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Im Zusammenhang mit den Maßnahmen des Berliner Senats zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus wurde am 08.06.2020 der Dienstbetrieb der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz wieder in Richtung Regelbetrieb aufgenommen.


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Forschungs- und Entwicklungsprojekte

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CityLog-Projekt BentoBox

Projektbeschreibung und -ziele:

Mit dem EU-Projekt CityLog werden Konzepte zur Modernisierung der Logistik in der Innenstadt gefördert. Ziel ist, die verkehrlichen, umwelt- und klimaseitigen Belastungen durch den innerstädtischen Güterverteilverkehr mittels effizienter Einsatzplanung sowie innovativer Logistik-Lösungen in Verbindung mit besonders schadstoff- und lärmarmen Nutzfahrzeugen so gering wie möglich zu halten. Berlin wird einer von drei Standorten sein, an denen die verkehrlichen, logistischen und antriebsseitigen Innovationen in der Praxis erprobt wird.

Das Projekt CityLog hat eine Laufzeit von 36 Monaten. Es wird gefördert im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU, welches kleinere und mittlere Projekte, die neue nachhaltige Strategien für die Logistik in der Innenstadt entwickeln, unterstützt. Das Projekt endet im Dezember 2012.

Ansätze:

Innerhalb des Projektes werden drei wesentliche Ansätze verfolgt, um heutige Citylogistik-Systeme zu verbessern:
  1. Innovative Ladeeinheiten werden darauf hin abgestimmt, dass sie in unterschiedlichen Anwendungszusammenhängen eingesetzt werden können. Ein verstellbares Innenlayout ermöglicht unterschiedliche Einsatzzwecke der Ladungseinheit als einfacher Container oder als mobile Packstation (so genanntes "BentoBox-Konzept"). Dies soll unter anderem dazu dienen, erfolglose Zustellversuche reduzieren zu können. In diesem Bereich liegt auch der Berliner Projektfokus.
  2. Telematik dient dazu, die Auslieferfahrten zu verbessern. Für den Endkunden werden Sendungsverfolgung und Kommunikationslösungen eingesetzt; er weiß viel genauer als bisher, wann sich die Fracht wo befindet und wann sie am gewünschten Ort eintreffen wird. Dies verringert die Anzahl erfolgloser Zustellversuche.
  3. Neue, besonders schadstoff- und lärmarme Fahrzeugtechnologien erhöhen die Flexibilität der Lkw und Zustellfahrzeuge. Die Zahl der Fahrzeuge, die für die Logistik vorgehalten werden müssen, verringert sich, wenn diese unterschiedliche Anforderungsprofile unterstützen.

Durchführung allgemein:

Ab November 2011 wurden die Ideen und die konkreten Projektentwicklungen von CityLog in Berlin, Lyon und der Region Piemont getestet. Erprobt wurden neben der "BentoBox" auch Container-Konzepte, die es ermöglichen, die Fracht von größeren LKW außerhalb der Stadtzentren auf kleinere Transporter für den Zustelltransport innerhalb der Innenstadt umzuladen.

Die BentoBox selbst wurde in allen drei Regionen getestet, allerdings jeweils in unterschiedlichen Einsatzszenarien und Einsatzumfeldern.

BentoBox
BentoBox

CityLog in Berlin:

In Berlin wurde die BentoBox in einem zweimonatigen Feldversuch (Ende 2011 bis Anfang 2012) getestet. Es war der europaweit erste Einsatz dieses Prototyps einer flexiblen und anbieteroffenen Sammelstation für Pakete, Päckchen und kleinere Sendungen.

Der große Vorteil der BentoBox aus städtischer Perspektive: Anders als die am Markt bereits bestehenden Lösungen soll die BentoBox im Endzustand allen interessierten KEP-Diensten (Kurier-, Express- und Paketdiensten) offenstehen. Dabei sollen die Boxen sowohl als Schnittstelle zu privaten und geschäftlichen Endkunden fungieren, gleichzeitig aber auch ihre Einbindung als Konsolidierungspunkt in die internen Logistikprozesse ermöglichen. Damit eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten, vor allem im verkehrlich intensiven Bereich des KEP-Gewerbes.

Die in Berlin erdachte Lösung, welche dann in Italien projektiert und als Prototyp gefertigt wurde, ist eine Andockstation für sechs Trolleys (Kleincontainer), die vier verschiedene Variationen der Anordnung und Größen von Fächern aufweist. Damit können alle Sendungen vom Brief bis hin zu Umzugskartons die BentoBox als Sammel- und Verteilpunkt nutzen. Bereits während des Berliner Versuchs konnten unterschiedliche Nutzer auf definierte Segmente der Box zugreifen, vom einzelnen Schließfach für Endkunden bis hin zu gesamten Trolleys für die KEP-Dienstleister.

Dabei wird die BentoBox heute über einen Touchscreen bedient. Über eine GPRS-Verbindung kann die Box direkt in die unternehmensinterne Disposition eingebunden werden. Zukünftig sollen so auch Kunden über den Sendungsstatus informiert werden können.

Für den Praxistest kooperiert die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt mit der Messenger Transport + Logistik GmbH, die mit ihren Kurieren die BentoBox für neun Wochen in ihre regulären Logistikdienstleistungen integrierte. Messenger Geschäftsführer Achim Beier sagte dazu im Rahmen einer Presseveranstaltung: "Seit Anfang Dezember 2011 nutzen wir die BentoBox aktiv. Vom Standort des Prototypen nahe dem Innsbrucker Platz beliefern wir heute weite Teile der Bezirke Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg bis hin nach Charlottenburg-Wilmersdorf über die BentoBox. Während unsere Kuriere früher mit dem Auto direkt bis zu Kunden fuhren, nutzen wir heute die BentoBox als Sammel- und Verteilpunkt für unsere Verkehre. Das heißt, dass unsere Autokuriere heute ihre gebietsbezogenen Sendungen nur noch in die BentoBox liefern und diese dann von hier per Lastenfahrrad verteilt werden und umgekehrt. Wir konnten so 85 % unserer Autofahrten im Anwendungsgebiet reduzieren und durch die Lastradnutzung auf Nahe-Null-Emissionen reduzieren!"

Das Berliner CityLog Teilprojekt hat damit gezeigt, dass Politik, Verwaltung und Unternehmen gemeinsam Lösungen entwickeln können, die eine stadtverträglichere Abwicklung des Wirtschaftsverkehrs ermöglichen. Gerade durch die Kombination der BentoBox mit dem Einsatz innovativer, teilweise elektrischer Lasträder wurde eine schnelle, kostengünstige, schadstofffreie sowie fast geräuschlose Durchführung der Liefervorgänge möglich. Dieser Ansatz bietet insbesondere für Quartiere mit hoher Dichte ein enormes Potential.

Ergebnisse des Berliner Feldversuchs:

  • In 2 Monaten wurden etwa 700 Sendungen über die BentoBox geleitet.
  • Die BentoBox hat sich bereits nach kurzer Erprobungsphase funktional bewährt: Selbst bei den zeitkritischen Kuriersendungen kam es weder zu Fehlern noch zu Verzögerungen.
  • Innerhalb des Testgebietes konnten ca. 85% der Autokurierfahrten durch Lastradfahrten ersetzt werden.
  • Die BentoBox ermöglichte eine Bündelung von Aufträgen, so dass die Anzahl an Fahrten im Testgebiet deutlich reduziert werden konnte.
  • Das gesetzte Ziel, die BentoBox in möglichst viele typische Geschäftsfelder von Kurier-Express-Paketdienstleistern (KEP) zu integrieren, wurde erreicht.