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Grenzwerte für Luftschadstoffe wurden 2020 berlinweit eingehalten

Luftgüte-Messstation, Messinstrumente
Bild: SenUVK
Pressemitteilung vom 22.10.2021

Starker Rückgang bei NO2 (Stickstoffdioxid) und PM10 (Feinstaub). Jahresbericht 2020 des Berliner Luftgütemessnetzes bestätigt vorläufige Analysen

Die Belastung durch Stickstoffdioxid (NO2) und Partikel PM10 (Feinstaub) ist 2020 in Berlin erneut stark zurückgegangen. Für diese beiden Schadstoffe wurden die niedrigsten Immissionsbelastungen seit Beginn der Messungen im Berliner Luftgütemessnetz festgestellt. Dies zeigt der Jahresbericht 2020, der heute veröffentlicht wurde – er bestätigt damit die vorläufigen Daten zur Luftgüte, die im Mai dieses Jahres bereits zur Aufhebung einiger Durchfahrverbote geführt haben.

Bis zum Jahr 2019 wurde der Grenzwert von 40 µg/m³ (also 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Außenluft) für das NO2-Jahresmittel an Berliner Hauptverkehrsstraßen meist deutlich überschritten. Nachdem bereits 2019 eine erhebliche Reduktion festgestellt wurde, sank die NO2-Belastung an den sechs Containermessstellen an Straßen (stündliche automatische Datenübermittlung) von 2019 auf 2020 im Mittel um weitere 16 Prozent (6 µg/m³) – und an den Passivsammlermessstellen (mit zweiwöchentlicher Laborauswertung) sogar um 18 Prozent (7 µg/m³). Der höchste Rückgang wurde mit bis zu 15 µg/m³ in der Leipziger Straße festgestellt. Damit wurde nun erstmals in Berlin der Grenzwert für das NO2-Jahresmittel flächendeckend eingehalten.

Diese Entwicklung verdeutlicht, dass im Rahmen der Berliner Luftreinhalteplanung wirkungsvolle Maßnahmen umgesetzt werden konnten. Dabei liegt der Fokus darauf, den motorisierten Verkehr in der Innenstadt sauberer zu machen sowie mengenmäßig zu verringern und die Stärkung des Umweltverbunds aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr voranzutreiben. Wichtige Maßnahmen sind die komplette Elektrifizierung der BVG-Busflotte bis 2030, Tempo-30-Anordnungen sowie Durchfahrverbote für Diesel-Pkw bis einschließlich Euro 5/V. Auch die generelle Erneuerung der Kfz-Flotten, mit einem steigenden Anteil von Euro VI und 6d-TEMP Fahrzeugen, hat einen Anteil an dieser positiven Entwicklung.

Auch der Corona-Lockdown und der damit einhergehende Verkehrsrückgang haben 2020 zur Verringerung der Luftbelastung beigetragen. Der Rückgang der NO2-Belastung an verkehrsnahen Messstellen im ersten Lockdown im März und April wird auf mindestens 15 Prozent geschätzt. Erneute Überschreitungen des NO2-Jahresgrenzwertes können gleichwohl nicht ausgeschlossen werden, sodass die oben genannten Maßnahmen weiterverfolgt und qualifiziert werden müssen, um für eine dauerhaft gute Berliner Luft zu sorgen.

Eine positive Entwicklung ist auch bei der Belastung durch Partikel-PM10 (Feinstaub) festzustellen. Die EU-weiten Grenzwerte werden in Berlin schon seit 2015 flächendeckend eingehalten. Im Jahr 2020 konnte aber im zweiten Jahr in Folge auch für diesen Schadstoff die Belastung nochmals stark verringert werden. Dabei fiel der Rückgang mit 3 µg/m³ (14 Prozent) in der Schildhornstraße (MC117) und der Leipziger Straße (MW088) am höchsten aus, hier betrug der Jahresmittelwert 2020 noch 18 µg/m³. Der höchste PM10-Jahresmittelwert wurde mit 22 µg/m³ an der Frankfurter Allee gemessen. Die meisten Überschreitungen des Tagesmittels von 50 µg/m³, nämlich neun Mal, gab es in der Silbersteinstraße (MC143) – rechtlich erlaubt sind 35 Überschreitungen pro Jahr.

Grund für diese Entwicklung sind wirkungsvolle Maßnahmen, wie die Einrichtung der Umweltzone (2008/2010), die konsequente Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen mit Rußfiltern oder auch Tempo-30-Anordnungen an immer mehr Straßen, die nachweislich sowohl die Motoremissionen als auch die durch Abrieb und Aufwirbelung entstehenden Partikel vermindern. Neben dem Straßenverkehr tragen Emissionen aus sogenannten Komfort-Öfen (mit Holz befeuerte Zusatzheizungen) erheblich zur Partikelbelastung bei, insbesondere in der kalten Jahreszeit. Hier besteht etwa durch Partikelfilter ein deutliches Minderungspotenzial.

Das Berliner Luftgütemessnetz wird fortlaufend qualifiziert, um die Luftqualität in Berlin optimal zu überwachen. Im Jahr 2020 war die Erweiterung des Messnetzes ein Schwerpunkt. Die Zahl der sogenannten Passivsammler wurde um acht erhöht. An der Leipziger Straße wurde ein neuer Messcontainer in Betrieb genommen, an der Forschungsmessstelle an der Stadtautobahn A100 wurde die Messung von Stickstoffoxiden reaktiviert.

Der Jahresbericht steht im Internet unter: Alle Daten des Berliner Luftgütemessnetzes sind abrufbar unter: