Forsten  

 

Forsten

Baum des Jahres 2003: Die Schwarz-Erle


Wenn es kein Laubbaum wäre, könnte man sie von weitem glatt mit einer Fichte verwechseln - keine andere einheimische Laubbaumart hat einen so auffallend bis in die Kronenspitze gerade durchlaufenden Stamm wie die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa [L]. GAERTN.). In manchen Regionen wird sie deshalb auch als 'Fichte der Täler' bezeichnet.

Zum deutschen Namen der Schwarz-Erle hat die im Alter zerklüftete, dunkle Schuppenborke geführt.

Die Baumart ist in fast ganz Europa heimisch. Sie gilt als Baumart der tiefen Lagen, steigt aber auch bis in mittlere Gebirgslagen auf. In Deutschland finden sich größere zusammenhängende Bestände nur noch in der nordostdeutschen Tiefebene, wie zum Beispiel im Spreewald südlich von Berlin.
Schwarz-Erlen-Bruch
Schwarz-Erlen-Bruch
© www.baum-des-jahres.de
Der wichtigste Nachteil gegenüber Konkurrenten ist ihr relativ geringes Alter von nur maximal 100-120 Jahren. Dennoch können maximale Stammdurchmesser von ca. 1 m und Höhen bis zu 35 m erreicht werden. Die dickste bekannte Schwarz-Erle steht im Nationalpark auf dem Darß (in Mecklenburg-Vorpommern) mit 1,57 m Durchmesser in 1,30 m Stammhöhe.

Die Schwarz-Erle erreicht ihr Blühalter schon unter 10 Jahren. Die unscheinbaren Blüten sind windbestäubt und eingeschlechtig, es kommen aber beide Geschlechter auf einem Baum vor. Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Kätzchen überdauern den Winter ungeschützt und sind daher schon ab Frühsommer des Vorjahres sichtbar, obwohl sie erst im nächsten Frühjahr blühen.

Während des Heranreifens der Früchte verholzt der Fruchtstand und wird zu einem Zapfen. Die winzigen Früchte haben Auswüchse, die luftgefüllt sind und als Schwimmpolster dienen. Sie fallen vom Herbst bis zum Frühjahr aus den Zapfen und werden vom Winde verweht oder mit dem Wasser verbreitet, worin sie bis zu 12 Monate lebensfähig bleiben. Die Wasserverbreitung ist sehr effektiv, da sowohl die Entfernungen als auch die Wahrscheinlichkeit, einen gut wasserversorgten Rohboden zu finden, groß sind.

Die Schwarz-Erle entwickelt ein sehr tiefreichendes, wegen seiner Form so genanntes Herzwurzelsystem und vermag auch ausgesprochen schwere Tonböden zu erschließen. Dieses dringt auch in ganzjährig vom Grundwasser beeinflusste Bodentiefen vor. Die dadurch erschwerte Luftversorgung der Wurzeln wird durch auffallend große Öffnungen in der Rinde (sog. Lentizellen) und Luftkanäle im Holz sichergestellt, die sich an der Stammbasis und den oberflächennahen Wurzeln befinden. Erst eine lange Überschwemmung auch der Stammbasis kann zum Absterben der Erlen führen.

Eine weitere Besonderheit der Erle ist das Vorkommen von Wurzelanschwellungen (sog. Rhizotamnien), knollenartige Gebilde von Stecknadelkopfgröße bis zur Größe eines Apfels. Diese Wurzelknöllchen, die sich nur in den oberen Bodenhorizonten finden lassen, beherbergen Bakterien, die Luftstickstoff binden können. So kann sich die Erle mit diesem wichtigen Nährstoff direkt aus der Luft selbst versorgen. Werden Erlen mit solchen Knöllchen und andere ohne diese in stickstofffreier Nährlösung kultiviert, sterben die Bäume ohne Knöllchen nach kurzer Zeit ab, während die anderen normal weiterwachsen! Die Mikroorganismen können in den Wurzelknöllchen besonders effektiv arbeiten, da sie vom Wirt, der Erle, mit Zuckerlösung aus der Photosynthese ihrer Blätter versorgt werden. Der Baum investiert also einen Teil seines Energiegewinns, um sich von der Stickstoffversorgung aus dem Boden weitgehend unabhängig zu machen.

Die Schwarz-Erle tritt von Natur aus vor allem in zwei Waldgesellschaften auf. Die Bach-Erlen-Eschenwälder zählen zu den Auenwäldern, begleiten viele Fließgewässer, werden regelmäßig überschwemmt und dabei mit Nährstoffablagerungen aus dem Fluss versorgt. Obwohl sie dort ihr bestes Wachstum zeigt, muss sie sich diese Standorte mit der Esche teilen. Konkurrenzlos herrscht die Schwarz-Erle hingegen im sog. Erlen-Bruchwald, der sich dadurch auszeichnet, dass der Grundwasserstand ganzjährig sehr hoch ist und nur wenig schwankt. Der Boden bleibt daher fast immer nass und wird fast regelmäßig nur im zeitigen Frühjahr (während der Schneeschmelze) überschwemmt, wobei im Gegensatz zu Auenwäldern aber keine Nährstoffe zugeführt werden, da das Wasser nicht fließt.

Die Schwarz-Erle ist eine wertvolle und interessante, aber durch Entwässerungsmaßnahmen und das derzeitige Erlensterben hochgradig bedrohte Baumart, die dringend unserer Aufmerksamkeit und Pflege bedarf.

Quelle und weitere Informationen: pfeil_rechts_3366cc www.baum-des-jahres.de