Umwelt  

 

Klimaschutzpolitik in Berlin

Machbarkeitsstudie
"Kohleausstieg und nachhaltige Fernwärmeversorgung Berlin 2030"


Kraftwerksstandort Reuter West; Quelle: Vattenfall, Fotografin Sabine Wenzel
Kraftwerksstandort Reuter West; Quelle: Vattenfall, Fotografin Sabine Wenzel

Berlin will spätestens 2050 klimaneutral sein. Dafür muss die bisher überwiegend auf fossilen Brennstoffen basierende Energieversorgung im Land umgestellt werden. Das Berliner Energiewendegesetz sieht deshalb seit seiner Novellierung vom 8.11.2017 vor, dass der Senat auf die Beendigung der Nutzung der Braunkohle bis Ende 2017 und der Steinkohle bis spätestens Ende 2030 hinwirken soll (§ 15 Abs. 1 EWG Bln).

Braunkohle-Nutzung beendet

Ein Teilziel wurde bereits erreicht. Der Kohleausstiegsbonus des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes hat es Vattenfall ermöglicht, schon im Mai 2017 – und nicht wie geplant erst 2020 – am Kraftwerksstandort Klingenberg die Braunkohlenutzung zu beenden. Parallel dazu hat Vattenfall den Braukohlestaubkessel in der Blankenburger Straße endgültig abgeschaltet. Damit wird die Braunkohle, der emissionsintensivste aller Brennstoffe, seit 2017 nicht mehr in Berliner Kraftwerken verwendet.

Ausstieg aus der Steinkohle-Nutzung

Bis 2030 sollen nun die steinkohlebefeuerten Blöcke abgeschaltet werden, damit die Berliner Klimaschutzziele erreicht werden können. Daher lassen das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, sowie Vattenfall als größter Steinkohlenutzer Berlins seit November 2017 eine Machbarkeitsstudie für die Transformation zweier Kohlekraftwerke erarbeiten.

Vattenfall ist Betreiber der drei kohlebefeuerten Kraftwerksstandorte Reuter, Reuter-West und Moabit. Für das Kohleheizkraftwerk Reuter gibt es bereits Abschaltpläne. Die Studie untersucht daher, wie der Kohleausstieg in den anderen beiden Kraftwerken bis spätestens 2030 gelingen und eine weitgehend CO2-freie Fernwärmeversorgung über einen innovativen Fernwärmetechnologiemix erreicht werden kann.

Auf der Grundlage von verschiedenen innovativen Versorgungsoptionen werden mindestens zwei Transformationsszenarien ausgearbeitet. Sie sollen zum einen sicherstellen, dass die Energieversorgung verlässlich und bezahlbar bleibt. Zum anderen sollen sie dabei helfen, die Fernwärmeversorgung nach 2030 CO2-frei zu gestalten. Erdgas in effizienter KWK-Nutzung kann als alternativer Energieträger demnach nur Brückentechnologie sein, da bei seiner Nutzung ebenfalls CO2 anfällt.

Erstellung der Machbarkeitsstudie

Das Aachner Unternehmen BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH erstellt die Machbarkeitsstudie. Um die Annahmen und Ergebnisse validieren zu lassen, riefen Senatsverwaltung und Vattenfall einen Begleitkreis ins Leben. Der Begleitkreis setzt sich aus Vertretern und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft zusammen. Er hat die zentrale Aufgabe, die Erstellung der Studie kritisch zu begleiten. Die Mitglieder werden regelmäßig über alle wichtigen Parameter der Studie wie Annahmen, Versorgungsoptionen, Zwischenberichte und Ergebnisse unterrichtet und geben auf dieser Grundlage Empfehlungen.

Ergebnisse der Machbarkeitsstudie

Im Rahmen eines Pressegesprächs am 16.09.2019 stellten die Klimaschutzsenatorin Regine Günther und Frau Dr. Tanja Wielgoß (Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin) die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor. Es zeigt sich, der Kohleausstieg in Berlin ist bis spätestens 2030 technisch und zu preiswürdigen Kosten machbar. Durch den Ersatz von Steinkohle können jährlich mehr als 2 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht rund 13% des gesamten CO2-Ausstoßes im Land Berlin (2016: insgesamt 16,9 Mio t). Damit würde Vattenfall den größten Einzelbeitrag auf Berlins Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2050 leisten. Darüber hinaus kommt der Berliner Kohleausstieg somit schneller als der bundesweite Kohleausstieg.

Mit der Machbarkeitsstudie wurde ein neues Erzeugungskonzept für eine erfolgreiche, klima- und verbraucherfreundliche Wärmewende bei gleichzeitig hoher Versorgungssicherheit vorgelegt. Das Fernwärmesystem bietet die Möglichkeit, Wärme aus verschiedenen Quellen aufzunehmen und zu verteilen. Die Nutzung und Integration klimafreundlicher Energien wie Geothermie und Biomasse sowie die Nutzung von Abwärme, die ansonsten ungenutzt in die Umwelt abgegeben würde (v. a. Abwasser oder industrielle Abwärme), tragen etwa zu 40 Prozent zum Ersatz der Kohle bei – neue hocheffiziente, modulare Gas-KWK-Konzepte bringen rund 60 Prozent. Die Einbindung von Speicherlösungen und Power-to-Heat zur Integration erneuerbaren Stroms in der Wärmeversorgung soll darüber hinaus klimaschonende Wärme für die Metropole Berlin bereitstellen. Das Gas-KWK-Konzept wird Wasserstoff-ready ausgelegt sein.

Die aktuellen Heizkraftwerksstandorte Reuter West und Moabit werden damit zu nachhaltigen Energie-Verbundstandorten entwickelt. In zehn Jahren wird die heute schon ökologisch Berliner Fernwärme als Stadtwärme nachhaltig klimafreundlich umgestellt.

Um die langfristige Dekarbonisierung zu erreichen, müssen auch nach 2030 zusätzliche Potenziale zur klimaneutralen Fernwärmeerzeugung erschlossen und die Brennstoffbasis für die bis 2030 neu errichteten Gas-KWK-Anlagen so verändert werden, dass auch die Nutzung von fossilem Gas enden kann.



Abschlussveranstaltung zur Vorstellung des Endberichtes

Ein ausführlicher Endbericht wird aktuell erarbeitet und auf einer Abschlussveranstaltung am 28. Oktober 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt.




Erstes Forum Kohleausstieg Berlin

Am 26. Juni 2018 fand das erste Forum Kohleausstieg Berlin in den Spreewerkstätten statt. Hierzu luden Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, und Gunther Müller, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Wärme Berlin, ein, um mit Frau Dr. Ingrid Vogler (Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V.), Frau Laura Weis (PowerShift e. V.) und Herrn Dr. Michael Ritzau (BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH) sowie der Stadtöffentlichkeit die ersten Zwischenergebnisse der Machbarkeitsstudie zu diskutieren.

Rund 100 Interessenten folgten der Einladung und erörterten u.a. die Annahmen zu den in der Studie zugrunde gelegten Energiemarkt- und Wärmebedarfsszenarien, mögliche Kohleersatztechnologien und wie ein bezahlbare Wärmewende erreicht werden kann. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden in der ersten Jahreshälfte 2019 vorgelegt und in einem zweiten Forum Kohleausstieg Berlin der Stadtöffentlichkeit vorgestellt.

Aktuell

Machbarkeitsstudie Kohleausstieg und nachhaltige Fernwärme­versorgung Berlin 2030

Veranstaltung zur Vorstellung des Endberichtes am 28.10.2019
Berlin treibt Kohleausstieg voran
Bericht an das Abgeordnetenhaus