Zählstellen und Fahrradbarometer: Fahrradverkehr in Zahlen

Eine fahrradfahrende Person von hinten, die über eine Zählstelle fährt, die bei einer Brückeneinfahrt in den Boden eingelassen ist.
Fahrradzählstelle Schwedter Steg
Bild: SenUVK

Eine verlässliche und umfassende Datengrundlage ist für die Behörden wichtig, um den Bedarf an Fahrrad-Infrastrukturmaßnahmen und ihre Wirksamkeit zu erkennen und auf ein verändertes Mobilitätsverhalten zu reagieren.

Zählstellen

Von 2017 auf 2018 hat der Fahrradverkehr, der an 17 automatischen Dauerzählstellen in Berlin kontinuierlich erhoben wird, um mehr als 12 Prozent zugenommen. Spitzenwerte registrierten die Zählstellen an der Jannowitz- und der Oberbaumbrücke. Allein dort waren 2018 täglich mehr als 8.000 Fahrradfahrer*innen unterwegs (werktags, 7-19 Uhr).

Für ein umfassenderes Bild werden noch weitere Werte erhoben: Dafür wird an einzelnen Tagen an bestimmten Stellen manuell die Anzahl der Fahrradfahrer*innen ermittelt. Auch hier konnte fast überall ein deutlicher Zuwachs beim Fahrrad-Verkehr verzeichnet werden.

Die Daten verdeutlichen die positive Wirkung von Infrastrukturmaßnahmen auf den Fahrradverkehr. Beispielsweise stieg die Zahl der Fahrradfahrer*innen in der Schwedter Straße/Prenzlauer Berg deutlich, nachdem dort eine Fahrradstraße eingerichtet wurde.

Eine Aufbereitung und detaillierte Darstellung der aktuellen Daten findet sich hier:

Jahresbericht 2019 Radzählstellen

PDF-Dokument (8.1 MB) - Stand: 29.08.2019

Link zu: Karte
Karte der Dauerzählstellen zum Radverkehr
Bild: SenUVK
Die aktuellen und kumulierten Werte der Dauerzählstellen sind hier einsehbar:

Ergebnisse der automatischen Radzählstellen Stundenwerte (Jahresdateien)

XLSX-Dokument (8.1 MB)

Einen Überblick über das Berliner Verkehrsgeschehen gibt die Broschüre Mobilität der Stadt – Berliner Verkehr in Zahlen 2017. Daten zum Fahrradverkehr finden sich ab Seite 34.

Fragen und Antworten zu den Radzählungen

Allgemeines

An den Dauerzählstellen werden alle Fahrräder, welche die Erfassungsquerschnitte der Zählstellen überfahren, gezählt.

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Ziel ist die dauerhafte Erfassung des Radverkehrs an bestimmten Straßenquerschnitten. Mit den Dauerzählstellen wird es möglich, neben Erkenntnissen zum Tagesgang, auch Daten zum Wochen- und Jahresgang zu erfassen und die langfristige Entwicklung des Radverkehrs über mehrere Jahre zu bestimmen.

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Es wird an den nachfolgend aufgeführten 17 Standorten mit insgesamt 26 Zählstellen in Berlin gezählt:
  • Jannowitzbrücke (Mitte) (2 Richtungszählstellen)
  • Invalidenstraße (Mitte) (2 Richtungszählstellen)
  • Oberbaumbrücke (Friedrichshain-Kreuzberg) (2 Richtungszählstellen)
  • Schwedter Steg (Pankow)
  • Prinzregentenstraße (Charlottenburg-Wilmersdorf)
  • Yorckstraße (Tempelhof-Schöneberg) (2 Richtungszählstellen)
  • Monumentenstraße (Tempelhof-Schöneberg)
  • Alberichstraße (Marzahn-Hellersdorf)
  • Paul-und-Paula-Uferweg (Lichtenberg)
  • Markstraße (Reinickendorf)
  • Mariendorfer Damm (Tempelhof-Schöneberg) (2 Richtungszählstellen)
  • Maybachufer (Neukölln)
  • Berliner Straße (Pankow) (2 Richtungszählstellen)
  • Frankfurter Allee (Friedrichshain-Kreuzberg) (2 Richtungszählstellen)
  • Klosterstraße (Spandau) (2 Richtungszählstellen)
  • Breitenbachplatz (Steglitz-Zehlendorf) (2 Richtungszählstellen)
  • Kaisersteg (Treptow-Köpenick)
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Im Rahmen eines Pilotprojektes wurde Anfang 2012 am Schwedter Steg eine Zählstelle in Betrieb genommen. In der ersten Projektstufe 2015 wurden an 10 Standorten insgesamt 14 Zählstellen installiert. In der zweiten Projektstufe 2016 wurden an weiteren 7 Standorten insgesamt 12 Zählstellen installiert.

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An Straßen mit getrennter Radverkehrsführung je Fahrtrichtung (z.B. Jannowitzbrücke) ist je Fahrtrichtung eine Zählstelle installiert. An Querschnitten mit gemeinsamer Radverkehrsführung in beiden Fahrtrichtungen (z.B. Schwedter Steg) ist eine Zählstelle für beide Fahrtrichtungen installiert.

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An allen Dauerzählstellen erfolgt eine ununterbrochene Zählung der Fahrräder.

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Technik

Einrichtung einer Dauerzählstelle
Einrichtung einer Dauerzählstelle
Bild: SenUVK

An allen Dauerzählstellen wird die gleiche Technologie verwendet. Die Erfassung der Fahrräder erfolgt mit Induktionsschleifen, die an einen Auswertesensor angeschlossen sind. Hierbei bewirken die Laufräder bei dem Überfahren der Schleife eine Veränderung des induzierten elektromagnetischen Feldes. Diese Änderungen werden im Sensor analysiert und als Zählimpuls gespeichert.

An Zählstellen mit Asphaltoberfläche sind die Induktionsschleifen mittels Schnitt in die Fahrbahndecke eingebracht. In Nebenanlagen mit Platten oder Pflaster sind Fertigschleifen in der Bettung unter der Radverkehrsanlage verlegt.

Je Zählquerschnitt sind in Abhängigkeit der Breite der Radverkehrsanlage zwischen 2 und 4 Induktionsschleifen nebeneinander verlegt.

Sämtliche Zählstellen werden mit Batterien betrieben. Die Lebensdauer einer Batterie beträgt mindestens 1 Jahr.

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Der Sensor der Zählstelle erkennt die Geometrie eines überfahrenden Fahrrades anhand der zwei Laufräder mit Tretlager, welche die Induktionsschleife überfahren.

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Andere Fahrzeuge mit abweichender Geometrie werden herausgefiltert und nicht gezählt.

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An Standorten mit einer Radverkehrsanlage im Zweirichtungsverkehr (z.B. Kaisersteg) wird mit einer Zählstelle richtungsgetrennt erfasst. An Standorten mit separaten Radverkehrsanlagen je Fahrtrichtung (z.B. Jannowitzbrücke) erfolgt in der Zählstelle keine Richtungsunterscheidung. Es werden auch in falscher Fahrtrichtung fahrende Radfahrer erfasst.

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Die Geschwindigkeit wird nicht erfasst.

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Durch die spezielle Geometrie der Induktionsschleifen werden auch Radfahrer in Pulks zuverlässig erfasst. Ausnahme: Bei zwei unmittelbar nebeneinander fahrenden Fahrrädern, welche die gleiche Induktionsschleife befahren, wird nur ein Fahrrad erkannt. Dies ist aufgrund der Breite einer Induktionsschleife zwischen 80-130 cm nahezu ausgeschlossen.

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Durch die Geometrie mit mehr als zwei Laufrädern hintereinander werden vom System 2 Fahrräder erkannt.

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Fahrräder mit Alufelgen und Carbonrahmen werden erfasst. Fahrräder mit Carbonrahmen und Carbonfelgen werden nicht erfasst. Da der Anteil von Carbon-Fahrrädern am Gesamtaufkommen zurzeit sehr gering ist, kann dieser vernachlässigt werden.

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Datenmanagement

Die Zähldaten werden vom Zählgerät einmal täglich (i.d.R. während der Nachtzeit) auf einen zentralen Server übertragen.

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Die Auswertung der Daten erfolgt browsergestützt über ein Internetportal (Auswerteplattform). Die Auswerteplattform ermöglicht vielfältige Auswertungen der Zähldaten. Zusätzlich werden die Rohdaten fortlaufend an die Verkehrslenkung Berlin übertragen.

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Qualitätsmanagement

Nach Installation der Zählstellen erfolgten mehrere Prüfzählungen an den Zählstellen. Im Rahmen eines Qualitätsmanagements werden jährliche Prüfzählungen an allen Zählstellen durchgeführt, um die Qualität der Erfassung zu überprüfen und sicher zu stellen. Es erfolgt außerdem eine monatliche Überprüfung der Radzählstellen auf Vollständigkeit und Plausibilität.

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Während einer Prüfzählung werden die Radfahrer an der Zählstelle manuell gezählt und parallel mit den im Zählgerät detektierten Radfahrern abgeglichen. Aus den auftretenden Abweichungen werden die Fehlerquoten der Detektion errechnet.

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Es wird ein Wartungs- und Instandhaltungsvertrag abgeschlossen, welcher eine Beseitigung von Schäden und Störungen sowie den turnusmäßigen Batteriewechsel umfasst. Zudem werden die Zähldaten in regelmäßigen Zeitabständen geprüft. Bei deutlichen Unplausibilitäten und bei Datenlücken/-ausfällen erfolgt eine automatische Alarmmeldung des Systems.

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Fahrradbarometer

Ab 2020 werden an mehreren Standorten in Berlin Fahrradbarometer eingerichtet. Diese zeigen auf Displays an, wie viele Fahrräder den jeweiligen Standort passiert haben (Tages- und Jahreswerte). Durch eine neue Sichtbarkeit soll deutlich gemacht werden, welchen hohen Stellenwert der Radverkehr für das Verkehrsgeschehen in Berlin hat.

Folgende Standorte sind geplant:

  1. Straße des 17. Juni; Höhe Eingang TU Berlin Hauptgebäude
  2. Oberbaumbrücke
  3. Jannowitzbrücke
  4. Karl-Marx-Allee auf Höhe von Hausnummer 1
  5. Strausberger Platz
  6. Topsstraße, Ecke Schönhauser Allee
  7. Senefelder Platz, Ecke Kollwitzstraße
  8. Nonnendammallee, auf Höhe von Hausnummer 44
  9. Nordufer, auf Höhe von Hausnummer 10