Newsletter Berliner Biologische Vielfalt – Nr. 6

Newsletter für die Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030+

September 2026

Wurzeln schlagen: Berlins Wälder im Wandel

Liebe Freundinnen und Freunde der Biologischen Vielfalt,

der Herbst steht vor der Tür und die Bäume lassen sich bald in ihren schönsten Farben bewundern. In dieser Ausgabe des Newsletters machen wir eine Wanderung durch die Berliner Wälder. Lebensraum für Flora und Fauna, Erholungsort für die Stadtgesellschaft. Jedoch auch ein Ökosystem, das die Folgen des Klimawandels besonders deutlich zeigt.

Es ist wieder Zeit, in die Pilze zu gehen. Lassen sich bei verschiedenen Touren zeigen, worauf man achten sollte und welche Rolle Pilze im Waldökosystem spielen. Außerdem erhalten Sie einen Einblick in die Arbeit der Berliner Forsten und lernen ihren besonders eifrigen Kollegen kennen: den Eichelhäher. Als wichtiger Verbreiter von Samen trägt er dazu bei, dass sich der Wald verjüngen und an veränderte Umweltbedingungen anpassen kann.

Begleiten Sie uns auf einem herbstlichen Streifzug durch die Berliner Wälder und entdecken Sie, wie eng Artenvielfalt, Klimaanpassung und Erholung miteinander verbunden sind.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Team der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

INFORMIERT. Neues zur Berliner biologischen Vielfalt

Waldvision 2065

Mit dem Dauerwaldvertrag hat Berlin 1915 seine Wälder als unverzichtbaren Teil einer lebenswerten Stadt anerkannt. Mit der Waldvision 2065 erneuern die Berliner Forsten dieses Bekenntnis und passen es an die sich verändernden Bedingungen an. Die Waldvision 2065 beschreibt das Zukunftsbild für einen klimaresilienten Berliner Dauerwald: ein vielfältiges Mosaik aus alten und jungen Bäumen, artenreichen Rändern, Totholz und Biotopbäumen. Ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen und zugleich ein Ort für Erholung, Naturerleben und Bildung. Zudem kühlt der Berliner Dauerwald das lokale Klima, speichert Wasser und Kohlenstoff, filtert die Luft und trägt zur Ressourcensicherung bei. Angesichts der Klimakrise entwickeln die Berliner Forsten klimastabile Wälder – vorausschauend und behutsam, indem sie natürliche Waldentwicklung fördern und nur kleinräumig eingreifen und die Naturverjüngung unterstützen.

Neue Waldentwicklungsgrundsätze der Berliner Forsten

Wie bleibt der Berliner Wald angesichts der Klimakrise dauerhaft stabil und vielfältig? Die Berliner Forsten bearbeiteten diese Frage in den letzten zwei Jahren gemeinsam mit der obersten Naturschutzbehörde, Wissenschaft und Verbänden. Ergebnis sind die neuen Waldentwicklungsgrundsätze. Im Mittelpunkt steht der Berliner Dauerwald: ein struktur- und artenreicher, sich dauerhaft erneuernder Wald, in dem Alters- und Entwicklungsphasen, hellere und dunklere Zonen mosaikartig nebeneinander vorkommen.

Naturverjüngung wird zum Regelfall. Waldbauliche Eingriffe erfolgen kleinräumig, maßvoll und bodenschonend. Naturschutz, Klimaanpassung, Ressourcensicherung und Erholung werden gemeinsam gedacht. Angepasste Wildtierregulierung schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich junge Bäume und die Vegetation möglichst ohne Schutzmaßnahmen entwickeln: So entstehen resiliente, artenreiche Waldökosysteme.

Ein Jahr nach dem Sturm im Berliner Wald

Im Juni 2025 tobte das Sturmtief Ziros durch Berlin. In den nordwestlichen Waldgebieten lagen danach ca. 50.0000 m³ Holz am Boden, vor allem alte Buchen, Eichen und Kiefern; darunter auch der höchste Baum Berlins. Eine Katastrophe! Doch die Berliner Forsten sahen darin auch eine Chance für die natürliche Entwicklung struktur- und artenreicher Wälder. Sie entschieden, den Großteil des Sturmholzes liegen zu lassen, um die Biodiversität zu fördern und nachwachsende junge Bäume zu schützen. Nur etwa 15 % des geworfenen Holzes wurden geborgen. Stammstücke, die sich für Möbel und andere stoffliche Zwecke nutzen lassen.

Berliner Naturschutzpreis 2026

Ende Juni hat die Stiftung Naturschutz Berlin zum 39. Mal den Berliner Naturschutzpreis vergeben. Die Ehrung geht an Menschen und Initiativen, die sich in besonderem Maße für Berlins Stadtnatur einsetzen.
Stefan Kupko wurde für sein Engagement zum Schutz von Turmfalken, Eulen und anderen Greifvögeln ausgezeichnet. Seit fast fünf Jahrzehnten baut er Nistkästen und pflegt verletzte Tiere. Durch seine Videoübertragungen ermöglicht er auch einen Einblick in die verborgene Welt der Brutplätze von Falken. Birgit Protze prägt seit über 40 Jahren den Naturschutz in Treptow-Köpenick. Durch ihr berufliches sowie ehrenamtliches Engagement gestaltet sie den Erhalt der Stadtnatur im Bezirk maßgeblich mit. Der Preis in der Kategorie „Institution” ging an den Pindactica e. V., welcher die Stadt durch Mitmachhefte und anderes Material zu Forschungsräumen für Kinder eröffnet. Die feierliche Preisverleihung fand in der ufaFabrik statt und wurde von Umweltsenatorin Ute Bonde eröffnet.

Weitere Informationen und Videoporträts finden Sie hier:

Spotlight Stadtnatur – Beweidung der Stadtnatur

Ende Juni fand der zweite online Fachaustausch “Spotlight Stadtnatur” statt. Zusammen mit unseren Referenten warfen wir einen Blick auf die Beweidung von großstädtischer Stadtnatur. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin berichtet über die Beweidung am Horst-Dohm-Eisstadion und am Stadion Wilmersdorf. Das Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirksamts Berlin Mitte schildert die Erfahrungswerte von der erst kürzlich gestarteten Beweidung im Volkspark Rehberge. Und Grün Berlin stellt vor, was sich in der Tegeler Stadtheide bewährt und wie Luftbilder bei der Evaluation genutzt werden können. Auch wenn Beweidung nicht in allen Fällen günstiger als maschinelle Pflege ist, schafft sie jedoch einen großen Mehrwert. Sie macht Stadtnatur sicht- und erlebbarer, lädt zum Austausch ein und zieht viele Menschen an, darunter Gruppen aus Schulen und Kindergärten.

Ein Blick hinter die Kulissen von SenMVKU III B: Friedhöfe

Im Mai fand unser interner Austausch zur Biodiversitätsförderung auf Friedhöfen statt. Hierbei wurde deutlich, dass die Umsetzung von Maßnahmen und die sich wandelnden Ansprüche an Bestattungskultur in Einklang gebracht werden müssen. Gleichzeitig wächst der Druck auf Bauflächen, vor allem für das Wohnen. Aus Sicht des Artenschutzes bieten Friedhofsflächen einen Lebensort für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen. Darum stellt sich die Frage, wie ökologisch hochwertige Bereiche gesichert und fachgerecht gepflegt werden können. Als mögliche Umsetzungsmaßnahmen wurden unter anderem die Etablierung von Bildungsangeboten zum Naturleben auf Friedhöfen und der Aufbau eines Modellprojekts zur Kartierung der biologischen Vielfalt diskutiert.

Weitere spannende Informationen zu den Berliner Friedhöfen finden Sie hier:

REINGESCHAUT. Einblicke in die Strategie

Zielbereich: Strukturreiche und robuste Berliner Wälder

Berlin baut seine Wälder klimaresilienter um. Bis 2050 soll mindestens die Hälfte der Fläche Kiefernwald einen Mischwald umgewandelt werden, langfristig ist die gesamte Fläche das Ziel. Dazu reichert Berlin die bisherigen Kiefernforste gezielt mit Laubbäumen an. Das kommt der biologischen Vielfalt zugute, verbessert den Wasserkreislauf und sichert weitere wichtige Funktionen des Waldökosystems.

Auch bietet der Berliner Wald eine Lebensraumvielfalt. Lichtungen, Heiden, Moore, Magerrasen, Waldwiesen sowie Waldränder werden erhalten, gepflegt oder wiederhergestellt. Alte Bäume, Habitatbäume und Totholz gelten als wertvolle Rückzugsorte für viele Arten und werden entsprechend geschützt. Die Berliner Forsten werden ihre Bestände weiter nach den Standards von FSC und Naturland bewirtschaften, um ihre Funktions- und Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten.

Hier erfahren Sie mehr zur Strategie:

ZUGEHÖRT. Lokale Akteure und Projekte

Berliner Forsten - Peter Harbauer (Förster)

Was sind die Aufgaben und Aktivitäten der Försterinnen und Förster in Berlin?

Wir Försterinnen und Förster der Berliner Forsten sind verantwortlich für alles, was in unserem Revier lebt und wächst. Im Team mit Forstwirtinnen und Forstwirten sorgen wir dafür, dass unsere Wälder vital, artenreich und zukunftsfähig bleiben. Unser Job ist es, die Wälder zu schützen und zu klimastabilen Laubmischwäldern weiterzuentwickeln, damit sie auch morgen noch für Berlin da sind. Wir planen die Arbeitseinsätze für unser Team, erstellen Wege- und Erholungskonzepte, gehen zur Jagd, machen Waldführungen und kümmern uns um den Naturschutz.

Wie trägt Ihre Arbeit zur Stärkung der Biodiversität in Berlin bei?

Ein Wald ist mehr als nur Bäume. Er ist Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und ein sensibles Ökosystem. Wir schützen diese Räume vor Bebauung und Übernutzung. Behutsam und vorausschauend steuern wir ihre Entwicklung zu klimastabilen, struktur- und artenreichen Laubmischwäldern. Wir bilden Waldränder und belassen sterbendes sowie totes Holz im Wald. Wir geben dem Naturschutz Raum und arbeiten gegen die Ausbreitung von Arten, die die heimische Flora und Fauna bedrohen.

Weitere Informationen bei den Berliner Forsten: Website und Instagram

ENTDECKT. Arten- und Biotop-Porträt

Eichelhäher – der Gärtner des Waldes

Der Eichelhäher trägt seinen Spitznamen „Gärtner des Waldes“ nicht von ungefähr: Der farbenprächtige Rabenvogel unterstützt uns Menschen tatkräftig bei der Waldentwicklung. Um seinen Wintervorrat anzulegen, steckt er Eicheln und Bucheckern in den Boden. Bei seinen zahlreichen Verstecken bleibt der eine oder andere Vorrat ungeplündert. Daraus sprießen im Frühjahr junge Bäumchen.

Die Berliner Försterinnen und Förster nutzen das. Sie stellen Hähertische auf: offene Kisten auf hölzernen Säulen, mit Eicheln gefüllt und mitten im Wald – quasi ein Fly-in für den Vogel. Er muss nur noch zugreifen und seinen Wintervorrat verstecken. Da er mit den Eicheln in Kropf und Schnabel mehrere Kilometer weit fliegt, trägt er die Baumfrüchte selbst in weiter entfernte Kiefernforste. Die Berliner Forsten danken ihm und freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit bei der Artenvielfalt des Berliner Dauerwalds.

MITGEMACHT. Veranstaltungen

Spotlight Stadtnatur: Hoch hinaus für die Biodiversität – GründachPLUS im Fokus

In der Herbstausgabe unseres Austauschformats „Spotlight Stadtnatur“ geht es auf die Dächer von Berlin. Gründächer können weit mehr als Gebäude kühlen und Regenwasser speichern. Werden sie biodiversitätsfördernd gestaltet, entstehen wertvolle Lebensräume für Insekten, Vögel und zahlreiche Pflanzenarten. So wächst über der Stadt eine zweite grüne Ebene, die die Biodiversität stärkt, das Mikroklima verbessert und die Lebensqualität in unserer Stadt erhöhen kann. In unseren Impulsen wird es konkret. Zunächst schauen wir, wie die GründachPLUS-Förderung Projekte finanziell ins Rollen bringen kann. Dann geht es in die Praxis. Anhand des Leuchtturmprojekts „Wilde Dachnatur der Lindenstraße“ zeigt sich, welche Herausforderungen und Chancen ein Biodiversitätsdach mit sich bringt.

Hier geht es zur Anmeldung.

Neuer Wald-Erlebnispfad am Müggelberge/Teufelssee

Wie vielfältig Wald ist, lässt sich rund um den Teufelssee und in den Müggelbergen erleben: Der neue Erlebnispfad der Berliner Forsten lädt dazu ein, die besondere Waldlandschaft rund um das Teufelsmoor und in den Müggelbergen zu entdecken. Auf einem rund 3,3 Kilometer langen Rundweg vermitteln zehn interaktive Stationen Wissenswertes über Waldökosysteme, Biodiversität, Wasser, Klima und die Geschichte des Ortes. Vier Entdeckertouren eröffnen unterschiedliche Perspektiven. Mitmachen, Ausprobieren und Rätseln gehören ebenso dazu wie die begleitende App „Wald-Zeit-Reise“ mit Hörspielen, Erklärgrafiken, Minispielen und Augmented Reality. Das Angebot richtet sich an Familien und Kinder. Es verbindet Naturerlebnis mit Bildung für nachhaltige Entwicklung. So wird anschaulich, wie eng die Vielfalt des Waldes mit Wasser, Klima und unserem Handeln verbunden ist.

Ab in die Pilze!

Im Herbst zieht es die Menschen wieder in die Wälder und zu den Pilzen. Steinpilz, Maronenröhrling oder Pfifferling landen dabei gerne im Korb. Doch nicht jeder Fund gehört auch auf den Teller, denn Verwechslungen mit giftigen Doppelgängern passieren schnell.

Auch dieses Jahr gibt es viele Angebote zu geführten Pilzwanderungen. Die Führungen richten sich an alle, die ihr Wissen auffrischen oder von Grund auf aufbauen möchten. Bei Waldsamkeit kann man geführte Touren und Pilzseminare buchen. Auch bei der VHS-Treptow-Köpenick wird man zu Pilzwanderungen fündig. Bei der Waldschule Zehlendorf gibt es Führungen für die ganze Familie. Wer lieber vom heimischen Sofa die Wunderwelt der Pilze kennenlernen will, kann sich online zum Vortrag Mykorrhiza – Superstars des Bodens dazuklicken.

Weitere spannende Termine finden Sie auch hier:

Wurzeln, Wege und etwas für den Regentag

Waldwanderungen bieten Erholung vom Alltag gleich vor der städtischen Haustür. Entlang der Wege lässt sich nicht nur die Wunderwelt der Pilze entdecken, sondern es bieten sich auch die Möglichkeiten, Moose zu bestaunen und der Natur zu lauschen. Viele Strecken sind ausgeschildert und eignen sich sowohl für kurze Spaziergänge als auch für ganztägige Touren. Bei MitVergnügen findet man 11 Wandertouren rund um Berlin. Bei Berliner Forsten kann man sich auf Försters Wege begeben oder findet die Zeit, an einem der wunderschönen Waldspielplätze Halt zu machen. Für die Ruhigen unter uns empfiehlt sich ein Ausflug auf den Waldfriedhof Oberschöneweide. Und zum Schluss noch für die Regentage: Da bleibt einem die dreiteilige Dokumentation “Unsere Wälder” in der 3Sat Mediathek.

MITBEKOMMEN. Kennen Sie bereits…

... die neue Waldbeschilderung der Berliner Forsten?

Wer Berlins Wälder besucht, trifft an vielen Stellen auf die neue Waldbeschilderung der Berliner Forsten. Sie sorgt nicht nur für bessere Orientierung und ein einheitliches Erscheinungsbild, sondern steht auch für eine neue Art, mit den Menschen über den Wald ins Gespräch zu kommen.

Im Mittelpunkt steht eine wertschätzende Erholungsnutzung: Die Schilder sollen willkommen heißen, neugierig machen und dazu anregen, den Wald als besonderen Lebensraum wahrzunehmen. Regeln und notwendige Hinweise bleiben wichtig – sie werden aber möglichst klar, freundlich und auf Augenhöhe vermittelt. Denn wer den Wald kennt, ihn schätzt und sich mit ihm verbunden fühlt, geht auch achtsamer und respektvoller mit ihm um.

Dafür setzen die Berliner Forsten auf eine verständliche, prägnante Sprache, klare Illustrationen, ein übersichtliches Farbsystem und – wo es passt – auch eine Prise Humor.