Stickoxide und Gesundheit

Stethoskop liegt auf einem EKG-Auszug
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Die Berliner Luft ist in den vergangenen Jahrzehnten besser geworden: Der Smog der 1970er Jahre oder der Dreck aus den vielen Kohleöfen sind weitgehend aus der Stadt verschwunden. Doch die zunehmende Belastung durch Stickstoffdioxid droht die Erfolge der Vergangenheit zunichte zu machen.

Problematisch ist vor allem Stickstoffdioxid (NO2), da es die Atemwege massiv angreifen kann. Das ist vor allem für Menschen mit Asthma gefährlich. NO2 erhöht zudem das Risiko für Gesunde, an Asthma zu erkranken.

In Berlin leben etwa 200.000 Erwachsene und 50.000 Kinder mit Asthma. Für diese Menschen bedeuten die hohen NO2 -Konzentrationen, dass Atemnot und Hustenanfälle schlimmer werden können. Asthma ist nur ein Beispiel dafür, dass Stickstoffdioxid krank machen kann. Zudem können Herz-Kreislauferkrankungen und viele weitere Leiden hervorgerufen werden.

Die Berlinerinnen und Berliner haben genauso wie die Besucherinnen und Besucher aus aller Welt ein Recht auf gesunde und saubere Luft in der Stadt. Deswegen arbeitet der Senat an vielen Stellen daran, die Luftqualität zu verbessern.

Studie des Umweltbundesamtes belegt Risiken

Dass hohe NO2 -Konzentrationen krank machen können, zeigt unter anderem eine Studie des Umweltbundesamts. Demnach lassen sich für 2014 statistisch in Deutschland etwa 6.000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf die NO2- Belastung zurückführen. Die Studie zeigt außerdem: Die Belastung mit Stickstoffdioxid steht im Zusammenhang mit Krankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schlaganfall, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und Asthma.


Warum sind die Grenzwerte in der Außenluft niedriger als am Arbeitsplatz?

Der EU-Grenzwert (Jahresmittelwert) für die Stickstoffdioxidkonzentration in der Außenluft beträgt 40 µg/m³ – der Arbeitsplatzgrenzwert ist mit 950 µg/m³ wesentlich höher. Ein direkter Vergleich ist allerdings irreführend: Ein Arbeitsplatzgrenzwert ist ein Wert für die zeitlich begrenzte Belastung gesunder Arbeitender, während durch NO2 in der Außenluft auch empfindliche Personen wie Kinder, Kranke oder Alte rund um die Uhr betroffen sein können. Ein gesunder Erwachsener kann in 8 Stunden am Arbeitsplatz Stickstoffdioxid leichter ertragen als ein Kind, das der Belastung rund um die Uhr ausgesetzt ist. Der Arbeitsplatzgrenzwert von 950 µg/m³ gilt außerdem nur an Arbeitsplätzen in Industrie und Gewerbe, bei denen erhöhte Stickstoffdioxid-Belastungen nicht vermieden werden können. Betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden zudem arbeitsmedizinisch betreut.