Wie kommt Berlin weg von Öl und Gas, ohne dass Wohnen unbezahlbar wird – und wer übernimmt dabei welche Rolle? Darüber haben sich am heutigen Dienstag auf Einladung der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) zentrale Akteurinnen und Akteure der Berliner Wärmeversorgung bei einem Fachdialog in den Nordischen Botschaften ausgetauscht. Dänemark steht dabei Pate: Das Land setzt seit Jahrzehnten auf Wärmeplanung und Wärmenetze – sie bilden heute das Rückgrat der dänischen Wärmeversorgung und sind Vorbild für Berlin.
Was ist der nächste große Schritt?
Bis Ende Juni 2026 legt Berlin seinen ersten umfassenden Wärmeplan vor. Er soll als strategischer Rahmen die zukünftige Entwicklung der Berliner Wärmeversorgung beschreiben und Orientierung für den Ausbau klimaneutraler Strukturen in den Quartieren der Stadt geben.
Ute Bonde: „Eine Stadt wie Berlin, mit dichten Quartieren, einer großen Industrie- und Dienstleistungsbasis und einer hohen Zahl von Mieterinnen und Mietern, kann es sich schlicht nicht leisten, bei der Wärmeversorgung im Fossilen stehen zu bleiben. Deshalb haben wir uns ein klares Langfristziel gesetzt: Berlin soll bis 2045 klimaneutral werden. Dazu gehört ausdrücklich eine sichere und sozial verträgliche Wärmeversorgung – für die heutige und für kommende Generationen von Berlinerinnen und Berlinern.“
Zuvor hatte der dänische Botschafter Thomas Østrup Møller den Fachdialog eröffnet und die dänischen Erfahrungen mit frühzeitiger Wärmeplanung und konsequentem Ausbau von Wärmenetzen hervorgehoben.
Wie will Berlin die Wärmewende konkret umsetzen?
Ein zentraler Hebel ist der Umbau der Berliner Wärmenetze: Sie müssen um- und ausgebaut und an vielen Stellen neu errichtet werden, damit erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme effizient genutzt werden können. Das neue Wärmeplanungsgesetz verpflichtet alle Wärmenetzbetreiber – auch kleinere – dazu, bis Ende 2026 Ausbau- und Dekarbonisierungsfahrpläne vorzulegen.
Im Mittelpunkt steht dabei die Abkehr von fossilen Energien. Berlin setzt perspektivisch auf tiefe Geothermie, Abwasser- und Flusswasserwärme, Abwärme aus Rechenzentren und industriellen Prozessen sowie – ergänzend – auf nachhaltige Biomasse und Wasserstoff.
Wer war beim Fachdialog dabei – und worüber wurde diskutiert?
Im Anschluss an die Rede der Senatorin diskutierten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Energieunternehmen mit Andreas Kraus, Staatssekretär für Klimaschutz und Umwelt, über den Ausbau bestehender und neuer Wärmenetze in Berlin. Dabei war klar: Noch stammt ein Großteil der Wärme aus fossilen Quellen, die Umstellung auf erneuerbare Quellen erfordert erhebliche Investitionen und enge Abstimmung aller Beteiligten.
Neben technischen Fragen standen auch rechtliche, finanzielle und soziale Aspekte der Wärmewende auf der Agenda – von regulatorischen Rahmenbedingungen über Förderoptionen bis hin zur sozialen Abfederung der Transformation für Mieterinnen und Mieter. Alle Beteiligten waren sich einig, den intensiven Austausch fortzusetzen.
Hintergrund: Warum Dänemark als Vorbild?
Dänemark hat früh damit begonnen, Wärmepläne zu erstellen und systematisch auf Wärmenetze zu setzen. Diese spielen heute eine Schlüsselrolle für die Versorgungssicherheit und das Erreichen der Klimaziele – und liefern wertvolle Erfahrungen für die Berliner Wärmeplanung.