Pflanzenschutz  
 

Pflanzenschutz im Stadtgrün - Schadorganismen in Berlin

Tierische Schaderreger: Eichenprozessionsspinner


v.l.n.r.: Falter, Raupe, Raupennest, Kronenfraß
v.l.n.r.: Falter, Raupe, Raupennest, Pheromonfalle, Kronenfraß

Der Eichenprozessionsspinner Thaumetopoea processionea ist ein nachtaktiver Schmetterling und gehört zur Familie der Zahnspinner Notodontidae. Er ist seit 2004 auffällig geworden und tritt seitdem verstärkt und mit steigender Tendenz im Berliner Stadtgebiet auf.

Besonders nach Trockenjahren neigt er zu Massenvermehrungen, die zu Kahlfraß an Eichen führen können.

Die Raupen, die Nester und die alten verlassenen Nester stellen für Menschen und Tieren aufgrund der Haare (Gifthaare) eine Gefahrenquelle dar.

Aktuelles


Eichenprozessionsspinner 2018 – Falterschlupf – Ende des Bekämpfungszeitraums

Der aktive Bekämpfungszeitraums der Eichenprozessionsspinner mit mechanischen Maßnahmen ist beendet.

Mit Beginn des Fluges der Eichenprozessionsspinner endet der aktive Bekämpfungszeitraum mit mechanischen Maßnahmen (u.a. mittels Absaugen) der Nester und den darin befindlichen Puppen. In sensiblen Bereichen (u.a. Kindergärten, Schulhöfe und dort wo sich viele Menschen aufhalten) sollten aus Gründen des Gesundheitsschutzes weiterhin vorhandene Nester entfernt werden. Damit findet jedoch keine Reduktion der kommenden Generation mehr statt.

Die Raupen und Tagesnester des Eichenprozessionsspinners sind im Berliner Stadtgebiet in diesem Jahr lokal unterschiedlich, doch deutlich verstärkt aufgetreten, so dass es vielfach zur mechanischen Beseitigung der Raupen und Nester kam. Letztere waren bis auf einige Ausnahmen in der Regel handtellergroß.

01.06.2018: Eichenprozessionsspinner: Entwicklung der Raupen ist rasch vorangeschritten

Die Entwicklung der Raupen ist in den vergangenen 14 Tagen weiter rasch vorangeschritten. Bislang sind vielerorts im Stadtgebiet Tagesnester auffällig gewesen und wurden uns gemeldet. Auch weiterhin sind Meldungen beim Auffinden von Nestern erwünscht. Die Raupen werden nun zunehmend träger, ziehen sich vielerorts schon in ihre Verpuppungsnester zurück und können dadurch auch effektiver entfernt werden. Aufgrund der hohen Temperaturen siedeln sich die Tiere häufig auch im unteren Stammbereich an.

Sollten mechanische Bekämpfungsmaßnahmen (Absaugen) mit dem Ziel, einen möglichen Befall im kommenden Jahr an einem Standort zu minimieren, vorgenommen werden, sind diese aufgrund der raschen Entwicklung der Tiere in diesem Frühjahr, bis ca. 10. Juli abzuschließen. Nach gegenwärtigem Stand wird in diesem Jahr mit einem früheren Falterflug als in den Vorjahren, bereits ca. Mitte Juli gerechnet. Entsprechende Fallen zur Überwachung des Falters sind daher spätestens bis zum 10. Juli auszubringen.


14.05.2018: Eichenprozessionsspinner: Tagesnester

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es erste Meldungen von Tagesnestern der Eichenprozessionsspinner. Zum Teil in erheblicher Anzahl von Individuen an Ästen und Stamm. Die Raupen befinden sich Ende des L3-Stadiums bzw. im 4. Larvenstadium und wandern in der Nacht zum Fraß in die Kronen. Den Tag verbringen sie mehr oder weniger ruhig in sogenannten Tagesnestern am Stamm oder Starkästen. Je wärmer und sonniger es ist, desto weiter unten am Stamm werden diese gebildet.

Vorbeugende Maßnahmen (Spritzung mit Bioziden) aus Gründen des Gesundheitsschutzes sind nun meist nicht mehr zielführend. Aus diesem Grund ist ab sofort die mechanische Entfernung der Raupen (Absaugen) das Mittel der Wahl. Gleichzeitig ist aufgrund der noch hohen Mobilität der Raupen ggf. ein zweites Absaugen gegen Ende des Monats einzuplanen. Mit zunehmendem Fraß und somit auch Größe der Raupen werden diese träge und das Absaugen der Tagesnester gelingt erfolgreicher.


EPS mit leichter Tendenz zum stärkeren Auftreten

Nicht nur die Anzahl der an uns weitergeleiteten Eichenstandorte mit einem Befall durch die Raupen des Eichenprozessionsspinners hat sich im Vergleich zu 2016 erhöht, sondern häufig auch die jeweilige Anzahl befallener Bäume an einem Standort. Jedoch war die Größe der Raupennester aufgrund der Bekämpfungsmaßnahmen der vergangenen Jahre nur handtellergroß.
Diese Tendenz konnte auch in den Fallenfängen festgestellt werden.



Lebensweise


Tabelle mit Lebenszyklus
Lebenszyklus der Eichenprozessionsspinner

Weitere Hinweise:

Eichenprozessionsspinner - Thaumetopoea processionea
Vorkommen: Eichenarten
Flugzeit: Juli / August, Männchen/Weibchen können größere Strecken zurücklegen
Eiablage: im oberen Teil besonnter Eichenkronen an dünnen Zweigen mit glatter Rinde, in einschichtigen Platten, die zur Tarnung mit Afterschuppen bedeckt sind
Larvenschlupf: Ende April/Anfang Mai, bei Austrieb der Eichen
Larvenfraß: junge Raupen die austreibenden Knospen, die älteren die Blätter
Larvenentwicklung: insgesamt 6 Larvenstadien (L1 - L6); Larven sind stark behaart
ab Larvenstadium 3 Ausbildung der gefährlichen Gifthaare
Lebensweise: Leben in Fraßgesellschaften, gemeinschaftliche Prozessionen auf die Fraßbäume
junge Larven in locker zusammengesponnen Blättern oder Zweigen,
ältere Larven (ab L5) in typischen Gespinstnestern am Stamm, Astgabeln oder der Unterseite stärkerer Äste
Verpuppung: in den Gespinsten
Überwinterung: als Ei
Schaden: Fraßschäden, Zuwachs- und Vitalitätsverluste der Eichen
Die Raupen, Raupennester und verlassenen Nester
stellen eine Gesundheitsgefährdung dar!

Beispiel: Entwicklungsverlauf 2013

(Standort der Raupen: Pflanzenschutzamt)

Schlupf:

Schlupf der Eiräupchen am 18.04.2013
Die Raupen sind von Beginn an behaart.
 

Prozession:

Die erste Prozession der Raupen direkt nach dem Schlupf
Größe der Raupen: ca. 0,3 cm
Farbe: orangebraun mit schwarzer Kopfkapsel
Haare: lang und dunkel
 

Larvenstadium 1:

Lebensweise: gesellig, noch ohne ein ausgeprägtes Nest
Fraß: an den schwellenden, austreibenden Knospen
 

Larvenstadium 2:

Die erste Häutung erfolgte 2013 nach ca. 17 Tagen (04.05.2013) Entwicklungszeit.
Größe der Raupen: ca. 1,5 cm
Farbe: dunkler Streifen auf dem Rücken, mit graublauer Seite
Haare: hell, weiß scheinend
 

Larvenstadium 3:

Die zweite Häutung erfolgte 2013 nach ca. 30 Tagen (17.05.2013) Entwicklungszeit.
Größe der Raupen: ca. 3 cm
Farbe: intensiver; die Ausbildung der rötlich braunen Spiegelflecke
Haare: Beginn der Brennhaarbildung am Ende des Larvenstadiums auf dem 11.Segment
 

Larvenstadium 4:

Die dritte Häutung erfolgte 2013 nach ca. 43 Tagen (30.05.2013) Entwicklungszeit.
Farbe: die Bauchseite verfärbt sich deutlich sichtbar ins gelbliche
Haare: Brennhaare auf dem 10. und 11. Segment
Beweglichkeit: die Raupen sind in diesem Stadium äußerst mobil
Nester: die Ausbildung von Tagesnestern beginnt
 

Larvenstadium 5:

Die vierte Häutung erfolgte 2013 nach ca. 54 Tagen (10.06.2013) Entwicklungszeit.
Größe der Raupen: mehr als 3 cm Länge
Haare: Brennhaare bis zum 4. Segment
Beweglichkeit: die Raupen werden zunehmend träger
Nester: größer Raupenansammlungen sind sichtbar
 

Larvenstadium 6:

Die fünfte Häutung erfolgte 2013 nach ca. 65 Tagen (21.06.2013) Entwicklungszeit.
Größe der Raupen: über 4cm Länge
Haare: Brennhaare vom 4. bis 11. Segment
Beweglichkeit: die Raupen sind extrem träge
 

Ruhestadium:

Eintritt in die Puppenruhe in 2013 nach ca. 75 Tagen (30.06.2013) Entwicklungszeit.
Dauer: ca. 3 Wochen; Puppen können auch 1 bis 2 Jahre überliegen
Wo: an geschützten Stellen am Stamm und an Starkästen, meist dort wo bereits alte Nester vorhanden waren oder sich die Tagesnester befanden.
Wie: eingesponnen in festen Gespinsten an denen die alten Häute mit Haaren und Raupenkot sichtbar ist
 

Falterflug:

Der Beginn des Falterfluges in 2013 war nach ca. 91 Tagen (17.07.2013) Entwicklungszeit.
Dauer des Falterfluges: bis Ende August
Hauptflugzeit: Mitte Juli bis Mitte August; Nachts, Lichtquellen werden bevorzugt angeflogen
 

Eigelege:

Die Eiablage erfolgt oftmals in der ersten Nacht nach dem Falterschlupf.
Wo: an ein- bis zweijährigen Zweigen im Kronenbereich von Eichen. Besonnte und einzelstehende Eichen werden bevorzugt.
Anzahl: die Weibchen legen im Schnitt 150 Eier in Zeilen ab, die durch verkittete, graue Afterwolle gut getarnt sind.
 


Monitoring


Pheromonfalle
Um für die Bewertung und Bekämpfungsentscheidungen verlässliche Daten zu bekommen wurde ab 2010 mit der Ausbringung von Pheromonfallen begonnen. Nachdem zu Beginn der Eichenprozessionsspinnerkalamität (2005) erfolglos versucht wurde, mittels Pheromonfallen den Flugverlauf der Schmetterlinge zu dokumentieren, hat sich die Qualität der Pheromone in den vergangenen Jahren verbessert, so dass ihre Verwendung möglich ist. Allerdings existieren noch keine Schadschwellen für städtische Flächen. Die Fallen wurden Anfang Juli, kurz vor dem Flugbeginn der Falter an ausgewählte Standorte im Stadtgebiet ausgebracht.

Ergebnis der Fallenfänge


Fallenfänge von 2011 bis 2017 im Stadtgebiet Berlin
Fallenfänge von 2011 bis 2017 im Stadtgebiet Berlin, die Standorte sind von West nach Ost angeordnet
Beim Vergleich der Mittelwerte von 2011 bis 2017 ist erneut ein leichter Anstieg in den Falterzahlen erkennbar.

Deutlich sichtbar sind die Schwankungen an den einzelnen Standorten. Zu Beginn der Überwachung des Eichen­prozessions­spinners mit Pheromonfallen waren die Bezirke im Westen und Südwesten der Stadt an stärksten betroffen. In den Jahren 2013 bis 2015 konnte ein verstärkter Flug in den östlichen Stadtbezirken festgestellt werden. In den Jahren wurden die höchsten Falterdichten am Standort Karlsgärten in unmittelbarer Nähe zur Wuhlheide gefangen, ebenfalls am nordöstlichen Rand von Marzahn im Park am Weidengrund. 2017 wurden die meisten Falter in der Hasenheide – Stadtbezirk Neukölln – gefangen.
Der seit 2015 vorherrschende leichte Trend, dass sich die Falterzahlen leicht erhöhen, setzt sich auch 2017 fort, wiederum jedoch nicht an allen Standorten.


Blattfraß in Eichenkrone
Blattfraß in Eichenkrone


Vorkommen


Wirtsbäume der Eichenprozessionsspinner sind Eichenarten, besonders die Stieleiche Quercus robur und die Traubeneiche Quercus petraea, aber auch die Amerikanische Roteiche Quercus rubra und die Zerreiche Quercus cerris.

Bevorzugt werden lichte Eichenwälder, Bestandesränder und Einzelbäume an sonnigen und warmen Standorten. Als wärmeliebende Art werden zunächst freistehende, besonnte Einzelbäume für die Eiablage gewählt. Diese Eichen sind im Stadtgebiet in Parks, Gärten, Sportplätzen, Schwimmbädern, an Park- und Rastflächen und entlang von Straßen zu finden. Bäume in der Nähe von Lichtquellen (Straßenlaternen, Flutlichtanlagen u.a.) werden bevorzugt angeflogen.

Die Ausbreitung der Eichenprozessionsspinner erfolgt besonders bei folgenden Bedingungen:
  • an Eichen, lockeren Beständen, Wald- und Bestandesrändern, Einzelbäumen
  • entlang von Alleen
  • an besonnten Bäumen
  • an Bäumen mit Lichtquellen (Straßenlaternen, Flutlichtanlagen)
  • bei Trockenheit
  • bei Wärme und Sonne

Ausbreitung in Berlin

Die Raupen der Eichenprozessionsspinner wurden im Land Berlin erstmalig 2004 auffällig. Seitdem breiten sie sich im Stadtgebiet von West nach Ost aus, wobei sie 2007 den "Sprung" über die Spree Richtung Treptow-Köpenick machten. Im Jahr 2012 wurden in allen Berliner Bezirken Raupen, Nester und Falter in unterschiedlicher Stärke beobachtet. Neben den von Beginn an stark betroffenen Bezirken (Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf), liegt auch ein starker Befall im Bereich Treptow-Köpenick vor. Die Ausbreitung erfolgt in der Regel über Straßenzüge, die mit Eichen bestanden sind und über Grünzüge in die Stadt hinein. Die Bedingungen – Wärme und Trockenheit – sind im Stadtgebiet günstiger als am Stadtrand.

EPS-Befall 2004 bis 2016 in Berlin
EPS-Befall 2004 bis 2016 in Berlin
Die Karten wurden erstellt von: ESRI StreetMap, bearbeitet von Peter Leuthäuser 2017
Logo EnVirus

Die Erstellung der Karten erfolgte im Rahmen des Projektes ENVIRUS der Georg-August-Universität Göttingen. Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.

Vorkommen im Bundesgebiet

Massenvermehrungen in den letzten 70 Jahren hat es immer wieder gegeben; 1936 bis 1939, 1948 bis 1950 und 1970. Im Süddeutschen Raum traten von 1984 bis 1988, von 1994 bis 1997 und ab 2000 Eichenprozessionsspinner vermehrt auf.