Auswirkungen der Schadstoffbelastung des Rummelsburger Sees auf Luftqualität und Umwelt untersucht

Rummelsburger Bucht
Rummelsburger See (rechts im Bild)
Bild: Dirk Laubner
Pressemitteilung vom 12.08.2019

Gemeinsame Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sowie der Bezirksämter Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg

Aufenthalt am und auf Rummelsburger See gesundheitlich unbedenklich. Vom Verzehr dort geangelten Fisches wird abgeraten.

Der Rummelsburger See weist aufgrund seiner historischen industriellen Nutzungsgeschichte eine starke Belastung des Seegrundes mit Schadstoffen wie Schwermetallen, Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) auf. Das Ausmaß dieser Belastung ist in den vergangenen Jahren durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und die Freie Universität Berlin (Forschungsprojekt RuBuS) intensiv untersucht worden.

Um darüber hinaus zu untersuchen, ob sich die Sedimentbelastung auf die Luftqualität auswirkt und zu einer Gesundheitsgefährdung für den Menschen führen kann, hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz das Fraunhofer Institut für Toxikologie und experimentelle Medizin (ITEM) und das Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie (IME) mit einer sogenannten Expositionsanalyse zur gesundheitlichen Risikobewertung beauftragt.

Das Ergebnis der Untersuchungen liegt nun vor. Die wichtigste Botschaft: Der Aufenthalt, das Wohnen oder Freizeitaktivitäten am oder auf dem See (z.B. Segeln) sind nach Bewertung der Ergebnisse gesundheitlich unbedenklich. Dennoch gibt es einige Einschränkungen.

Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz: Mit den Ergebnissen der Analyse erhalten die Anwohner*innen und Freizeitsportler*innen Klarheit darüber, dass der Aufenthalt am und auf dem See kein Gesundheitsrisiko darstellt. Für alle, die hier wohnen, flanieren oder mit dem Boot unterwegs sind, ist das eine gute Nachricht.“

Auch den Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Michael Grunst, freut das Ergebnis des Gutachtens. Er erklärt: „Es ist gut, dass die Rummelsburgerinnen und Rummelsburger, alle Aktiven und unsere Seglerinnen und Segler endlich Sicherheit haben und unbeschwert ihren Wassersportaktivitäten nachgehen können.“

„Vielen Dank an die Freie Universität Berlin, die Fraunhofer-Institute und alle Beteiligten, die an der Studie mitgearbeitet haben. Bislang gab es ja viele Vermutungen zum Rummelsburger See, nun haben wir fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse“, sagt Knut Mildner-Spindler, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Gesundheit von Friedrichshain-Kreuzberg.

Allerdings wird von einem, insbesondere täglichen Verzehr, von im See geangelten Fischen abgeraten. Denn insbesondere in fettreichen Fischen, wie z.B. dem Aal, können sich gesundheitsschädigende Substanzen anreichern. Darauf weisen die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg hin, auf deren Gebiet der Rummelsburger See liegt und die für den umweltbezogenen Gesundheitsschutz zuständig sind.

Weitere Verhaltensempfehlungen der Bezirksämter:

  • Es bestehen keine gesundheitlichen Gefahren beim Reinfallen in das Wasser (z.B. bei Wassersportaktivitäten) oder durch das Verschlucken geringer Mengen von Wasser. Ein Hautkontakt mit dem Wasser ist unkritisch.
  • Die beiden Bezirke weisen darauf hin, dass für den Rummelsburger See, wie auch sonst in der innerstädtischen Spree und den Kanälen, wegen des Schiffsverkehrs schon aus Sicherheitsgründen ein generelles Badeverbot besteht. Dieses Badeverbot ist einzuhalten.
  • Auch das Aufwirbeln von Sedimenten sollte vermieden bzw. reduziert werden. Dieses betrifft insbesondere die Nutzung durch den Boots- und Schiffsverkehr. Ein Betreten des Seegrundes ufernaher Bereiche ist ebenfalls zu vermeiden.
  • Die Geruchsbelästigung, die zeitweise von dem See ausgeht, wird nicht als gesundheitsschädigend im Sinne einer toxischen Wirkung eingeschätzt. Unstrittig ist, dass diese als subjektiv empfundene Belästigung wahrgenommen werden kann.

Zur Methodik der Untersuchung: Die Forscher*innen haben zunächst auf der Grundlage der vorhandenen Daten zur Sedimentbelastung abgeschätzt, welche Schadstoffkonzentrationen sich in der Luft über dem See einstellen könnten. Dazu wurden Modelle verwendet, die die Verteilung von Substanzen zwischen dem Sediment, dem Wasser im See und der Luft abbilden. Die Modellparameter wurden dabei so gewählt, dass die ungünstigsten Bedingungen berücksichtigt und damit maximal mögliche Schadstoffkonzentrationen berechnet werden. Die Modellergebnisse wurden anhand einzelner Luftmessungen überprüft.

Um mögliche gesundheitliche Risiken bewerten zu können, wurde in einem zweiten Schritt ermittelt, in welchem Umfang Menschen, die am bzw. auf dem See wohnen oder den See in ihrer Freizeit z.B. für Wassersportaktivitäten nutzen, den Schadstoffen ausgesetzt sein könnten. Dabei wurde neben der Aufnahme der Schadstoffe über die Atemluft auch das mögliche Verschlucken von Wasser aus dem See oder der Hautkontakt mit Wasser aus dem See berücksichtigt. Die Ergebnisse der Modellrechnungen wurden mit den verfügbaren gesundheitlichen Vorsorgewerten verglichen. Der Abgleich zeigte, dass beispielsweise für den Luftpfad die Vorsorgewerte für Innenräume für aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Polychlorierte Biphenyle (PCB) und Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) eingehalten werden.