Newsletter Berliner Biologische Vielfalt – Nr. 4

Newsletter für die Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030+

Mai 2026

Gemeinsam engagiert: Zusammen Stadtnatur stärken

Liebe Freundinnen und Freunde der Biologischen Vielfalt,

der Frühling hat in Berlin Einzug gehalten und taucht unsere Stadt in ein frisches Grün: Blüten öffnen sich, Bäume treiben aus, und nach den langen Wintermonaten erwacht die Stadtnatur zu neuem Leben. Mit dem Frühjahr beginnt auch in der Stadtgesellschaft eine neue Saison des Engagements für Grünflächen, Gemeinschaftsgärten und die vielen kleinen Lebensräume, die Berlin so besonders machen. In dieser Ausgabe nehmen wir das Handlungsfeld „Gesellschaftliches Engagement” aus der Berliner Biodiversitätsstrategie genauer unter die Lupe und stellen Ihnen engagierte Akteure und vielfältige Angebote vor, die zeigen, wie groß das Potenzial der Berliner Stadtgesellschaft ist. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und einen blühenden Frühling!

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und einen schönen Frühlingsanfang!

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Team der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

INFORMIERT. Neues zur Berliner biologischen Vielfalt

Neue Veranstaltungsreihe „Spotlight Stadtnatur" gestartet

Am 23. März fand die erste Veranstaltung der neuen Reihe „Spotlight Stadtnatur” statt. Die Reihe soll den fachlichen Austausch zu Themen der Berliner Biodiversitätsstrategie fördern und relevante Akteure miteinander ins Gespräch bringen. Bei der Auftaktveranstaltung war Vogelschutzexpertin Claudia Wegworth zu Gast, die gemeinsam mit den Teilnehmenden über eine oft unterschätzte Schnittstelle zwischen Stadtentwicklung und biologischer Vielfalt diskutierte: den Vogelschutz am Gebäude. Ein zentrales Fazit des Austauschs war, dass Vogelschutzmaßnahmen von Anfang an in die Planung von Gebäuden einbezogen werden müssen. Gleichzeitig zeigte der Austausch, dass Berlin in diesem Bereich bereits mit gutem Beispiel vorangeht: In der Stadt gibt es schon zahlreiche gelungene Beispiele, wie Vogelschutz am Gebäude erfolgreich umgesetzt werden kann.

Langer Tag der StadtNatur 2026: Berlin entdeckt seine wilde Seite

Am 30. und 31. Mai 2026 lädt der Lange Tag der StadtNatur wieder dazu ein, die grüne Vielfalt Berlins neu zu entdecken. Unter dem Motto „StadtNatur macht neugierig!“ erwartet Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit rund 500 Veranstaltungen an über 150 Orten in der ganzen Stadt. Ob geführte Spaziergänge durch urbane Naturräume, Workshops zu Themen wie Urban Gardening oder spannende Mitmachaktionen für Familien – das Festival bietet für alle Altersgruppen besondere Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt direkt vor der Haustür. Viele Angebote führen auch an sonst schwer zugängliche Orte und eröffnen neue Perspektiven auf die Berliner Stadtnatur. Für viele Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich. Tickets und das vollständige Programm sind online verfügbar.

„Eine Stadt. 20.000 Arten“ – Berlinweite Kampagne zum Tag der biologischen Vielfalt

Mit „Lass Berlin aufleben!“ setzt die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt ein sichtbares Zeichen für den Schutz der biologischen Vielfalt – aktuell mit der stadtweiten Plakatkampagne Eine Stadt. 20.000 Arten. Auf Straßen und Plätzen an zentralen Orten sowie auf Instagram und YouTube macht sie auf kreative Weise auf die Bedeutung von Natur in der Stadt aufmerksam und lädt zum Entdecken und Mitmachen ein. Denn obwohl Berlin mit rund 20.000 Tier- und Pflanzenarten zu den artenreichsten Städten Europas zählt, stehen viele Lebensräume unter Druck. Fünf aufmerksamkeitsstarke Motive stellen jeweils eine eher unbekannte, teils überraschende Art aus Berlin vor – humorvoll inszeniert und mit dem Ziel, die oft verborgene Stadtnatur sichtbar zu machen. Die Botschaft: Es gibt über 20.000 Arten in Berlin und schon kleine Maßnahmen – wie Beleuchtung zu reduzieren, weniger zu mähen, Sandflächen zu erhalten oder insektenfreundliche Pflanzen zu sähen – können helfen, Berliner Arten und ihre Lebensräume zu schützen. Auf folgender Seite sind weitere Information und Inspirationen zu finden: Lass Berlin aufleben!.

„Mähfreier Mai“ – Weniger mähen, mehr Natur wagen

Die internationale Aktion „Mähfreier Mai“ ruft seit 2019 dazu auf, im Mai bewusst auf das Rasenmähen zu verzichten – und so mit minimalem Aufwand einen Beitrag zum Artenschutz zu leisten. Ziel ist es, Wildblumen wieder wachsen zu lassen und damit neue Lebensräume für Insekten zu schaffen. Denn wenn Rasenflächen nicht regelmäßig geschnitten werden, können Pflanzen wie Gänseblümchen, Klee oder Löwenzahn zur Blüte kommen. Sie bieten wichtige Nahrung für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber – die wiederum Grundlage für funktionierende Ökosysteme sind. Die ursprünglich aus Großbritannien stammende Aktion zeigt: Schon kleine Veränderungen im Alltag können große Wirkung entfalten. Die Botschaft ist einfach: Weniger eingreifen, mehr „Natur Natur sein lassen“. Wer den Rasenmäher stehen lässt, schafft nicht nur mehr Raum für Pflanzen und Tiere, sondern entdeckt oft auch eine überraschend vielfältige Stadtnatur direkt vor der eigenen Haustür.

Dünen-Pelzbiene (Anthophora bimaculata)

Neue Rote Liste: Viele Berliner Wildbienenarten weiterhin gefährdet

Die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hat die aktualisierte „Rote Liste und Gesamtartenliste der Wildbienen“ veröffentlicht. Die neue Auswertung zeigt: In Berlin wurden inzwischen 335 Wildbienenarten nachgewiesen – 39 mehr als noch 2005. Gleichzeitig bleibt die Lage vieler Arten kritisch: 42 % der Arten gelten als gefährdet. Als Hauptursachen nennen die Autoren weiterhin den Verlust von Lebensräumen wie Sandflächen, blütenreichen Wegrändern und Totholz sowie die Bebauung von Freiflächen und intensive Pflege von Grünanlagen. Neu stärker im Fokus stehen zudem die Auswirkungen des Klimawandels und die hohe Dichte von Honigbienen in Städten. Mehr zum Leben der Wildbienen findest du im Arten-Portrait in der Kategorie „ENTDECKT“.
Die Veröffentlichung ist Teil der aktualisierten Berliner Roten Listen, die als wichtige Grundlage für Naturschutzmaßnahmen und die Bewertung der Artenvielfalt dienen. Die vollständige Veröffentlichung gibt es hier: Rote Liste und Gesamtartenliste der Wildbienen (Anthophila) von Berlin.

„Pause im Park“ – Natur erleben, Resilienz stärken

Mit „Pause im Park: Resilienz stärken durch Naturerfahrungen im Kiez“ setzt die Deutsche Umwelthilfe e.V. einen Fokus auf mentale Gesundheit und Wohlbefinden in der Stadt. Ziel des im April 2026 gestarteten Projektes ist es, die Berliner Bevölkerung zu ermutigen, wohnortnahe Grünflächen bewusst als Orte der Erholung zu nutzen. Öffentliche Workshops und digitale Angebote verbinden Naturerleben mit Achtsamkeits- und Selbstwirksamkeitsübungen. Inspiriert vom Konzept des „Waldbadens“ werden diese Ansätze speziell für den urbanen Raum weiterentwickelt. Ein besonderer Fokus liegt auf zwei sozial benachteiligten Berliner Kiezen. Dort werden auch Multiplikator*innen geschult, die das Wissen langfristig in die Nachbarschaften tragen. Das Projekt zeigt: Schon kleine Auszeiten im Grünen können die Resilienz stärken und die Lebensqualität in der Stadt nachhaltig verbessern. Gefördert wird das Projekt von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.

REINGESCHAUT. Einblicke in die Strategie

Handlungsfeld 16: Gesellschaftliches Engagement

In dem Zielbereich Engagement der Zivilgesellschaft setzt Berlin sich das Ziel, bis 2030 bestehende Angebote für Menschen, die sich für biologische Vielfalt interessieren, zu verstetigen und Zahl sowie Umfang dieser Angebote weiter auszubauen. Gesellschaftliches Engagement ist für die Förderung der Stadtnatur unverzichtbar: Nur gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinnen, Initiativen, Unternehmen und Organisationen kann die Berliner biologische Vielfalt geschützt werden. Ob beim Gärtnern in Gemeinschaftsgärten, bei Pflanzaktionen oder durch Patenschaften für Grünflächen: Der gemeinsame Einsatz für die Artenvielfalt stärkt die Natur sowie den sozialen Zusammenhalt und die Lebensqualität. Die Vielzahl an Projekten, wie zum Beispiel „Freiwillick grün!“ zeigt: Das Interesse und Potenzial der Berliner Stadtgesellschaft ist groß. Wer Lust hat, in diesem Gartenjahr selbst aktiv zu werden, findet bei Berlin gärtnert! Informationen zu spannenden Workshops und unterschiedlichen Gartenprojekten. Bei zivilgesellschaftlichem Engagement sind nicht nur Einzelpersonen gefragt: Auch Unternehmen können durch naturnahe Gestaltung von Firmengeländen ökologische Verantwortung übernehmen. Ebenso spielen Freiwilligendienste wie das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und der Ökologische Bundesfreiwilligendienst (ÖBFD) eine wichtige Rolle: Sie ermöglichen jungen Menschen, sich aktiv für die Berliner Stadtnatur einzusetzen und dabei wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

ZUGEHÖRT. Lokale Akteure und Projekte

Die Deutsche Wildtier Stiftung

Manuel Hensen (Teamleitung Wildbienen)

Was sind die Aufgaben und Aktivitäten des Wildbienenprojekts der Deutschen Wildtierstiftung?
Unser Wildbienenprojekt läuft seit 2018 in Berlin und wird von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt gefördert. Ziel ist es, die Stadt zur Wildbienenhauptstadt zu machen. Dafür gestalten wir gemeinsam mit Verwaltung, Wissenschaft und Bürgern Grünflächen so, dass Wildbienen Nahrung und Nistplätze finden – etwa durch Blühwiesen oder Staudengärten. Die Maßnahmen werden wissenschaftlich begleitet, und wir informieren mit Tafeln, Workshops und Rallyes, wie man auch zuhause im Garten oder auf dem Balkon Lebensräume schaffen kann.

Wie trägt das Projekt dadurch zum Erreichen der Ziele der Berliner Biodiversitätsstrategie bei?
Unser Projekt unterstützt direkt die Berliner Biodiversitätsstrategie und die Berliner Bestäuberstrategie. Wir schaffen Lebensräume für Bestäuber und haben dafür schon fast hundert Blühflächen aus regionalem Saatgut mit über 60.000 Quadratmetern angelegt – das stärkt die ökologische Vernetzung in der Stadt. Wichtig ist uns auch Bildung: Besonders Kinder und Jugendliche sollen Natur erleben und verstehen. Und wir vernetzen Ämter, Verbände und Initiativen, um gemeinsam konkrete Lösungen für naturnahe Grünflächen zu entwickeln.

ENTDECKT. Arten- und Biotop-Porträt

Heide-Filzbiene (Epeolus cruciger)

335 Berliner Wildbienenarten

Wer in diesen Frühlingstagen mit offenen Augen durch Gärten oder Brachen streift, entdeckt sie überall: Wildbienen – die heimlichen Heldinnen unserer Stadtnatur. Sie sind unverzichtbare Bestäuber und sichern die Vielfalt von Wild- und Kulturpflanzen und damit unsere Nahrung. In Berlin leben über 300 meist solitär lebende Arten, wovon einige auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind. Im Frühling erwachen die ersten Wildbienenarten aus ihrer Winterruhe: Die Nachkommen des vergangenen Jahres, die als Larven oder Puppen die kalte Jahreszeit überdauert haben, schlüpfen nun und machen sich auf die Suche nach Nahrung und Nistplätzen. Manche Arten nisten im Boden, in Totholz oder in hohlen Pflanzenstängeln. Wer Wildbienen unterstützen möchte, kann jetzt gezielt Lebensräume schaffen: Offene Bodenstellen, blühende Stauden und Totholz, sowie angelegte Wildblumenbeete helfen den kleinen Bestäuberinnen, in der neuen Saison wieder zahlreich zu erscheinen. Eine flache Schale mit Kieseln, regelmäßig mit frischem Wasser befüllt, bietet ihnen auch in trockenen Monaten einen sicheren Trinkplatz und ist schnell auf Balkon oder im Garten aufgestellt.

MITGEMACHT. Veranstaltungen

Entdecken Sie Berliner Wintervögel!

Ob Balkon oder Baumscheibe, der Frühling bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Stadtnatur vor der eignen Tür zu stärken und zu erleben: Der Umweltkalender Berlin bietet ab Ende April vielfältige Möglichkeiten, aktiv für die Berliner Stadtnatur einzutreten. Nach dem Auftakt der Saison mit Aktionen wie der City Nature Challenge richten sich die aktuellen Angebote nun verstärkt auf praktische Tipps, gemeinsames Engagement und Naturerlebnisse im Kiez. Workshops zur naturnahen Balkon- und Gartengestaltung zeigen, wie sich Lebensräume für Insekten schaffen lassen, während geführte Spaziergänge Wissen über Stadtbäume, Pflanzen und Tiere vermitteln. Auch gemeinschaftliche Aktionen stehen weiterhin im Fokus: Bei Clean-ups, Pflegeeinsätzen oder Mitmachformaten können Teilnehmende ihre Nachbarschaft aktiv mitgestalten und einen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz leisten.

Wer bei sich in der näheren Umgebung auf der Suche nach spannenden Angeboten ist, kann sich auf der Naturstadt Berlin Karte über Angebote in der Umgebung informieren. Sie wollen sich ehrenamtlich für Natur- und Umweltschutz engagieren? Dann schauen Sie beim Ehrenamtsportal im Umweltkalender vorbei – vielleicht ist dort das passende dabei!

MITBEKOMMEN. Kennen Sie bereits…

…die Berliner Wildbienen-Rallye?

Die Berliner Wildbienen-Rallye lädt große und kleine Naturfreunde und -Freundinnen dazu ein, die faszinierende Welt der Wildbienen in der Stadt zu entdecken. Auf verschiedenen Rallye-Routen in Berliner Parks und Grünanlagen erfahren Sie spielerisch, wie vielfältig und wichtig Wildbienen sind. Mit spannenden Aufgaben und Quizfragen lernen Teilnehmende, wie Wildbienen leben, welche Pflanzen sie brauchen und wie wir sie schützen können. Die Rallye eignet sich ideal für Familien, Schulklassen oder kleine Gruppen und kann jederzeit kostenlos absolviert werden. Wer alle Stationen gemeistert hat, erhält am Ende eine kleine Überraschung und ein Zertifikat als „Wildbienen-Experte/in“. So wird Stadtnatur zum Erlebnis – und das Bewusstsein für biologische Vielfalt gestärkt.