Newsletter Berliner Biologische Vielfalt – Nr. 3

Newsletter für die Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030+

Februar 2026

Zählen, was zählt: Arten beobachten und Vielfalt schützen

Liebe Freundinnen und Freunde der Biologischen Vielfalt,

der Winter hat kalte Temperaturen und klare Winterluft in unsere Stadt gebracht – eine Zeit, in der vieles scheinbar stillsteht. Doch sogar jetzt lohnt sich ein genauer Blick auf unsere Stadtnatur: Auch im Winter sind Berlins Moore und Feuchtgebiete voller Leben und bieten zahlreichen Tieren wertvolle Rückzugsorte. In dieser Ausgabe widmen wir uns dem Thema Monitoring: Wie erfassen wir den Zustand unserer Natur? Wer beobachtet, zählt und dokumentiert, damit Veränderungen frühzeitig erkannt werden? Mit spannenden Einblicken in aktuelle Projekte und digitale Werkzeuge wie der App Vogelwelt zeigen wir, wie jede und jeder zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen kann.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Team der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

INFORMIERT. Neues zur Berliner biologischen Vielfalt

Reinklicken: Fachgesprächsreihe „Spotlight Stadtnatur“

Das neue Jahr bringt neue Möglichkeiten, sich gemeinsam zur Berliner Stadtnatur auszutauschen und zu vernetzen: Ab 2026 lädt die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt gemeinsam mit der Geschäftsstelle Biologische Vielfalt zu der neuen Veranstaltungsreihe „Spotlight Stadtnatur“ ein. In regelmäßigen Fachgesprächen beleuchten wir gemeinsam mit Fachleuten aktuelle Themen, wie beispielsweise Vogelschutz an Glasfassaden, Regenwassermanagement, Biodiversität am Gebäude oder Beweidung. Im Anschluss diskutieren wir gemeinsam Umsetzungsmöglichkeiten und tauschen uns zu Erfahrungswerten aus. Den Auftakt macht am 23. März 2026 das Fachgespräch „Vogelschutz am Gebäude”, mit der Vogelschutzexpertin Claudia Wegworth. Ab sofort ist die Anmeldung auf unserer Webseite möglich. Sie haben Themenvorschläge für künftige Fachgespräche oder möchten ein spannendes Biodiversitätsprojekt aus Ihrem Bezirk vorstellen? Dann melden Sie sich gerne unter kontakt@biologischevielfalt-berlin.de. Wir freuen uns auf Ihre Ideen!

Gemeinsam für Gesundheit und biologische Vielfalt

Gute Nachrichten für Berlins Quartiere: Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt ist dem Gemeinschaftsprogramm „Gesund in Berlin – Stadtteile im Blick” beigetreten. Die im Dezember 2025 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung verbindet erstmals die Themen Gesundheitsförderung, Stadtentwicklung und biologische Vielfalt. Damit wird ein zentrales Anliegen der Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt 2030+ in die Praxis umgesetzt: Stadtnatur ist weit mehr als nur grün. Sie verbessert unsere Lebensqualität, fördert die Gesundheit und schafft Raum für Erholung und Begegnung. Durch die ressortübergreifende Zusammenarbeit wird das Potenzial von Stadtnatur als Quelle für Gesundheit und sozialen Zusammenhalt nun gezielt genutzt, besonders in sozial benachteiligten Quartieren. Seit 2021 konnten durch das Programm bereits mehr als 50 Stadtteileinrichtungen gestärkt werden. Ein schönes Beispiel dafür, wie biologische Vielfalt und Gesundheit Hand in Hand gehen können! Weitere Informationen finden Sie unter „Gesund in Berlin – Stadtteile im Blick“.

Naturschutz trifft Hauptstadt: Der 38. Deutsche Naturschutztag

Im März 2026 wird Berlin zum Treffpunkt für alle, die sich für den Schutz unserer Natur engagieren. Unter dem Motto „Natur Mensch Zukunft” kommen vom 10. bis 14. März über 150 Fachleute an der Freien Universität Berlin-Dahlem zusammen, um aktuelle Herausforderungen rund um Biodiversität und Klimawandel zu diskutieren. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt ist Mitveranstalterin und bringt die Berliner Perspektive auf Stadtnatur und biologische Vielfalt ein. Das Programm umfasst Keynotes, Workshops, Exkursionen und eine „Lange Nacht des Naturschutzes”. Melden Sie sich jetzt an und gestalten Sie die Zukunft des Naturschutzes mit! Alle Infos unter Deutscher Naturschutztag.

Daten sammeln, Arten schützen: Neue Rote Liste der Brutvögel

Im August 2025 hat die Berliner Ornithologische Arbeitsgemeinschaft (BOA) die vierte Fassung der Roten Liste der Brutvögel veröffentlicht. Die umfangreiche Bestandsanalyse basiert auf jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit zahlreicher Vogelbeobachterinnen und -beobachter, die unermüdlich Daten gesammelt und ausgewertet haben. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der 185 nachgewiesenen Brutvogelarten gilt als gefährdet oder bereits ausgestorben. Das ist deutlich mehr als bei der letzten Erhebung 2013. Als Hauptursachen nennen die Fachleute zunehmende Bebauung, wachsende Verkehrsflächen und den Rückgang von Feuchtlebensräumen. Doch es gibt auch Lichtblicke: Für 18 Arten, darunter Hohltaube und Sperber, zeigt sich eine positive Bestandsentwicklung. Die Ergebnisse unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf beim Schutz geeigneter Lebensräume und zeigen zugleich, wie wertvoll bürgerschaftliches Engagement für das Monitoring der Berliner Artenvielfalt ist.

REINGESCHAUT. Einblicke in die Strategie

Handlungsfeld 19: Monitoring und Berichterstattung

Das Handlungsfeld 19 sieht ein systematisches und standardisiertes Monitoring der biologischen Vielfalt in Berlin vor. Ziel ist es, kontinuierlich Daten zum Zustand von Arten und Lebensräumen zu erheben und diese in regelmäßigen Statusberichten auszuwerten. Die Datenerhebung erfolgt in enger Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen, Behörden und der Zivilgesellschaft ist. Zusätzlich wird ein umfassendes Monitoringkonzept entwickelt, das alle 19 Handlungsfelder der Strategie abdeckt und Indikatoren für repräsentative Arten und Lebensräume festlegt. Die Ergebnisse sollen transparent aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So wird nicht nur die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft, sondern auch eine Grundlage für Anpassungen und Weiterentwicklungen der Strategie geschaffen. Das Monitoring ist damit ein Schlüsselinstrument, um den Schutz und die Förderung der biologischen Vielfalt in Berlin gezielt und nachvollziehbar voranzubringen.

ZUGEHÖRT. Lokale Akteure und Projekte

Freie Universität Berlin

Rebecca Rongstock oder Eberhard Klauck, Leitung des Tagfaltermonitorings am Blühenden Campus

Was sind die Aktivitäten des Tagfalter-Monitoring auf dem Campus der FU Berlin?
Beim Tagfalter-Monitoring wird immer dieselbe Strecke (Transekt) – idealerweise einmal wöchentlich – von April bis September nach einer standardisierten Methode begangen und die gefundenen Tagfalterarten und deren Anzahl dokumentiert. 2020 mit dem Karstweißling sogar ein Erstnachweis für Berlin. Die Funde werden an das Helmholzzentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig übermittelt. Zusammen mit den Daten der über 600 Transekte in ganz Deutschland wird dort versucht, langfristige Trends über die Bestände von Tagfaltern in Deutschland zu ermitteln.

Welche Ziele verfolgt das Projekt und wie tragen diese zum Erreichen der Berliner Biodiversitätsstrategie bei?
Durch Monitoring werden die vorkommenden Arten ermittelt, der erste Schritt zu deren Schutz. So wurde letztes Jahr auf dem Transekt im Botanischen Garten das Landkärtchen gefunden, dessen Vorkommen in Berlin rapide abgenommen haben. Auch das Sechsfleck-Widderchen konnte 2025 zum ersten Mal auf dem FU Transekt beobachtet werden. Durch Veränderungen in der Mahdhäufigkeit versuchen wir, die Flächen für Insekten attraktiver zu machen und durch Führungen auf den Transekten fördern wir Naturerlebnisse im urbanen Raum.

ENTDECKT. Arten- und Biotop-Porträt

Moore und Feuchtgebiete

Moore und Feuchtgebiete sind auch im Berliner Winter faszinierende Lebensräume, deren Bedeutung oft unterschätzt wird. Auch wenn die Vegetation ruht, bieten sie zahlreichen Tieren einen Rückzugsraum und geschützten Überwinterungsort, wie zum Beispiel dem Moorfrosch, Insektenlarven oder der Wasseramsel, die als einziger heimischer Singvogel schwimmen, tauchen und sogar unter dem Wasser laufen kann. In Berlin finden sich Feuchtgebiete zum Beispiel im Spandauer Forst, im Grunewald, im Teufelsseemoor-Köpenick und im Tegeler Fließ. Viele Berliner Moore sind bedroht, da Trockenheit und Grundwasserentnahme ihren Wasserhaushalt beeinträchtigen. Ein gezieltes Monitoring, welches regelmäßig den Wasserstand, die Wasserqualität, sowie den Erhaltungszustand der Vegetation erfasst, hilft, diese wertvollen Biotope zu erhalten.

MITBEKOMMEN. Kennen Sie bereits…

… das Meldeportal Artenfinder Berlin?

Wer aufmerksam durch das winterliche Berlin läuft, kann einiges entdecken. Mit der Plattform ArtenFinder Berlin können Sie Ihre Naturbeobachtungen ganz einfach erfassen und so einen direkten Beitrag zum Artenschutz leisten. Ob Rotkehlchen am Futterhaus, Eichhörnchen im Stadtpark oder Flechten an Baumstämmen: Über die Webseite oder die ArtenFinder App können Sie die Entdeckungen Ihres letzten Spaziergangs einfach melden. Die Daten fließen in die landeseigenen Datenbanken ein und stehen den Naturschutzbehörden für ihre Arbeit zur Verfügung. Im Jahr 2025 wurden über 10.000 Beobachtungen gemeldet. Der Artenfinder, und damit alle, die ihn nutzen, trägt direkt zur Dokumentation der Berliner Artenvielfalt bei. Das Projekt wird von der Stiftung Naturschutz Berlin koordiniert und zeigt: Jede Beobachtung zählt! Registrieren Sie sich unter ArtenFinder Berlin an und werden Sie Teil des Berliner Artenschutz-Netzwerks.

MITGEMACHT. Veranstaltungen

Entdecken Sie Berliner Wintervögel!

Ob Sie sich warm eingepackt nach draußen wagen oder es sich lieber zu Hause gemütlich machen: Der Umweltkalender Berlin hat im Februar und März für alle etwas zu bieten, die im Winter Berlins Natur erleben möchten. Wer tiefer in die Vogelwelt eintauchen möchte, kann bei Führungen im Plänterwald oder an den Karower Teichen Vogelstimmen erlernen, bei Exkursionen zum Grunewaldsee Wintervögel wie Meisen, Kleiber oder Bergfinken beobachten oder sich bequem von zu Hause aus bei Online-Vorträgen über „Vögel im Winter” und „Bäume erkennen im Winter” informieren. Auch für kleine Spatzenforscher gibt es online Angebot! Alle Termine und Anmeldungen finden Sie unter www.umweltkalender-berlin.de Wer selbst zum Monitoring der biologischen Vielfalt beitragen möchte, kann seine Artenkenntnis jetzt gezielt ausbauen: Die Naturschutzakademie Berlin bietet ab Frühjahr 2026 wieder BANU-Qualifizierungskurse an, unter anderem erstmals in Feldornithologie sowie Amphibien, Reptilien, Tagfalter und Widderchen, und Feldbotanik.