99 Jahre Berliner Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege

Parlamentarischen Abend: 99 Jahre Berliner Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege

Pressemitteilung vom 05.05.2026

Seit dem Jahr 1927 existiert in Berlin ein Amt, das für den Naturschutz in der Stadt längst unverzichtbar ist: der Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege. Er ist unabhängig und berät die Behörden fachlich und wissenschaftlich, auch Bürgerinnen und Bürger können sich mit Ihren Fragen an ihn wenden. Zugleich überwacht und genehmigt der Landesbeauftragte Maßnahmen zum Schutz der Natur und Landschaft in Berlin.

Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, gratuliert zum 99-jährigen Bestehen der Berliner Institution: „Wir sind dankbar für die fruchtbare und inspirierende Zusammenarbeit mit den Landesbeauftragten. Seit fast einem ganzen Jahrhundert besteht diese Erfolgsgeschichte, auf die Berlin zu Recht stolz sein kann. Die unabhängige, fachliche, Beratung durch die Landesbeauftragten mit ihrer wissenschaftlichen Expertise sind wichtig für unsere Arbeit in der Senatsverwaltung und haben Stadtnaturschutz in Berlin geprägt.“

Am Montag wurde mit einem parlamentarischen Abend in der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt das 99-jährigen Bestehen gewürdigt. Unter dem Motto „Wie gelingt Stadtnaturschutz in Berlin? Vom Rückblick zum Ausblick“ haben die 140 Teilnehmenden auf nahezu ein Jahrhundert amtlicher Naturschutzarbeit in Berlin zurückgeblickt. Zugleich diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über Perspektiven des Stadtnaturschutzes.

Eingeleitet wurde der Abend mit einem Grußwort von June Tomiak, Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz des Abgeordnetenhauses. Ein Höhepunkt des parlamentarischen Abends war die Vorstellung des neuen Buches „99 Jahre Stadtnaturschutz in Berlin – Konflikte, Kompromisse und Erfolge“. Das Buch zeichnet die beeindruckende Geschichte der Arbeit der Landesbeauftragten nach. Auf Basis historischer Quellen und Interviews mit aktuellen und ehemaligen Landesbeauftragten und AkteurInnen aus der Verwaltung zeigt der Historiker Nils Franke, wie Naturschutz in Berlin vom Randthema zum zentralen Anliegen der Landespolitik wurde – und zu einem Standortvorteil im Klimawandel, um den andere Städte Berlin beneiden.

Um die „Berliner Schule der Stadtökologie“ ging es in einem Vortrag von Prof. Dr. Ingo Kowarik, Berlins Landesbeauftragter von 2001 bis 2021. Das Konzept der Berliner Schule hatte Kowarik mit dem kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Dr. h.c. Herbert Sukopp entwickelt, der das Amt des Landesbeauftragten einst 25 Jahre innehatte. Beide prägten neue Wege für integrierten Naturschutz in der Stadt, wofür sie international geschätzt werden.

Prof. Dr. Aletta Bonn, Landesbeauftragte für Naturschutz und Landespflege seit 2023, entwickelte darauf aufbauend einen Ausblick auf die Zukunft des Stadtnaturschutzes. Prof. Dr. Aletta Bonn: „Stadtnaturschutz ist zentral für ein lebenswertes, zukunftssicheres Berlin. Hier gehören Biodiversität, Klimaanpassung und Gesundheit zusammen. Ich freue mich in der langen Tradition zusammen mit dem Sachverständigenbeirat gemeinsam die Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft beraten zu können. Damit Berlin auch weiterhin attraktiv und lebenswert bleibt, haben wir mit dem Beirat zehn zentrale Empfehlungen zur Berliner Stadtnatur an die Politik entwickelt. Als international sichtbare Metropole kann Berlin moderne Stadtentwicklung mit positiven Wirkungen auf Stadtnatur, Gesundheit und Umweltgerechtigkeit verbinden.“ Die Empfehlungen zur Stadtnatur sind unter folgendem Link abrufbar: Beschlüsse des Sachverständigenbeirats für Naturschutz und Landschaftspflege.

Anschließend leitete Dr. Carlo Becker aus dem Sachverständigenrat eine angeregte Podiumsdiskussion, an der die umweltpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen im Abgeordnetenhaus teilnahmen. Mit dabei waren Danny Freymark (CDU), Linda Vierecke (SPD), Benedikt Lux (Bündnis 90/Die Grünen) und Alexander Bertram (AfD). Die umweltpolitische Sprecherin der Linken war zeitlich verhindert. Zusammen mit Akteuren aus den Verwaltungen, Bezirken, Verbänden, Forschung, weiteren Organisationen und Zivilgesellschaft im Publikum entspann sich eine aufschlussreiche Diskussion über die vielfältigen Möglichkeiten und Herausforderungen von Naturschutz in Berlin.

Der parlamentarische Abend endete mit einem Ausblick von Andreas Kraus, Staatssekretär für Klimaschutz und Umwelt: „Der Blick in die Zukunft, den wir heute gewagt haben, ist trotz großer Aufgaben ein positiver. Neben dem Klimawandel stellen uns Themen wie die wachsende Stadt verbunden mit Wohnungsnot und steigendem Druck auf Flächen und Naturräume vor gewaltige Herausforderungen. Der Parlamentarische Abend zeigte wieder einmal, dass Stadtgrün kein Luxus ist, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe. Wir freuen uns auf die nächsten 99 Jahre!“