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Ersatzneubau der Mühlendammbrücke

Bildvergrößerung: Bestehende Mühlendammbrücke aus der Vogelperspektive
Bestehende Mühlendammbrücke aus der Vogelperspektive
Bild: Wirtschaftsatlas Berlin / www.businesslocationcenter.de

Informationsveranstaltung Ersatzneubau Mühlendammbrücke

Am 9. November 2020 hat eine digitale Informationsveranstaltung zum Ersatzneubau der Mühlendammbrücke stattgefunden. Mit dabei waren neben dem Staatssekretär für Verkehr, Ingmar Streese, Vertreter*innen der beteiligten Senatsverwaltungen Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sowie Stadtentwicklung und Wohnen. Darüber hinaus kamen der Baustadtrat des Bezirks Mitte, Ephraim Gothe, Hendrik Blaukat von der Interessensgemeinschaft Leipziger Straße e.V. sowie ein Vertreter des Planungsbüros für den Straßenbahnneubau zu Wort.

Auf dem YouTube-Kanal der SenUVK folgten zeitweise über 175 Personen der Veranstaltung; im Chat und per Email wurden viele Fragen aufgeworfen, von denen einige während der Veranstaltung behandelt werden konnten.
Alle Fragen und Anmerkungen werden auf dieser Website (siehe unten) nach und nach beantwortet. Viele Informationen finden sich bereits jetzt im nachfolgenden Text.

Planungsphase

Die Mühlendammbrücke ist Teil des verkehrlich und stadträumlich bedeutenden Straßenzugs Molkenmarkt / Gertraudenstraße / Spittelmarkt. Sie überführt im Zuge des Mühlendamms die Bundesstraße 1 vom Molkenmarkt zur Fischerinsel über die Spree in unmittelbarer Nähe der Mühlendammschleuse. Der Straßenzug liegt parallel zur Straße Unter den Linden und stellt eine der Hauptachsen in Ost-West-Richtung im Zentrum von Berlin dar.

Der Mühlendammbrücke und ihrem Umfeld kommt in historischer, städtebaulicher und verkehrlicher Hinsicht eine herausragende Bedeutung im ältesten Teil der Berliner Innenstadt zu.

Aus der Vogelperspektive betrachtet sieht man die zwei getrennten Überbauten der bestehenden Mühlendammbrücke.
  • Überbau 1 befindet sich östlich in Richtung Schleuse und enthält eine Freitreppe, die den nördlichen Uferweg mit dem Überbau verbindet. Auf dem Überbau 1 verlaufen eine Gehbahn, eine Busspur, drei Fahrspuren und ein Parkstreifen.
  • Überbau 2 befindet sich westlich in Richtung Rathausbrücke. Auf dem Überbau 2 verlaufen eine Gehbahn, eine Busspur und vier Fahrspuren.

Zwischen dem nördlichen Pfeiler und dem Widerlager wird ein Uferwanderweg geführt. Zwischen dem südlichen Pfeiler und dem Widerlager befindet sich die Wehranlage der denkmalgeschützten Mühlendammschleuse.

Bestandsfotos

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Die Mühlendammbrücke wurde im Jahr 1968 in Spannbetonbauweise erstellt. Hierbei wurde der Hennigsdorfer Spannstahl verwendet, der als stark gefährdet gegenüber wasserstoffinduzierter Spannungsrisskorrosion gilt.

Auf Basis der durchgeführten Kontrolluntersuchungen im Jahr 2019 mussten Sofortmaßnahmen (Einschränkungen des Schwerlastverkehrs, Verhinderung der Befahrbarkeit der Kragarme) ergriffen werden, um die sichere Nutzung der Brücke weiterhin zu gewährleisten.

Längsschnitt bestehende Mühlendammbrücke
Längsschnitt bestehende Mühlendammbrücke
Bild: SenUVK
Querschnitt bestehende Mühlendammbrücke
Querschnitt bestehende Mühlendammbrücke
Bild: SenUVK

Die Brücke kann aufgrund der Konstruktion, des Bauwerkszustandes und des gestiegenen Verkehrsaufkommens nicht mehr dauerhaft standhalten. Die Restnutzungsdauer der Mühlendammbrücke ist stark eingeschränkt.

Zur Ermittlung der Tragfähigkeit und der Gebrauchstauglichkeit wurde die Mühlendammbrücke überprüft. Es wurden große rechnerische Defizite in der Tragfähigkeit ermittelt. Die derzeitige Bauwerknote beträgt 2,9. Bis zu einer Note 2,9 ist der Bauwerkszustand als noch ausreichend zu bezeichnen. Ab einer Zustandsnote 3,0 muss von einem nicht ausreichenden Bauwerkszustand ausgegangen werden. Der beeinträchtigte Bauwerkszustand ist auf irreversible Rissbildungen in Bereich der Spannkästen zurückzuführen.

Aus wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten ist daher die Instandsetzung der Brücke nicht möglich. Nur durch einen Ersatzneubau kann ein bezüglich Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit verlässliches Bauwerk für den Verkehr zur Verfügung gestellt werden. Das gilt insbesondere, da durch die neue Straßenbahntrasse (Alexanderplatz – Potsdamer Platz – Kulturforum) neue Beanspruchungen in die Bemessung einfließen müssen. Zur Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht und zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur ist ein Ersatzneubau zwingend erforderlich.

Bauwerksschäden

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Das Vorhaben

Um im Zentrum Berlins eine der verkehrlichen Aufgaben und den örtlichen Gegebenheiten angepasste Brückenplanung realisieren zu können, bereitet die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zusammen mit dem Referat für Architektur, Stadtgestaltung und Wettbewerbe der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen einen Realisierungswettbewerb für den Ersatzneubau der Mühlendammbrücke vor.

Die anstehenden Aufgaben zur Planung und Ausführung des Bauvorhabens zum Ersatzneubau lassen sich mit den folgenden wesentlichen Randbedingungen und Zielsetzungen zusammenfassen:
  • Reduzierung des Flächenanteils für den motorisierten Individualverkehr und eine deutliche Erhöhung des Flächenanteils für den Umweltverbund. Perspektivisch soll der Flächenanteil auf rund 70 Prozent stark erweitert werden. Derzeit steht dem Umweltverbund weniger als die Hälfte zur Verfügung.
  • Berücksichtigung der geplanten Straßenbahnstrecke Alexanderplatz – Potsdamer Platz
  • hohes Maß an Anpassungsfähigkeit bezüglich der Nutzung und Flexibilität und der Anbindungsmöglichkeiten an den umgebenden Stadtraum
  • Bauen im Bestand, um ein Planfeststellungsverfahren zu vermeiden und Neuaufteilung der bestehenden, begrenzten Verkehrsflächen sowie Ausrichtung der Brückenfläche auf zukunftsfähige Abmessung
  • Bauen unter beengten Platzverhältnissen und eingeschränkten Logistikflächen
  • städtebaulich-architektonische Integration in das heterogene Umfeld im Bereich der historischen Mitte und Aufwertung des künftigen Stadtraums als stadtgestalterisches Element

Mit dem Realisierungswettbewerb zum „Ersatzneubau der Mühlendammbrücke“ und dem dort integrierten Ideenteil „Mühlendamm – Zukunft“ soll eine zukunftsweisende und beispielgebende Lösung gefunden werden, welche auch die erforderliche Flexibilität für die zukünftigen Veränderungen in den Nutzungsanforderungen aufweist.

Mit dem planfeststellungsersetzenden Bebauungsplan 1-14 für den Straßenzug Mühlendamm / Molkenmarkt / Spandauer Straße wurde in der letzten Legislatur, 2016, eine Führung mit zweimal drei Fahrspuren sowie Geh- und Radwegen und einer Vorhaltefläche für eine Straßenbahntrasse festgesetzt.

Die bestehende Mühlendammbrücke hat einen Gesamtquerschnitt von 45,20 m. Unter Beibehaltung der bestehenden Planungsrechtsgrundlagen ist es möglich, den Brückenquerschnitt auf bis zu 39,60 m nutzbarer Gesamtbreite zu minimieren und damit die Breite um über zehn Prozent zu verringern. Werden die bestehenden Planungsrechtsgrundlagen eingehalten, so ist eine raschere Errichtung des Bauwerks möglich; dies wiederum ist notwendig, um die Straßenbahn vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz führen zu können. Die Länge der neuen Mühlendammbrücke soll sich an der bestehenden Gesamtlänge von 116,00 m orientieren.

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Querschnitt der neuen Mühlendammbrücke – Phase 1
Bild: SenUVK

Die Parkplatzflächen im mittleren Brückenbereich werden durch eine zweigleisige Straßenbahnanlage ersetzt. Weiterhin werden die vorhandenen mehrstreifigen Fahrbahnflächen des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) auf jeweils zwei Fahrstreifen je Fahrtrichtung deutlich reduziert und in ein Nutzungsangebot für den ÖPNV und den Radverkehr umgewandelt.
Nach Aufnahme des Straßenbahnbetriebs wird der nicht mehr benötigte Bussonderfahrstreifen zugunsten eines geschützten Radfahrstreifens ersetzt. Darüber hinaus können zu diesem Zeitpunkt auch andere Nutzungsanforderungen berücksichtigt werden, welche nach Auswertung der Vorschläge aus dem Ideenteil zum Realisierungswettbewerb und den zukünftigen Mobilitätsvorgaben bestimmt werden können. Zentral ist dabei, dass es sich anders als bei der heutigen Nutzung mit Priorität auf den MIV um eine Nutzung mit Priorität auf dem Umweltverbund handeln wird. Die neue Mühlendammbrücke erfüllt so die Bedingungen des Mobilitätsgesetzes, das eine Priorisierung des Umweltverbunds vorsieht.

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Querschnitt der neuen Mühlendammbrücke – Phase 2
Bild: SenUVK

Aktueller Projektstatus

Die Projektbearbeitung zum Ersatzneubau der Mühlendammbrücke hat im Sommer 2018 begonnen.
Nach Änderung der Verfahrensabläufe und Festlegung zur Durchführung einer Dialog-Veranstaltung am 09.11.2020 mit anschließender Evaluierung der bestehenden Randbedingungen und Planungsvorgaben zum Realisierungswettbewerb und zum Ideenteil soll die Veröffentlichung der Wettbewerbsunterlagen im EU-Amtsblatt erfolgen.

Verkehrsführung

Ziel und Inhalt der Planungsaufgabe ist es u. a, sowohl die Fuß-, Rad- und Straßenverkehre als auch den Verkehr auf der Wasserstraße während der Bauarbeiten bis auf wenige, kurzzeitige Sperrungen aufrecht zu erhalten.

Zahlen und Daten

Bauwerksdaten zum Bestandsbauwerk

  • Eröffnung

    1968

  • Konstruktion

    Dreifeld-Spannbetonbrücke in zwei getrennten Überbauten

  • Stützweiten

    19,00 m / 70,20 m / 19,00 m

  • Gesamtlänge

    116,00 m

  • Breite je Überbau

    22,60 m

  • Gesamtbreite

    45,20 m

Fragen und Antworten

Technische Fragen zur Brückenkonstruktion und zur geplanten Baumaßnahme

Im Zusammenhang mit turnusmäßigen Bauwerksprüfungen wurden Schäden am Brückenbauwerk festgestellt, welche eine Bauwerksnote von 2,9 ergab. Weiterhin wurde die Brückenkonstruktion nach dem unerwarteten Bauwerksverhalten der Elsenbrücke und auf Grundlage der geltenden Vorschriften geprüft und bewertet.
Im Ergebnis bleibt nur der vollständige Rückbau der alten Brückenkonstruktion und Ersatz durch einen Neubau.

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Ab einer Bauwerksnote von 2,9 ist von einem gerade noch ausreichenden Bauwerkszustand auszugehen. Im Jahr 2017 wurde deshalb ein Ingenieurbüro beauftragt, die Mühlendammbrücke zu untersuchen, ob sie den aktuellen Verkehrsbelastungen gerecht werden kann. Im Dezember 2018 lag das Endergebnis vor. Es mussten daraufhin Fahrstreifeneinengungen vorgenommen, die Busspuren zur Mitte verlegt, das Parken auf dem Mittelstreifen untersagt und Einschränkungen auf den Gehwegen umgesetzt werden. Schwertransporte werden nur noch im Ausnahmefall und mit besonderen Fahrauflagen genehmigt.

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Der bauliche Zustand ist als außerordentlich überwachungsbedürftig, aber noch nicht gefährlich einzustufen. Die Mühlendammbrücke wurde als Spannbetonbrücke mit einem sehr speziellen Spannkastenverfahren und mit Hennigsdorfer Spannstahl gebaut. Hieraus ergibt sich die sehr ungünstige Situation, dass ein kritischer Zustand ohne ausreichende Ankündigung und somit nicht eindeutig vorhersehbar eintreten kann, so dass eine konkrete Abschätzung zur Restnutzungsdauer nicht möglich ist. Es mussten bereits erste Einschränkungen angeordnet werden. Ein Rückbau und Ersatzneubau ist zügig umzusetzen.

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Der Ersatzneubau ist mit einer nutzbaren Breite von mind. 39,60 m sowie einer max. Gesamtlänge, die sich an der Länge der Bestandsbrücke von 116 m orientiert, zu planen. Punktuelle Aufweitungen als gestalterische Elemente sind möglich, so dass neue Gestaltungsmöglichkeiten bestehen.
Der Ersatzneubau der Brücke ist insbesondere für die neuen Anforderungen aus dem Straßenbahnverkehr zu bemessen.

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Auf Basis der bestehenden planrechtlichen Grundlagen wird sich der Neubau an den bestehenden Bauwerkseigenschaften orientieren. Weitere Zwischenstützungen in der Spree sind auf Grund der Anforderungen für die Schifffahrt (unter der Brücke befindet sich der Schifffahrtswendeplatz für die Schleuse) nicht möglich, so dass auch die künftige Mühlendammbrücke als 3-Feld-Brücke mit 2 Zwischenpfeilerreihen konzipiert wird.

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Das bestehende rechteckige Gewässerprofil ist beizubehalten. Die vorhandenen Durchfahrtsbreiten betragen in Richtung Schleuse 55,64 m, in Richtung Rathausbrücke 49,39 m. Für den Neubau der Brücke ist eine lichte Höhe über dem oberen Betriebswasserstand (Bwo 31,15m NHN) von 4,50 m zwischen den Schifffahrtszeichen einzuhalten. Zwischenstützungen in der Spree sind nicht zulässig. Die baulichen Anlagen der angrenzenden Mühlendammschleuse und des Wehrkanals sind bei der Baumaßnahme zu berücksichtigen.

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Die Mühlendammbrücke ist nach demselben Prinzip wie die Elsenbrücke konstruiert worden, also mit dem in ihrem Querschnitt erkennbaren Spannkästen und unter Verwendung von spannungskorrosionsrissgefährdeten Litzenspannstahl. Spannbetonbrücken mit der Verwendung dieser Stahlsorte sind nicht instandsetzungsfähig. Auch trotz Lastreduzierungen kann ein Versagen der Spannstähle nicht ausgeschlossen werden. Der Zyklus der Bauwerkprüfungen und der laufenden Begehungen und Begutachtungen wurde daher minimiert. Demzufolge ist es möglich, dass bei der Mühlendammbrücke weitere Lastreduzierungen verhängt werden müssen.

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Die bestehende Mühlendammbrücke hat einen Gesamtquerschnitt von 45,20 m, welcher sich auf beiden Seiten im Straßenverlauf der Leipziger Straße fortsetzt. Durch die Anschlüsse an die Leipziger Straße und den sich im Bau befindlichen Molkenmarkt mit den im Bebauungsplan festgelegten drei Fahrpuren je Richtung ist eine beliebige Verringerung der Brückenbreite nicht möglich. Zudem würde bei einer zu starken Abweichung vom aktuellen Umfang der Brücke ein langwieriges Planfeststellungsverfahren notwendig. Dies gilt es zu vermeiden, da sich dadurch der Bau der Straßenbahnlinie um viele Jahre verzögern würde.

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Der Rückbau einer aus zwei Überbauten bestehenden ca. 45 m breiten und 116 m langen Spannbetonbrücke stellt eine hohe ingenieurtechnische Herausforderung dar. Die Baumaßnahme soll in mehreren Bauphasen mit nur kurzen Sperrzeiten der Wasserstraße und unter weitestgehender Aufrechterhaltung der Verkehrsflächen auf der Brücke realisiert werden.
Hierzu sind komplexe Hilfskonstruktionen und eine abgestimmte Baustellenlogistik notwendig.

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Die Projektbearbeitung bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zum Ersatzneubau der Mühlendammbrücke hat im Sommer 2018 begonnen. Es wurden u.a. folgende Schritte unternommen: Grundlagenermittlung, Leitungsabfragen bei den Versorgungsunternehmen, Beteiligung des Bezirksamts Mitte bezüglich Anforderungen und Schnittstellen, Beteiligung der Wasserschifffahrtsverwaltung und der BVG, Abstimmungen mit weiteren Senatsverwaltungen und der Zustimmung zu den Haushaltsmitteln für die Planung im Jahr 2018. Abstimmungen zur Durchführung eines Wettbewerbs seit Ende 2018. Mehrfache Überarbeitung, intensive Diskussionen zum Verfahrensablauf und zum Brückenquerschnitt sowie Organisation des Realisierungswettbewerbs mit integriertem Ideenteil.

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Die Realisierung des Ersatzneubaus der Mühlendammbrücke untergliedert sich in zwei Hauptphasen. In einer ersten Hauptphase soll unter Beibehaltung des bestehenden Plan- und Baurechts ein Ersatzneubau umgesetzt werden, welcher mit dem Realisierungswettbewerb beginnt und mit der Fertigstellung der neuen Mühlendammbrücke endet. In einer zweiten Hauptphase sollen die nicht tragenden Elemente oberhalb der Brückenkonstruktion so umgebaut werden, dass eine weitere Umverteilung von Verkehrsflächen möglich wird. Für diesen Teil dient im Wesentlichen der Ideenteil zum Realisierungswettbewerb, um mögliche Nutzungsformen (u.a. Aufenthaltsbereiche, Kleingastronomie, Fußverkehrsflächen) zu erkennen und im Rahmen der weiteren Planungsschritte ggf. Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Planungs- und Bauzeiten

Zeitschiene / Projektstand Zeitraum
Realisierungswettbewerb mit Ideenteil 2020 - 2021
Planungen zum Ersatzneubau 2021 - 2024
Rückbau und Neubau des 1. Bauabschnitts 2024 - 2026
Rückbau und Neubau des 2. Bauabschnitts 2026 - 2028
Verkehrsfreigabe Mühlendammbrücke Phase 1 – Busspur mit Radverkehr 2028
Anpassung Mühlendammbrücke nach Verkehrsfreigabe Straßenbahn und Wegfall Busspur Noch offen

Aufgrund der zurückliegenden Diskussionen und Anpassungen der Zeitschiene zum Realisierungswettbewerb ergab sich eine Verschiebung des Baubeginns. Die zeitlichen Angaben zur Bauausführung können erst nach Vorlage der Entwurfsplanung aktuell im Jahr 2023 konkretisiert werden.

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Fragen zu den Themen Verkehr, Mobilität und Verkehrsarten

Für das Jahr 2025 wurde eine Verkehrsprognose von 62.800 Kfz/24h für die Dimensionierung der neuen Mühlendammbrücke angesetzt und damit 10.000 Kfz/24 h weniger als heute.

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Die zukünftige Ausrichtung des Verkehrs um die Innenstadt und Reduzierung auf ein stadtverträgliches Maß wurde bereits 2003 im ersten Stadtentwicklungsplan Verkehr formuliert und in dessen Fortschreibung 2011 mit etwa 45.000 Kfz/24h werktags präzisiert. Denn innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings leben rund 1,12 Millionen Menschen (Stand 2018). Das bedeutet einen nicht unwesentlichen eigenen Quell- und Zielverkehr, davon auch in erheblicher Größenordnung Wirtschaftsverkehr zur Ver- und Entsorgung dieses Raums. Die seinerzeit prognostizierte Querschnittsbelastung für 2025 von etwa 45.000 Kfz/24h werktags bedingen zwei Fahrstreifen je Fahrtrichtung, d.h. einen insgesamt vierstreifigen Fahrbahnquerschnitt. Trotz allgemeinem Rückgang der Kfz-Nutzung hat die Verkehrsbedeutung der Mühlendammbrücke in der Vergangenheit zugenommen, welche sich mit einer aktuellen Querschnittsbelastung von 73.800 Kfz/24h im Jahr 2018 belegen lässt.

Die Annahmen 2011 gingen von sinkender oder gleichbleibender Bevölkerung aus, tatsächlich ist die Bevölkerung seitdem jedoch stark gewachsen. Die Annahme der 62.800 Kfz/24h resultiert aus dem aktuellen Stand des Verkehrsmodells des Landes Berlin für das Jahr 2030. Das Verkehrsmodell wird gemäß Stand der Technik basierend auf Entwicklungsannahmen zur Bevölkerungsentwicklung, daraus abgeleiteten Erwerbstätigenzahlen, den geplanten bzw. verabschiedeten Infrastrukturvorhaben sowie weiteren Maßnahmen erarbeitet. Hieraus ergeben sich aktuell erhebliche Unterschiede gegenüber 2011 und den Prognosen für 2025, obwohl das aktuelle Verkehrsmodell den verkehrspolitischen Umgestaltungswillen mit den entsprechenden Maßnahmen zum Ausbau des Umweltverbunds und zur Verringerung des motorisierten Individualverkehrs berücksichtigt.
Unter Berücksichtigung der Prognosen für die Straßenbahnplanung werden je nach Variante Minderungen von 5.000 bis 10.000 Kfz/Werktag im Querschnitt ermittelt, aber auch für diese Zahlen sind weiterhin zwei Fahrspuren je Richtung notwendig.

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Die Straßenplanungen im Bereich der laufenden Baumaßnahme „Molkenmarkt“ wurde durch einen planfeststellungsersetzenden Bebauungsplan in der vergangenen Legislatur im Jahr 2016 planrechtlich gesichert und vorgegeben. Der dort festgelegte Straßenquerschnitt basiert auf einer objektkonkreten Verkehrsprognose, welche auch für die Mühlendammbrücke herangezogen werden muss. Wenn man jetzt weitere Reduzierungen der Verkehrsflächen bzw. Fahrstreifenanzahl und damit eine Verringerung der Breite der Brücke anstrebt, müsste im Bereich der Mühlendammbrücke vorab ein Planfeststellungsverfahren mit einem Nachweis durchgeführt werden, dass die anzusetzenden Verkehre entgegen der vorliegenden Verkehrsprognosen auf der Bundesstraße oder umliegenden Straßen bewältigt werden können. Nach dem § 17 des Fernstraßengesetzes besteht das Erfordernis der Planfeststellung, dass Bundesstraßen nur geändert werden dürfen, wenn der Plan vorher festgestellt ist. Eine Änderung liegt vor, wenn eine Bundesfernstraße in sonstiger Weise erheblich baulich umgestaltet wird. Solch ein mehrjähriges Planfeststellungsverfahren würde die Inbetriebnahme der geplanten Straßenbahnstrecke Alexanderplatz-Potsdamer Platz um einige Jahre nach hinten verschieben.
Mit dem Ideenteil „Mühlendammbrücke – Zukunft“ in den Wettbewerbsunterlagen kann auch eine mögliche Brückennutzung bei einer potenziellen künftigen Fahrstreifenreduzierung thematisiert werden

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Die Einrichtung eines fest abgetrennten, zusätzlichen Fahrradstreifens in beiden Fahrtrichtungen / Fahrbahnen ist nach Abschluss des Straßenbahnbaus vorgesehen. Gemäß dem Mobilitätsgesetz Berlin § 43 (1) ist an allen Hauptverkehrsstraßen eine ausreichend breite und sichere Radverkehrsinfrastruktur vorzusehen. Entsprechende straßenräumliche Maßnahmen können neben den offensichtlichen Vorteilen für den Radverkehr auch einen Beitrag zur Lärmminderung leisten.

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Mit der der bereits geplanten Reduzierung der Fahrstreifenanzahl auf jeweils 2 Fahrspuren je Fahrtrichtung wird der geplanten Umverteilung zwischen den verschiedenen Verkehrsarten zugunsten des Umweltverbunds entsprechend Rechnung getragen.
Insbesondere durch den geschädigten Bauwerkszustand der Mühlendammbrücke sind zeitnahe Planungs- und Bauleistungen umzusetzen, welche eine funktionierende Stadt gewährleisten. Mit einem geplanten Brückenquerschnitt, welcher auf Grund seiner Baukonstruktion ein hohes Maß an Flexibilität der Nutzungsmöglichkeiten aufweisen soll, können weitere Umverteilungen der Brückenflächen auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

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Die Parkplätze im mittleren Bereich der Mühlendammbrücke mussten auf Grund der Ergebnisse zum Bauwerkszustand und zu den maximalen Belastungen sowie den jeweiligen Einflussbereichen entfernt werden. Nach dem Ersatzneubau der Mühlendammbrücke werden die bislang für Parkraum genutzten Flächen umgewandelt: Hier wird eine Straßenbahnanlage gebaut.

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Fragen zur städtebaulichen Einordnung und zur baugeschichtlichen Einordnung

Der Mühlendammbrücke und ihrem Umfeld kommt in historischer, städtebaulicher und verkehrlicher Hinsicht eine herausragende Bedeutung im ältesten Teil der Berliner Innenstadt zu. Daraus resultieren besondere Anforderungen an die Gestaltung der neuen Brücke, denen die Wettbewerbsbeiträge gerecht werden sollen.

An diesem Standort befand sich die erste Verbindung zwischen der historischen Doppelstadt Berlin und Cölln; gegenwärtig grenzt die Brücke an heterogene, teilweise denkmalgeschützte Stadtstrukturen. Im näheren Umfeld der Brücke sollen sich lebendige Stadtquartiere entwickeln, wie der Bereich Petriplatz und das Quartier Breite Straße im Süden und der Bereich Molkenmarkt im Norden. Damit bekommt die Brücke zukünftig die Bedeutung eines städtischen Bindeglieds. Die neue Mühlendammbrücke soll sich mit dem denkmalgeschützten städtebaulichen Umfeld auseinandersetzen, sich in den Bestand einfügen, Verweilqualität im Stadtraum bieten und den Blick auf die Spree und die historische Mitte Berlins freigeben. Von den Wettbewerbsteilnehmern werden Beiträge erwartet, die eine überzeugende Einheit von Funktion, Konstruktion und Gestaltung darstellen und ein gestalterisch stimmiges Gesamtensemble bilden. Die neue Mühlendammbrücke soll dabei anpassungsfähig an zukünftige Nutzungen und Anbindungen an den umgebenden Stadtraum sein.

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Für die künftige Gestaltung der Berliner Mitte hat die Senatsverwaltung das Projekt Stadtwerkstatt ins Leben gerufen. In der Stadtwerkstatt haben Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung und weitere Akteure der Stadtgesellschaft die Möglichkeit, die Berliner Mitte gemeinsam zu gestalten. In unterschiedlichen Formaten werden verschiedene Projekte für die Berliner Mitte in Partizipationswerkstätten entwickelt, erörtert und diskutiert. Im Fokus stehen dabei die funktionale und gestalterische Aufwertung der öffentlichen Straßen- und Freiräume, eine Verbesserung stadtstruktureller Verknüpfungen unter Berücksichtigung der verkehrlichen Infrastruktur sowie eine angemessene bauliche Nachverdichtung, vor allem für Wohnungsbau. Auch der Kenntlichmachung der bewegten Stadtgeschichte, u.a. mittels sichtbarer archäologischer Funde, wird große Bedeutung beigemessen.

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Zu den baulichen und technischen Möglichkeiten einer barrierefreien Erschließung ans Rohlandufer wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Hieraus ergaben sich auf Grund der Vielzahl an baulichen Zwangspunkten lediglich langgezogene Rampenbauwerke. Seitens des Landesdenkmalsamtes wird eine barrierefreie Erschließung neben dem Gebäude „Alte Münze“ und auch auf der Seite zum Nikolaiviertel aus denkmalgestalterischen Gründen abgelehnt.
Eine barrierefreie Erschließung mittels eines Rampenbauwerkes würde eine Schneise bzw. massive Ansichtsfläche verursachen, welche den denkmalstädtebaulichen Charakter entfremden würde.

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Im Zuge der Brückenplanung soll die bestehende Schneise zwischen der Mühlendammbrücke und dem Ephraim Palais möglichst geschlossen werden. Durch die Auslobung eines Realisierungswettbewerbes mit integrierten Ideenteil werden sich verschiedene Lösungsansätze ergeben, welche durch die am Wettbewerb teilnehmenden Ingenieure und Architekten erarbeitet und eingereicht werden.

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Fragen zum Realisierungswettbewerb mit integrierten Ideenteil

Es handelt sich um einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb (RPW 2013) mit einem integrierten Ideenteil.

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Die Durchführung eines Realisierungswettbewerbes für dieses prominente Brückenbauwerk wurde zwischen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz vereinbart.

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In dem Ideenteil soll die Anpassungsfähigkeit der Brücke an eine postfossile Zukunft im Zeichen der Verkehrswende dargestellt werden. Mit dem Ideenteil sollen bereits erste Vorschläge gesammelt werden, welche zum Zeitpunkt der 2. Projektphase ggf. berücksichtigt werden können.

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Die Durchführung und Gesamtkoordination des Wettbewerbsverfahrens obliegt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.
Die gesamthafte Verantwortlichkeit für den Ersatzneubau der Mühlendammbrücke und damit die Wahrnehmung der bauherrenseitigen Aufgaben obliegt der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

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Im Zusammenhang mit der bauherrenseitigen Grundlagenermittlung wurde das Bezirksamt beteiligt und in Abstimmung mit dem Bezirk wurde die Entscheidung zur Durchführung eines Realisierungswettbewerbes getroffen.
Weiterhin ist der Bezirk in der Preisjury und im Kreis der Sachverständigen zum Realisierungswettbewerbes vertreten. Neben der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ist das Bezirksamt Mitte ein relevanter Projektbeteiligter, welcher fortlaufend bei den umfangreichen und komplexen Planungs- und Bauaufgaben beteiligt wurde und wird.

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Nach Abschluss des Wettbewerbsverfahrens fängt die eigentliche Projektbearbeitung erst richtig an. Bei der Bearbeitung der verschiedenen Planungsstufen werden mehrere Veranstaltungen mit verschiedenen Formaten vorgesehen.

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Es gab verschiedene öffentliche Veranstaltungen für diesen Straßenzug und Stadtraum. So fand zuletzt am 25.02.2020 die Bürgerinformationsversammlung zur Straßenbahnplanung Alexanderplatz-Potsdamer Platz statt. Das Protokoll und weitere Unterlagen sind einzusehen unter

Vom 26.02.20 bis 11.03.2020 bestand zudem die Möglichkeit, Ideen und Anregungen zur Planung auf mein.berlin.de abzugeben. Auch diese sind unter der oben genannten Internetadresse zu finden. Die abgegebenen Ideen und Anregungen werden für die weitere Planung geprüft und wo sinnvoll und möglich berücksichtigt.

Eine weitere Veranstaltung als Dialog-Veranstaltung ist für den 09.11.2020 vorgesehen. Hier steht der Ersatzneubau der Mühlendammbrücke, als Themenschwerpunkt auf dem Veranstaltungsprogramm.

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Die derzeitigen Standards für die Berücksichtigung der Leitlinien Bürgerbeteiligung bei Wettbewerbsverfahren der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen werden für das Wettbewerbsverfahren der Mühlendammbrücke berücksichtigt. Diese sind:
  1. öffentliche Veranstaltung vor Beginn eines Wettbewerbsverfahrens
  2. öffentliche Veranstaltung unmittelbar vor der Jurysitzung unter Teilnahme der Jurymitglieder
  3. Ausstellung mit öffentlicher Veranstaltung im Anschluss an das Wettbewerbsverfahren

Die Online-Bürgerveranstaltung am 09.11.2020 entspricht hierbei der Veranstaltung unter 1., die konkreten Termine der Veranstaltungen unter 2. und 3. stehen noch nicht fest.

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