der Bäume nimmt eine Einteilung in Kronenvitalitätsstufen vor. Die untersuchten Hauptbaumgattungen bilden zusammen den überwiegenden Teil des Innenstadt-Straßenbaumbestandes. Weitere Gattungen konnten aufgrund ihrer geringen Bestandsanteile nicht berücksichtigt werden. Als Berliner Innenstadt gilt hierbei das Gebiet innerhalb des S-Bahn-Ringes, erweitert um die geschlossenen bebauten Bereiche der Alt-Bezirke Steglitz, Weißensee, Pankow und den kompletten Alt-Bezirk Wedding.

Straßenbaum-Zustandsbericht 2025

Im Ergebnis der Auswertung der Befliegung des Jahres 2025 ist bei den Straßenbäumen eine durchschnittliche Stabilisierung des Zustandes im Vergleich der Straßenbaum-Zustandsberichte 2015 und 2020 nachzuweisen. Damit ist festzustellen, dass sich der schon mit dem Straßenbaum-Zustandsbericht des Jahres 2015 aufgezeigte negative Trend überraschenderweise nicht fortgesetzt hat.
Während im Jahre 2020 insgesamt rund 44% der untersuchten Bäume als nicht geschädigt eingestuft wurden, sind es für 2025 rund 47%.

Gesamtergebnis der Stichprobenbewertung

Im Einzelnen zeigen die Linden mit einem Anteil von rund 54% nicht geschädigter Bäume wieder die beste Kronenvitalität (2020: rund 56%). Die Platane folgt mit einem Anteil von 40% nicht geschädigter Bäume (2020: rund 30%), was auf einen wesentlich verbesserten Zustand hinweist. Der Zustand des Ahornbestandes hat sich ebenfalls mit rund 33% nicht geschädigter Exemplare im Vergleich zu 2020 mit rund 29% verbessert.
Die Bewertung der Rosskastanie ist entfallen, da die Blatt-Schäden durch die Kastanien-Miniermotte das Ergebnis der CIR-Luftbildauswertung verfälscht hätten. Diese Schädigungen sind nämlich nicht dauerhaft, da sich die Bäume wieder regenerieren.

Baumgattungen und Pflanzjahresklassen 2025

Ursachen der Straßenbaumschäden

Die jeweiligen Ursachen der Straßenbaumschäden sind durch das Luftbild nicht zu ermitteln. Ferner wirken verschiedene Schadfaktoren zusammen, so dass eine eindeutige Ursache ohne eine vorherige genaue Analyse nicht festgestellt werden kann. Die Stabilisierung des Kronenzustandes der innerstädtischen Berliner Straßenbäume zeigt aber, dass zumindest die Summe der schädigenden Einflüsse nicht zugenommen hat. Das Niveau der Schädigungen ist aber immer noch hoch. Die Ursachen der Schädigungen dürften eine Mischung sein aus den Hauptfaktoren

  • Stadtklima mit erhöhter Hitze, Trockenheit und Strahlung, verstärkt durch die Auswirkungen des Klimawandels,
  • mechanische Schäden durch Bauarbeiten im Wurzelbereich und durch allgemeine Bautätigkeiten,
  • Schädigungen durch Tausalz
  • Beeinträchtigungen durch Bodenversiegelung und -verdichtung,
  • Schäden durch Verkehrsunfälle und
  • Verätzungen durch Hunde-Urin.

Die Wetterextreme der letzten Jahre haben zwar insbesondere durch die trocken-heiße Witterung mit zunehmender Strahlung die Bäume sehr gestresst und die sonstigen negativen Einflüsse verstärkt, das Niveau der Schädigung hat sich aber stabilisiert. Das darf aber kein grund sein, um die bemühungen um unseren Straßenbaumbestand einzuschränken. Ein Schädigungsgrad von fast 50% ist nicht zufriedenstellend.

Auch das Tausalz ist ein bedeutender Schadfaktor für die Straßenbäume der Berliner Innenstadt. Zwar wird nur bei bestimmten Wetterlagen Feuchtsalz auf bestimmten Straßen ausgebracht, doch dieses lagert sich im Boden an. Auch von privater Seite wird auf Gehwegen Tausalz gestreut, obwohl dieses verboten ist. Als Folge werden in den letzten Jahren – und besonders in den Sommern seit 2010 – wieder vermehrt tausalzbedingte Blattschadens-Symptome beobachtet, auch an jüngeren Straßenbäumen. Das Tausalz entfaltet seine negative Wirkung auf die Straßenbäume insbesondere bei hohem Wassermangel im Sommer, was wiederum durch die Auswirkungen des Klimawandels verstärkt wird. Die Schäden durch die kurzzeitige Ausbringung von Salz durch Private im letzten Winter werden vermutlich in den nächsten Jahren sichtbar sein.

Straßenbaum-Zustandsberichte 2025, 2020, 2015, 2010

  • Straßenbaum-Zustandsbericht "Berliner Innenstadt 2025"

    PDF-Dokument (3.7 MB)

  • Straßenbaum-Zustandsbericht "Berliner Innenstadt 2020"

    PDF-Dokument (8.4 MB)

  • Straßenbaum-Zustandsbericht "Berliner Innenstadt 2015"

    PDF-Dokument (2.3 MB)

  • Straßenbaum-Zustandsbericht "Berliner Innenstadt 2010"

    PDF-Dokument (749.7 kB)

Kontakt

Planung, Pflanzung, Pflege von Bäumen auf öffentlichen Flächen, Verkehrssicherheit, Baumfällungen

Grundsatz­angelegenheiten, gesamtstädtische Aufgaben

Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
Referat Freiraumplanung und Stadtgrün