Welttoilettentag in Berlin beleuchtet die Geschichte des „Café Achteck“

Pressemitteilung vom 17.11.2025

Zum diesjährigen Welttoilettentag am 19. November richtet die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt den Blick auf ein Stück Berliner Stadtgeschichte: das historische „Café Achteck“.

So wie viele wachsende Metropolen des 19. Jahrhunderts kämpfte auch Berlin einst mit hygienischen Problemen. Die Stadtbevölkerung wuchs damals stark an, doch moderne Wasser- und Abflussleitungen fehlten weitgehend. Sickergruben und Nachttöpfe prägten das Stadtbild und ihr Inhalt landete meist in der Spree. Erste Bemühungen, öffentliche Toiletten aufzustellen, gingen damals von der Berliner Polizei aus, die seit 1832 laut königlichem Befehl für alles verantwortlich war, was auf und unter den wichtigsten Straßen der Stadt geschah. Der damalige Generalpolizeidirektor Karl Ludwig von Hinckeldey wurde so auch mit einem Spottvers geehrt:

„Ach lieber Vater Hinckeldey
mach uns für unsre Pinkelei
doch bitte einen Winkel frei“

1879 war es dann endlich so weit: Nach einem Designwettbewerb wurden auf dem Weddingplatz und dem Arminiusplatz (Rathausvorplatz in Moabit) die ersten Cafés Achteck aufgebaut. Das Palmettendesign auf der Außenwand war vom Maler und Architekten Karl Friedrich Schinkel inspiriert. Die achteckige Form ist das kunstvolle Produkt der Berliner Eisengießereien, die mit ihren Brücken und Bahnhöfen das Großstadtbild prägten, aber auch kunstvolle Maschinenteile und Ofenplatten herstellten. Eine dieser reich verzierten Ofenplatten diente als Vorlage für die acht gusseisernen Wände des Berliner Pissoirs.

Offiziell hießen die Toiletten zunächst aufgrund der grünen Farbe „Waidmannslust“. Doch die Berlinerinnen und Berliner gaben ihnen schnell ihren bis heute bekannten Spitznamen Café Achteck – in Anspielung auf ihre Form und die Tatsache, dass man dort seinen „Kaffee loswird“.

Bis 1920 wurden 142 Cafés Achteck in verschiedenen Varianten im gerade neu entstandenen Groß-Berlin installiert. Die Kriegszeiten, die Teilung der Stadt, der Ausbau von öffentlichen Toiletten in Geschäften, veränderte Lebensweisen und der Lauf der Zeit sorgten dafür, dass heute nur noch elf der ursprünglichen Anlagen existieren. Einige von ihnen stehen unter Denkmalschutz, dienen aber demselben Zweck wie vor 146 Jahren.

Während in der Vergangenheit die Cafés Achteck als Pissoirs nur für Herren vorgesehen waren, gibt es heute auch zwei umgebaute Anlagen, die von allen Menschen genutzt werden können. Einige ehemalige Cafés Achteck wurden in der Zwischenzeit auch umgebaut. Eine der Anlagen dient heute zum Beispiel als Pavillon eines Museums. Eine andere Anlage in ähnlicher Bauweise ist heute ein bekanntes und beliebtes Burger-Restaurant an der U-Bahn-Haltestelle Schlesisches Tor. Doch ob als Denkmal, Toilette oder Treffpunkt – sie alle stehen sinnbildlich für über 146 Jahre Berliner Stadtkultur und Lebensqualität.

Mehr Informationen zur Geschichte öffentlicher Toiletten in Berlin:

Fotos von entsprechenden Toiletten gibt es hier – frei nutzbar mit Nennung des Copyrights (Dagmar Schwelle/ SenMVKU):

  • Café Achteck

    Café Achteck

  • Toilettenanlage am Mariannenplatz

    Toilettenanlage am Mariannenplatz