Wie wird die Wirkung von BGI-Maßnahmen auf die Gewässerqualität modelliert?
Der BGI-Planer ermöglicht eine Abschätzung, wie sich geplante blau-grüne Infrastrukturmaßnahmen auf die Gewässerbelastung durch Mischwasserüberläufe auswirken. Maßnahmen, die versiegelte Flächen von der Mischkanalisation abkoppeln oder den oberflächlichen Regenabfluss reduzieren, verringern den Zufluss in die Mischkanalisation. Dadurch können Häufigkeit und Volumen von Mischwasserüberläufen sinken.
In Berlin führen Mischwasserüberläufe regelmäßig zu Sauerstoffmangel in Flüssen und Kanälen. Sinkt der Sauerstoffgehalt unter 1,5 mg/L, ist mit Fischsterben zu rechnen.
Die Modellierung berücksichtigt stets das gesamte Mischwassereinzugsgebiet und alle daran angeschlossenen, versiegelten Flächen. Dabei wird die durch die geplanten Maßnahmen ermittelte Abflussreduktion auf die versiegelten Flächen des gesamten Mischwassereinzugsgebiets hochgerechnet. Auf dieser Grundlage wird die Gesamtwirkung der geplanten Maßnahmen auf die Verringerung von Mischwasserüberläufen sowie auf die Verbesserung der Gewässerqualität abgeschätzt.
Die Modellierung liefert eine abstrahierte Einschätzung darüber, inwiefern die Maßnahmenplanung einen positiven Effekt auf die Gewässerqualität haben kann.
Wie wird die Gewässerbelastung bewertet?
Die Bewertung erfolgt anhand von zwei Kennwerten, die den Sauerstoffmangel im Gewässer beschreiben: der Unterschreitungsdauer und der Anzahl kritischer O₂-Ereignisse.
Die Unterschreitungsdauer gibt an, wie lange der Sauerstoffgehalt unter festgelegten Schwellenwerten liegt. Dabei werden verschiedene Sauerstoffkonzentrationen betrachtet, um sowohl leichte als auch starke Sauerstoffdefizite zu erfassen. Ein Sauerstoffgehalt unter 1,5 mg/L gilt als fischkritisch und kann zu Fischsterben führen.
Die Anzahl kritischer O₂-Ereignisse beschreibt, wie häufig fischkritische Sauerstoffbedingungen auftreten. Als ein Ereignis wird dabei eine zusammenhängende Phase mit Sauerstoffkonzentrationen unter 1,5 mg/L gewertet. Erst nach einer Erholungsphase von mindestens fünf Tagen beginnt ein neues Ereignis.
Beide Kennwerte ermöglichen es, die Auswirkungen von Mischwasserüberläufen sowie die Wirksamkeit geplanter blau-grüner Infrastrukturmaßnahmen auf die Gewässerqualität zu bewerten. Je kürzer die Unterschreitungsdauer und je seltener kritische O₂-Ereignisse auftreten, desto geringer ist die Gewässerbelastung.