Pflanzenschutz  
 

Pflanzenschutz im Stadtgrün - Schadorganismen in Berlin

Tierische Schaderreger: Großer Waldgärtner (Tomicus piniperda)

Borkenkäfer an Kiefern

v.l.n.r.: Großer Waldgärtner, Einbohrlöcher mit Bohrmehl, Harzfluss, absterbende Groß-Kiefern , Fotos: Pflanzenschutzamt Berlin
v.l.n.r.: Großer Waldgärtner, Einbohrlöcher mit Bohrmehl, Harzfluss, absterbende Groß-Kiefern

In den letzten Jahren wurden zunehmend Großkiefern als Gestaltungselement gepflanzt. Die Verwendung von Großkiefern im Stadtgrün ist nicht unproblematisch, da sie besonders während der ersten Standjahre durch den Befall mit Borkenkäfern gefährdet sind und absterben können. Vor allem Neupflanzungen in der Nähe von Altbäumen und in Waldrandlagen sind häufig von einem Befall betroffen. Ebenso hat der Witterungsverlauf der letzten Jahre die Entwicklung von Borkenkäfern äußerst begünstigt. Sie treten in bzw. nach warmen / heißen Trockenphasen/-jahren bevorzugt auf.

Weitere Informationen unter: Merkblatt Stammschädlinge (pdf; 1,3 MB)

Lebensweise


Tabelle mit Lebenszyklus
Lebenszyklus Großer Waldgärtner

Großer Waldgärtner - Tomicus piniperda
Vorkommen: Kiefer
Überwinterung: als Käfer in der Bodenstreu oder in der Borke in Überwinterungsgängen
Flugzeit (1. Generation): Ende März/Anfang April bis in den Mai, Flugbeginn ab einer Durchschnittstemperatur von ca. 10 °C am Tag
Eiablage: Käfer bohren sich in den Stamm
Begattung in der Rammelkammer
Eiablage rechts u. links des Ganges in Einischen
Larvenfraß: unter der Rinde – typisches Brutbild
ca. 50 bis 80 Larvengänge pro Muttergang
Verpuppung: am Ende der Larvengänge
Puppenwiegen in der Rinde
Ausbohrlöcher: Jungkäfer fressen sich durch die Rinde
Reifungsfraß: im Mark junger Triebe
Mitte Juni bis Juli in den Kronen
August bis September (Geschwisterbruten)
Entwicklungsdauer: 7 bis 9 Wochen, je nach Witterung
Regenerationsfraß d. Altkäfer: Ende Mai an ein- u. zweijährigen Trieben "Absprünge"
Geschwisterbruten: bei ca. 60% der Weibchen möglich ca. 8-10 Wochen nach der Flugzeit / 1. Eiablage der überwinternden Käfer
Generationen: eine Generation im Jahr

Absprünge
Absprünge
 
Besonders anfällig sind Bäume die verstärkt unter Trockenheit leiden bzw. sich noch im Umpflanzschock befinden.
Hier bohren sich die Käfer zur Paarung und Eiablage sowohl in die Stämme als auch in die Astansatzstellen im unteren Kronenbereich ein und beeinträchtigen den Wasser- und Assimilatstrom. In der Folge kann es, je nach Stärke des Befalls, zu Welkeerscheinungen in der Krone aber auch zum Absterben des gesamten Gehölzes kommen.

Erkennungsmerkmale

Von einem Befall können frisch gepflanzte Kiefern-Großbäume, kleinere Kiefernbüsche, geschwächte oder absterbende Bäume betroffen sein. Kronenverlichtungen und -missbildungen, schüttere und büschelige Triebe sowie am Boden liegende Absprünge sind die Merkmale eines Befalls. Zunächst reagiert der Baum mit Zuwachsverlusten und Verbräunungen, später dann mit partiellen Absterbeerscheinungen bis hin zum kompletten Absterben.

absterbender  Kiefernbusch
absterbender Kiefernbusch
 
Hinweise für einen beginnenden Befall können neben den Kronensymptomen auch Befallsmerkmale am Stamm sein. Einbohrlöcher, Harztrichter und -fluss, Bohrmehl, abblätternde Rinde oder Spechthiebe weisen auf einen Befall mit Borkenkäfern hin.

abblätternde Rinde
abblätternde Rinde

Maßnahmen

Da eine direkte Bekämpfung der Käfer nicht möglich ist, sind eine optimale Wasser- und Nährstoffversorgung dem richtigen Standort die besten Maßnahmen im Sinne des vorbeugenden Pflanzenschutzes.

Weiterhin sollten folgende Faktoren möglichst vermieden werden:
  • Pflanzungen in einem Altbestand / in die Nähe von Altbäumen dergleichen Gattung, besonders bei vorhandenem Befall
  • Nachpflanzungen in einer bereits befallenen Neupflanzung
  • schlechter Zustand der Gehölze: zu groß, überständig, von geringer Qualität
  • unvorbereitete Standorte: Verdichtungen, Vernässungen
  • Pflanzstress: Pflanzung zu ungünstigen Zeiten, zu tiefe Pflanzung
  • Wasserstress:
    • zu wenig Wasser => Austrocknung der Pflanzen vor oder nach der Pflanzung
    • zu viel Wasser => zu wenig Bodenluft, die Folge sind absterbende Wurzeln
  • Konkurrenz durch Unkrautbesatz
  • Beschädigungen am Stammgrund oder an der Wurzel durch Maschinen oder Wühlmäuse


Bei Neuanlagen und Neupflanzungen durch gewerbliche Betriebe (Garten- und Landschaftsbau, gärtnerische Dienstleitungen) gibt es für zwei Pflanzenschutzmittel (Fastac Forst mit dem Wirkstoff Alpha-Cypermethrin und Karate Zeon mit dem Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin – Stand März 2019) eine Genehmigung nach § 17 PflSchG (Pflanzenschutzgesetz) um die Bäume im Streichverfahren zu behandeln. Hierdurch kann vorbeugend einer Besiedlung mit Borkenkäfern entgegen gewirkt werden.

Vor und bei der Anwendung sind die Regelungen des Natur-, Landschafts- und Wasserschutzes zu beachten bzw. entsprechende Genehmigungen der zuständigen Behörden einzuholen, ebenso sind die Gebrauchsanleitung und die Anwendungsbestimmungen zu beachten. Soll darüber hinaus ein Stammschutz mit Baumfarbe erfolgen, dann ist die Insektizidbehandlung im Streichverfahren erst nach dem Auftragen der Stammfarbe durchzuführen.

Die aktuell (März 2019) zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmittel haben keine Zulassung im Haus- und Kleingartenbereich. Treten in diesem Bereich starke Schäden (u.a. Absterben einzelner Äste oder der Krone, beim Ablösen der Rinde, zahlreiche Ein- und Ausbohrlöchern im Stamm- und unteren Kronenbereich) auf, so ist keine erfolgreiche Bekämpfung oder Wiedererholung des Baumes mehr möglich. Bei entsprechenden Problemen im Haus- und Kleingartenbereich bitte unsere Beratung in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich ist nach der Pflanzung auf eine ausreichende Wasserversorgung zu achten. Trockene und geschwächte Gehölze werden zuerst befallen.