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Grundlagen des Ladeinfrastrukturaufbaus in Berlin

Pkw an der Ladestation
Bild: SenUVK

Ein leistungsfähiges Ladeinfrastrukturnetz ist eine zentrale Voraussetzung, um die Attraktivität der Elektromobilität steigern und um den mit einem Umstieg auf das Elektroauto verbundenen Vorbehalten u. a. von Bürger*innen adäquat begegnen zu können.

Hierbei ist es prinzipiell möglich, Ladeinfrastruktur auf öffentlichem Grund oder auf privatem Grund zu schaffen. Ein Übergangsbereich bildet die öffentlich-zugängliche Ladeinfrastruktur auf privatem Grund, die sich z.B. auf Kundenparkplätzen oder Tankstellen befinden kann.

Die genauen Ausführungsvorschriften hierfür werden in der Ladesäulenverordnung (kurz LSV) von 2016 geregelt.

Eine eindeutige Antwort darauf, wie eine Stadt- oder Kommunalverwaltung verfahren sollte, gibt es nicht. Hier ist vieles, auch technisch, noch in der Entwicklung begriffen. Dennoch wurde in diesem Zusammenhang unter Mitwirkung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ein wichtiger Meilenstein erreicht. Im Sommer hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) den „Leitfaden zur Suchraum- und Standortidentifizierung sowie Empfehlungen für Melde- und Genehmigungsverfahren in der Ladeinfrastrukturplanung“ erstellt.

Vier Hauptkriterien bei der Errichtung der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum Berlins sind, dass
  • sich die Dimensionierung und die Ausgestaltung nach den lokalen/regionalen Verkehrsverflechtungen und den daraus resultierenden Ladebedarfen richten sollte,
  • die Verträglichkeit der Ladeinfrastruktur mit dem Elektrizitätsnetz sichergestellt und dementsprechend genutzt werden sollte,
  • Ladeinfrastruktur im Sinne der Flächen- und Ressourceneffizienz sowie der Nutzer*innenfreundlichkeit einem möglichst großen Kreis an Nutzenden zur Verfügung stehen sollte,
  • Ladeinfrastruktur möglichst auf privatem Grund errichtet wird und uneingeschränkt öffentlich zugänglich sein sollte.

Gerade letzterer Punkt provoziert häufig Kritik. Jedoch kommt der Pkw, gemessen am Anteil aller Verkehrsmittel an den täglich zurückgelegten Wegen, z.B. in Berlin nur noch auf 26% (SrV 2018). Somit ist der Pkw in Bezug auf die Flächen, die für ihn vorgehalten werden, im Vergleich zu den Infrastrukturen aller anderen Verkehrsmittel deutlich überrepräsentiert.

Weiterhin steigt die Bevölkerung Berlins stetig an. Zudem werden Freiflächen knapper und immer intensiver genutzt. Vor diesem Hintergrund orientiert sich die Ausgestaltung der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum an dem Credo: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich!“

Das bedeutet, dass das Land Berlin beschlossen hat, ein Grundangebot an Ladeinfrastruktur für Elektromobile im öffentlichen Straßenland zu schaffen, um den Einstieg in die E-Mobilität hinreichend attraktiv zu gestalten. Dies geschah zunächst vor allem im Innenstadtbereich und an Orten, wo einerseits keine Stellplätze auf privatem Grund vorhanden sind oder wo im Rahmen der nachfrageorientierten Errichtungsphase ein konkreter Bedarf gemeldet wurde.
Auch in Zukunft wird Laden im öffentlichen Raum wichtig bleiben. Jedoch zeigen aktuelle Untersuchungen, auch der SenUVK, dass der überwiegende Anteil der Nachfrage sich auf den privaten (am Wohnort oder bei der Arbeitsstelle) oder öffentlich-zugänglichen Raum auf privatem Grund (auf dem Kundenparkplatz, an Tankstellen) beziehen wird.

Die Schaffung privater Ladeinfrastruktur im Wirtschaftsverkehr unterstützt die Senatsverwaltung für Wirtschaft Energie und Betriebe z. B. momentan durch das Förderprogramm WELMO .

Berliner Modell – Das Ladeinfrastrukturkonzept des Landes Berlin

In den zurückliegenden Jahren hat das Land eine Vorreiterrolle beim Ausbau von Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum eingenommen. Als eines der ersten Bundesländer hat Berlin Anfang der 2010er Jahre ein Ladeinfrastrukturkonzept, das „Berliner Modell“, mit klaren Vorgaben für den Aufbau und den Betrieb von Ladepunkten im öffentlichen Raum entwickelt.

Seit der Einführung des Berliner Modells im Jahr 2015 müssen Betreiber einen öffentlich-rechtlichen Betreibervertrag mit dem Land abschließen, um im öffentlichen Straßenland Ladepunkte errichten und betreiben zu können. Durch die vertraglich festgelegten Auflagen für Betreiber soll u. a. sichergestellt werden, dass durch den Ladeinfrastrukturausbau die sehr knappen verfügbaren Flächen im öffentlichen Raum Berlins möglichst effizient genutzt werden können. Zentral ist hier, dass über die Vorgaben des Berliner Modells die betreiberübergreifende Zugänglichkeit der Ladeinfrastruktur für alle E-Fahrzeug-Nutzenden sichergestellt wird.

Das Land hatte im Jahr 2013 den Betrieb und den Aufbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung an einen Verbund aus mehreren Unternehmen vergeben. Ein Konsortium um den Ladeinfrastrukturbetreiber Allego GmbH gewann die Ausschreibung. Daraufhin beauftragte das Land Berlin die Allego GmbH mit dem Ladeinfrastrukturaufbau und -betrieb. Im Rahmen der Vergabe schloss das Land mit der Allego GmbH einen öffentlich-rechtlichen Betreibervertrag ab, der die Kernpunkte und Vorgaben des Berliner Modells enthält.

Das Projekt ‚be emobil‘ wurde zum Ende des Jahres 2020 erfolgreich abgeschlossen. Es werden bis Ende 2020 die letzten der rund 1.000 Ladepunkte im öffentlichen Raum aufgebaut. Von 2016 bis 2019 konnten Bürger*innen, Behörden und Unternehmen mit einem nachgewiesenen Ladebedarf für einen E-Pkw oder einen Plug-In Hybriden die Errichtung einer Ladeeinrichtung an ihrem Wohnort oder an ihrer Arbeitsstelle beantragen. Bis die aktuell laufende perspektivische Planung und Weiterentwicklung der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Berlin abgeschlossen ist, wird die Aufnahme von neuen Standorten für Ladeinfrastruktur im Rahmen dieses Projektes nicht mehr möglich sein. Somit können keine neuen Anträge auf Errichtung von Ladestandorten von Bürger*innen, Behörden und Unternehmen beantragt werden. Für weitere Informationen u. a. zu alternativen Möglichkeiten zur Beantragung von Ladepunkten im öffentlichen Raum wird auf unsere FAQs verwiesen.

Innerhalb des Forschungsprojekts ElMobile Berlin sollen voraussichtlich bis September 2022 in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf bis zu 1.000 Laternenladepunkte im öffentlichen Raum errichtet, um die Verfügbarkeit von öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur in diesen Außenbezirken zu erhöhen.

Perspektivische Planung und Weiterentwicklung der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Berlin

Im 2019 verabschiedeten Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung wird unterstrichen, dass der Aufbau von Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum als Hebel zur Förderung der Elektromobilität zu verstehen ist. Jedoch soll laut dem Masterplan durch die Errichtung von Ladeinfrastruktur auf privatem Grund – öffentlich zugänglich sowie nicht öffentlich zugänglich – perspektivisch das Hauptangebot bereitgestellt werden.

Vor diesem Hintergrund wird gegenwärtig im Auftrag der Senatsverwaltung eine Studie erstellt, die u.a. für das Berliner Stadtgebiet erarbeiten soll, wie sich die Elektromobilität in unterschiedlichen Teilräumen der Stadt entwickeln wird, welche Ladebedarfe sich daraus ergeben und wie diese befriedigt werden können.

Hierbei ist insbesondere interessant zu erfahren, auf welche Flächenanteile welcher Beitrag zur Versorgung mit Ladeinfrastruktur fallen könnte.

Natürlich sind hier auch die Kapazitäten des Stromnetzes mitzudenken, weshalb die Ergebnisse der Studie auch für eine bessere Planung der Netzentwicklung durch den Netzbetreiber genutzt werden können.

Neben diesen Kernthemen wird aktuell an der Weiterentwicklung der Vertragsgrundlagen bzw. der „Spielregeln“ des Berliner Modells gearbeitet, sodass mittelfristig feststehen wird, wie sich der Bestand der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum in Zukunft weiterentwickeln wird.

Weitere wichtige Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung des öffentlich-zugänglichen Berliner Ladepunktnetzes erarbeitet die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gemeinsam mit ihren Partner*innen im Rahmen von Forschungsprojekten , bei denen zum Teil auch weitere Ladeinfrastruktur installiert und erprobt wird.

Eines der Projekte, in dessen Rahmen in erheblichem Umfang neue öffentlich-zugängliche Ladeinfrastruktur errichtet wird, ist das Projekt: Neue Berliner Luft – Teilvorhaben ElMobile.