Die Potenzialanalysen zur Wärmeplanung

Schematische Darstellung unterschiedlicher Potenzialbegriffe: Theoretisches Potential > Technisch nutzbares Potential > Erschließbares Potential

Schematische Darstellung unterschiedlicher Potenzialbegriffe

Übergeordnetes Ziel der Wärmeplanung ist es, bis spätestens 2045 eine nachhaltige Wärmeversorgung auf Basis möglichst emissionsarmer Wärmequellen aufzubauen. Die Identifikation geeigneter Wärmequellen und Untersuchungen zu der Frage, welche Energiemengen aus diesen Quellen zur Verfügung stehen, werden als Potenzialanalyse verstanden. Dabei können für jede Art von Wärmequelle unterschiedliche Ebenen der Potenziale betrachtet werden. Aus den unterschiedlichen Betrachtungsebenen resultieren unterschiedliche Energiemengen. Beispielsweise kann für die Quelle ‚Solarthermie‘ ermittelt werden, welche Energiemenge theoretisch auf der Gesamtfläche Berlins eingestrahlt wird, wieviel davon über technische Systeme nutzbar gemacht werden könnte oder welche Energiemenge unter Berücksichtigung vorherrschender Rahmenbedingungen auch als ‚erschließbar‘ zu bewerten ist. Mit der Tiefe der Betrachtungsebene werden die Einflussfaktoren vielfältiger und eine Analyse und Bewertung komplexer. In der Regel sinken auch die resultierenden Energiemengen. Eine eindeutige Abgrenzung der Ebenen über alle Potenziale hinweg ist schwierig, da mit den unterschiedlichen Arten an Wärmequellen sehr unterschiedliche Bedingungen für deren Erschließung verbunden sind.

Im Rahmen der Potenzialanalyse nach § 16 Abs. 1 Wärmeplanungsgesetz (WPG) wird im Land Berlin die Betrachtung der verfügbaren Potenziale an erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme vorgenommen, die zumeist zwischen dem reinen technischen Potenzial und einem als erschließbar zu definierendem Potenzial verortet werden können. Teilweise werden zunächst Flächenpotenziale oder grundsätzliche Bedingungen betrachtet, für die eine Übertragung in ein technisches Potenzial noch aussteht. Aufgrund der besonderen Bedeutung einer integrierten Wärmespeicherung und der örtlichen Flächenverfügbarkeit für Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien oder Abwärme wurden diese Aspekte im Rahmen der Potenzialanalysen mit abgebildet. In den unten folgenden Aufklappmenüs finden sich Informationen zu den untersuchten Teilbereichen.

Die Kartendarstellung zu den Potenzialen finden sich hier. OFFEN: Link zu den Karten. Entweder direkt ins Geoportal zu der Kategorie Potenzialanalysen

Hinweis: Für Außenluft als Wärmequelle beim Wärmepumpeneinsatz wurde keine spezifische Potenzialerhebung durchgeführt. Grundsätzlich steht diese Wärmequelle überall in Berlin zur Verfügung, ihre Nutzung führt aber gegenüber der Nutzung alternativer Wärmequellen wie Geothermie zu einer deutlich geringeren Energieeffizienz im Betrieb der Wärmepumpe.

  • Oberflächennahe Geothermie

    Die oberflächennahe Geothermie nutzt die in den oberen 400 Metern des Untergrunds gespeicherte Wärme mit Temperaturen von 10 bis 20°C, die über Erdwärmesonden oder Erdkollektoren erschlossen wird. Letztere sind in hochverdichteten Stadtbereichen aufgrund der geringen Flächeneffizienz eher ungeeignet, sodass in Berlin überwiegend Erdwärmesonden zum Einsatz kommen. Eine weitere Option ist die Nutzung des Grundwassers aus oberflächennahen Schichten für den direkten Wärmeentzug in offenen Brunnensystemen. In jedem Fall hebt eine Wärmepumpe die Temperatur auf 35 bis 65°C für Heizung und Warmwasser an. In Berlin ist diese Technologie besonders für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Neubaugebiete und kleinere Nahwärmenetze in Quartieren geeignet. Allerdings ist das Potenzial durch Wasserschutzgebiete, Flächenkonkurrenzen und Genehmigungsauflagen zur Bohrtiefe begrenzt. Eine Kombination geothermischer Anlagen mit Gebäudekühlung oder Solarthermie kann die Systemeffizienz steigern, indem der Untergrund im Sommer mit überschüssiger Wärme ‚regeneriert‘ wird.

  • Mittlere und Tiefe Geothermie

    Die mitteltiefe und tiefe Geothermie erschließt Aquifere in einer Tiefe ab 400 Metern. Über eine Dublette als offenes System mit einer Förder- und einer Reinjektionsbohrung lassen sich Wärmeleistungen von mehreren Megawatt realisieren. Das technische Potenzial an mitteltiefer und tiefer Geothermie im Berliner Untergrund ist bisher nicht exakt quantifiziert. Die aktuellen Erkenntnisse lassen vermuten, dass perspektivisch bis zu einem Fünftel des Berliner Wärmebedarfs mit mitteltiefer und tiefer Geothermie zur Verfügung gestellt werden könnte. In 1.500 bis 2.000 m Tiefe werden ergiebige Thermalwasservorkommen mit Temperaturen von mindestens 55°C erwartet. Die Potenziale eignen sich aufgrund der hohen Leistung und des Temperaturniveaus zur Einspeisung in große Wärmenetze. Aktuell werden im Rahmen der Roadmap Tiefe Geothermie Berlin Tiefenbohrungen und seismische Messungen vorbereitet, um das gesamtstädtische Potenzial genauer zu erkunden und erste Anlagen in Betrieb zu nehmen.

  • Wärme aus Oberflächengewässern (Gewässerthermie)

    Unter Gewässerthermie wird die Nutzung von Wärme aus Flüssen, Seen und Kanälen für die Wärmeversorgung insbesondere über Wärmenetze in Verbindung mit Wärmepumpen verstanden. Gewässerthermie kann vor allem in dicht besiedelten urbanen Räumen eine relevante Option für eine klimaneutrale Wärmeversorgung sein. Viele Gewässer haben eine weite Ausdehnung über das Stadtgebiet und befinden sich oftmals in räumlicher Nähe zu Wärmenetzen. Zudem benötigen die technischen Anlagen vergleichsweise wenig Fläche. Häufig sind alte Gewerbeflächen oder Standorte fossiler (Heiz-)Kraftwerke direkt an Fließgewässern gelegen, sodass die vorhandene Infrastruktur teilweise genutzt werden könnte. Die berlinweiten Wärmepotenziale aus Fließgewässern werden aktuell über eine Modellerweiterung des landeseigenen ‚Berechnungs- und Informationssystem Berliner Oberflächengewässer‘ (BIBER) ermittelt. Der notwendige Gewässerschutz erfordert jedoch eine systemische, interdisziplinäre Betrachtungsweise, die energiewirtschaftliche Nutzungsinteressen mit ökologischen Anforderungen in Einklang bringt. Der sommerliche Entzug von Wärme aus den Gewässern ist auch eine Chance für deren ökologische Aufwertung.

  • Unvermeidbare Abwärme

    Abwärme aus Industrie, Rechenzentren oder der Abfallverbrennung bietet ein erhebliches Potenzial für die Wärmeversorgung. In Berlin fallen aktuell 1.200 bis 1.800 GWh pro Jahr an, wobei Rechenzentren mit etwa 400 GWh pro Jahr einen bedeutenden Anteil ausmachen. Zukünftig ist eine deutliche Zunahme – eine Verdopplung bis potenziell Verdreifachung – der Abwärmemenge zu erwarten – vor allem wegen des erwarteten Zubaus an Rechenzentren. Die Nutzung von Abwärme erfordert in der Regel Wärmepumpen, da die Temperaturen der Abwärmeströme häufig unter 65°C liegen. Die Verteilung von Abwärmeaufkommen im Stadtgebiet und die Menge an Abwärme pro Standort unterscheidet sich je nach Abwärmequelle deutlich. Die Abwärme aus größeren Rechenzentren und die Restwärme im Rauchgas der Müllverbrennungsanlage verteilen sich nur auf wenige Standorte und sind aufgrund der Potenzialhöhe in der Regel nur für die Einbindung in große Wärmenetze interessant. Die Potenziale an Abwärme aus U-Bahn-Stationen fallen hingegen sehr kleinteilig und verteilt über das Stadtgebiet an. Diese Wärmequelle kommt damit durchaus für die Einzelgebäudeversorgung oder auch für eine Integration in ein kleineres warmes oder kaltes Wärmenetz in Frage.

  • Wärme aus Abwasser

    Abwasser bietet aufgrund des ganzjährig relativ konstanten Temperaturniveaus von 12 bis 20°C und der breiten Verfügbarkeit im Stadtgebiet ein bedeutendes Potenzial für eine nachhaltige Wärmeversorgung. Über Wärmetauscher in Kanälen oder Druckleitungen wird dem Abwasser Wärme entzogen, die dann mithilfe von Wärmepumpen auf ein nutzbares Niveau für Heizung und Warmwasser angehoben wird. Auch das geklärte Abwasser transportiert viel Wärme. Das theoretische Potenzial liegt insgesamt bei etwa 300 MW Entzugsleistung, wobei sich dieses auf Kanäle, Abwasserdruckleitungen und Klärwerksableiter zu etwa gleichen Anteilen aufteilt. Besonders Abwasserdruckleitungen und Klärwerksableiter eignen sich für größere Projekte, etwa zur Einspeisung in Quartiers- oder Fernwärmenetze. Eine besondere Herausforderung bei der Erschließung der Potenziale in Abwasserdruckleitungen liegt in der Kopplung der Sanierungszyklen mit dem Einbau von Wärmetauschern, da außerhalb des Sanierungszyklus deutliche Mehrkosten und andere Belastungen durch erneute Tiefbauarbeiten entstehen. Die Nutzung von Abwasserwärme in geeigneten Kanälen ist hingegen einfacher zu realisieren.

  • Solarthermie auf Freiflächen und großen Dachflächen

    Solarthermie bietet ein großes theoretisches und auch technisches Potenzial für eine nahezu emissionsfreie Wärmeversorgung. Die Technologie nutzt die Sonnenenergie und wandelt sie über Kollektoren (Flach- oder Vakuumröhrenkollektoren) in Wärme um. Auch wenn in den letzten Jahren im Bundesgebiet vermehrt große Solarthermieanlage errichtet wurden, die sehr günstig Wärme in Wärmenetze einspeisen, wird das erschließbare Potenzial in Berlin von vielen Akteuren dennoch als eher gering eingeschätzt. Denn abseits von der solarthermischen Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung für Einzelgebäude ist die Bereitstellung höherer Anteile von Solarthermie für die Wärmeversorgung Berlins mit großen Herausforderungen verbunden. An erster Stelle steht die zeitliche Diskrepanz zwischen Wärmebedarf und Wärmeverfügbarkeit. Solarthermie liefert die Energie vor allem im Sommer, geheizt wird im Winter. Eine weitere Herausforderung liegt außerdem in der Flächenverfügbarkeit und der Flächenkonkurrenzen zu Photovoltaik oder Gründächern. Für die Herausforderungen gibt es jeweils Lösungsansätze: Der Ausbau und Einsatz von saisonalen Speichern, kombinierte PVT-Hybrid Kollektoren (Photovoltaik-Thermie Hybrid-Kollektoren) oder eine multicodierte Flächennutzung. In Kombination mit Geothermie kann überschüssige Solarthermie im Sommer auch zur Regenation von Erdwärmesonden genutzte werden.

  • Biomasse

    Biomasse ist eine prinzipiell sehr begrenzte Ressource, deren energetische Nutzung oft in Konkurrenz zu Lebens- bzw. Futtermittelproduktion, stofflicher Verwertung oder ökologischen Zielen steht. Zwar gilt sie gemäß Wärmeplanungsgesetz als klimaneutral, doch bei der Verbrennung wird CO₂ freigesetzt – hierbei entsteht bis zur erneuten Bindung durch nachwachsende Pflanzen eine jahrzehntelange ‚Kohlenstoffschuld‘. Zudem sind Feinstaub- und NOₓ-Emissionen sowie Logistikbelastungen negative Auswirkungen einer zu starken Nutzung von Biomasse im Energiesystem, die sich vor allem in Städten bemerkbar machen. Leitungsgebundene Bioenergie wie grünes Methan ist teuer und nur in geringen Mengen verfügbar. Gleichzeitig bietet Biomasse für das Wärmeversorgungssystem Vorteile: Sie ist lagerfähig, flexibel einsetzbar und kann bestehende Wärmenetze oder unsanierte Gebäude mit hohem Temperaturanforderungen effizient versorgen.

    Um negative Auswirkungen der energetischen Biomassenutzung zu minimieren gilt es, das Kaskadenprinzip zu berücksichtigen: Biomasse sollte zuerst als Lebensmittel und stofflich (z. B. als Baumaterial) und erst danach energetisch genutzt werden. Das führt zu einem notwendigen Fokus auf biogene Abfall- und Reststoffe. Die Priorität für den Einsatz dieser wertvollen Ressource sollte dabei in schwer zu dekarbonisierenden Bereichen wie Industrie oder Fernwärme liegen – nicht in dezentralen Heizungen.

  • Grüner Wasserstoff und grünes Methan

    Grüner Wasserstoff und grünes Methan können perspektivisch als klimaneutrale Brennstoffe für die Spitzenlastabdeckung in Wärmenetzen oder Industrieprozessen genutzt werden. In Berlin gibt es jedoch derzeit keine nennenswerte Produktion von grünem Wasserstoff. Auch zukünftig ist von einer begrenzten Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff auszugehen. Für die erste Phase eines Ausbaus der Wasserstoffinfrastruktur (bis 2032) hat sich die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg gegenüber der Bundenetzagentur verpflichtet, ein sogenanntes “Startnetz” zu etablieren, das Großverbraucher bzw. die großen Heizkraftwerke der BEW Berliner Energie und Wärme mit Wasserstoff versorgen soll. Später könnte eine Erweiterung und die Versorgung weiterer Großverbraucher folgen. Der Einsatz von Wasserstoff in Berlin ist daher im Wärmesektor zunächst ausschließlich für Heiz(kraft)werke absehbar, um dort Strom- und Wärmelastspitzen an kalten Tagen sowie zu Zeiten geringer Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien abzusichern. Von einer flächendeckenden dezentralen Wärmeversorgung von Einzelgebäuden durch Wasserstoff wird aktuell nicht ausgegangen.

    Auch Biomethan wird langfristig stark begrenzt und damit absehbar teuer bleiben. Zwar kann davon ausgegangen werden, dass bestehende Biogasanlagen in Brandenburg teilweise auf eine Biomethanaufbereitung umstellen werden und demnach mehr Biomethan als bislang in das überregionale Gasnetz eingespeist werden wird, die Bedingungen für eine nachhaltige Biomassenutzung sind aber auch hier einzuhalten. Eine Machbarkeitsuntersuchung der GASAG geht davon aus, dass unter geeigneten Rahmenbedingungen langfristig etwa 1,5 TWh an Biomethan für Berlin über die bestehenden Transportleitungen zur Verfügung gestellt werden könnten.

  • Wärmespeicher

    Erneuerbare Wärmequellen wie Solarthermie, Abwasser oder Rechenzentren liefern oft mehr Energie, als sofort benötigt wird – besonders im Sommer. So entstehen in Wärmenetzen mit hohen Anteilen an erneuerbarer Energie und Abwärme im Sommer Überschüsse. Im Winter, wenn der Bedarf am höchsten ist, reicht das Angebot oft nicht aus. Saisonale Wärmespeicher können diese Lücke teilweise schließen: Sie speichern überschüssige Wärme langfristig und geben sie bei Bedarf ab. So kann das Berliner Potenzial an erneuerbaren Energien und Abwärme umfassender genutzt werden. Auch Wärmespeicher mit kürzeren Speicherzyklen spielen eine tragende Rolle, um Angebot und Nachfrage abzugleichen und Wärmeversorgungssysteme betriebswirtschaftlich zu optimieren.

    Der Einsatz von Wärmespeichern in Fernwärmenetzen und im Rahmen von Quartierskonzepten ist von besonderer Bedeutung. Hier können Aquiferspeicher zum Einsatz kommen. Unterirdische, wasserführende Schichten, sogenannte Aquifere, bieten ein großes Potenzial: Bei immensen Speicherkapazitäten benötigen sie oberirdisch kaum Fläche und sind ideal für dicht bebaute Städte. Aktuell fehlen jedoch flächendeckende Daten zur Eignung des Berliner Untergrunds. Die Roadmap Geothermie soll diese Lücken schließen. Erste Erfahrungen sammelt das Projekt GeoSpeicherBerlin in Adlershof, wo bis 2027 ein 30-GWh-Speicher entstehen soll.

    Wärmespeicher sind damit ein zentraler Baustein für eine klimaneutrale, flexible und kosteneffiziente Wärmeversorgung Berlins.

Potenzial zur Reduktion des Wärmebedarfs in Gebäuden

Die Reduktion des Wärmebedarfs durch energetische Sanierung und Effizienzmaßnahmen ist ein zentraler Baustein für die klimaneutrale Wärmeversorgung. In Berlin könnte der Wärmeverbrauch durch Sanierungen auf Effizienzhaus-Standard EH 55 70 theoretisch um 30 bis 40 % gesenkt werden. Das Zielszenario im Wärmeplan geht von einer etwa halb so hohen Reduktion aus, die durch eine mittlere Sanierungsrate von 1,7 % pro Jahr bis 2045 bei mittlerer Sanierungstiefe erreicht wird.

Etwa 80 % der insgesamt möglichen Wärmebedarfsreduktion liegt bei den Mehrfamilienhäusern, die somit absolut gesehen das größte Einsparpotenzial aufweisen. Maßnahmen einer energetischen Sanierung können je nach Situation die Dämmung von Fassaden, Dächern und Kellerdecken, einen Fenstertausch sowie den Ersatz der alten Heizungsanlage oder die Optimierung der Heizungssteuerung umfassen. Eine fachlich versierte Abstimmung der einzelnen Sanierungselemente bei Berücksichtigung der Rahmenbedingungen führt dazu, dass der Bedarf an externen Energieträgern und die Spitzenlasten sinken, was sich unmittelbar auf die Kosten im Betrieb auswirkt.

Um den individuellen Sanierungsbedarf eines Gebäudes zu bestimmen, sollte eine Energieberatung in Anspruch genommen werden. Eine Herausforderung stellen die hohen Investitionskosten und im Fall von Mietshäusern die damit verbundenen Fragen der Kostenteilung und Gewährleistung der sozialen Verträglichkeit dar. Förderprogramme wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützen die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer bei der Finanzierung und können damit auch Mietsteigerungen begrenzen.

Flächenverfügbarkeit und Flächennutzungskonkurrenzen

In Berlin besteht eine hohe Nachfrage nach Flächen für die Umsetzung erneuerbarer Wärmeprojekte, die jedoch mit anderen Nutzungsansprüchen wie Wohnraum, Naturschutz, Verkehr und Gewerbe konkurriert. Eine Lösung liegt in der Mehrfachnutzung von Flächen, wie beispielsweise durch die Kombination von Sportflächen oder Parkplätzen mit Geothermiesonden oder die Nutzung von Dachflächen für Solarthermie. Herausforderungen sind die begrenzte Verfügbarkeit von Flächen, komplexe, teils in gegenseitiger Abhängigkeit stehende Nutzungs- und Erlaubnisregelungen und die Akzeptanz bei Grundstücks- und Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern für entsprechende Eingriffe in öffentliche und private Räume. Hier sind zukünftig geeignete Wege zu identifizieren und Kompromisse zwischen den verschiedenen betroffenen Akteuren zu finden, um die Belange der Wärmewende in entsprechend abgewogener Art und Weise mit anderen Belangen in Einklang zu bringen und die vorhandenen Flächen möglichst effizient zu nutzen.

Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der Potenzialanalyse

Berlin verfügt über vielfältige Potenziale zur Nutzung erneuerbarer Energien und unvermeidbarer Abwärme für eine nachhaltige Wärmeversorgung. In den vergangenen Jahren konnten die Kenntnisse über die theoretischen und technischen Potenziale im Stadtgebiet deutlich erweitert werden. Zugleich steht die Fertigstellung einiger Potenzialanalysen, beispielsweise zur Gewässerthermie, noch aus, die Ergebnisse sollen bis Ende 2026 vorliegen. Bei der tiefen Geothermie und den Potenzialen für Aquiferwärmespeicher im Untergrund ist hingegen erst in den kommenden Jahren mit detaillierteren Ergebnissen zu rechnen.

Wie hoch die tatsächlich erschließbaren Potenziale an erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme insgesamt sind, lässt sich somit zum jetzigen Zeitpunkt nicht belastbar beziffern. In einigen Bereichen hängt das Erschließungspotenzial stark von der Aktivierung der begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen oder von zukünftigen Marktentwicklungen ab. Nicht zuletzt beeinflussen die aktuellen politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen und Förderprogramme die Erschließbarkeit.

Eine Besonderheit der Berliner Wärmepotenziale ist das relativ niedrige Temperaturniveau der meisten Wärmequellen. Für die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser sind daher in den allermeisten Fällen Wärmepumpen erforderlich, sei es dezentral auf der Gebäudeebene oder als Groß-Wärmepumpen zur Einspeisung in Wärmenetze. Die Nutzung dieser Potenziale führt zu einer verstärkten Sektorkopplung, geht unmittelbar mit einer Elektrifizierung der Wärmeversorgung einher und stellt somit neue Anforderungen an das Stromnetz, abhängig von der Leistung der Wärmepumpen entweder auf der Niederspannungs- oder auf der Mittelspannungsebene.

Eine kombinierte Nutzung verschiedener Quellen ist oftmals besonders vielversprechend, etwa der Einsatz von Solarthermie oder unvermeidbarer Abwärme zur Regeneration von Erdwärmesondenfeldern.

Einige der in Berlin vorhandenen Potenziale sind insbesondere für den Einsatz in warmen oder kalten Wärmenetzen geeignet – oder können überhaupt nur in gebäudeübergreifenden Versorgungsstrukturen umfänglich genutzt werden. Grund dafür ist, dass die lokal verfügbaren Potenziale häufig deutlich über den Wärmebedarf einzelner Gebäude hinausgehen und Quelle und Senke in der Regel keine unmittelbare räumliche Deckung aufweisen.

Die Luft-Wärmepumpe ist die aktuell die am häufigsten eingesetzte Technologie in der dezentralen Wärmeversorgung, Luft-Wärmepumpen werden auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Sie sind in der Regel jedoch deutlich weniger effizient als Erdwärmepumpen, das heißt sie benötigen mehr Strom pro erzeugter Kilowattstunde Wärme und sie gehen mit höheren Stromlasten an den kalten Tagen einher. In dicht bebauten Stadtgebieten können besondere Herausforderungen oder Hindernisse für Luft-Wärmepumpen bestehen, beispielsweise durch Geräuschemissionen und Lärmschutzanforderungen, begrenzte Aufstellflächen oder denkmalschutzrechtliche Vorgaben. Zudem können bei größeren Gebäuden wie Mehrfamilienhäusern oder Nichtwohngebäuden die hohen Stromanschlussleistungen ein Hindernis darstellen, wenn das lokale Niederspannungsnetz bereits ausgelastet ist.

Kontakt

Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

Referat Klimaschutz, Klimaanpassung und Nachhaltigkeit