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Berliner Biotopverbund

Das Foto zeigt einen etwas erhöhten Blick auf den Teltowkanal. Herbstlich gefärbte Bäume säumen ihn zu beiden Seiten. Etwas entfernt überspannt eine Brücke das ruhige Gewässer. An dieser Stelle macht der Wasserlauf eine langgezogene Biegung nach rechts. Verschwommen reflektiert die leicht gekräuselte Wasseroberfläche die dichte Ufervegetation in Gelb-, Rot- und Grüntönen sowie den blassblauen Himmel.
Der Teltowkanal und seine grünen Ufer sind ein Korridor für Biber, Große Erbsenmuschel und andere Berliner Zielarten. An Stellen wie dieser könnte diese wertvolle Verbindung noch aufgewertet werden
Bild: Christo Libuda (Lichtschwärmer)

Biologische Vielfalt braucht Austausch und Bewegung

Um zu überleben und sich fortpflanzen zu können, sind viele Arten darauf angewiesen, zwischen Lebensräumen zu pendeln. Tiere wandern zwischen Winter- und Sommerquartier oder zwischen Futterquellen und Nist- oder Laichstätten. Dabei tragen sie zur Verbreitung von Pflanzen bei. Ein Austausch zwischen Populationen ist also immens wichtig. Er bewahrt die genetische Vielfalt, macht eine natürliche Ausbreitung- und auch Wiederbesiedelungen möglich. Wenn Stadt und Verkehrswege unbedacht ausgebaut werden, kann das Biotope isolieren. Sie verinseln. Damit verarmt die biologische Vielfalt.

Vernetzung im Biotopverbund

Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt deshalb seit 2002 vor, den Biotopverbund zu fördern, sprich: Lebensräume zu vernetzen. Auch in Stadtstaaten sollen solche Verbindungen mindestens 10 Prozent der Fläche ausmachen. Die Umsetzung ist Ländersache. Berlin hat 34 Zielarten festgelegt, die besonders auf solche Verknüpfungen angewiesen sind. Von ihrem Schutz profitieren viele andere Arten. Für jede Zielart wurden die Kernflächen ihrer aktuellen Verbreitung und geeignete neue Lebensräume kartiert. So wurde klar, welche Verbindungen nötig sind. Diesen Biotopverbund zu verwirklichen, ist ein grundlegendes Ziel des Berliner Landschaftsprogramms und seit 2012 auch Ziel der Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt. Die Charta für das Berliner Stadtgrün hat das 2019 bestätigt.

Freie Bahn für Nelken und Unken

Bildvergrößerung: Am rechten Rand des Bildes verlaufen Gleise. Darauf fährt ein Zug der Berliner S-Bahn mit typischer Lackierung in Beige und Rot. Das Gleisbett wird links von Sträuchern mit gelb-grünem Blattwerk und niedrigen Gräsern gesäumt, rechts von gelb verfärbten schlanken Bäumen.
Grüne Bahndämme der Gleislangen sind auch Transiträume für Tiere und Pflanzen.
Bild: Christo Libuda (Lichtschwärmer)

Die Gemeine Grasnelke könnte sich vom Tempelhofer Feld auf ungewöhnlichem Wege ausbreiten: über das magere Grün des S-Bahn Rings. Ähnlich bei der Rotbauchunke: Die seltene Art kommt in Berlin nur noch in den Weihern der Wartenberger Feldmark und der Hönower Weiherkette vor. Die Malchower Aue wäre ein neuer Lebensraum: Die Auenlandschaft soll als Leitprojekt über das Berliner Ökokonto aufgewertet werden. Um sie zu besiedeln, brauchen die Unken aber eine Verbindung dorthin. Die schafft der grüne Korridor des Hechtgrabens.

Selbst Bahndämme und Kanäle sind also wichtig für die biologische Vielfalt. Gerade sie lassen sich ökologisch aufwerten, um Hemmschwellen zu beseitigen.

Geschützte Ufer als Trittstein für Biber und Co

„Liebesinsel“ und „Kratzbruch“ sind zwei Inseln in Friedrichshain, die unter Naturschutz stehen. Seit 2020 werden ihre sensiblen Uferzonen renaturiert. Reihen vorgelagerter Holzpfähle schützen in Zukunft die Flachwasserbereiche vor Wellenschlag und Erosion. Im Schutz dieser Holzpfahlreihen wird Röhricht angepflanzt. Biber, Graureiher, Kormorane und die übrige Tier- und Pflanzenwelt profitieren davon. Damit die Tiere immer einen Ort haben, um sich zurückzuziehen, werden die Arbeiten schrittweise in Angriff genommen.

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