Um die Temperaturverteilung im Untergrund räumlich darzustellen, wurde mit Hilfe von Geoinformationssoftware (QGIS, Version 3.34.10) eine IDW-Interpolation (inverse-distance-weighting) durchgeführt und in Form von Isothermenkarten dargestellt. Die deterministische Interpolationsmethode erstellt Flächen aus gemessenen Punktdaten basierend auf dem Grad der Ähnlichkeit. Je näher ein bekannter Punkt ist, desto stärker beeinflusst sein Wert den interpolierten Wert, was durch einen Potenzparameter gesteuert wird. Voraussetzung für die Anwendung dieser Methode ist, dass die Grundwassertemperatur eine regionalisierte, das heißt eine ortsabhängige Variable ist. Eine regionalisierte Variable zeichnet sich dadurch aus, dass sich benachbarte Punkte stärker ähneln als weiter entfernt liegende.
Dies ist im Fall der Temperaturmessungen nur bedingt der Fall, da anthropogene Einflüsse an der Oberfläche die Temperaturverteilung im oberflächennahen und zunehmend auch im tieferen Untergrund beeinflussen. Teilweise ist zu beobachten, dass die Temperaturänderungen sehr kleinräumig sind und die vorhandenen Temperaturmessstellen, insbesondere Messstellen, die den tieferen Untergrund mit mehr als 50 m Tiefe erschließen, nicht gleichmäßig über das Land Berlin verteilt vorliegen. In den größeren Tiefen betragen die Messpunktabstände teilweise mehr als 5 km.
Bei einer städtischen Bebauung wie im Land Berlin mit einer unterschiedlichen Verteilung von Baukörpern und einem häufigen Wechsel zwischen unversiegelten Grünflächen und hoch versiegelten städtischen Bereichen ist die Temperatur im Untergrund räumlich sehr variabel. Bei einer ländlichen Umgebung mit weniger variablen Oberflächenverhältnissen, die das lokale Klima und in der Folge die oberflächennahen Temperaturverhältnisse im Untergrund beeinflussen, ist die Temperaturverteilung im Untergrund homogener. Es ist zu beachten, dass im Stadtgebiet die oberflächennahen Temperaturmesswerte einer Messstelle die Verhältnisse in einem Umkreis in geringer Entfernung um den Messstandort wiedergeben können. Kleinräumige Temperaturänderungen im urbanen Untergrund werden dadurch evtl. nicht erfasst und der Verlauf der Temperaturisolinien kann mit einer Ungenauigkeit behaftet sein. Grundwassermessstellen im Bereich von Wasserwerken werden infolge influenter Strömungsverhältnisse durch die saisonalen Temperaturen der Oberflächengewässer stark beeinflusst.