Der Messstandort Tempelhof des Deutschen Wetterdienstes liegt im innerstädtischen Bereich etwa 2,5 km südlich des Zentrums City-Ost am Südrand des durch Grün- und Freiflächen geprägten Tempelhofer Feldes, dem ehemaligen Zentralflughafen Tempelhof. Aufgrund seiner besonderen Datenvollständigkeit und zentralen Lage in Berlin kommt dem Standort Tempelhof eine besondere Bedeutung zu. Für die Station liegen Wetteraufzeichnungen seit Beginn des Jahres 1948 vor; nur die Potsdamer Zeitreihe geht – allerdings deutlich – länger zurück.
Langjährige Entwicklung ausgewählter Klimaparameter 2022
Tab. 11: Kenndaten der Klimastation Berlin-Tempelhof
Bild: Umweltatlas Berlin
Abb. 34: Ansicht der Station Berlin-Tempelhof
Bild: Andreas Machate
Abb. 35: Lage der Station Berlin Tempelhof
Bild: Digitale farbige TrueOrthophotos 2024 DOP20RGBI
Klimadiagramme
Im Klimadiagramm der Station Tempelhof ist für die Referenzperiode 1961-1990 eine langjährige Mitteltemperatur von 9,3 °C (s. Abbildung 36) und eine mittlere Niederschlagssumme von 584 mm/Jahr zu erkennen, wobei die höchste monatliche Niederschlagssumme im Juni auftritt. Damit ist Tempelhof in dieser Periode nur leicht wärmer als im damaligen berlinweiten Durchschnitt von 9,1 °C.
Im zeitlichen Verlauf ist eine Zunahme der mittleren Lufttemperatur zu beobachten. In der Referenzperiode 1991-2020 liegt die Mitteltemperatur um 1 °C höher als noch im Zeitraum 1961-1990. Eine noch deutlichere Zunahme ist im Mittel des täglichen Temperaturmaximums des wärmsten Monats festzustellen. Dort steigt der Wert um 1,9 K zwischen der Periode 1961-1990 und 1991-2020.
Abb. 36: Klimadiagramme für Lufttemperatur und Niederschlag der Station Berlin-Tempelhof für alle Referenzperioden, basierend auf DWD-Stationsdaten
Bild: Umweltatlas Berlin
Windrichtungsverteilung
Die Abbildung 37 zeigt die langjährige Windrichtungsverteilung für die Tag- und Nachtsituation der Station Tempelhof in 10 m Höhe. Sowohl am Tag als auch in der Nacht lässt sich eine Hauptwindrichtung aus Westen feststellen, wobei sich ein zweites Maximum aus Südwesten einstellt. Abgesehen von leicht geringeren Windgeschwindigkeiten stellt sich in den Nachtstunden bezogen auf die langjährige mittlere Situation kein abweichendes Strömungsverhalten ein.
Abb. 37: Windverteilungen aufgeteilt in Tag/Nacht Situation der Station Tempelhof für alle Referenzperioden, basierend auf DWD-Stationsdaten
Bild: Umweltatlas Berlin
Betrachtet man nur die autochthonen Nächte in den Sommermonaten Juni, Juli und August, stellt sich die Situation hingegen anders dar (s. Abbildung 38). Hier lässt sich ein klares Maximum aus Südosten bis Osten erkennen, was ein Indiz für die Entstehung von nächtlichen Flurwindsystemen sein könnte. Da aber die Modellergebnisse der Klimaanalyse 2022 (vgl. Umweltatlaskarte 04.10) keine eindeutigen Windrichtungen für das Gebiet der Messstation Tempelhof aufzeigen, lässt sich diese Annahme nicht belegen.
Abb. 38: Windrichtungsverteilung der Station Tempelhof während autochthoner Nächte in den Sommermonaten Juni, Juli und August für die Zeiträume 1987-1990, 1987-2010 und 1991-2020, basierend auf DWD-Stationsdaten
Bild: Umweltatlas Berlin
Lufttemperatur
Die Abbildung 18 zeigt, welche Lufttemperaturen bzw. wie häufig um 21 Uhr an autochthonen Wetterlagen auftreten. Dieser Zeitpunkt ist insofern relevant, als dass er die Starttemperatur für die Klimaanalyse 2022 (vgl. Umweltatlaskarte 04.10) vorgibt. Am Standort Tempelhof beträgt diese im Mittel 21,2 °C.
Abb. 39: Häufigkeitsverteilung der Lufttemperatur um 21 Uhr während austauscharmer Wetterlagen an der Station Tempelhof in den Sommermonaten (JJA) für Sommertage (t_max >= 25°C), basierend auf DWD-Stationsdaten
Bild: Umweltatlas Berlin
Im langjährigen Mittel der Referenzperiode 1961-1990 traten rund 50 windschwache Strahlungsnächte pro Jahr auf, der Großteil davon im Sommerhalbjahr (s. Abbildung 40). In den drei Sommermonaten Juni, Juli und August wurden im jährlichen Mittel ca. 18 windschwache Strahlungsnächte beobachtet, was einem Anteil an der Gesamtanzahl an autochthonen Nächten von ca. 36 % entspricht. Im Monat August mit durchschnittlich 8,2 Nächten weist somit im Schnitt jede vierte Sommernacht autochthone Bedingungen auf. Zudem treten im Monat Mai und September im Durchschnitt 5,6 bzw. 6,2 Tage pro Monat auf, deren Relevanz aufgrund der geringeren jahreszeitabhängigen thermischen Belastung in den Siedlungsflächen jedoch von geringer Bedeutung ist. Im Vergleich der verschiedenen Referenzperioden erkennt man einen leicht abnehmenden Trend in der Anzahl an detektierten autochthonen Nächten von ca. 50 Tage (1961-1990) auf 44 Tage pro Jahr (1991-2020). Auch die Lufttemperatur in den Sommermonaten um 21 Uhr während austauscharmen Wetterlagen nimmt geringfügig um 0,5 K von 21,2 °C (1961-1990) auf 20,7°C (1991-2020) ab.
Abb. 40: Mittlere monatliche Anzahl an autochthonen Nächten an der Station Tempelhof für alle Referenzperioden, basierend auf DWD-Stationsdaten
Bild: Umweltatlas Berlin
Kennwerte
Die Tabelle 12 zeigt die meteorologischen Kennwerte bzgl. Lufttemperatur, Niederschlag und Wasserhaushalt für vier Referenzperioden auf Basis der aufgezeichneten Messungen an der Station Tempelhof.
Tab. 12: Meteorologische Klimakennwerte für die Station Berlin-Tempelhof für alle Referenzperioden, basierend auf DWD-Stationsdaten. Definitionen zu den meteorologischen Kennwerten sind im Glossar vorzufinden (siehe Tab. 1)
Bild: Umweltatlas Berlin