Wärmeversorgungsgebiete und Zielszenario

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Wärmeplanung ist die Einteilung der Stadt in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete. Die digitale „Wärmekarte“ zeigt die Ergebnisse auf und ermöglicht eine Adresssuche. Sie enthält außerdem eine kurze Erläuterung der Möglichkeiten der Wärmeversorgungsarten in dem jeweiligen Gebiet und Hinweise auf weiterführende Informationen und Kontaktmöglichkeiten.

Einteilung in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete

Der Wärmeplan teilt das Stadtgebiet auf der räumlichen Ebene der Baublöcke in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete ein. Die Einteilung erfolgt kriterien- und datenbasiert. Zudem wurden die Wärmenetzbetreiber für die Bestimmung von Gebieten mit möglicher zukünftiger Wärmenetzerweiterung oder Wärmenetzneuerrichtung eingebunden.

Die Einteilung informiert darüber, welche Wärmeversorgungsarten in einen Baublock zur Verfügung stehen und generell geeignet sind. Dabei werden folgende Wärmeversorgungsgebiete unterschieden:

  • Gebiet der dezentralen Versorgung
  • Wärmenetzgebiet – Bestand
  • Wärmenetzgebiet – Erschließungsperspektive
  • Prüfgebiet – Wärmenetzeignung hoch
  • Prüfgebiet – Wärmenetzeignung gegeben
  • Gebiet ohne relevante Wärmeverbrauch

Wärmeversorgungsgebiete 2045

Mehr Informationen zu den Wärmeversorgungsgebieten finden Sie hier:

  • Gebiet der dezentralen Versorgung

    Diese Baublöcke eignen sich weniger für ein Wärmenetz. In der Regel verfügt jedes Gebäude über eine eigene Wärmeversorgungsanlage, und dies wird voraussichtlich auch künftig so bleiben. Wärmepumpen spielen hier eine zentrale Rolle. Besteht jedoch ein nachbarschaftliches Interesse an einer gemeinsamen Versorgung, kann die konzeptionelle Prüfung eines lokalen Wärmenetzes sinnvoll sein.

  • Wärmenetzgebiet – Bestand

    In diesen Baublöcken gibt es mindestens ein Gebäude mit Anschluss an ein Wärmenetz. Es befindet sich somit in räumlicher Nähe ein Wärmenetz. Für weitere Gebäude besteht häufig die Möglichkeit ebenfalls an das Wärmenetz angeschlossen werden zu können. Dennoch können technische oder wirtschaftliche Gründe einem Anschluss aller Gebäude eines Baublocks an das Wärmenetz entgegenstehen. Für einzelne Gebäude oder Gebäudekomplexe kann eine dezentrale Lösung, etwa eine Wärmepumpe, sinnvoll oder notwendig sein.

  • Wärmenetzgebiet – Erschließungsperspektive

    Dieser Gebietstyp beschreibt eine mögliche zukünftige Entwicklung. Die Wärmenetzbetreiber haben angegeben, dass sie in diesem Baublock eine Netzerweiterung oder einen Wärmenetzneubau prüfen bzw. anstreben. Es wird die mögliche Erschließung über die Stützjahre 2030, 2035, 2040 und 2045 dargestellt. So wird Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern mit Interesse an einem Anschluss an ein Wärmenetz eine zeitliche und räumliche Orientierung für anstehende Heizungswechsel zur Verfügung gestellt. Es kann jedoch Gründe geben, weshalb diese Vorhaben doch nicht oder nicht zum angegebenen Zieljahr realisiert werden. Grundsätzlich gilt: Je näher der geplante Erschließungszeitpunkt am heutigen Zeitpunkt liegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung. Bei kurzfristig anstehenden Heizungswechseln stehen zunächst dezentrale Versorgungslösungen wie Wärmepumpen zur Verfügung.

  • Prüfgebiet – Wärmenetzeignung hoch

    Diese Baublöcke eignen sich aufgrund ihrer Struktur gut für ein Wärmenetz. Zudem ist eine potenzielle Wärmequelle bekannt, die grundsätzlich für ein Wärmenetz geeignet ist. Die Entwicklung eines Wärmenetzes ist daher mit hoher Wahrscheinlichkeit möglich, es bestehen jedoch keine konkreten Planungen für die Errichtung eines Wärmenetzes. Bei einem anstehenden Heizungswechsel stehen zunächst dezentrale Versorgungslösungen wie Wärmepumpen zur Verfügung.

  • Prüfgebiet – Wärmenetzeignung gegeben

    Auch diese Baublöcke könnten grundsätzlich für ein Wärmenetz geeignet sein. Eine besonders geeignete Wärmequelle ist in dem Gebiet derzeit nicht bekannt, könnte aber dennoch vorhanden sein. Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines Wärmenetzes ist in diesem Prüfgebietstypen daher geringer als im vorherigen Prüfgebietstyp, aber nicht ausgeschlossen. Mangels konkreter Planungen für ein Wärmenetz kommen bei einem Heizungswechsel zunächst dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen in Frage.

  • Gebiet ohne relevante Wärmeverbrauch

    Diese Baublöcke haben nur einen geringen Wärmeverbrauch und es handelt sich um offene Flächen wie beispielsweise Parks, Grünflächen, Plätze oder Brachen. Einzelne Gebäude auf dieser Fläche werden voraussichtlich auch zukünftig eine eigene Wärmeversorgungsanlage haben, sprich dezentral versorgt sein. Sofern es sich bei den umliegenden Baublöcken um Wärmenetzgebiete handelt oder in umliegenden Prüfgebieten zukünftig ein Wärmenetz entsteht, kann für diese Gebäude auch ein Wärmenetzanschluss in Frage kommen.

Sie interessieren sich dafür, nach welchen Kriterien die Einteilung in die voraussichtlichen Wärmeversorgungsgebiete erfolgt ist. Erläuterungen hierzu finden Sie hier bei den Beschreibungen zu den Karten aus der Wärmeplanung.

Zielszenario für die Wärmeversorgung bis 2045

Bis spätestens 2045 soll die Berliner Wärmeversorgung klimaneutral sein. Klimaneutralität in der Wärmeversorgung erfordert eine Senkung des Wärmeverbrauchs und eine Umstellung der Wärmeerzeugung auf erneuerbare Energien und Abwärme. Als Teil des Wärmplans soll gemäß Wärmeplanungsgesetz ein Zielszenario beschrieben werden, das im Einklang mit den Versorgungsgebieten einen Entwicklungspfad bis 2045 konkretisiert. Für den Berliner Wärmeplan wurde ein Zielszenario formuliert und durch weitere Szenarien mit anderen Sanierungsaktivitäten flankiert, um Bandbreiten der Entwicklung auf der Verbrauchsseite abzubilden.

Das Zielszenario rechnet mit einer Reduktion des Endenergieverbrauchs für Wärme um etwa 20 Prozent bis 2045. Eine deutliche Reduktion wird durch zusätzliche Effizienzmaßnahmen im Gebäudesektor erreicht. Das Zielszenario berücksichtigt aber auch zukünftig neu entstehende Wärmebedarfe aus dem Wohnungsneubau sowie – als einfache Abschätzung – gleichbleibende Wärmemengen für Prozesswärme.

Im Gebäudebestand lassen sich bereits mit gering-investiven Maßnahmen, vor allem effizienzsteigernden Maßnahmen am Heizungssystem, wie etwa einem hydraulischen Abgleich oder einer intelligenten Steuerung, sehr kurzfristig teils hohe Energieeinsparungen erzielen. Längerfristig sind strategische Sanierungspfade zu entwickeln, die im Rahmen regulärer Modernisierungszyklen insbesondere über die Dämmung der Gebäudehülle und einen Austausch alter Fenster das Erreichen höherer Energiestandards ermöglichen. Das Zielszenario im Wärmeplan geht von einer mittleren Sanierungsrate von 1,7 Prozent pro Jahr bis 2045 bei mittlerer Sanierungstiefe aus.

In der Wärmeerzeugung findet im Zielszenario ein konsequenter Wechsel hin zu Wärmepumpen und Wärmenetzen als den zentralen Technologien für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung statt. Diese Technologien ermöglichen es, die in Berlin lokal verfügbaren Potenziale an erneuerbarer Energie und unvermeidbarer Abwärme für die Wärmeversorgung zu nutzen und damit die importierten Energiemengen zu minimieren. Je mehr lokal verfügbare Energie für die Wärmeversorgung genutzt wird, umso geringer sind Importabhängigkeiten und die damit einhergehenden Verfügbarkeits- und Preisrisiken.

Kontakt

Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

Referat Klimaschutz, Klimaanpassung und Nachhaltigkeit