Die Wärmewende in Berlin nimmt Fahrt auf: Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) gibt bekannt, dass im Rahmen des Vergabeverfahrens zur Überlassung von Nutzungsrechten für die Aufsuchung Tiefer Geothermie in Berlin der erste Zuschlag erteilt wurde. Das Verfahren wurde im Dezember 2025 nach der Konzessionsvergabeverordnung (KonzVgV) für sieben Teilgebiete des landeseigenen Erlaubnisfeldes „Erdwärme Berlin“ gestartet.
Meilenstein für die Berliner Wärmewende
Mit dem Zuschlag für das Teilgebiet im nordöstlichen Stadtgebiet von Berlin an die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH wird ein zentraler Baustein der Berliner Wärmewende umgesetzt. Das Unternehmen beabsichtigt am Kraftwerkstandort Marzahn eine erste Explorationsbohrung bis in eine Tiefe von etwa 1.950 Metern niederzubringen. Ziel der Bohrung ist die Erschließung und Untersuchung von vier thermalwasserführenden Schichten, sogenannten Aquiferen.
Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: „Unter unseren Füßen liegt eine Wärmequelle, die unabhängig vom Weltmarkt ist und nahezu ohne Emissionen auskommt. Ob und wie wir sie nutzen können, lässt sich nicht am Schreibtisch klären, sondern nur per Bohrung. In Marzahn geht es nun durch vier wasserführende Gesteinsschichten rund 2.000 Meter in die Tiefe. Jeder Bohrkern und jeder hydraulische Test liefert Erkenntnisse, die weit über diesen Standort hinausreichen. Dass das Land die Nutzungsrechte selbst vergibt, ist eine bewusste Entscheidung: So legt Berlin fest, wo und nach welchen Regeln Erdwärme erschlossen wird.“
Christian Feuerherd, Vorsitzender der Geschäftsführung der BEW Berliner Energie und Wärme: „Der Zuschlag ist für uns Rückenwind und Auftrag zugleich. Jetzt geht es vom Planen ins Machen. In Marzahn wollen wir bis in rund 2.000 Meter Tiefe bohren und belastbare Daten gewinnen. Denn wir müssen genau wissen, welches Potenzial unter unseren Füßen liegt und wie wir es für Berlin nutzen können. Tiefe Geothermie ist ein wichtiger Baustein in unserem Dekarbonisierungsfahrplan und kann ein echter Gamechanger für die Berliner Wärmewende werden.“
Wissenschaftliche Untersuchungen und Datengewinnung
Die Explorationsbohrung dient der Gewinnung belastbarer Daten zum geothermischen Potenzial der vorhandenen Reservoire. Durch die Gewinnung von Bohrkernen und hydraulische Tests werden umfassende wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Diese Daten bilden die Grundlage für Wirtschaftlichkeits- und Machbarkeitsbewertungen und tragen dazu bei, das Explorationsrisiko für zukünftige Geothermieprojekte in Berlin zu reduzieren.
Aktive Steuerung durch das Land Berlin
Mit dem Vergabemodell steuert das Land Berlin die Erschließung der tiefen Geothermie aktiv, transparent und wettbewerblich. Dies stellt sicher, dass die Entwicklung im Einklang mit den Zielen der „Roadmap Tiefe Geothermie“ des Landes Berlin erfolgt. Die Bohrung markiert den Beginn der praktischen Aufsuchung tiefer Geothermie und ist ein wichtiger Schritt zur klimaneutralen, sicheren und langfristig bezahlbaren Wärmeversorgung der Hauptstadt.
Ausblick auf weitere Vergaben
Dieser Vertragsabschluss markiert den Auftakt für weitere Vergaben in den übrigen Teilgebieten des Erlaubnisfeldes „Erdwärme Berlin“. Tiefe Geothermie soll künftig einen wachsenden Beitrag zur Wärmewende leisten und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiter verringern.