Allgemeines
In den Karten der Grundwassertemperatur 2024 wird für das Land Berlin die Temperaturverteilung im Untergrund für die Bezugshorizonte 20 m, 40 m, 60 m, 80 m und 100 m unter Geländeoberkante und die mittlere Temperatur für den Tiefenbereich von 20 bis 100 m unter Geländeoberkante dargestellt. Es muss beachtet werden, dass die Isothermenverläufe in Abhängigkeit von der vorhandenen Messstellendichte relativ große Unsicherheiten aufweisen können. Die oberflächennahen Bezugshorizonte (20 m und 40 m) sind durch die urbane Flächennutzung und Versiegelung an der Oberfläche stärker beeinflusst, weshalb die interpolierten Isothermenverläufe für diese Tiefenhorizonte unter Berücksichtigung der Flächennutzung manuell nachbearbeitet wurden.
Die Kartenangaben zur Temperaturverteilung sollten immer dann verwendet werden, wenn für den Standort keine repräsentativen Temperaturmessungen vorliegen. Es ist zu beachten, dass die Ergebnisse einer Temperaturmessung immer nur exakt für das aufgenommene Tiefenprofil gelten. Je nach Variabilität der Standortcharakteristik können schon wenige 10er m weiter andere Bedingungen vorherrschen, die zu einer Temperaturänderung im Untergrund führen. Ohne Berücksichtigung der Faktoren kann dies bei einer Übertragung auch auf dicht benachbarte Standorte zu einer teilweise erheblichen Fehleinschätzung der Temperaturverhältnisse führen. Grundsätzlich ist aber anhand der aufgeführten Karten eine erste Abschätzung der Temperaturverhältnisse an einem Standort z. B. für die Nutzung von geothermischer Energie möglich.
Es konnte ein erheblicher Einfluss auf das oberflächennahe Temperaturfeld durch die Uferfiltration im Bereich verschiedener Brunnengalerien der Berliner Wasserbetriebe festgestellt werden. Aufgrund der saisonalen Temperaturschwankungen von Oberflächengewässern sind vor allem Messstellen zwischen Förderbrunnen und Oberflächengewässern beeinflusst, weshalb Messpunkte in diesem Bereich nicht bei der Kartenerstellung berücksichtigt werden.
Es ist zu beachten, dass aufgrund des Abstands der Messpunkte nicht alle räumlichen Strukturen an der Oberfläche und im Untergrund aufgelöst und deshalb in ihrer Wirkung auf die Temperaturverhältnisse berücksichtigt werden können. Messpunkte, welche kleinräumige und saisonale Temperaturanomalien darstellen, wurden daher größtenteils vor der Interpolation entfernt.
Temperaturen 20 m unter Geländeoberkante
Die Temperaturverteilung mit Messungen aus dem Jahr 2024 weist für den Bezugshorizont 20 m unter Geländeoberkante (Karte 2.14.1) teilweise deutliche Unterschiede zu der vorhergehenden Kartenausgabe von 2020 auf. Diese sind u. a. darauf zurückzuführen, dass wesentlich mehr Messstellen, vor allem im östlichen Stadtgebiet für die Ermittlung der Temperaturverteilung verwendet wurden.
Generell ist weiterhin ein tendenzieller Temperaturanstieg vom Stadtrand hin zum Stadtzentrum zu beobachten. Im Vergleich zur Karte von 2020 fällt auf, dass keine Temperaturbereiche < 9,5 °C (hellblau) im Stadtgebiet mehr auftreten. Gleichzeitig sind die höchstgemessenen Temperaturen leicht angestiegen. Das Temperaturmaximum in 20 m Tiefe liegt bei 16 °C (Messstelle 6005). Der Temperaturverlauf im Nordosten zeigt einen kontinuierlichen Anstieg zum Stadtzentrum hin, während sich das übrige Stadtgebiet durch das Auftreten mehrerer kleinerer positiver und negativer Temperaturanomalien auszeichnet. Das stark bebaute und versiegelte Stadtzentrum wird 20 m unter Geländeoberkante (Karte 02.14.1) von einer 12,5 °C-Isolinie eingeschlossen. Die im Stadtzentrum zu beobachtende Wärmeinsel mit Temperaturen von mehr als 12,5 °C wird z. B. durch den Großen Tiergarten, eine große Grünfläche im Innenstadtbereich, durchbrochen. Innerhalb dieser Wärmeinsel sind Temperaturanomalien mit Temperaturen von mehr als 15,0 °C zu beobachten.
Außerhalb des Stadtzentrums korrelieren positive Temperaturanomalien ebenfalls mit hoch versiegelten Bereichen wie Nebenzentren und Industriegebieten. Unterhalb der ausgedehnten Waldgebiete im südöstlichen, nördlichen und nordwestlichen Stadtrandbereich sowie im Bereich des Grunewalds sind die Temperaturen geringer als 10,5 °C. Es sind einige Temperaturanomalien im Stadtgebiet mit weniger als 11,5 °C, wie z. B. der Britzer Garten, das Tempelhofer Feld oder die Jungfernheide zu beobachten. Diese Flächen weisen einen hohen Vegetationsanteil auf. Generell ergeben sich im dicht besiedelten Innenstadtbereich gegenüber dem Umland Temperaturerhöhungen im Grundwasser von mehr als 7 °C.
Temperaturen 40 m, 60 m, 80 m und 100 m unter Geländeoberkante
Die weiteren Karten (Karten 02.14.3 – 02.14.6) zeigen die Grundwassertemperaturverteilung für die Bezugshorizonte 40 m, 60 m, 80 m und 100 m unter Geländeoberkante im Land Berlin. In diesen Tiefen ist eine Beeinflussung durch die täglichen und saisonalen Temperaturschwankungen ausgeschlossen. Es können sich jedoch langfristig anhaltende verursachte Temperaturänderungen, die z. B. durch eine veränderte bauliche Entwicklung oder klimatische Veränderungen verursacht werden, bemerkbar machen. Solche Temperaturanomalien sind insbesondere im Innenstadtbereich im Bezirk Mitte, aber auch an der südlichen Stadtgrenze in Berlin Lichterfelde am Teltowkanal mit einer langen baulichen bzw. intensiven industriellen Nutzung zu vermuten, wobei eine Überlagerung mit der natürlichen Erwärmung auf Grund des terrestrischen Wärmestroms nahe liegt.
Andere Temperaturanomalien wie z. B. im Südwesten von Berlin an der Grenze zu Potsdam, im nördlichen Grunewald im Bereich des Erdgasspeichers und in Lübars an der nördlichen Grenze von Berlin sind wahrscheinlich mit geologischen Strukturen im tieferen Untergrund verknüpft. Bei den benannten Temperaturanomalien ist ein Zusammenhang mit den im Großraum Berlin bekannten Salzkissenstrukturen im tiefen Untergrund anzunehmen ist.
Die dargestellten Temperaturverteilungen im tieferen Untergrund mit mehr als 80 m unter Geländeoberkante z. B. in den Ortsteilen Lichtenberg, Marzahn und Hellersdorf im Osten von Berlin sind aufgrund der geringen Anzahl an Messwerten mit relativ großen Unsicherheiten behaftet.
Durchschnittstemperatur 20 m bis 100 m unter Geländeoberkante
In Ergänzung zu den Karten für die Grundwassertemperaturverteilung für die unterschiedlichen Bezugshorizonte ist zusätzlich eine Karte für die Durchschnittstemperatur in dem Tiefenbereich 20 m bis 100 m erstellt worden. Die Karte dient u. a. als Planungsgrundlage für die Auslegung von geothermischen Anlagen.
Die Karte zeigt, dass insbesondere der stark bebaute Innenstadtbereich Durchschnittstemperaturen von mehr als 11,5 °C aufweist. In den Außenbezirken liegen die Durchschnittstemperaturen zwischen 10,5 – 11,5 °C bzw. in den unbebauten Randbereichen bei ca. 9,5 – 10,5 °C.
Im Zusammenhang mit dieser Karte wird darauf hingewiesen, dass aufgrund der lokalklimatischen Verhältnisse und der vorhandenen Messstellendichte die ausgewiesenen Durchschnittstemperaturen kleinräumig abweichen können. So ist in Gebieten mit hohen Grünflächenanteilen eine niedrigere Durchschnittstemperatur möglich, in Gebieten mit einer hohen Oberflächenversiegelung können gegebenenfalls höhere Durchschnittstemperaturen auftreten.
Fazit
Zusammenfassend ist festzustellen, dass im dicht besiedelten Innenstadtbereich gegenüber dem unbebauten Randbereichen im Grundwasser lokale Temperaturunterschiede von mehr als 7 °C auftreten.
Die Karte in Abbildung 14 zeigt die Temperaturdifferenzen zwischen den Messungen von 2020 und 2024. Abgesehen von einigen negativen Ausreißern (lokale Einflüsse der Oberflächengewässer, bauliche Veränderungen an Messstellen oder der direkten Umgebung) ist flächendeckend eine Temperaturzunahme zu erkennen. In der Innenstadt zeigen sich die größten positiven Temperaturdifferenzen, während zum Stadtrand hin die Veränderungen geringer ausfallen bzw. für den Zeitraum keine Veränderungen auftreten.