Newsletter Berliner Biologische Vielfalt – Nr. 5

Newsletter für die Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030+

Juli 2026

Erholung und mehr: Urbane Gärten

Liebe Freundinnen und Freunde der Biologischen Vielfalt,

Der Sommer ist in Berlin angekommen. Parks, Balkone, Hinterhöfe, Brachflächen und Kleingärten stehen in voller Blüte – und mit ihnen das Leben in der Stadtnatur. Sie lädt dazu ein, genauer hinzusehen und selbst aktiv zu werden.

In dieser Ausgabe widmen wir uns schwerpunktmäßig den Berliner Gärten und dem, was in ihnen lebt. Der Kleingarten etwa ist seit über einem Jahrhundert fest mit der Berliner Lebensart verwoben. Neben den klassischen Parzellen entstehen neue Formen des urbanen Gartenbaus. Projekte wie das himmelbeet in Wedding zeigen, wie gemeinschaftliches Gärtnern Räume zum Lernen, Mitmachen und Zusammenleben schaffen.

Unsere Gärten leisten nicht nur einen Beitrag zur Selbstversorgung und Erholung der Berlinerinnen und Berliner, sondern sind auch ein wichtiger Baustein für die biologische Vielfalt mitten in der Großstadt. Wer sich auf die Suche macht, könnte belohnt werden: Mit etwas Glück lässt sich der seltene Hirschkäfer, eine Wildbiene oder ein Wasserfrosch entdecken.

Mit dieser Ausgabe möchten wir Sie über aktuelle Projekte, Veranstaltungen und Initiativen rund um die biologische Vielfalt in Berlin informieren und inspirieren. Damit wir auch in Zukunft gemeinsam für eine lebendige und vielfältige Stadt wirken können.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Team der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz

INFORMIERT. Neues zur Berliner biologischen Vielfalt

Ausstellung “Stadt I Natur I Mensch” – Kleine Gärten, große Wirkung!

Die interaktive Ausstellung in Neukölln zeigt, wie Kleingärten urbane Räume und Natur miteinander verbinden und so zu mehr Umweltgerechtigkeit beitragen. Besucherinnen und Besucher erleben das Thema mit allen Sinnen: Stadt und Naturgeräusche, Gerüche, Wärme von Kompost, Regenwürmer bei der Zersetzung. Hier kann nicht nur die Berliner Artenvielfalt entdeckt werden, sondern es kann auch mehr über alte Obst- und Gemüsesorten gelernt lernen. Die Ausstellung zeigt auch auf, welche Rolle Kleingärten für Klimaanpassung und kreative Stadtentwicklung spielen. Eine Planungsecke für die „Kleingartenanlage der Zukunft“ sowie eine Datenbank für klimaresiliente Pflanzen für Garten und Balkon lädt zum Mitmachen ein.

Welcher Garten passt zu mir?

Gärtnern in Berlin hat viele Facetten. Je nach persönlichen Interessen, Vorlieben, Vorwissen und Budget kann eine andere Form des Gärtnerns zu einem passen. Auf der Senatsseite von Berlin gärtnert! kann man im Selbsttest herausfinden, welcher Gartentyp zu einem passt. Auch kann man sich bei Gießbärt (Youtube), dem sympathischen Gartenbär, alle wichtigen Fakten über sieben Gartentypen erklären lassen. Schon ein passendes Format gefunden? Dann geht es weiter zur Gartenkarte. Hier wird man schnell fündig, welche Gärten in der Nachbarschaft zu finden sind. Wer noch mehr Inspiration sucht, findet außerdem Informationen zu den verschiedenen Gartenformen – von der Beetpatenschaft bis zum Gemeinschaftsgarten – sowie Beispiele aus der Praxis. So fällt der Einstieg ins urbane Gärtnern gleich ein Stück leichter.

Reingelesen – Nachgelesen: Nachhaltig gärtnern

Beim Gärtnern erleben wir Natur unmittelbar und sehen auch, wie bedroht sie ist. Doch in unseren kleinen Gärten können wir Gutes bewirken.
Bei der VÖBB ist nun Burkhard Bohne „Nachhaltig gärtnern“ als E-Book erhältlich. Es werden bewährte nachhaltige Methoden aus Biogärtnern, Permakultur und Urbanes Gärtnern vorgestellt. Es folgt dem Leitsatz: Nimm deinem Garten nicht mehr, als du ihm zurückgeben kannst.

Praktische Elemente wie Hügelbeet, Kräuterspirale, Kompost, Saatgutgewinnung und Re-Grow funktionieren in Groß und Klein. Auch gibt es Tipps für nachhaltiges Düngen, Wasser und Energiesparen, Plastik vermeiden und Lebensräume für seltene Arten schaffen.

Junge Blaumeise

Artenschutz: Berlin führt einheitlichen Standard gegen Vogelschlag ein

Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) hat gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen eine „Beurteilungshilfe zur Einschätzung des Kollisionsrisikos an Glasflächen“ erarbeitet. Mit der Veröffentlichung setzt das Land Berlin erstmals einen einheitlichen fachlichen Standard zur Bewertung und Vermeidung von Vogelschlag an Gebäuden um. Die Beurteilungshilfe ist online verfügbar auf der Seite Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht.

Vogelschlag an Glasflächen zählt zu den häufigsten menschengemachten Todesursachen für Vögel. Allein in Berlin sterben Schätzungen zufolge jährlich mehrere Millionen Tiere durch Kollisionen mit Glas. Die Beurteilungshilfe schafft eine einheitliche artenschutzrechtliche Bewertungsgrundlage und konkretisiert die Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes. Sie unterstützt dabei, Risiken bereits bei der Gebäudeplanung sowie im städtebaulichen Umfeld systematisch zu bewerten und geeignete Vermeidungsmaßnahmen zu berücksichtigen. Zielgruppen sind voranging Baudienststellen, landeseigene Unternehmen und öffentliche Bauherrinnen und Bauherren, bietet aber auch der privaten Bauwirtschaft und Planungsbüros eine wichtige Orientierung.

Großer Abendsegler

Neue Fledermausquartiere im Grunewald

Es ist ein neues Netz aus Quartieren für Fledermäuse im Grunewald entstanden. An sechs Standorten wurden insgesamt 300 Fledermauskästen sowie 50 ergänzende Vogelnistkästen angebracht. Die Arbeiten sind im Juni abgeschlossen worden.

Die Maßnahme ist Teil des Projekts „Kastenhilfe – Förderung kollisionsgefährdeter Fledermausarten“, das durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung umgesetzt wird und sich vor allem dem Großen Abendsegler (siehe Bild) und der Rauhautfledermaus widmet. Beide Arten sind besonders häufig von Kollisionen mit Windenergieanlagen betroffen. Obwohl die Standorte im Grunewald nicht im unmittelbaren Umfeld solcher Anlagen liegen, sollen die im Umfeld angebrachten Kästen die lokalen Bestände dieser kollisionsgefährdeten Arten stärken. Denn gerade in jungen Kiefernforsten fehlen vielerorts Baumhöhlen und andere natürliche Quartiere, die erst über Jahrzehnte entstehen. Die Kästen schließen diese Lücke und bieten den Tieren geeignete Brut- und Ruheplätze, bis wieder ausreichend natürliche Verstecke vorhanden sind.

REINGESCHAUT. Einblicke in die Strategie

Zielbereich: Urbane Nutzgärten

Urbane Nutzgärten sind in der Berliner Strategie wie kleine Motoren für eine lebendige Stadtnatur. Klein- und Gemeinschaftsgärten, Hausgärten, professionelle Gärtnereien, Imkerei und auch Beweidungsprojekte sind Teil der urbanen Landwirtschaft. Überall dort, wo in der Stadt Lebensmittel wachsen, entstehen zusätzliche Lebensräume und Nahrungsquellen für die Tiere unserer Stadt. Solche Gärten stärken den Biotopverbund und tragen damit auch zur genetischen Vielfalt und Klimaresilienz in der Lebensmittelproduktion bei. Für den Menschen bieten sie Raum zur Erholung und fördern Umweltbildung durch direktes Erleben der Natur.

Der Beitrag zur Biodiversität hängt jedoch von der Bewirtschaftung ab. Kunstdünger und Pestizide können die Artenvielfalt beeinträchtigen, zudem stehen die Flächen in Konkurrenz zu Wohnungs- und Infrastrukturprojekten. Maßnahmen der Strategie für Biologische Vielfalt setzen deshalb auf eine Stärkung und Qualifizierung, wie Beratungsangebote zum ökologischen Gärtnern.

ZUGEHÖRT. Lokale Akteure und Projekte

himmelbeet gGmbH

Was sind die Aufgaben und Aktivitäten des Himmelbeets?

Die himmelbeet gGmbH ist ein Kollektiv, das sich für grüne Orte in der Stadt einsetzt. Wir haben zwei Gärten in Gesundbrunnen – das himmelbeet und das ElisaBeet. Im himmelbeet gibt es Hochbeete, die für ein Jahr gepachtet werden. Im Elisabeet gibt es einen Acker, wo wir gemeinsam Gemüse anbauen und teilen. Wir bieten viele Lernmöglichkeiten und Workshops an. Die Gärten werden gestaltet von den Leuten, die mitmachen, Beete mieten oder in der Nähe leben.

Wie trägt das Projekt dadurch zum Erreichen der Ziele der Berliner Biodiversitätsstrategie bei?

Wir handeln nach dem Prinzip des Guten Lebens für Alle – Menschen, Pflanzen und Tiere. Durch pestizid- und düngerfreie Grünflächen fördern wir biologische Vielfalt und ökologischen Reichtum in der Stadt. Wir gärtnern ausschließlich mit ökologisch wertvollen, samenfesten Sorten. Gleichzeitig setzen wir auf Wissenstransfer durch Umweltbildung. Wir fördern gesellschaftliches Engagement, indem wir inklusive Orte schaffen, die allen Menschen Zugang zu Naturerleben, gemeinschaftlicher Nutzung und Beteiligung ermöglichen.

Weitere Informationen: himmelbeet Website oder auf Instagram

ENTDECKT. Arten- und Biotop-Porträt

Großer Feuerfalter

Was flattert denn da in meinem Hinterhof?

Ein Schmetterling! Nicht nur der sonnige Zitronenfalter kann in der Stadt bewundert werden. Um die 856 Arten der sogenannten Großschmetterlinge wurden in Berlin nachgewiesen (Stand 2017), darunter Tagfalter, Schwärmer, Eulen und Spanner.
Auch im Kleingarten lässt sich ein überraschender Artenreichtum beobachten. Wer Wildkräuter (wie Brennnesseln) stehen lässt, kann so die Raupen des Kleinen Fuchses und des Admirals ein Zuhause bieten. Auch alte Obstbäume und blühende Wildstauden locken Schwärmer wie den Lindenschwärmer und zahlreiche Eulenarten an.

Doch die Berliner Rote Liste dieser Gruppe zeichnet ein ernüchterndes Bild: 44 Prozent der bodenständigen Arten gelten als gefährdet, 150 Arten als verschollen oder ausgestorben. Auch der Große Feuerfalter (siehe Bild) ist stark gefährdet. Die Ursachen für den Rückgang der Schmetterlinge sind vielfältig. Der Verlust von Brachen und Wildkrautflächen, der Einsatz von Pestiziden auch in Kleingärten, zunehmende Lichtverschmutzung sowie der Schwund spezieller Raupennahrungspflanzen machen es den Schmetterlingen schwer, sich heimisch zu fühlen. Mit kleinen Maßnahmen, wie z.B. ein ungepflegter Gartenstreifen, eine Wildblumenecke, das Abschalten überflüssiger Außenbeleuchtung, können einen messbaren Unterschied machen.

MITGEMACHT. Veranstaltungen

Arterfinder Berlin lädt zum Mitmachen ein

Was krabbelt den da im Garten? Vielleicht ein Hirschkäfer? Eine spannende Mitmachaktion bietet der ArtenFinder Berlin, der naturinteressierten Laien und Artenexperten die Möglichkeit bietet, ihre Beobachtungen zu dokumentieren und mit der Community zu teilen. Im Fokus stehen in diesem Jahr zum einen die drei Berliner Wasserfroscharten: der Kleine Wasserfrosch, der Seefrosch sowie der Teichfrosch, ein Hybrid aus beiden Arten. Von besonderer Bedeutung sind außerdem Sichtungen des Hirschkäfers. Die europaweit geschützte Art ist auf morsches Totholz angewiesen, in dem sich ihre Larven entwickeln. Ihre Vorkommen werden regelmäßig erfasst und an die EU gemeldet. Hirschkäfer sind nicht nur in Wäldern, sondern auch in Gärten, Streuobstwiesen und Parks zu finden.

Erdhummel

Bestimmungskurs: Vertiefungskurs zu Wildbienen

Was summte den da im Blumenbeet? Die Wildbiene! Der Bereich BANU-Artenwissen der Stiftung Naturschutz Berlin bietet Ende August einen Vertiefungskurs zur Bestimmung von Wildbienen an. In den sechs Terminen wird ein Fokus auf Bestimmungsübungen gelegt. Teilnehmenden können so Arten am Mikroskop kennenlernen, lernen nutzbare Präparate von Wildbienen herzustellen und eine wissenschaftliche Sammlung anzulegen. Die Exkursion eröffnet einen vertieften Einblick in die Lebensweise der Wildbienen. Im Mittelpunkt stehen ihre Ökologie, ihre Brutstätten und ihre Lebensraumansprüche. Zudem werden das behutsame Fangen mit dem Kescher, der achtsame Umgang mit den Tieren sowie die Bestimmung von Gattung und Geschlecht wiederholt.
Bewerbungsschluss ist der 22. Juli 2026. Anmelden kann man sich über den Umweltkalender.

SheLeadsNature - Impulse und Austausch zu Female Leadership im Naturschutz

Die Heinz Sielmann Stiftung lädt am 7. Oktober zur kostenlosen Auftaktveranstaltung der neuen Berliner Eventreihe „SheLeadsNature – Impulse & Austausch zu Female Leadership im Naturschutz“ ein, welche sie gemeinsam mit dem Deutschen Naturschutzring organisiert. Das Thema der ersten Veranstaltung lautet „Strukturen ändern, nicht die Frauen!“ mit Fokus auf den Naturschutzsektor. Nach einem Impulsvortrag der bekannten Soziologin Prof. Dr. h. c. Jutta Allmendinger gibt es Raum für Austausch hinsichtlich Hürden, Stellschrauben und Chancen für eine gleichberechtigte Arbeitswelt. Die Veranstaltung findet im Theater im Delphi in Berlin-Weißensee statt. Hier finden Sie weitere Informationen und die Anmeldung zur Veranstaltung.

MITBEKOMMEN. Kennen Sie bereits…

... Gieß den Kiez?

In den kommenden heißen Sommertagen brauchen auch unsere Bäume jede Unterstützung. In der interaktiven Online-Plattform Gieß den Kiez sind alle Berliner Straßen- und Anlagenbäume, ihr Versorgungsstand und öffentliche Pumpen einsehbar. Es können Gießaktionen eingetragen und Patenschaften für Bäume vor der Haustür übernommen werden. Auf der Plattform werden auch öffentliche Stadtpumpen angezeigt, die zur Wasserversorgung genutzt werden können. Gerade junge Stadtbäume müssen in den ersten Jahren viel gegossen werden, da ihre Wurzeln noch nicht bis ins Grundwasser reichen. Gieß den Kiez wurde 2020 von CityLAB Berlin ins Leben gerufen und bezieht die Daten aus dem städtischen Baumkataster, dem Deutschen Wetterdienst und der OpenStreetMap für öffentliche Pumpen.