Neubau der Neuen Fahlenbergbrücke

Ansicht der Bestandsbrücke von Süden
Ansicht der Bestandsbrücke von Süden
Bild: SenUVK

Ausführungsphase

Die Neue Fahlenbergbrücke befindet sich in Berlin im Bezirk Treptow-Köpenick und überquert im Zuge der Gosener Landstraße (L39) den Gosener Kanal bei Kanal-km 3,41. Die Gosener Landstraße stellt die direkte Verbindung zwischen dem Köpenicker Ortsteil Müggelheim (Land Berlin) und dem Brandenburgischen Gosen-Neu Zittau (Landkreis Oder-Spree) her.

Die jetzige Brücke wurde im Jahre 1983 als einfeldrige Stahlbrücke errichtet.

Infolge des baulichen Zustandes des Bestandsbauwerkes wird dieses komplett abgebrochen und neu gebaut.

Der Ersatzneubau erfolgt unter Vollsperrung der Gosener Landstraße. Der Verkehr wird während des Bauzeit der neuen Brücke über die Trasse der ehemaligen Gosener Landstraße und ehemaligen Fahlenbergbrücke, welche ca. 100 m südlich den Gosener Kanal überspannte und in den 1980er Jahren abgebrochen wurde, ortsnah geführt. Die teilweise noch vorhandene Umfahrungsstrecke wird ertüchtigt und eine Behelfsbrücke errichtet.

Der Neubau der Neuen Fahlenbergbrücke erfolgt unter Aufrechterhaltung des ÖPNV, Kfz-, Rad- sowie Fußgängerverkehrs während der gesamten Baumaßnahme. Der Schifffahrtsverkehr auf dem Gosener Kanal wird bautechnologisch bedingt teilweise eingeschränkt.

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Stadtplan Berlin.de

Das Vorhaben

Notwendigkeit der Baumaßnahme

Die geplante Instandsetzungsmaßnahme im Jahr 2011 musste aufgrund des vorgefundenen Bestandes abgebrochen werden. Bei der Freilegung des Überbaus, der Widerlager und der nördlichen Flügelwände der Brücke wurden gravierende Betonschäden erkennbar. Weitere Untersuchungen ergaben eine fortgeschrittene Alkali-Kieselsäure-Reaktion in den Betonbauteilen des Bauwerkes.

Die Verkehrswege

Bei der Gosener Landstraße handelt es sich um eine 2-spurige Fahrbahn mit einer Gesamtbreite von ca. 7,0 m. Sie stellt die direkte Verbindung zwischen dem Köpenicker Ortsteil Müggelheim und dem Brandenburgischen Gosen-Neu Zittau her.

Parallel zum südlichen Fahrbahnrand verläuft ein etwa 2,60 m breiter Geh- und Fahrradweg, der zukünftig auch in voller Breite mit dem neuen Bauwerk über den Gosener Kanal geführt werden soll.

Über die Neue Fahlenbergbrücke verbindet eine Buslinie der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Berliner Ortsteil Müggelheim mit den Ortschaften Gosen-Neu Zittau bzw. den in Gosen gelegenen Gewerbepark “Müggelpark” in Brandenburg.

Der Gosener Kanal (GoK) ist Bestandteil der Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) in Berlin und verbindet über eine Länge von 2,8 km die Gewässer Seddinsee und Dämeritzsee. Der Kanal ist Teilstück einer Bundeswasserstraße und wird der Wasserstraßenklasse III zugeordnet. Der Kanal wird von der Berufsschifffahrt sowie der Freizeitschifffahrt genutzt. lm Bereich des Brückenbauwerks beträgt die Gesamtbreite des Kanals etwa 31,60 m.

Schutzgebiete nach Naturschutzrecht und Wasserschutzgebiet

Östlich der Brücke befindet sich das Naturschutzgebiet “Müggelspreeniederung Köpenick”, welches zugleich ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) und ein Special Protected Area (SPA) nach EU-Vogelschutzrichtlinie ist.

Westlich der Brücke erstreckt sich ein großflächiger Bereich, der als Schutzzone II des Wasserschutzgebietes Friedrichshagen ausgewiesen ist. Innerhalb der Schutzzone II befinden sich Brunnengalerien, die mit ihrem Fassungsbereich der Schutzzone I zugeordnet werden. Östlich der Brücke befindet sich die Wasserschutzzone III A.

Bestandsbauwerk

Die Brücke wurde 1983 errichtet und besteht aus einem einfeldrigen Stahlüberbau mit aufgelegten Spannbetonfertigteilen. Der Stahlüberbau wird aus zwei geschweißten I-Profil-Trägern gebildet. Die Fahrbahnplatte besteht aus Spannbeton-Fertigteilplatten, die in Abschnitten von 1,25 m Breite auf die Träger aufgelegt wurden. Die Spannweite der Brücke beträgt 40,00 m, die Gesamtbreite 12,40 m. Das Bauwerk wurde flach gegründet. Zur Herstellung der Fundamente der Widerlagerwände wurden Spundwandkästen verwendet. Für die Widerlager wurde eine Konstruktion aus Schwergewichtswänden gewählt. Flügel und Widerlagerwand sind durch Raumfugen voneinander getrennt. Die Gründung der Widerlager erfolgte als Flachgründung, die der Widerlagerwand im Grundwasser, die der Flügelwände nur knapp darunter.

Im Jahr 2010 wurde mit der Instandsetzung des Bestandsbauwerks begonnen. Im Laufe der Arbeiten wurden Schäden an den Widerlagern festgestellt, die mit einer Instandsetzung nicht hätten behoben werden können. Ausschlaggebend war der schlechte Zustand des Betons. Die Instandsetzung wurde daraufhin im Frühjahr 2011 abgebrochen. Zur Gewährleistung der Standsicherheit bis zum Neubau der Brücke wurden verschiedene Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. U.a. wurden die Flügelwände mit Gewindestangen gegeneinander verspannt und die Widerlagerwände mit Verpressankern rückverankert. Die Fahrbahnbreite von 8,50 m wurde auf 6,50 m reduziert. Zu diesem Zweck wurden auf dem Überbau beidseitig der Fahrbahn Betonschutzwände aufgestellt. Es erfolgte infolge des Bestandes eine Geschwindigkeitsreduzierung.

Neues Brückenbauwerk

Das neue Brückenbauwerk wird am gleichen Standort der Neuen Fahlenbergbrücke als einfeldriges Bauwerk errichtet. Die Vorderkanten der beiden Widerlagerwände sowie die Stützweite des Bestandsbauwerks bleiben für das neue Bauwerk erhalten. Die vorhandene Gradiente der überführten Landstraße bleibt bestehen.

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Neubau – Ansicht der neuen Brücke
Bild: SenUVK

Neubau der Neuen Fahlenbergbrücke: Längsschnitte, Draufsicht

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Das Brückenbauwerk wird als Stahlverbundkonstruktion über ein Feld mit einer Stützweite von 40m ausgeführt. Die Stützweite ergibt sich aus der Kanalbreite und den beidseitig freizuhaltenden Flächen für Wartungs- und Instandhaltungswege mit je 3 m Breite vor den Widerlagern.

Die Gründung des Neubaus erfolgt, unter teilweiser Nutzung der vorhandenen Spundwandkästen, mit Unterwasserbeton am gleichen Standort wie das Bestandsbauwerk. Das neue Widerlager wird als Kastenwiderlager ausgeführt. Die 140 cm dicke Widerlagerwand und die 80 cm dicken Flügelwände sind biegesteif miteinander verbunden und gründen mit einer 130 cm dicken Bodenplatte auf 150 cm Unterwasserbeton.

Der Überbau besteht aus einer Verbundträgerkonstruktion mit vier luftdicht geschweißten Hohlkastenträgern und einer bewehrten Ortbetonplatte. In den Widerlagerachsen wird jeweils ein Endquerträger aus Stahlbeton angeordnet.

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Neubau – Querschnitt der neuen Brücke
Bild: SenUVK

Neubau der Neuen Fahlenbergbrücke: Widerlager Ansichten und Schnitte

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Die Unterkante der Stahlträger verläuft in einem Kreissegment. Die Höhe der Hohlprofile nimmt vom Endquerträger zur Überbaumitte von 1,40 m auf 1,20 m ab. Der Überbau erhält dadurch ein gefälliges Erscheinungsbild.

Der Bauablauf gliedert sich in folgende wesentliche Bauphasen

Bauphase 0 – bauvorbereitende Maßnahmen

  • Umverlegung von Versorgungsleitungen
  • Baufeldfreimachung (Rodung von Bewuchs und Bäume)

Bauphase 1 – Herstellung der bauzeitlichen Behelfsumfahrung

  • Straßenbau und Instandsetzung der alten Trasse

Bauphase 2 – Neubau der Neuen Fahlenbergbrücke

  • Herstellen der Gründungen für die Behelfsbrücke
  • Vorbereiten des Bestandsüberbaus für den Verschub
  • Umsetzen des Überbaus und Einheben in neuer Lage als Überbau der Behelfsbrücke
  • Straßenbau zur Komplettierung der Behelfsumfahrung
  • Inbetriebnahme und Umlegen des Verkehrs auf die Behelfsumfahrung
  • Abbruch der alten Widerlager- und Flügelwände sowie Stützwandabschnitte
  • Herstellen der neuen Unterbauten, wie Fundament und Widerlager
  • Herstellen neuer Straßendamm und Böschung
  • Antransport der Hohlkastenträger auf Gosener Kanal, Ablegen nördlich der Brücke und Einheben der Träger unter Vollsperrung des Gosener Kanals
  • Herstellung des Überbaus (u.a. Übergangskonstruktionen, Geländer, Borde und Beläge)
  • Herstellung der Anschlussbereiche der Fahrbahnen (u.a. Oberbau mit Fahrbahnbelag, Entwässerung im Flügelbereich, Muldenentwässerung zwischen Gehweg und Fahrbahn, Gehweg und Borde)
  • Umlegen des Verkehrs auf die Gosener Landstraße
  • Rückbau der Behelfsbrücke

Leitungsverwaltungen / Versorgungsunternehmen

Innerhalb der Baustellenflächen sind Versorgungsleitungen vorhanden, welche im Zuge des Ersatzneubaus mit berücksichtigt, teilweise umverlegt und neu verlegt bzw. gebaut werden müssen. Die erforderlichen Leistungen an den Versorgungsleitungen werden durch die jeweiligen Leitungsbetreiber als Eigenleistung ausgeführt. Folgende Leitungsbetreiber sind im Bereich beteiligt:

  • Deutsche Telekom Netzproduktion GmbH – Telekommunikationsleitungen
  • Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes – Schifffahrtszeichenbeleuchtung
  • Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz – Ultraschallmessanlage

Der Bau

Aktueller Stand der Baumaßnahme bzw. Bautätigkeiten vor Ort (Stand: Juli 2020)

  • Rodungsarbeiten (Baumfällungen und Wildwuchsbeseitigungen) während des vegetationsarmen Zeitraums im Bereich der Bauwerksböschungen sowie im Bereich der Umfahrungsstrecke sind abgeschlossen
  • provisorische Umverlegung von Kabel- und Kabelschutzrohrtrassen der Berliner Wasserbetriebe (BWB) ist abgeschlossen
  • Umverlegung der Niederspannungskabel von Stromnetz Berlin ist abgeschlossen
  • Ausschreibungs- und Vergabeverfahren zur Herstellung der Behelfsumfahrung
  • Ausschreibungs- und Vergabeverfahren zum Neubau der Neuen Fahlenbergbrücke

Baustellenfotos

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Verkehrsführung

Gosener Landstraße (L39)

Der Ersatzneubau erfolgt unter Vollsperrung der Gosener Landstraße. Der Verkehr wird während der Bauzeit über die Trasse der ehemaligen Gosener Landstraße ortsnah geführt.

Auf der westlichen Seite, von Berlin her kommend, wird der Verkehr 2-spurig auf der Behelfsumfahrung geführt. Vor der Behelfsbrücke wird der Verkehr mittels einer Lichtsignalanlage (LSA) im einspurigen Wechselverkehr weiter östlich bis zur Überleitung auf die Gosener Landstraße (Höhe Einfahrt zur Revierförsterei) geführt. Die Gesamtlänge der Behelfsumfahrung beträgt circa 700 m.

Der Fußgänger- und Radverkehr wird unabhängig vom LSA-geregelten Fahrzeugverkehr auf der südlichen Seite der Behelfsumfahrung geführt. Es wird ein provisorischer Geh- und Radweg neben der Fahrbahn angelegt.

Der Neubau der Neuen Fahlenbergbrücke erfolgt unter Aufrechterhaltung des ÖPNV, Kfz-, Rad- sowie Fußgängerverkehrs während der gesamten Baumaßnahme.

Verkehrsführung der Schifffahrt auf dem Gosener Kanal

Während der gesamten Baumaßnahme kann der Gosener Kanal im Baustellenbereich nur in einer Fahrrinne befahren werden.

Kanalsperrungen werden u.a. für den Verschub und das Einheben des Überbaus der Fahlenbergbrücke zur Behelfsumfahrung, für den Einhub der Stahlträger der neuen Fahlenbergbrücke sowie für den Abriss der Behelfsbrücke notwendig.

Entsprechende Verbots- und Verbotsauflöseschilder sowie Baustellenhinweisschilder mit den benötigten Sperrzeiten werden vor Beginn der Baumaßnahme auf beiden Ufern sowohl im Norden als auch im Süden aufgestellt.

Der Schifffahrtsverkehr auf dem Gosener Kanal wird bautechnologisch bedingt teilweise eingeschränkt.

Zahlen und Daten

Bauwerksdaten

  • Einwirkungen

    LM1+
    Sonderfahrzeug 2400/200
    nach DIN EN 1991-2

  • Militärlastklassen

    keine

  • Stützweite

    40,00 m

  • Nutzbreite

    11,25 m

  • lichte Höhe

    ca. 5.20 m über oberem Wasserstand

  • Kreuzungswinkel

    100 gon

  • Längsgefälle

    1,13 %

  • Gesamtbreite/Gesamtlänge Überbau

    11,87 m / 41,40 m

  • Brückenfläche

    ca. 450 m²

Gesamtkosten

  • Gesamtkosten für das Land Berlin

    ca. 5,6 Mio. Euro (brutto)