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Artenschutz

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Artenschutz und Antragstellung für Ausnahmen

Nestgespinst
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Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea; nachfolgend EPS genannt) ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Zahnspinner (Notodontidae). Seine Raupe besitzt ab dem dritten Larvenstadium sehr feine, für das menschliche Auge fast unsichtbare Haare. Diese Haare, die ein Eiweißgift namens Thaumetopoein enthalten, brechen leicht und setzen sich mit ihren Widerhaken in Haut und Schleimhäuten von Menschen fest. Dadurch können u.U. asthmatische Anfälle oder Raupendermatitis ausgelöst werden. Die Härchen bleiben auch an Kleidung und Schuhsohlen haften und können bei Berührung jeweils weitere toxische Reaktionen auslösen.

Aufgrund der dadurch bestehenden Gefährdung der Gesundheit von Menschen, die sich im Bereich von mit EPS befallenen Eichen aufhalten, kann es notwendig werden, Maßnahmen zur Bekämpfung (= Tötung) dieses Falters vorzunehmen.

Grundsätzlich ist eine Tötungsmethode aus Sicht des Artenschutzes dann unbedenklich, wenn sie selektiv nur auf den EPS wirkt. Dies trifft nur auf die sogenannten mechanischen Methoden zu (Absaugen oder Verkleben / Fixieren mit anschließendem Absammeln). Deshalb ist bei außerhalb von Schutzgebieten befindlichen Bäumen bzw. Baumstandorten eine mechanische Bekämpfung generell zulässig.

Die für die Bekämpfung des EPS zugelassenen Biozide wirken nicht selektiv:
  • Neem-Produkte wie Neem Pro®tect sind Breitbandinsektizide und wirken zumindest auf alle pflanzenfressenden Insekten.
  • Bacillus-thuringiensis-Präparate wie Dipel ES wirken zumindest auf alle Schmetterlingsraupen. Hierbei ist zu beachten, dass auch etliche besonders geschützte und viele gefährdete Schmetterlingsarten vorrangig Eichen besiedeln, die zeitlich einen ähnlichen Entwicklungszyklus haben wie EPS und daher von der Anwendung betroffen sein können.

Damit reduzieren diese Mittel die Biodiversität in den betroffenen Bereichen ganz erheblich, und die gerade zur Brutzeit der Vögel notwendige Raupennahrung wird stark reduziert. Viele, auch geschützte, Schmetterlingsarten leben an Eichen und können betroffen werden. Darüber hinaus ist zu befürchten, dass gegenüber Bioziden sensible Arten wie z.B. Amphibien betroffen werden können.

Somit ist davon auszugehen, dass bei der Bekämpfung des EPS mit Bioziden auch nach Artenschutzrecht geschützte Tiere getötet werden. Damit ist die Anwendung nach Naturschutzrecht verboten (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz). Allerdings kann aus Gründen des Gesundheitsschutzes eine Ausnahme hiervon zugelassen werden, wenn keine zumutbare Alternative zur Biozidanwendung besteht. Mit der mechanischen Bekämpfung ist eine Alternative gegeben, über deren "Zumutbarkeit" allerdings unterschiedliche Auffassungen herrschen. So ist das Bezirksamt Lichtenberg der Auffassung, dass die mechanische Bekämpfung problemlos möglich ist. Andere halten dagegen, dass bei sehr großen Vorkommen des Eichenprozessionsspinners die mechanische Bekämpfung unzumutbar und eine Biozidanwendung die sinnvolle Bekämpfungsmethode ist.

Brackwespe Meteorus spec.
Brackwespe Meteorus spec. geschlüpft aus EPS

Vorgehensweise zur Bekämpfung


Die Oberste Naturschutzbehörde hat folgende Vorgehensweise für das Land Berlin festgelegt:
  1. Eine mechanische Bekämpfung ist grundsätzlich möglich. Dies kann lediglich in Schutzgebieten eingeschränkt sein, weshalb für diese Gebiete in der Regel eine Genehmigung einzuholen ist.
  2. Ist die Anwendung von Bioziden im Einzelfall beabsichtigt, ist hierfür ein Antrag zu stellen, über den die Oberste Naturschutzbehörde entscheidet.
Die entsprechenden Antragsformulare (Antrag und Anlage 1 sowie Hinweise zum Ausfüllen der Antragsformulare) finden Sie unten unter Downloads.

Für die Erteilung einer solchen Ausnahme sind folgende Kriterien zu erfüllen:
  • Für den Antrag auf Biozidanwendung muss dargelegt werden, dass der Bereich stark durch Menschen genutzt wird.
  • Für den Antrag auf Biozidanwendung muss ein starker Befall für die jeweilige Örtlichkeit in geeigneter Weise nachgewiesen werden.
  • Eine Biozidanwendung ist nur auf solchen Flächen denkbar, die nicht als Laichhabitat oder Landlebensraum von Amphibien genutzt werden.
Alle drei vorgenannten Kriterien müssen erfüllt sein.
  • Dürfen Biozide angewendet werden, ist nach Möglichkeit das Mittel mit dem spezialisiertesten Wirkstoff zu verwenden. Derzeit sind das die Bacillus-thuringiensis-Präparate. Sollte deren Anwendung aus einem wichtigen Grund unzumutbar sein (z.B. wegen der erforderlichen Sperrung der Fläche für 8 Stunden), kann auch ein Neem-Präparat verwendet werden.

HINWEIS: Der Antrag ist bis spätestens Ende November des Vorjahres der beabsichtigten Ausbringung bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz einzureichen!

In Natura-2000-Gebieten wäre die Biozidanwendung ein "Projekt" und nur nach positivem Ausgang einer Verträglichkeitsprüfung nach § 34 BNatSchG zulässig.

Zu beachten ist ferner, dass in Wasserschutzgebieten die Anwendung von Bioziden verboten ist (siehe Wasserschutzgebietsverordnungen). Hiervon kann formlos unter Beachtung der Vorgaben der Artenschutzinformation Nr. 11 eine wasserbehördliche Befreiung beantragt werden, die bei Bestehen bestimmter Voraussetzungen zum Wasserschutz unter Auflagen erteilt werden kann. Der Antrag ist zu richten an die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Wasserbehörde II D 14, Herrn Dr. Baumgarten.

Nähere Informationen über die Art EPS wie auch zu den Wirkungsweisen oben genannter Schädlingsbekämpfungsmittel und der artenschutzrechtlichen Grundlagen, unter denen der Einsatz von Biozid ausnahmsweise zugelassen werden kann, erhalten Sie in der unter Downloads zu findenden Artenschutzinformation 11.

Downloads



für WORD 2007 und älter: (dot; 48 KB)

für WORD 2007 und älter: (dot; 45 KB)



Die Anträge auf Ausnahmezulassungen und Befreiungen bzw. Nachfragen zu Ihren Anträgen richten Sie bitte an:
E-Mail: artenschutz@senuvk.berlin.de


Kontakt

Klemens Steiof
Tel.: 030 9025-1036
E-Mail: naturschutz@senuvk.berlin.de

Eigelege
Eigelege

Raupen im 1. Larvenstadium an Eichenknospe
Raupen im 1. Larven­stadium an Eichenknospe

Der fertige Falter ist eher unscheinbar
Der fertige Falter ist eher unscheinbar


Fotos: Pflanzenschutzamt Berlin