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Vegetationshöhen 2020

Karten­beschreibung

Die Klassifikation wurde für das gesamte Bildmosaik der True-Orthophotos 2020 durchgeführt. In Abbildung 6 ist ein Ausschnitt des Klassifikationsergebnisses im Bereich des Großen Tiergartens dargestellt.

Bildvergrößerung: Abb. 6: Ausschnitt Klassifikationsergebnis im Bereich des Großen Tiergartens
Abb. 6: Ausschnitt Klassifikationsergebnis im Bereich des Großen Tiergartens
Bild: Umweltatlas Berlin

Im gesamten Stadtgebiet sind rund 56.000 ha Fläche mit Vegetation bestanden. Dies entspricht bei einer Gesamtfläche von rund 89.100 ha einem Prozentanteil von etwa 63 %. Dabei ist zu beachten, dass durch die Verwendung von Fernerkundungsdaten die Vegetation in der Draufsicht analysiert wird. Demzufolge schließt die mit Vegetation bestandene Fläche auch Areale ein, die unterhalb der Vegetation versiegelt sind, z. B. mit Bäumen bestandene, aber größtenteils versiegelte Hofflächen. Die mit Vegetation bestandene Fläche ist damit nicht gleichzusetzen mit grünbestandenem Boden.

Ein Vergleich mit den Flächengrößen der den reinen Grün- und Freiflächennutzungen des Informationssystems Stadt und Umwelt (ISU) zugeordneten Block(teil)flächen (Karte „Grün- und Freiflächenbestand“ (06.02), Tab 2., SenStadtWohn 2020b) zeigt, dass sich rund 19.000 ha vegetationsbestandene Flächen außerhalb der klassischen Grünbereiche auf Straßenland und im Bereich baulich geprägter Nutzungen befinden. Das sind rund 54 % der insgesamt 35.000 ha Grün- und Freiflächenbestand laut ISU 2020 und verdeutlicht die umfangreichen Ressourcen an urbanem Grün in den Berliner Wohngebieten, aber auch in sonstigen baulich geprägten Bereichen der Stadt.

Vergleicht man die absolute Größe der mit Vegetation bestandenen Fläche in den 12 Berliner Bezirken, fällt weiterhin auf, dass die größten mit Vegetation bestandenen Flächen auch in den Bezirken mit der größten Gesamtfläche und einer Lage außerhalb des S-Bahnringes zu finden sind. In diesen Bezirken befinden sich große Waldareale, z. B. der Köpenicker Forst in Treptow-Köpenick, der Bucher Forst in Pankow, der Spandauer Forst in Spandau, der Tegeler Forst in Reinickendorf sowie der Grunewald in Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf (siehe Abbildung 7, die Sortierung erfolgt nach der Bezirksnummerierung der Verwaltungsgliederung in Berlin).

Bildvergrößerung: Abb. 7: Absolute Flächengrößen der mit Vegetation bedeckten Flächen in den 12 Berliner Bezirken 2010 und 2020
Abb. 7: Absolute Flächengrößen der mit Vegetation bedeckten Flächen in den 12 Berliner Bezirken 2010 und 2020
Bild: Umweltatlas Berlin

Die prozentuale Verteilung der vegetationsbestandenen Fläche in Abbildung 8 zeigt, dass in fast allen Bezirken ein Flächenanteil von > 50 % mit Vegetation bestanden ist. Auch hier ist zu beachten, dass die mit Vegetation bedeckte Fläche in der Draufsicht erfasst wurde und nicht gleichzusetzen ist mit grünbestandenem unversiegelten Boden. Lediglich in den Innenstadtbezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte liegt ein Anteil von < 40 % an mit Vegetation bedeckter Fläche vor.

Bildvergrößerung: Abb. 8: Prozentuale Verteilung der mit Vegetation bedeckten Fläche in den 12 Berliner Bezirken und Berlin (Stand August 2020)
Abb. 8: Prozentuale Verteilung der mit Vegetation bedeckten Fläche in den 12 Berliner Bezirken und Berlin (Stand August 2020)
Bild: Umweltatlas Berlin

Bemerkenswert ist, dass auch in der Innenstadt nicht nur hoch verdichtete und versiegelte Areale anzutreffen sind. Umgekehrt ist oft in den alten Gründerzeitquartieren – hier nördlich und südlich des ehemaligen Görlitzer Bahnhofs – neben einem hohen Bestand an Straßenbäumen auch ein vergleichsweise großer Grünanteil im privaten bzw. halböffentlichen Bereich erkennbar, z. T. mit sehr altem Baumbestand. Hier wird deutlich, dass zumindest in Teilen der Innenstadt nach 1918 auch den siedlungsbezogenen Freiräumen eine größere Bedeutung beigemessen wurde (vgl. Abbildung 9).

Noch deutlicher wird diese Wirkung in Siedlungen, in denen man sich für eine aufgelockerte und mit Gärten durchsetzte Bauweise entschied. Abbildung 10 illustriert diesen Effekt an zwei Beispielen am Innenstadtrand, der Siedlung „Neu-Tempelhof“ und der Zeilenbebauung mit landschaftlichem Siedlungsgrün südlich der Straße “An der Wuhlheide” in Treptow-Köpenick.

Abb. 9: Klassifizierungsergebnisse in der Berliner Innenstadt: dichte hochversiegelte innerstädtische Bebauung beiderseits der Friedrichstraße (links) und Blockbebauung der Gründerzeit mit hohem Grünanteil im Bereich des Görlitzer Parks (rechts)
Abb. 9: Klassifizierungsergebnisse in der Berliner Innenstadt: dichte hochversiegelte innerstädtische Bebauung beiderseits der Friedrichstraße (links) und Blockbebauung der Gründerzeit mit hohem Grünanteil im Bereich des Görlitzer Parks (rechts)
Bild: Umweltatlas Berlin
Abbildung 10: Klassifizierungsergebnisse im Bereich aufgelockerter, intensiv durchgrünter Bebauung am Innenstadtrand (Innerer-S-Bahnring): Reihen- und Doppelhäuser mit Gärten in „Neu-Tempelhof“ (links) und Zeilenbebauung mit landschaftlichem Siedlungsgrün südlich „An der Wuhlheide“ in Treptow-Köpenick (rechts)
Abbildung 10: Klassifizierungsergebnisse im Bereich aufgelockerter, intensiv durchgrünter Bebauung am Innenstadtrand (Innerer-S-Bahnring): Reihen- und Doppelhäuser mit Gärten in „Neu-Tempelhof“ (links) und Zeilenbebauung mit landschaftlichem Siedlungsgrün südlich „An der Wuhlheide“ in Treptow-Köpenick (rechts)
Bild: Umweltatlas Berlin

Die (Höhen-)Struktur innerhalb von Parkanlagen wie dem Großen Tiergarten, den Grünflächen des Gleisdreiecks oder dem Görlitzer Bahnhof kommt durch die gewählte Klassifikation sehr eindrucksvoll zur Geltung, der Anteil der Rasenflächen lässt sich deutlich von den höheren Vegetationsflächen und dem Baumanteil unterscheiden. Dies gilt in ähnlicher Form auch für die Forsten und waldähnlichen Bestände.

Ergebnisse der Veränderungsanalyse

Die Summe der Vegetationsfläche beträgt im Jahr 2020 im gesamten Stadtgebiet 56.259 ha. Dies entspricht 95,5 % der noch im Jahr 2010 vorhandenen Summe der Vegetationsfläche von 58.907 ha (vgl. Tabelle 2).

Tab. 2: Anteile der Veränderungsklassen in % bezogen auf die gesamte mit Vegetation bestandene Fläche in Berlin im Vergleichsjahr 2010 (Stand August 2020)
Tab. 2: Anteile der Veränderungsklassen in % bezogen auf die gesamte mit Vegetation bestandene Fläche in Berlin im Vergleichsjahr 2010 (Stand August 2020)
Bild: Umweltatlas Berlin
Bedeutung der Klassen:
  • Klasse 1: Vegetation in der Erstauswertung 2009/2010 nicht erfasst, 2020 noch vorhanden,
  • Klasse 2: Vegetation 2010 und 2020 vorhanden,
  • Klasse 3: Vegetation 2010 vorhanden, 2020 keine Vegetation,
  • Klasse 4: Vegetation 2020 erfasst, 2010 keine Vegetation,
  • Klasse 5: Vegetation in der Erstauswertung 2009/2010 nicht erfasst, 2020 keine Vegetation.

In der Bilanz bedeutet dies, dass die mit Vegetation bestandene Gesamtfläche in Berlin von 2010 bis 2020 um 2.648 ha gesunken ist. Dieser Wert setzt sich zusammen aus 3.574 ha (6,1 ) Verlust an 2010 noch existierenden Vegetationsflächen gegenüber einem Gewinn von 926 ha (1,6) auf Flächen, die 2010 noch nicht vegetationsbestanden waren. Der Gesamtverlust an nicht mehr vorhandenen Vegetationsflächen entspricht ungefähr der 12-fachen Größe des Großen Tiergartens, stellt also eine relevante Größenordnung dar.

93,9 % der im Vergleichsjahr 2010 mit Vegetation bestandenen Fläche sind auch im Jahr 2020 als Vegetationsfläche vorhanden. Dies entspricht einer unveränderten Vegetationsfläche von 55.333 ha.

Die Anteile bestimmter Vegetationshöhengruppen an der vegetationsbestandenen Gesamtfläche haben sich zwischen 2010 und 2020 kaum verändert. In Abbildung 11 ist die Verteilung für 2020 dargestellt. Mehr als ein Drittel der Fläche wird von niedriger Vegetation < 1 m eingenommen.

Bildvergrößerung: Abb. 11: Anteile der Vegetationshöhen 2020 an der vegetationsbestandenen Gesamtfläche in Berlin
Abb. 11: Anteile der Vegetationshöhen 2020 an der vegetationsbestandenen Gesamtfläche in Berlin
Bild: Umweltatlas Berlin

Betrachtet man die Veränderung des Vegetationsflächenanteils auf Block(teil)flächenebene, so sind Flächen mit erhöhter Bautätigkeit und Innenverdichtung gut zu erkennen (vgl. Abbildung 12). Diese Flächen sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Abb. 12: Veränderung der Anteile der Vegetationsfläche an den Block(teil)flächen zwischen 2010 und 2020 in %
Abb. 12: Veränderung der Anteile der Vegetationsfläche an den Block(teil)flächen zwischen 2010 und 2020 in %
Bild: Umweltatlas Berlin

Betrachtet man die Veränderung der Vegetationshöhe auf Rasterebene (vgl. Abbildung 13), so fällt auf, dass es größere Abnahmen an Vegetationshöhe auch in den Waldbereichen gab. Eine einfache Schlussfolgerung bezüglich der Ursachen ist jedoch nicht möglich. Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein paralleles Wirken verschiedener Einflüsse handelt, zum einen dem Absterben ausgewachsener Bäume in Folge der Trockensommer, zum anderen aber auch den Folgen menschlicher Aktivitäten durch die Holznutzung und den Auswirkungen durch das Mischwaldprogramm der Berliner Forsten zur Erzeugung widerstandsfähiger und artenreicher Wälder.

Abb. 13: Veränderung der Vegetationshöhe in Metern zwischen 2010 und 2020 auf Rasterebene (1x1 m²)
Abb. 13: Veränderung der Vegetationshöhe in Metern zwischen 2010 und 2020 auf Rasterebene (1x1 m²)
Bild: Umweltatlas Berlin