Verkehrsbeeinflussung

Moderne Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA) leisten heute einen wichtigen Beitrag, den Verkehr sicherer und flüssiger fließen zu lassen. Der Nutzen ist groß: Neben der Verbesserung des Verkehrsflusses werden auch die Emissionen verringert.

Verkehrlich gesteuert und überwacht werden die VBA durch die Verkehrsregelungszentrale der Abt. Verkehrsmanagement. Bau, Betrieb und Instandhaltung der Anlagen erfolgen durch die Abteilung Tiefbau der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Funktionsweise

Zur Verkehrsbeeinflussung werden auf den Berliner Autobahnen durch Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA) Verkehrsdaten wie Geschwindigkeit, Verkehrsstärke, Nässe und Sichtweite automatisch erfasst und von Verkehrsrechnern ausgewertet. Je nach Verkehrslage senden die Rechner Befehle an die Anlagen, um Geschwindigkeitsbeschränkungen, Überholverbote oder Warnhinweise wie „Stau” und „Schleudergefahr” automatisch zu schalten und den Verkehrsablauf harmonisch zu gestalten. Tunnel werden im Brandfall signaltechnisch automatisch geschlossen.

Von der Verkehrsregelungszentrale aus besteht darüber hinaus die Möglichkeit, manuell die genannten Anzeigen und weitere Anzeigen wie „Gefahrenstelle”, „Baustelle” oder „Schnee- und Eisglätte” sowie Sperrungen von Fahrstreifen zu schalten.

Verkehrsdaten

Die Verkehrsdaten werden – getrennt nach Pkw(Personenkraftwagen) und Lkw – in der Regel durch über den Fahrstreifen angeordnete Radardetektoren im 15-Sekunden-Takt erfasst. Von den Detektoren werden die Daten über die Streckenstationen jedes Anzeigequerschnitts zum zugehörigen Verkehrsrechner gesendet.

Neben der Verwendung der Daten zur Steuerung des Verkehrs stehen diese auch für statistische Auswertungen zur Verfügung.

LED-Technik

Die VBA sind mit LED-Technik (*L*ight *E*mitting *D*iode) ausgerüstet. Diese hat gegenüber der herkömmlichen Glasfasertechnik den Vorteil einer verbesserten Lesbarkeit. Durch die Verwendung einer patentierten Optik werden z.B. Phantomlichtzeichen durch Sonneneinstrahlung verhindert. Zudem liegt der Stromverbrauch ca. 90 Prozent niedriger als bei der Glasfasertechnik. LED besitzen eine wesentlich höhere Lebensdauer als die bisher verwendeten Halogenleuchten. Energieverbrauch, Energie- und Wartungskosten sind daher erheblich geringer.

Verkehrsfluss

Anschauungsunterricht in Sachen VBA bietet in Berlin die Stadtautobahn A 100. Sie ist eine der am stärksten belasteten Autobahnen im bundesdeutschen Autobahnnetz: Rund um das Autobahndreieck Funkturm fahren durchschnittlich 190.000 Fahrzeuge pro Tag. Trotz des großzügigen Ausbaues innerstädtischer Streckenabschnitte auf drei Fahrstreifen je Richtung kam es hier lange Zeit zu vielen Unfällen und häufigen Staus. Dank der modernen Verkehrssteuerung hat sich die Lage auf Berlins Autobahnen wesentlich entspannt.

Durch den Einsatz der VBA gestaltet sich der Verkehr insgesamt sicherer, flüssiger und harmonischer als früher. Obwohl der Verkehr auf der A100 in den letzten Jahren noch zugenommen hat, ist es im Tagesverlauf länger als früher möglich, die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h zu erreichen. Staus können vor allem während der Verkehrsspitzenzeiten zwar nicht völlig vermieden, aber in ihrer Dauer verkürzt werden. Die Anzeigen „Stau” oder „Stauwarnung” helfen, Auffahrunfälle am Stauende zu vermeiden. Ein zusätzlicher positiver Effekt der Verkehrsbeeinflussung ist der Rückgang von Emissionen.

Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA) im Land Berlin

Bereits in den 1980er Jahren wurden die ersten Anlagen zur Verkehrsbeeinflussung auf Berlins Autobahnen eingesetzt. Heute sind alle wichtigen Passagen mit modernster Technik ausgerüstet.

Auf dem Berliner Stadtring (A100), der A111 im Bezirk Reinickendorf und der A113 im Bezirk Treptow- Köpenick sind gegenwärtig sieben VBA in Betrieb:

  • Tunnel Tegel Ortskern,
  • Tunnel Flughafen Tegel,
  • VBA Nord (A100 / A111 Autobahndreieck (AD) Charlottenburg),
  • VBA West (A100 von AD Charlottenburg bis Anschlussstelle (AS) Hohenzollerndamm und A115 von AS Hüttenweg bis AD Funkturm),
  • VBA Süd (A100 von AS Hohenzollerndamm bis AS Oberlandstraße),
  • Tunnel Ortsteil Britz + AD Neukölln und
  • VBA A113 + Tunnel Rudower Höhe und Alt- Glienicke

Auf dem Stadtstraßennetz gibt es zwei weitere VBA:

  • Tunnel Tiergarten- Spreebogen und
  • Fahrstreifensignalisierung Heerstraße

Die Anfänge der Anlagen reichen weit zurück: Bereits Anfang der 1980er Jahre wurde auf der A100 zwischen Spandauer Damm und Hohenzollerndamm eine der ersten VBA Deutschlands als Pilotanlage in Betrieb genommen. Viele grundlegende Erkenntnisse über den Verkehrsablauf auf Autobahnen sowie die Beeinflussung des Verkehrs konnten mit dieser VBA über die Jahre gewonnen werden. Ende der achtziger Jahre wurden die VBA Tunnel Flughafen Tegel und Tunnel Tegel Ortskern in Betrieb genommen, weitere folgten. Seit Mitte 2008 bietet die VBA A113 die Möglichkeit einer Verkehrsbeeinflussung bis zum AD Waltersdorf im Land Brandenburg.

Ausblick

In den nächsten Jahren wird die VBA Tunnel Tegel Ortskern erneuert und unter Einschluss der Tunnel Forstamt Tegel und Beyschlagsiedlung bis zur AS Stolpe im Land Brandenburg verlängert. Weitere Erneuerungen, Zusammenfassungen und Erweiterungen der VBA auf der A100 sind geplant. Eine weitere VBA ist für die geplante Verlängerung der A100 bis zur AS Treptower Park einschließlich des Tunnels Grenzallee vorgesehen. Die dazu erforderlichen Haushaltsmittel werden vom Bund bereitgestellt. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ist für Planung, Errichtung und Betrieb zuständig.

Die A100 zwischen den Anschlussstellen Hohenzollerndamm und Oberlandstraße wurde in Teilabschnitten zwischen 1960 und 1995 in Betrieb genommen. Die etwa 8 km lange Strecke ist gekennzeichnet durch eine innerstädtische Lage mit einer engen Abfolge von Ein- und Ausfahrten (9 Anschlussstellen).

Im Bereich Hohenzollerndamm beträgt die tägliche Verkehrsstärke 170.000 Fahrzeuge pro Tag. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung bilden sich regelmäßig Staus. Auch die Anschlussstellen sind häufig überlastet, so dass sich ein Rückstau auf die Autobahn bildet. Die Streckenbeeinflussungsanlage trägt mit Wechselverkehrszeichen zur Harmonisierung des Verkehrsablaufs, zur Absicherung von Stauenden, Baustellen und anderen Gefahrstellen und damit zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei. Automatisch werden alle 15 Sekunden die Verkehrsdaten von 245 Messstellen ausgewertet. Damit können die Mitarbeiter der Abteilung Verkehrsmanagement alle wichtigen Szenarien mittels der Anlage optimal steuern:

  • Stau auf der Autobahn
  • Stau auf der Autobahn-Ausfahrt
  • sehr hohe Verkehrsbelastung
  • Unruhe im Verkehrsablauf und
  • Nässe.

Technische Daten der Anlage:

Streckenabschnitte

  • BAB A100 in Berlin-Wilmersdorf, -Schöneberg und -Tempelhof zwischen Hohenzollerndamm und Oberlandstraße: 8 km

Anzahl der Geräte

  • Anzeigequerschnitte: 36
  • Wechselverkehrszeichen in Prismentechnik: 78
  • Wechselverkehrszeichen in Glasfasertechnik: 170
  • Wechselverkehrszeichen in LED-Technik : 5
  • Radar-Detektoren zur Verkehrsdatenerfassung: 180
  • Induktionsschleifen zur Verkehrsdatenerfassung: 65
  • Umfelddaten-Detektoren: 3
  • Streckenstationen: 19
  • Kosten inkl. Verkehrszeichenbrücken: 5,0 Mio EURO
  • Inbetriebnahme: September 2001
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Diese Verkehrsbeeinflussungsanlage befindet sich auf dem Stadtstraßennetz, nicht auf einer Autobahn.

Der Tiergartentunnel hält den Durchgangsverkehr vom Regierungsviertel fern und erschließt die Gewerbezentren am Potsdamer Platz für Lieferverkehr sowie den Hauptbahnhof mit dem Parkhaus der Deutschen Bahn.

Die gesamte Tunnelstrecke wurde mit einer Streckenbeeinflussungsanlage ausgerüstet. Die seitlich und über Kopf angeordneten modernen LED-Wechselverkehrszeichen tragen zur Erhöhung der Sicherheit bei vorhersehbaren und unvorhersehbaren Störungen des Verkehrsablaufs bei.

Im Bereich der Tunnelanlagen hat die Streckenbeeinflussung folgende Aufgaben:

  • Gefahrenwarnung und Geschwindigkeitsanpassung
  • Stauwarnung
  • Abschnittsweise Sperrung von Fahrstreifen für Baustellen oder bei Unfällen

Streckenstationen

61 Streckenstationen übernehmen folgende Aufgaben:

  • Messwerterfassung, Plausibilitätsprüfung von Einzeldaten
  • Datenvorverdichtung und Bereitstellung von Mess- und Betriebsdaten für den Abruf aus der Unterzentrale
  • Entgegennahme von Schalt- und Steuerbefehlen aus der Unterzentrale
  • Überprüfung der Verriegelung von Schalt- und Steuerungsbefehlen
  • Funktionsüberwachung der Mess- und Anzeigegeräte (Betriebszustandsmeldungen, Fehlermeldungen u.ä.)
  • Handschaltungen der Wechselverkehrszeichen, Fahrstreifensignale und Wechselwegweiser

Der gesamte TTS wird von der Verkehrsregelungszentrale (VKRZ) aus bedient.

Der Tunnel wurde im Frühjahr 2007 im ADAC-Tunneltest zum sichersten Tunnel Deutschlands gekürt.

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