Schwerpunkte

Auf Grundlage der Leitthesen wurden für unterschiedliche Stadttypologien (Freiraum, Verkehrsknoten, Stadtplatz) an ausgewählten Schwerpunktbereichen sowie für Schwerpunktthemen exemplarische Maßnahmen für die Berliner Mitte aufgezeigt:

Übersicht: Mögliche Maßnahmen am Spreeufer

Schwerpunkt Freiraum: Spreeufer

Das Spreeufer zwischen Regierungsviertel, Friedrichstraße und Museumsinsel ist ein zentraler Ort, der Kultur und Politik räumlich miteinander verbindet. Trotz seiner prominenten Lage fehlt es hier an Aufenthaltsqualität, Barrierefreiheit und attraktiver Begrünung.

Die Auswahl dieses Schwerpunktbereichs bietet die Chance, lebendige, zugängliche und grüne Aufenthalts- und Bewegungsräume entlang des Spreeufers zu entwickeln.

Mögliche Maßnahmen

In der Karte sind mögliche Maßnahmen für das Spreeufer dargestellt. Dazu gehören:

  • Gestaltung des Spreeufers als durchgängige und attraktive Achse für den Fuß- und Radverkehr
  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität durch Umgestaltung des Straßenraums (Begrünung, Beschattung, barrierefreie Wege), z. B. Am Kupfergraben, Am Weidendamm
  • Mehr Platz für zu Fuß Gehende und Grünraum durch Neuaufteilung des Straßenraums (vor allem im südlichen Bereich)
  • Entwicklung eines übergeordneten Stellplatzkonzepts für Reisebusse und effizientere Nutzung von Stellplätzen durch digitale Buchungsmöglichkeiten (siehe Abschnitt zu Reisebusverkehr weiter unten)
  • Schaffung barrierefreier Übergänge, z. B. Spreebrücke am Bahnhof Friedrichstraße
  • Sanierung der Ufermauern
  • Sanierung und Neugestaltung der Ebertbrücke

So könnte das Spreeufer aussehen.

Übersicht: Mögliche Maßnahmen am Spittelmarkt

Schwerpunkt Verkehrsknoten: Spittelmarkt

Der Spittelmarkt ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, an dem verschiedene Verkehrsarten aufeinandertreffen. Die U-Bahnstation, die Radvorrangroute von der Niederwallstraße sowie die stark befahrene Leipziger Straße machen den Ort zu einem Verkehrsraum mit hoher Nutzungsdichte. Gleichzeitig ist die Aufenthaltsqualität gering und die Querungmöglichkeiten für zu Fuß Gehende und Radfahrende nicht optimal.

Durch die Lage am Spreeufer und die vorhandenen, für eine Umgestaltung geeigneten Freiflächen ergibt sich ein hohes Aufwertungspotential mit Blick auf Aufenthaltsqualität und Klimaanpassung.

Mögliche Maßnahmen

Der Spittelmarkt soll als multimodaler und attraktiver Stadtraum neu geordnet werden. Folgende Maßnahmen bieten sich hierfür an (siehe Karte):

  • Schaffung neuer Übergänge für den Fuß- und Radverkehr, z. B. verbesserte Verbindung zwischen Wall- und Niederwallstraße
  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität durch Begrünung, Beschattung (insbesondere Baumpflanzungen), Mobiliar, gegebenenfalls Wasserelemente; Stärkung des gestalterischen Bezugs zum Spreeufer
  • Aufwertung der Seydel- und Kurstraße für den Radverkehr
  • Neuorganisation des Fuß- und Radverkehrs am U-Bahnhof und Einrichtung neuer Fahrradabstellanlagen
  • Abstimmung unterschiedlicher Planungsvorhaben (Gertraudenbrücke, Leipziger Straße, Mühlendammbrücke) ermöglicht einen ganzheitlichen Blick und damit eine integrierte Gestaltung

So könnte der Spittelmarkt aussehen.

Übersicht: Mögliche Maßnahmen am Checkpoint Charlie

Schwerpunkt Stadtplatz: Checkpoint Charlie

Der Checkpoint Charlie ist einer der bekanntesten Orte Berlins und zieht jährlich rund vier Millionen Gäste an. Die aktuelle Gestaltung wird dieser Bedeutung nicht gerecht: Die Kreuzung ist insbesondere durch touristischen Busverkehr unübersichtlich, konfliktbehaftet und bietet wenig hochwertigen Raum für Aufenthalt, Erinnerung und städtebauliche Qualität.

Dieser Ort steht exemplarisch für die Herausforderung, touristische Anziehungspunkte als lebenswerte Stadtplätze mit einer hohen Qualität an Sicherheit, Aufenthalt, Klimaresilienz und unter dem Erhalt des historischen Bezuges zeitgemäß zu gestalten.

Mögliche Maßnahmen

Mit folgenden Maßnahmen könnte der Checkpoint Charlie entsprechend umgestaltet werden (siehe Karte). Sie sollen in einem für 2026 geplanten freiraumplanerischen Wettbewerb Berücksichtigung finden.

  • Zentraler Platz als Bildungs- und Erinnerungsort mit mehr Raum für Fußverkehr, Aufenthalt und Begrünung
  • Verkehrsberuhigung in der Friedrichstraße mit angepasstem Belag
  • Zimmerstraße wird zur Fahrradstraße ausgestaltet und die Gehwege sowie Aufenthaltsflächen verbreitert
  • Verlegung der Reisebusparkstände in die Kochstraße
  • Multifunktionsstreifen, z. B. mit Begrünung, Sharing-Angeboten, Radabstellanlagen und Lieferflächen
  • Aufwertung der Mittelinseln für bessere Aufenthalts- und Fotomöglichkeiten
  • Klimaanpassung (z. B. durch Begrünung, Versickerung von Regenwasser)
  • Neue Haltestellenschilder und Abfahrtspläne für Hop-on-Hop-off-Busse leiten Touristenströme und verhindern Falschparken.

So könnte der Checkpoint Charlie aussehen.

Schwerpunkt Reisebusverkehr

In der Berliner Mitte spielt Tourismus bereits heute eine wichtige Rolle und wird zukünftig noch an Bedeutung gewinnen. Dementsprechend wird auch der Reisebusverkehr (Gelegenheits- und Linienverkehr, Stadtrundfahrten) deutlich zunehmen. Schon jetzt zeigen sich deshalb massive Flächenkonflikte. Aufgrund des hohen Entwicklungspotentials hinsichtlich dieses thematischen Schwerpunktes wurden in den Beteiligungsformaten gezielt Akteure aus der Tourismus- und Reisebusbranche einbezogen.

Stellplätze

Um den zunehmenden Konflikten an touristischen Hotspots durch erhöhten Reisebusverkehr zu begegnen, muss das Stellplatzkonzept für Reisebusse
verbessert werden. Oftmals werden die Stellplätze über die zulässige Nutzungsdauer hinaus und somit nicht effektiv benutzt. Zudem bestehen Flächenkonflikte hinsichtlich der Aufwertung und Nutzung des öffentlichen Raums. Die bereits bestehenden Hop-on-Hop-off-Haltestellen sollen mit einem Haltestellenschild besser gekennzeichnet werden.

Maßnahmen

  • Dezentrale Langzeit-Reisebusstellplätze
  • Verlegung von Reisebusstellplätzen
  • Einrichtung neuer Masten für Hop-on-Hop-off-Haltestellen

Zentrale Reisebusrouten sowie mögliche Standorte für neue Stellplätze in der Berliner Mitte

Digitalisierung

Im Sinne der Smart Mobility kann der ruhende Verkehr in Städten durch den Einsatz eines digitalisierten Betriebs der Halteflächen effizienter organisiert und die begrenzten Kapazitäten besser genutzt werden. Dies wäre in der Innenstadt auch für Reisebusstellplätze denkbar. Die Umsetzung ist von der Verfügbarkeit finanzieller Mittel abhängig.

Maßnahmen

  • Digitales Informations- und Beleuchtungssystem für Reisebusstellplätze (z. B. Smart Parking)
  • Räumliche Kennzeichnung von Reisebusstellplätzen und Ausstattung mit Parksensoren

Das Prinzip der „smarten“ Parkbucht SmaLa in Hamburg ließe sich in der Art auch für Reisebusse in Berlin übersetzen.

Sonstige Maßnahmen

Neben der technischen Ausstattung spielt auch die Organisation der Stellplätze eine entscheidende Rolle für einen zukunftsfähigen Reisebusverkehr. Während Ladeinfrastruktur die Grundlage für den Einsatz von Elektrobussen schafft, sorgt eine durchdachte Bewirtschaftung für Ordnung, Effizienz und eine faire Nutzung. So können Engpässe vermieden und die Aufenthaltsqualität für Fahrpersonal und Fahrgäste verbessert werden.

Maßnahmen

  • Ausstattung der Reisebusstellplätze mit Ladeinfrastruktur
  • Etablierung der Bewirtschaftung von Reisebusstellplätzen

Schwerpunkt Gewerbetreibende

Gewerbetreibende wurden im Prozess als wichtige Akteursgruppen in der Berliner Mitte einbezogen. Dabei wurden unter anderem die gewerbespezifischen Herausforderungen und Bedarfe diskutiert und gesammelt. Diese Anregungen flossen in die Konzeption der Maßnahmen mit ein.

Infomarkt für Gewerbetreibende im Januar 2025

Infomarkt für Gewerbetreibende im Januar 2025

Parksituation, Pkw- und Lieferverkehr

Eine zentrale gewerbespezifischen Anforderung ist eine gute Erreichbarkeit der Geschäfte für den Lieferverkehr sowie eine verbesserte Parksituation sowohl für Kundinnen und Kunden als auch die Gewerbetreibenden selbst. Außerdem sollten die E-Mobilität sowie die Nutzung von Sharing-Angeboten gefördert und die Infrastruktur entsprechend angepasst werden.

Maßnahmen

  • Tempo 30 in der Friedrichstraße
  • Digitales Parkleitsystem und effektive Nutzung der Parkhäuser
  • Klare Beschilderung für Lieferverkehr und Kennzeichnung von Ladezonen
  • Ausbau von E-Ladesäulen und Sharing Angeboten

Öffentlicher Raum und Gewerbeflächen

Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, muss der öffentliche Raum attraktiver gestaltet werden. Die Flächen sollen so modifiziert werden, dass sie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels beitragen. Darüber hinaus können bürokratische Abläufe optimiert und somit die Gewerbetreibenden entlastet werden.

Maßnahmen

  • Nutzung von Entsiegelungs- und Begrünungspotentialen
  • Beleuchtungskonzepte
  • Schaffung von (hochwertigen) Sitzmöglichkeiten und Spielflächen (z. B. Mittelstreifen Unter den Linden)

Umsetzung der Maßnahmen am Beispiel Friedrichstraße

Die Friedrichstraße verbindet mehrere innerstädtische Quartiere und stellt eine wichtige Erschließungsachse für Gewerbe, Handel, Kultur- und Verwaltungseinrichtungen dar. Dieser wichtigen Bedeutung wird sie aufgrund ihres Erscheinungsbildes allerdings momentan nicht gerecht.

Bestandsbild Friedrichstraße

Transformation mit den vorhandenen Gestaltungsmitteln

Um die Anforderungen aller Nutzungen miteinander zu vereinen, plant die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt eine Revitalisierung der Friedrichstraße zwischen Unter den Linden und Schützenstraße. In einem entsprechenden Konzept werden unter anderem breitere Gehwege und mehr Raum für Begrünung als mögliche Maßnahmen für mehr Aufenthaltsqualität und Klimaanpassung vorgeschlagen. Die beiden Bilder der Friedrichstraße auf diesem Plakat stellen Visualisierungen dieses Konzepts dar.

So könnte es aussehen – breitere Gehwege und Begrünung in der Friedrichstraße

So könnte es aussehen – Parkplätze entfallen zugunsten von Begrünung und Außengastronomie

Kontakt

Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
Planung und Gestaltung des öffentlichen Verkehrsraumes und der Erschließung neuer Quartiere