Umweltgerechtigkeit Berlin 2013

Die vier Integrierten Mehrfachbelastungskarten

Umweltgerechtigkeit kann nur als ein multidimensionales Thema betrachtet werden, es bedarf der integrierten Analyse und zusammenführenden Darstellung verschiedener Umweltbelastungen, aber auch von Umweltressourcen in ihrer sozialräumlichen Verteilung.

Im Ergebnis des zweistufigen Umweltgerechtigkeitsmonitorings wurden folgende (integrierte) Mehrfachbelastungskarten erarbeitet:

  1. Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt“,
    sie zeigt die vier umweltbezogenen Mehrfachbelastungen (Kernindikatoren Luft, Lärm, Thermische Belastung und Grünflächenversorgung);
  2. Integrierte Mehrfachbelastungskarte Umwelt und Soziale Problematik“,
    sie erweitert die erste Karte um den 5. Kernindikator Soziale Problematik (vgl. Abb. 9),
  3. Integrierte Mehrfachbelastungskarte – thematisch”,
    in dieser Karte wird die Art der Umweltbelastung in den einzelnen Planungsräumen der Stadt qualitativ abgebildet (vgl. Abb. 10);
  4. Berliner Umweltgerechtigkeitskarte 2014/15“,
    sie stellt neben den fünf Kernindikatoren noch das besonders hohe Gesundheitsrisiko sowie die Betroffenheit (Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner in den Planungsräumen) dar.

Ergebnisse im stadtweiten Vergleich

Die Auswertung zeigt: die Umweltgerechtigkeit ist im Stadtgebiet sehr unterschiedlich verteilt. Es gibt mithin eine hohe Dringlichkeit für die weitere Konkretisierung der Datenerfassung und -analyse und daraus abzuleitender Maßnahmen. Dabei zeigt sich zugleich die enge Abhängigkeit zwischen dem Sozial-Index und den betrachteten Umweltindikatoren:

Kernindikator

Die Korrelation dieser Mehrfachbelastung der Umweltvariablen mit dem Sozial-Index zeigt den Zusammenhang, also den Grad der Umwelt(un)gerechtigkeit, in Berlin auf.

So weisen die zwei-, drei- oder gar vierfach umweltbelasteten Planungsräume einen deutlich höheren Anteil an niedrigen und sehr niedrigen Indexwerten auf. Im Gegensatz dazu sind PLR ohne Umweltbelastung ganz wesentlich durch sehr hohe/hohe Indexwerte geprägt.

Schwerpunktbereich Innenstadt

Die Analyse der räumlichen Verteilung der Umweltungerechtigkeit zeigt die deutliche Konzentration im Innenstadtbereich Berlins, wie zum Beispiel die hohe Mehrfachbelastung durch Umweltfaktoren und das Zusammentreffen mit niedrigem sozialen Status im nördlichen Bereich des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, im Wedding, dem südlichen Bereich des Bezirks Reinickendorf, und in Nord-Neukölln. Eine sehr geringe/geringe Umweltbelastung und ein sehr hoher/hoher sozialer Status, finden sich dagegen vor allem in den äußeren Bezirken.

Bei genauerem Blick auf die Zahlen, insbesondere im Schwerpunktbereich Innenstadt, ergibt sich folgende Situation:

  • in der erweiterten Innenstadt wohnen insgesamt rund 1,58 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner. Betrachtet man die von einzelnen Kernindikatoren betroffene Bevölkerung, so ist ein Anteil von etwa 200.000 (12,7 %) von einer hohen Lärmbelastung, ca. 730.000 (46,2 %) von hoher Luftbelastung, 870.000 (55,1 %) von einer schlechten Grünflächenversorgung sowie rund 1,45 (91,8 %) Mio. Einwohnerinnen und Einwohner von einer hohen bioklimatischen Belastung betroffen.
  • Auch bei der Zahl der mehrfach betroffenen Planungsräume ist das Schwerpunktgebiet überproportional vertreten. So befinden sich hier 1 PLR mit einer 5-fachen Belastung (von 3 insgesamt), 11 von 17 mit einer 4-fachen Belastung sowie 59 von 71 mit einer 3-fachen Belastung.
  • Die überproportionale Belastung spiegelt sich vergleichbar der Einwohnerbetroffenheit, auch bei den einzelnen Indikatoren wider. Von den 173 PLR im „Vorranggebiet Luftreinhaltung“ sind beim Lärm insgesamt 29 (6,5 % aller Berliner PLR), im Bereich Luftschadstoffe 85 (19,0 %), im Bereich Grünversorgung 81 (18,1 %), im Bereich thermische Belastung 152 (34,0 %) sowie im Bereich Sozialstruktur 42 (9,4 %) PLR hoch bzw. sehr hoch belastet. Von den 173 PLR innerhalb des Innenstadtbereichs haben 64 (37,0 % der „Innenstadt-PLR“) Räume eine überwiegend (d.h. mehr als 66 % der Adressen) einfache Wohnlage, hiervon sind 10 (5,8 %) zusätzlich von sehr hoher Lärm- und/oder Luftbelastung betroffen.

Bezirkliche Auswertung

Der Blick auf die Bezirke zeigt nach den oben stehenden Aussagen – nicht überraschend – eine massive Ungleichheit der Verteilung der Mehrfachbelastung.

Bezogen auf die Anteile der Betroffenheit der . Einwohnerinnen und Einwohner ist der Bezirk Mitte am stärksten belastet. Über 50% der Bewohner sind mindestens dreifach belastet. Weitere Bezirke mit einem relativ hohen Anteil mehrfach betroffener Bevölkerung sind Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf. Dagegen stellen Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf die Bezirke mit den prozentual am wenigsten durch Mehrfachbelastung betroffenen Bewohnern dar.

Deutlich wird auch, dass innerhalb der Bezirke selbst eine unterschiedliche Betroffenheit vorzufinden ist. Fast immer sind die innerstädtischen, dicht bebauten Ortsteile (z.B. Neukölln-Nord) gegenüber den offener geprägten Bereichen benachteiligt.

Dort, wo auch in äußeren Ortsteilen Berlins gründerzeitlich verdichtete Strukturen oder Großsiedlungen (gleich ob Ost oder West) zu finden sind (z.B. Spandau und Marzahn), sind regelmäßig auch höhere Kategorien der Belastung anzutreffen.

Ergebnisse im Bezirksvergleich

Bezirksübergreifend

Abb. 8: Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner je Bezirk an den Kategorien der Mehrfachbelastung in %

Abb. 8: Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner je Bezirk an den Kategorien der Mehrfachbelastung in %

Abb. 9: Anteil der Planungsräume je Bezirk an den Kategorien der Mehrfachbelastung in absoluten Zahlen

Abb. 9: Anteil der Planungsräume je Bezirk an den Kategorien der Mehrfachbelastung in absoluten Zahlen