Umwelt  

 

Umweltschutz

Umweltgerechtigkeit

Grafik: Fürchow

Sozialräumliche Umweltpolitik im Land Berlin

Die Lebens- und Umweltqualität in den Quartieren der Hauptstadt sind sehr unterschiedlich. In vielen Teilen Berlins – vor allem im hoch­ver­dichteten Innenstadtbereich – konzentrieren sich gesundheitsrelevante Umweltbelastungen, wie Verkehrslärm, Luftschadstoffe, unzurei­chen­de Ausstattung mit Grünflächen und bioklimatischen Belastungen. Viele Gebiete haben gleichzeitig eine hohe soziale Problematik und sind überproportional durch Mehrfachbelastungen betroffen. Diese Themen werden in Deutschland unter dem Begriff Umwelt­gerechtig­keit diskutiert und gewinnen auch vor dem Hintergrund des Klimawandels an Bedeutung.

Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit sind aufs engste miteinander verknüpft und betreffen vor allem die Metropolenräume. Menschen mit geringem Einkommen und niedriger Bildung sind in Deutschland oft höheren Gesundheits­belastungen durch Umweltprobleme ausgesetzt als Menschen, die sozial besser gestellt sind. Sie wohnen oft an stark befahrenen Straßen und sind besonders häufig von Lärm und Luftverschmutzungen betroffen. Dies zeigen beispielsweise die Auswertungen der repräsentativen Umwelt-Surveys des Umweltbundesamtes (UBA). Die ungleiche Verteilung von Umweltbelastungen und -ressourcen sowie die gesundheitlichen Folgen stehen im Fokus des neuen Themenfeldes Umweltgerechtigkeit, das auf die Vermeidung und den Abbau der sozialräumlichen Konzentration gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen sowie die Gewährleistung eines sozialräumlich gerechten Zugangs zu Umweltressourcen ausgerichtet ist. Umweltgerechtigkeit verfolgt auf diese Weise das Ziel, umweltbezogene gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden und zu beseitigen sowie bestmögliche umweltbezogene Gesundheitschancen herzustellen.

Gesundheitsverträgliche Umweltverhältnisse sind Voraussetzung für das Leben zukünftiger Generationen; dennoch findet in räumlichen und planerischen Zusammenhängen eine entsprechende Berücksichtigung der Umweltgüte nur am Rande statt. Stadträumliche bzw. quartiersbezogene Untersuchungen, die sich mit der gerechten Verteilung von Umweltbelastungen im Sinne eines ressortübergreifenden sozial- und umweltstatistisch fundierten Umweltgerechtigkeitsansatzes befassen, liegen bundesweit bisher nicht vor. Das Land Berlin steht angesichts des starken Bevölkerungswachstums vor immensen Herausforderungen. Die Stadtentwicklungspolitik muss neu ausgerichtet und mit der Umwelt- und Klimaschutzpolitik Berlins verzahnt werden. Soziale und ökologische Aspekte müssen stärker als bisher zum Ausgleich gebracht werden. Die Lebensqualität in den Quartieren ist sehr unterschiedlich, denn in vielen Teilgebieten der Hauptstadt sind die Belastungen durch Umweltverschmutzung und Lärm ungleich verteilt.

Um das sozialraumorientierte Verwaltungshandeln in den Teilräumen der Hauptstadt zu stärken und Grundlagen für eine Neuausrichtung der Umweltpolitik bereitzustellen, hat das Land Berlin bundesweit als erster Metropolenraum die Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption erarbeitet. Im Vordergrund steht die Erarbeitung einer sozialräumlich orientierten Umweltbelastungsanalyse als Grundlage für integrierte Strategien und Maßnahmen an der Schnittstelle der Bereiche Stadtentwicklung, Städtebau und Umwelt. Dies ist die Basis für integrierte Strategien um den ökologischen Umbau voranzubringen und gesunde Lebens- und Wohnbedingungen für alle zu schaffen. Der gesundheitsorientierte Berliner Umwelt­gerechtigkeitsansatz ist der Brückenschlag zwischen Stadtentwicklungs-, Umwelt-, und Gesundheitspolitik und wird somit zu einer Facette sozialer Gerechtigkeit, um benachteiligte Teilräume in der Hauptstadt stadtverträglich zu gestalten.


Umweltgerechtigkeit im Land Berlin

Als Leitbild zielt Umweltgerechtigkeit auf die Vermeidung und den Abbau der sozialräumlichen Konzentration gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen sowie die Gewährleistung eines sozialräumlich gerechten Zugangs zu Umweltressourcen.

Das neue Themenfeld Umweltgerechtigkeit im Land Berlin liegt an der Schnittstelle von Stadtentwicklungs-, Umwelt-, Gesundheits- und Sozialpolitik und befasst sich mit Art, Ausmaß und Folgen ungleicher räumlicher Verteilungen von Umweltbelastungen und Ressourcen sowie den Gründen dafür. Grundlage ist die kleinräumige Umweltbelastungsanalyse (Berliner Umweltgerechtigkeitskarte), die wesentliche Analysen und Ergebnisse der Umweltgerechtigkeitsuntersuchungen verknüpft und auf einer Fachebene zusammenfügt. Die abgebildete Ist-Analyse ("Berlin heute") ermöglicht einen Gesamtüberblick über die Umweltqualität in den Quartieren der Hauptstadt. Basis der wissenschaftlichen Analysen sind die – für die Arbeit der planenden Fachverwaltungen – verbindlich festgelegten 447 lebensweltlich orientierten Planungsräume (LOR) in der Hauptstadt Berlin. Im Rahmen der Bearbeitung wurde zunächst die ungleiche Verteilung der Umweltbelastungen in den Themenfeldern Lärm, Luftbelastung, Bioklimatische Belastung, Grünflächenversorgung, Stadtstruktur, Realnutzung und mehreren Krankheitsbildern untersucht und mit sozialen und weiteren gesundheitsstatistischen Aussagen verschnitten.

In der weiteren Umsetzung sollen auf der ministeriellen und bezirklichen Ebene praxistaugliche Instrumente sowie bau- und umweltrechtliche Verfahren entwickelt werden, um die Umweltpolitik in der Hauptstadt kleinräumig und bewohnerorientiert auszurichten. Die Umsetzung soll zunächst im Rahmen von Modellvorhaben in mehreren Bezirken erprobt werden. Aufgrund der wissenschaftlich gestützten innovativen Herangehensweise hat das neue Berliner Themenfeld richtungweisende Bedeutung für andere bundesdeutsche Metropolenräume und bekommt auch im internationalen Kontext zunehmende Beachtung.


Die Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption

Die Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption (IBUk) ist ein Orientierungsrahmen für ein Handlungskonzept, das Umwelt-, Gesundheits- und soziale Aspekte berücksichtigt, um mehr Umweltgerechtigkeit in den Quartieren der Hauptstadt herzustellen.


Das Berliner Umweltgerechtigkeitsmonitoring

Um die mehrfach belasteten Quartiere in der Hauptstadt identifizieren zu können, hat Berlin bundesweit erstmalig ein Umweltgerechtigkeitsmonitoring mit Kern- und Ergänzungsindikatoren entwickelt.

Kernindikatoren

  • Kernindikator Lärmbelastung: Lärm gilt als eine der bedeutendsten Umweltbelastungen mit signifikanten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sowie die Wohn- und Umweltqualität. mehr
  • Kernindikator Luftschadstoffe: Die Luft wird durch gesundheitsbeeinträchtigende Schadstoffe aus Verkehr, Industrie, Kraftwerken und privaten Haushalten verunreinigt. Luftschadstoffe führen u.a. zu Erkrankungen der Atemwege und des Herzkreislaufsystems. mehr
  • Kernindikator Bioklimatische Belastung: Großstädte sind Wärmeinseln. Die thermische Belastung (Bioklima) ist die Summe aller Klimafaktoren, die auf den Menschen sowie andere Organismen einwirken und deren Gesundheit und Wohlbefinden beeinflussen. Insbesondere Hitze, Kälte, Luftfeuchtigkeit und Windverhältnisse. mehr
  • Kernindikator Grün- und Freiflächenversorgung: Grün- und Freiflächen haben eine wichtige Funktion für die innerstädtische Lebensqualität. Bewegung, Stressabbau und Erholung sind zentrale Motive für die Nutzung von Park- und Grünanlagen. Gleichzeitig haben diese Flächen wichtige kompensatorische Funktionen, vor allem mit Blick auf gesundheitsbelastende Umweltbedingungen. mehr
  • Kernindikator Soziale Problematik: In Berlin gibt es eine hohe Konstanz der räumlichen Verteilung sozial benachteiligter Einwohnerinnen und Einwohner. Die soziale Problematik wird durch den Status-Index (Monitoring Soziale Stadtentwicklung) abgebildet. Das Monitoring liefert kleinräumige Aussagen zur Veränderung der sozialstrukturellen und sozialräumlichen Entwicklung in den Teilgebieten der Stadt und zeigt die höchsten Problemdichten. mehr

Ergänzungsindikatoren

  • Daten und Auswertungen zu verschiedenen Aspekten der Bereiche Gesundheit, Stadtstruktur und Soziales vertiefen das Wissen über die konkrete Situation in den Quartieren der Hauptstadt, wie beispielsweise: Ergänzungsindikator Stadtstruktur. mehr


Umweltgerechtigkeit in den Bezirken

Die Berliner Umweltgerechtigkeitskonzeption soll zunächst im Rahmen von Modellvorhaben in den Berliner Bezirken sukzessive umgesetzt werden.


Umweltgerechtigkeit in Deutschland

Vor dem Hintergrund der räumlichen Konzentration von gesundheitsrelevanten Umweltbelastungen (u.a. Lärm, Luftschadstoffe, mangelnde Ausstattung mit Grün- und Freiflächen in den sozialbenachteiligten Quartieren) gewinnt das Thema Umweltgerechtigkeit auch in Deutschland zunehmende Bedeutung.




Weitere Informationen



Robert Koch-Institut (RKI)



Umweltbundesamt (UBA)



Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)



Deutsches Institut für Urbanistik


Forschungsprojekte:
  • Forschungs-Praxis-Projekt "Umsetzung einer integrierten Strategie zu Umweltgerechtigkeit – Pilotprojekt in deutschen Kommunen" (2015-2018), mit Zuwendung des Umweltbundesamtes
  • Forschungsvorhaben "Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum" (2012-2014), mit Zuwendung des Umweltbundesamtes
Veröffentlichungen:
  • Böhme, Christa, Thomas Preuß, Arno Bunzel, Bettina Reimann, Antje Seidel-Schulze, Detlef Landua: (2015): Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum – Entwicklung von praxistauglichen Strategien und Maßnahmen zur Minderung sozial ungleich verteilter Umweltbelastungen, hrsg. vom Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau 2015 (Umwelt & Gesundheit 01/2015)
  • Böhme, Christa, und Arno Bunzel: Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum. Expertise "Instrumente zur Erhaltung und Schaffung von Umweltgerechtigkeit". Difu-Sonderveröffentlichung. Berlin 2014
  • Böhme, Christa, Thomas Preuß und Christiane Bunge (2014): Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum – Erfolgsfaktoren für eine Implementierung im kommunalen Handeln. In: Umwelt und Mensch – Informationsdienst. Ausgabe 2. S. 5-10
Fachtagung:
  • Potenziale für mehr Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum: Umwelt, Gesundheit und Soziales vernetzen und gemeinsam handeln. Dokumentation der Fachtagung vom 19. - 20. November 2012 in Berlin. Veranstalter: Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) und Umweltbundesamt (UBA)


Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)


Umweltgerechtigkeit in der Sozialen Stadt

Forschungsprojekt:
  • Forschungsprojekt "Umweltgerechtigkeit in der Sozialen Stadt", Städtebauliche Begleitforschung, 2015-2016
Veröffentlichungen:
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Hrsg.) (2016): Umweltgerechtigkeit in der Sozialen Stadt. Gute Praxis an der Schnittstelle von Umwelt, Gesundheit und sozialer Lage. Berlin
  • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) (2016): Umweltgerechtigkeit in der Sozialen Stadt. An der Schnittstelle von Umwelt, Gesundheit und Sozialer Lage. Endbericht. Bearbeitet von: Planergemeinschaft Kohlbrenner eG
Fachtagung:
  • Planergemeinschaft Kohlbrenner eG (2016): Bundesweiter Kongress Umweltgerechtigkeit in der Sozialen Stadt vom 13. Juni 2016 in Berlin, Veranstaltungsdokumentation

Kontakt

Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Referat Umweltpolitik, Umweltförderung

Dr.-Ing. H.-Josef Klimeczek
Tel.: 030 9025-2198
E-Mail: heinz-josef.klimeczek@senuvk.berlin.de

Umweltatlas Berlin