Medizin, Technik, Industrie

Jede Person ist im Alltag ionisierender Strahlung ausgesetzt, die natürlichen oder künstlichen Ursprungs sein kann.

Die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt im Durchschnitt ca. 2,1 Millisievert (mSv) im Jahr und setzt sich zusammen aus kosmischer Strahlung (0,3 mSv im Jahr), terrestrischer Strahlung (0,4 mSv im Jahr), der Aufnahme natürlicher radioaktiver Stoffe mit der Nahrung (0,3 mSv im Jahr) und dem Einatmen von Radon und seinen Folgeprodukten (1,1 mSv im Jahr). Sie hängt vor allem von Aufenthaltsort und Lebensgewohnheiten ab.

Die künstliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt durchschnittlich ca. 1,9 mSv im Jahr und wird insbesondere durch technische und medizinische Anwendung ionisierender Strahlung verursacht.

Video: Ionisierende Strahlung und radioaktive Stoffe in Berlin

Ionisierende Strahlung und radioaktive Stoffe in Berlin
Video: Ionisierende Strahlung und radioaktive Stoffe in Berlin

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Formate: video/youtube

  • Kurzbeschreibung des Videos

    Ionisierende Strahlung und radioaktive Stoffe werden in vielen Anwendungsbereichen gezielt genutzt.

    Der Film gibt für Berlin einen Überblick über wichtige alltägliche Einsatzbereiche in Forschung und Entwicklung, in Industrie und Technik und in der Medizin.

    Die Strahlenschutzbehörden des Landes Berlin sorgen dafür, dass die gesetzlichen Regelungen und Vorschriften eingehalten werden und die Strahlenbelastung von Mensch und Umwelt immer so gering wie möglich bleibt.

    Herausgeber: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

Erstellung einer Kiefer-Röntgenaufnahme bei einer Patientin

Medizin

Die Anwendung von ionisierender Strahlung und radioaktiven Stoffen in der Medizin umfasst verschiedene Verfahren und Techniken zur Untersuchung und Behandlung.

Für Untersuchungen (diagnostische Medizin) wird Röntgen- und Gammastrahlung eingesetzt, um Organe und Strukturen des menschlichen Körpers sichtbar zu machen und dadurch Krankheiten oder Verletzungen zu identifizieren. Gängige Verfahren sind Röntgenaufnahme, Computertomographie (CT), Mammographie und nuklearmedizinische Bildgebung.

Bei minimalinvasiven diagnostischen oder therapeutischen Eingriffen wird Röntgenstrahlung zur simultanen Bildgebung eingesetzt.

Für Behandlungen (therapeutische Anwendung) werden ionisierende Strahlung und radioaktive Stoffe eingesetzt, um Krankheiten zu heilen und Schmerzen zu lindern. Zur Behandlung von Krebs werden bei der Strahlentherapie Tumorzellen gezielt zerstört und gleichzeitig gesundes Gewebe so weit wie möglich geschont. In der Strahlentherapie wirkt ionisierende Strahlung entweder von außen ein (Teletherapie) oder die Strahlung wird direkt in den Tumor eingebracht (Brachytherapie).

In der palliativen Strahlentherapie wird ionisierende Strahlung nur noch zur Schmerzlinderung bei bösartigen Tumoren oder Metastasen eingesetzt. Dabei werden hohe Einzeldosen in wenigen Sitzungen appliziert.

In der Nuklearmedizin werden dem Körper radioaktive Stoffe zugeführt, um Informationen über Organfunktionen oder Stoffwechselprozesse zu erhalten. Dies ermöglicht die Diagnose und Behandlung verschiedener Erkrankungen wie Krebs, Herzerkrankungen oder Schilddrüsen-Funktionsstörungen. Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), die Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT) oder die Radiojodtherapie sind nur einige Beispiele für nuklearmedizinische Techniken.

Technik und Industrie

Die Anwendung von ionisierender Strahlung und radioaktiven Stoffen in Technik und Industrie ist aus vielen Bereichen und Prozessen nicht mehr wegzudenken.

In der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung und Qualitätssicherung werden hochradioaktive Quellen eingesetzt, um Materialien auf ihre physikalischen, chemischen oder strukturellen Eigenschaften zu überprüfen. Röntgen- und Gammastrahlen ermöglichen die Durchleuchtung von Bauteilen sowie die Prüfung von Schweißnähten, Druckbehältern und Rohrleitungen, um mögliche Defekte identifizieren zu können.

In der Messtechnik finden radioaktive Isotope bei Messungen des Füllstands, der Dichte oder des Durchflusses in Rohrleitungen oder Behältern Anwendung. Mit radioaktiven Messsonden (Troxlersonden) ermittelt man zerstörungsfrei die Dichte und die Feuchte im Hoch-, Straßen- und Tiefbau.

In der Strahlensterilisation werden hochradioaktive Quellen verwendet, um z.B. Medizinprodukte, Lebensmittel (empfindliches Gemüse, Gewürze, etc.) oder Verpackungen von Mikroorganismen zu befreien. In großen Krankenhäusern und Blutbanken können Blutprodukte vor einer Transfusion mit hohen Dosen bestrahlt werden, um alle DNA-haltigen Zellen zu zerstören. Dadurch sollen seltene aber tödliche Transfusionsreaktionen bei Personen verhindert werden, die z.B. eine Knochenmark- oder Blut-Stammzelltransplantation hinter oder unmittelbar vor sich haben.

Computertomograph in einer klinischen Einrichtung

Forschung und Entwicklung

Die Anwendung ionisierender Strahlung und radioaktiver Stoffe in der medizinischen Forschung spielt eine entscheidende Rolle für die Weiterentwicklung von Diagnose- und Behandlungsmethoden. Sie ermöglicht die Erforschung von Krankheitsmechanismen, die Entwicklung neuer Medikamente und die Bewertung der Wirksamkeit von Behandlungen.

Bei all diesen Anwendungen sind die strikte Einhaltung von Strahlenschutzmaßnahmen und umfangreiche Qualitätskontrollen von höchster Bedeutung, um die Strahlenbelastung des Personals und der behandelten Personen so gering wie möglich zu halten, negative Auswirkungen auf die allgemeine Bevölkerung und die Umwelt zu vermeiden und die sichere Anwendung zu gewährleisten.

Kontakt

Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
Abteilung Integrativer Umweltschutz