Pflanzenschutz  
 

Pflanzenschutz im Stadtgrün - Versuche

Misteln – Möglichkeiten zur Vitalisierung von Wirtsbäumen – eine Beobachtung


Klick zur Vergrößerung
Abb. 2: Misteln beim Austrieb des Ahorns

Einleitung

Misteln (Viscum sp.) entwickeln sich bevorzugt als wärme- und lichtliebende Pflanzen im oberen Kronendrittel der Bäume. Dort sind die Lichtverhältnisse für die Keimung der Samen am günstigsten. Die Samen werden von Vögeln gefressen und anschließend ausgeschieden, so dass "Schlafbäume" der Vögel häufig einen verstärkten Mistelansatz aufweisen.
Ein starker Befall mit Misteln kann zu Absterbeerscheinungen und zur Vergreisung von Bäumen führen. Besonders betroffen sind Bäume, die standortbedingt bereits unter Stress (Trockenheit, starke Besonnung etc.) zu leiden haben.

Bei der Frage, wie man diesen Bäumen zu einer besseren Vitalität verhelfen kann, steht die Art der Mistelentfernung im Raum. Zur dauerhaften Entfernung der Misteln wird i.d.R. der Ast mit der Mistel entfernt. Dies führt dazu, dass jeweils nur der Stamm und Aststummel übrig bleiben. Hierdurch ist jedoch der Habitus des Baumes meist in Gänze zerstört und auch dessen Lebenserwartung wird herabgesetzt.

Beobachtung

Das Pflanzenschutzamt Berlin verfolgt im Rahmen des Schaderregermonitorings seit über 20 Jahren das Auftreten von Misteln an Stadtbäumen. Während zu Beginn des Monitorings an dem Standort Schützallee und angrenzenden Straßen, wie z. B. Riemeisterstr., Herthastr. in Zehlendorf eine langsame Zunahme an Mistelbesatz feststellbar war, waren ab 2008 ein deutlicher Anstieg von mistelbesetzten Bäumen auffällig (Abb. 3). Zudem zeichnete sich auch eine starke Zunahme an Mistelbesatz innerhalb eines Baumes ab (Abb. 4).

Abb. 4: Anteil Bäume mit mehr als 10 Misteln pro Baum
Abb. 4: Anteil Bäume mit mehr als 10 Misteln pro Baum

Im Jagdschloss Park Glienicke ergab sich 2012 die Möglichkeit, eine Pflegemaßnahme an Quercus palustris (Sumpfeichen) zu begleiten und somit Erfahrungen über einen mehrjährigen Zeitraum bis 2017 zu sammeln, in wie weit das einfache Abschneiden der Misteln für eine Entlastung der Bäume und somit zur Verbesserung der Vitalität ausreichend sein kann und wie häufig diese aufwendige Maßnahme durchgeführt werden sollte.

Klick zur Vergrößerung
Abb. 6: herausgeschnittene Misteln

Die Sumpfeichen standen/stehen im Gehölzbereich und in der Rasenflächen. Sie wiesen nicht nur einen sehr starken Befall mit Misteln (Abb. 5) auf, sondern auch eine schüttere Belaubung und eine verringerten Feinastanteil. Der Anteil und die Größe der Misteln war von Jahr zu Jahr zunehmend und an einigen Ästen bestand bei starken Windereignissen eine Bruchgefahr aufgrund der Größe der Misteln.
Dazu wurden an drei Bäumen vor der ersten Schnittmaßnahme die Anzahl der vorhandenen Misteln und in der Folge die der erneut auftretenden aufgenommen. Ebenso wurde die Vitalität der Bäume angesprochen und sonstige Auffälligkeiten erfasst.


Klick zur Vergrößerung
Abb. 8: Junge Mistel

Im Jahr 2013 konnte festgestellt werden, dass die Bäume, die von den Misteln (Abb. 6) befreit worden waren, sich etwas erholt hatten, die Misteln (Abb. 7 u. 8) jedoch wie erwartet nachgewachsen waren. Eine erneute Entfernung wurde frühestens für den Herbst/Winter 2014 empfohlen, durchgeführt und im jährlichen Abstand zum Oktober/November wiederholt. Die Abbildungen 9 bis 12 zeigen die Entwicklung einer Eichenkrone vor dem Schnitt und danach.


Abb. 9 - 12: Eiche 3 Spätsommer 2012 mit Misteln, Spätsommer 2013 ohne Misteln, Sommer 2016, Juni 2017

Im weiteren Verlauf konnte an den Eichen ein guter Zuwachs festgestellt werden und die Misteln waren erst bei sehr genauer Betrachtung erkennbar. Auch trieben nicht alle Misteln wieder aus oder trockneten in der Folge (Abb. 13) ab. Insgesamt konnte der Besatz mit Misteln mittels der durchgeführten Schnittmaßnahmen im Beobachtungszeitraum deutlich reduziert werden (Abb. 14).

Da die Bäume nun ungehindert assimilieren konnten, wurde die Belaubung dichter, was sich ebenfalls negativ auf das Wachstum der Misteln auswirkte.

Fazit

Das Entfernen von Misteln durch Schnitt an der Astoberfläche kann zu einer Vitalisierung von Bäumen führen. Jedoch immer in Abhängigkeit des jeweiligen Standortes, der Begleit­maßnahmen (Wasser- und Nährstoffgaben) und der Häufigkeit der Schnittmaßnahmen, wobei letztere in der Praxis der begrenzende Faktor sind. Somit eignet sich die Vorgehensweise vordergründig für erhaltenswerte und besondere Einzelbäume.

Klick zur Vergrößerung
Abb. 14: Anzahl der Misteln vor dem ersten Schnitt 2012 und im April 2017


Lesen Sie mehr: