Veränderung 2022
Die Ergebnisse der Wasserhaushaltsmodellierung 2022 weichen zum Teil stark von den Ergebnissen von 2017 ab und sind nur bedingt miteinander vergleichbar. Folgende Änderungen in der Methode und der Datengrundlage haben Auswirkungen auf die Ergebnisse:
- Erstmals wurden 2022 die Straßenflächen getrennt von den Block(teil)flächen bearbeitet, sodass jetzt auch optisch eine flächendeckende Kartierung des Wasserhaushalts vorliegt. Einerseits lagen erstmal getrennte Datengrundlagen vor und andererseits wurde ABIMO im Forschungsprojekt AMAREX dafür weiterentwickelt.
- Viele scheinbare Änderungen zwischen 2017 und 2022 sind dadurch begründet, dass die Datengrundlage der regenwasserkanalisierten Flächen enorm verfeinert wurde. Bis 2017 wurde die Annahme verfolgt, dass Flächen, die an eine Regenwasser- bzw. Mischwasserkanalisation grenzen, auch regenwasserkanalisiert sind. 2022 standen erstmals Anschlusspunkte pro Block(teil)fläche zur Verfügung. Zudem konnten auch Straßenflächen lagebezogen vorhandene Regenwasseranschlusspunkte zugeordnet werden (BWB 2022). Die Zuweisung der Kanalisation erfolgte erstmal flächendeckend individuell und nicht für einzelne Flächennutzungen pauschal (z.B. waren bis 2017 Parks pauschal nicht regenwasserkanalisiert).
Dies hat vor allem in den Außenbereichen Änderungen beim Oberflächenabfluss und der Versickerung hervorgebracht. In vielen Bereichen sind hier nur die Straßenflächen, nicht aber die Block(tei)flächen an die Regenkanalisation angeschlossen. Hier wird die Realität 2022 dadurch besser abgebildet als noch 2017.
Jedoch treten nun wenige Straßenabschnitte (ca. 30 Stück) in der Innenstadt in der Versickerungskarte 2022 hervor. Diese Flächen (z.B. 0000000001000806 in der Taubenstraße nahe dem Gendarmenmarkt) sind laut Datengrundlage nicht regenwasserkanalisiert, weisen jedoch einen sehr hohen Versiegelungsgrad (im Beispiel 100 %) auf. Dies führt im Modell ABIMO dazu, dass kein Oberflächenabfluss, sondern nur Versickerung berechnet wird. Diese Flächen fallen mit Werten von mehr als 450 mm Versickerung auf. Dies ist nicht real und muss in Zukunft entweder in den Datengrundlagen oder im Modell ABIMO korrigiert werden. - Durch die 2022 verwendete Grünvolumenzahl pro Block(teil)- und Straßenfläche anstelle von pauschalen Verdunstungswerten je Flächennutzung sind in den Parks große Unterschiede zu 2017 zu erkennen.
Gut zu sehen ist der Unterschied in der Verdunstung vor allem an den großflächigen Parks, dem Großen Tiergarten mit über 500 mm und z.B. den Grünflächen auf dem Tempelhofer Feld mit 370 mm.
Die Verwendung von flächenspezifischen Werten führt hier in jedem Fall zu einer realeren Betrachtung der Verdunstung im Modell ABIMO.
Durch die Nutzung der Grünvolumenzahl treten in der Karte der Verdunstung bei Ackerflächen auch große Unterschiede zu 2017 auf. Dies ist auch dadurch begründet, dass bis 2017 pauschale Werte angenommen wurden. - Neue methodische Vorgaben bei der Karte „Versickerung ohne Berücksichtigung der Versiegelung“:
Als Referenzszenario für einen natürlichen Wasserhaushalt wurde nicht nur die Versiegelung auf 0 % angepasst (wie bis 2017), sondern für bisher versiegelte Flächen eine Stadtparklandschaft mit einer Mischung aus begrünten und baumbestandenen Flächen (Ertragsklasse = 50) angenommen.
Kartenbeschreibung
Die Karte des Gesamtabflusses (Karte 02.13.3) zeigt für die hoch versiegelten Innenstadtbereiche (S-Bahn-Ring) Gesamtabflüsse im Bereich von 350-450 mm/Jahr, im hochverdichteten City-Bereich und einigen Industriegebieten liegen die Werte noch darüber. Hier verdunsten also – bezogen auf die Niederschlagsmesswerte (in 1 m Höhe), die etwa 10-15 % unter den bodengleichen Niederschlägen liegen – nur etwa 150 mm/Jahr (Karte 02.13.5). Die locker bebauten Außenbereiche der Stadt weisen Abflüsse von 250-350 mm/Jahr auf. Verglichen mit den Abflüssen des unversiegelten Außenraumes oder der Umgebung Berlins, wo die Werte etwa um 150 mm/Jahr liegen, kann Berlin als Insel stark erhöhter Abflüsse betrachtet werden.
Die Reduzierung der Verdunstung (Karte 02.13.5) durch Versiegelung und Vegetationsmangel führt zu 2-3-fach erhöhten Abflüssen gegenüber dem natürlichen Zustand.
In einigen Bereichen treten bedingt durch geringe Niederschläge bei gleichzeitig geringem Flurabstand Grundwasserzehrungen, also negative Werte der Abflussbildung, auf, da hier die Vegetation durch die Nachlieferung aus dem Grundwasser mehr Wasser verdunsten kann als durch die Niederschläge zugeführt wird.
Die Karte des Oberflächenabflusses (02.13.1) zeigt, dass in den kanalisierten Gebieten der Innenstadt durchschnittlich etwa 250 mm/Jahr der Kanalisation zugeführt werden. Die Spitzenwerte liegen bei mehr als 400 mm/Jahr. Im Außenbereich sind es – in den kanalisierten Gebieten – um die 100 mm/Jahr.
Die Karte der Versickerung (02.13.2) zeigt, dass in der Innenstadt zwischen 100 und 150 mm/Jahr Niederschlag versickert wird. Deutlich höhere Versickerungsleistungen um 250 mm/Jahr weisen die lockerer bebauten Siedlungsgebiete des Außenbereichs auf, so z.B. in den Großsiedlungen und Punkthochhäusern (1960er – 1990er Jahre) in Marzahn. In den Gebieten mit geringem Anschlussgrad an die Kanalisation steigen die Werte bis auf 300 mm/Jahr. In den nicht kanalisierten Siedlungsgebieten versickert der gesamte Abfluss mit etwa 300-350 mm/Jahr und Maximalwerten von über 400 mm/Jahr. In den Wäldern versickert im Vergleich mit 50-100 mm/Jahr wenig. Hier sind wird ein großer Anteil des Niederschlags verdunstet, sodass nur wenig versickert.
Im Ergebnis lässt sich festhalten:
- Der durch den hohen Versiegelungsgrad der Innenstadt bedingte Effekt der reduzierten Durchlässigkeit der Böden wird durch den Effekt der Herabsetzung der Verdunstung zu großen Teilen wieder aufgehoben, so dass die innerstädtischen Versickerungsleistungen höher sind, als zunächst angenommen wurde und nahezu “natürlichen” Verhältnissen entsprechen.
- Ausschlaggebend für die Versickerungsleistung ist erst in zweiter Linie das Ausmaß der Versiegelung, in erster Linie wird sie durch den tatsächlichen Anschlussgrad an die Kanalisation bestimmt. Die Art der Versiegelung, d.h. die unterschiedlichen Versickerungsleistungen der verschiedenen Belagsarten spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle.
- Durch die Herabsetzung der Verdunstung durch die Versiegelung in den locker bebauten Bereichen bei gleichzeitig geringem Anschlussgrad an die Kanalisation sind die Versickerungsleistungen in diesen Gebieten am höchsten und betragen etwa das Doppelte der “natürlichen” Versickerung.
Die Verdunstung der Gewässerflächen, die in der Karte nicht dargestellt werden, liegt etwa 160 mm/Jahr über den auf sie herabgehenden Niederschlägen, so dass den Gewässern Berlins insgesamt ca. 8 Mio. m³ Wasser im Jahr durch Verdunstung entzogen werden.
Bei einigen hochversiegelten Flächen lagen keine Angaben darüber vor, ob das anfallende Regenwasser über die Kanalisation abgeleitet wird. Aus diesem Grunde wird für diese Flächen der gesamte entstehende Abfluss in den Karten als Versickerung ausgewiesen. Der Grad der Versiegelung und die Höhe des Abflusses lässt es jedoch in einigen Fällen als unwahrscheinlich erscheinen, dass das Wasser tatsächlich versickert. Daraus folgt, dass der Anteil des Oberflächenabflusses eher unterschätzt, der der Versickerung eher überschätzt wird. Dies trifft auch auf die Straßenabschnitte (ca. 30 Stück) in der Innenstadt (z.B. 0000000001000806 in der Taubenstraße nahe dem Gendarmenmarkt) zu.
Mit Hilfe der Flächengrößen der Bezugsflächen konnten auch die Abflussvolumen errechnet und anschließend bilanziert werden (vgl. Tab. 3).