Neue Quartiere für Fledermäuse in Berlins Wäldern
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
Bild: Soambra/stock.adobe.com
Pressemitteilung vom 28.08.2026
In drei Berliner Waldgebieten wurden zahlreiche neue Quartiere für Fledermäuse über das Artenschutzprojekt „Kastenhilfe – Förderung kollisionsgefährdeter Fledermausarten“ eingerichtet. Die Standorte befinden sich im Grunewald, in der Mittelheide und in der Köllnischen Heide.
In vielen Wäldern fehlt es Fledermäusen an geeigneten Quartieren. Baumhöhlen, Stammrisse und Spalten werden von den Tieren als Tagesversteck, zur Jungenaufzucht oder zur Überwinterung genutzt. Sie entstehen vor allem an älteren Bäumen und entwickeln sich häufig erst über Jahrzehnte. Besonders in jüngeren oder strukturarmen Waldbeständen, die wir in Berlin nur noch in wenigen Arealen finden, sind geeignete natürliche Fledermausquartiere daher knapp.
Im Rahmen des Projekts wurden insgesamt acht neue „Wohnkomplexe“ für Fledermäuse durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Institut für Zoo- und Wildtiere (IZW) in Kooperation mit den Berliner Forsten, den hiesigen Forstamtsleitern und Revierförsterinnen und -förstern und der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt eingerichtet: sechs im Grunewald sowie jeweils einer in der Mittelheide und Köllnischen Heide. Jeder Komplex bzw. Quartierverbund umfasst 50 Fledermauskästen sowie acht ergänzende Vogelnistkästen, die an Bäumen angebracht wurden – insgesamt 400 Fledermauskästen und über 60 Vogelnistkästen.
Dabei war es wichtig, verschiedene Kastentypen zu wählen, die sich unter anderem in Bauweise, Innenraum und mikroklimatischen Bedingungen unterscheiden. Je nach Ausführung können sie als Tagesversteck, Wochenstubenquartier oder zur Überwinterung durch Fledermäuse genutzt werden. Das räumlich gebündelte Angebot unterschiedlicher Quartiertypen ermöglicht es den Tieren, je nach Jahreszeit, Witterung und individuellem Bedarf zwischen geeigneten Wohnorten zu wechseln.
Im Mittelpunkt stehen insbesondere der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) und die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii). Beide Arten gehören zu den Fledermäusen, die besonders häufig an Windenergieanlagen verunglücken. Die Kastenquartiere sind bewusst nicht im unmittelbaren Umfeld von Windenergieanlagen installiert worden. Ziel ist vielmehr, die Populationen kollisionsgefährdeter Arten in wichtigen Waldlebensräumen und Reproduktionsgebieten abseits der Anlagen zu unterstützen und dort das Quartierangebot zu verbessern.
In den kommenden Jahren wird die Nutzung genauer wissenschaftlich untersucht, d.h. wie sich die Besiedlung im Laufe der Zeit entwickelt und welche Quartiere besonders gut angenommen werden. Die Daten werden auch von der Senatsverwaltung für Umwelt für die Bewertung der Populationsentwicklung, weitere Artenhilfsmaßnahmen und für Berichtszwecke an die EU genutzt.
Gleichzeitig ist es Ziel des Projektes andere Personen und Institutionen z.B. anhand von örtlichen Infotafeln für den Fledermausschutz zu sensibilisieren und dazu anzuregen, möglichst verschiedene Kästen für Fledermäuse aufzuhängen.
„Kastenhilfe“ ist ein Artenschutzprojekt am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, das durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) im Nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) gefördert wird.
Kontakt:
M.Sc. Rym Nouioua (Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research – IZW, Evolutionary Ecology – BatLab – Kastenhilfe – Research Scientist), Tel. +49 30 5168-238, nouioua@izw-berlin.de
M.Sc. Juliane Bauer (SenMVKU, III B 3-13 – Biologische Vielfalt | Monitoring und Artenhilfsmaßnahmen), Tel. +49 (0)30 9025-1522, juliane.bauer@senmvku.berlin.de
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