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Straßenverkehrslärm 1993

Kartenbeschreibung

Aus der vorliegenden Karte wird deutlich, daß der Verkehr der Hauptnetzstraßen eine sehr hohe Lärmbelastung verursacht.

In Tabelle 3 sind für die einzelnen Pegelklassen die Längen der davon betroffenen bebauten Straßenseiten bzw. ihr prozentualer Anteil an der Gesamtlänge dargestellt.

Am Tage treten Belastungen von 65 bis 70 dB(A) am häufigsten auf: etwa 760 km, das sind 42 %, liegen in diesem Pegelbereich.

Extreme Belastungen über 80 dB(A) wurden für eine Abschnittslänge von 1 km (0,1 %) ermittelt. Legt man einen Wert von 65 dB(A) zugrunde, der nach Erkenntnissen der Lärmwirkungsforschung als Schwelle für ein erhöhtes Herzinfarktrisiko angesehen werden kann (vgl. Ising et al. 1997), sind 1.270 km bebaute Straßenseiten, also 70 %, über Gebühr belastet.

Für die Nacht ergibt sich folgende Situation: Der Schwerpunkt liegt im Pegelbereich 55 bis 60 dB(A), nämlich 658 km bzw. ca. 36 %.

Pegel über 75 dB(A) treten nur vereinzelt auf. Mit über 55 dB(A) sind 1.478 km, also ca. 82 %, belastet.

Tab. 3: Lärmimmissionen (Mittelungspegel) Tag und Nacht im übergeordneten Straßennetz nach km bebauter Straßenseite
Tab. 3: Lärmimmissionen (Mittelungspegel) Tag und Nacht im übergeordneten Straßennetz nach km bebauter Straßenseite
Bild: Umweltatlas Berlin

Hohe Straßenverkehrslärmbelastungen entstehen nicht allein durch hohe Verkehrsstärken, sondern z. B. auch durch enge Straßen mit beidseitig geschlossener Randbebauung. Eine erhebliche Pegelerhöhung (bis 5 dB) bewirken gepflasterte oder stark beschädigte Fahrbahnoberflächen. In den östlichen Bezirken bestimmt zur Nachtzeit häufig die Straßenbahn den Pegel. Tabelle 4 gibt einen Überblick über besonders hoch belastete Straßenabschnitte.

Tab. 4: Hochbelastete Berliner Straßenabschnitte (Im allgemeinen gelten die Pegelwerte nicht für die gesamte Straße, sondern nur für bestimmte Abschnitte.)
Tab. 4: Hochbelastete Berliner Straßenabschnitte (Im allgemeinen gelten die Pegelwerte nicht für die gesamte Straße, sondern nur für bestimmte Abschnitte.)
Bild: Umweltatlas Berlin

Aus der Höhe des Mittelungspegels in einer Straße läßt sich noch nicht abschließend bewerten, ob es sich dabei um einen Lärmschwerpunkt für die Bevölkerung handelt. Zur Interpretation der Belastungsdaten ist die Zahl der betroffenen Anwohner bedeutsam. Auch für die Festlegung von LKW – Nachtfahrverboten, für die Auswahl von Umleitungsstrecken und Routen für den Schwerlastverkehr sowie für Prioritäten von Lärmminderungsmaßnahmen usw. ist eine Abwägung auf der Basis der Zahl direkt betroffener Anwohner unverzichtbar.

Aus diesem Grunde wurde für jeden der schalltechnisch untersuchten Straßenabschnitte die Zahl der direkt vom Straßenverkehrslärm betroffenen Anwohner – unter Berücksichtigung einer bestimmten Aufenthaltswahrscheinlichkeit in den zur Straße gelegenen Räumen – abgeschätzt.

Diese Betroffenenpotentiale im Nahbereich der untersuchten Straßen sind in Tabelle 5 für die einzelnen Pegelklassen zusammengefaßt.

Tab. 5: Betroffenenpotentiale in den Gebäuden des übergeordneten Straßennetzes (Betroffene im 1 ½-fachen des mittleren Bebauungsabstands, der Basis für die Berechnung der Lärmimmissionen für die einzelnen Straßenabschnitte gewesen ist)
Tab. 5: Betroffenenpotentiale in den Gebäuden des übergeordneten Straßennetzes (Betroffene im 1 ½-fachen des mittleren Bebauungsabstands, der Basis für die Berechnung der Lärmimmissionen für die einzelnen Straßenabschnitte gewesen ist)
Bild: Umweltatlas Berlin

Geht man bei der Interpretation dieser Tabelle wiederum von der Grenze von 65 dB(A) tags für ein erhöhtes Herzinfarktrisiko aus, so zeigt sich, daß 70 % der betroffenen Anwohner, das sind etwa 168.000, zu stark belastet sind.

Etwa 24.500 Anwohner, also 10 %, sind sogar nachts mit Pegeln über 65 dB(A) belastet. Hier besteht vorrangig Handlungsbedarf.

Um dieser Gefährdung zu begegnen, wären Pegelminderungen bis zu 15 dB(A) erforderlich.

Eine solche Entlastung kann – wenn überhaupt – nur langfristig erreicht werden. Zwar läßt die technische Entwicklung noch eine Verringerung des Antriebs- und des Rollgeräusches erwarten, das wird sich wegen der hohen Lebensdauer der Kraftfahrzeuge aber auch wegen der begrenzten finanziellen Mittel für eine Rekonstruktion und Modernisierung der Straßenbeläge erst in fernerer Zukunft bemerkbar machen.

Eine radikale Verringerung des Kfz-Verkehrs – die Halbierung führt zu einer Pegelminderung von 3 dB(A) – ist nicht zu erwarten.

Maßnahmen wie Geschwindigkeitsreduzierung, Nachtfahrverbote für LKW, Benutzervorteile für lärmarme LKW, Verbesserung des ÖPNV-Angebots, Förderung der Attraktivität des Fahrrad- und Fußgängerverkehrs können insgesamt zu einer Lärmentlastung beitragen. Die Effekte sind jedoch vergleichsweise gering und z. T. kaum quantifizierbar.

Zum Schutz der Gesundheit betroffener Anwohner in hochbelasteten Straßen empfiehlt es sich darüberhinaus, den Einbau von Fenstern mit hoher Schalldämmung (ggf. mit integriertem Lüftungselement) zu forcieren. Das ist auch Aufgabe der Eigentümer und Vermieter von Wohnungen.