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Panke: Ausbau in Mitte und Pankow, Phase II

Über eine Strecke von mehr als 17 Kilometer fließt die Panke durch Berlin
Die Panke fließt über eine Strecke von mehr als 17 Kilometer durch Berlin.
Bild: SenUVK
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Bild: SenUVK

Die Panke ist ein Fließgewässer, das im Naturpark Barnim nahe der Stadt Bernau entspringt. Im Ortsteil Buch erreicht die Panke das Stadtgebiet von Berlin, durchfließt die Stadtbezirke Pankow und Mitte und mündet im Wedding am Nordhafen (gegenüber der Europacity) in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal. Die Länge der Panke beträgt rund 29 km. Davon befinden sich rund 2/3 auf dem Gebiet des Landes Berlin.

Mit dem Ausbau wird nach Maßgabe und auf Basis der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) die Vernetzung der Panke mit dem Umland unter gewässerökologischen und landschaftsplanerischen Aspekten angestrebt. Darüber hinaus soll

  • die Panke für die Bevölkerung erlebbar werden,
  • die ökologische Durchgängigkeit wiederhergestellt und gleichzeitig
  • die eigendynamische Entwicklung ermöglicht werden,
  • Hochwasserneutralität gesichert werden.

Die Panke soll in Berlin auf nahezu der gesamten Länge (rund 17,6 km) renaturiert werden – auf dem Teilstück von der Landesgrenze im Norden Berlins bis zu ihrem Einmünden in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal (BSSK).

Die Ausgangssituation

Derzeit ist die Panke ein stark durch den Menschen umgestaltetes kleines Fließgewässer. In weiten Teilen des Gewässerlaufs bestehen eine kanalartige Begradigung und Befestigung der Ufer, u.a. mit Spundwänden. Vorhandene Sohlabstürze (d.h Sohlabsturz = größere Stufe des Gewässerbodens) und Wehre verhindern, dass z.B. Fische das Gewässer ungehindert durchwandern können Die Panke ist, auch im Hinblick auf weitere biologische Qualitätskomponenten der Gewässerflora und -fauna, damit noch deutlich davon entfernt, den guten ökologischen Zustand aufzuweisen bzw. das gute ökologische Potential auszuschöpfen, welche aufgrund gesetzlicher Vorgaben, wie z.B. der Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) oder dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) zu erfüllen sind.

Die Panke erfüllt ihre Funktion als aquatisches Ökosystem im Verbund mit den angrenzenden Uferbereichen und Feuchtgebieten im Hinblick auf den Wasserhaushalt derzeit nur unzureichend. Insbesondere der südliche, urbane Teilabschnitt ist in vielfältiger Weise durch eine Überbauung des Gewässerlaufs, die Verbauung von Ufern und Gewässersohle sowie Zuflüssen aus den Überläufen der innerstädtischen Mischwasserkanalisation geprägt.

Untersuchungen zur Gewässer(struktur)güte, Gewässertypisierung und weiterer biologischer Qualitätsmerkmale haben gezeigt, dass die Panke auf der überwiegenden Anzahl der Berliner Teilabschnitte schlechte Zustandswerte aufweist, wie z.B. bei der Fischpopulation. Im Hinblick auf die Fischpopulation bedeutet das mit anderen Worten, dass in der Panke zahlenmäßig zu wenige Fische mit zu geringer Artenvielfalt vorkommen. Die negativen Bewertungsergebnisse werden in erster Linie auf die mangelnde Habitat- bzw. Strukturvielfalt, die nicht gegebene Durchwanderbarkeit des Gewässerlaufs und teilweise hohe Nährstoffbelastungen zurückgeführt.

Verbesserungen durch die Renaturierung

Mit der geplanten Renaturierung wird das Fließgewässer naturnäher gestaltet und die Gewässerstruktur soll sich in Zukunft verbessern. Neben der Verbesserung des ökologischen Gewässerzustands bzw. der Ausschöpfung des ökologischen Potentials sollen mit der Umgestaltung der Panke für zahlreiche Abschnitte Fortschritte in der Entwicklung des Stadt- und Landschaftsbildes erzielt werden. Außerdem wird angestrebt, dass die Panke und ihr Umfeld nach Umsetzung der Maßnahmen mehr Aufenthaltsqualität bieten und damit verbesserte Erholungsmöglichkeiten für die Berlinerinnen und Berliner. Das macht die Stadt lebenswerter.

Weiterhin wird durch die Entwicklung von Auenabschnitten bzw. die Schaffung von Sekundärauen eine positive Wirkung auf das Stadtklima angestrebt. Eine Sekundäraue ist dabei als ein wieder hergestellter Entwicklungsraum für ein Fließgewässer zu verstehen und schafft Möglichkeiten für eine naturnahe Gewässerentwicklung auch in urbanen Bereichen, in denen beispielsweise ein Erhalt der Vorflutsituation oder des Hochwasserschutzes notwendig sind.

Zudem kann die Panke mit der Renaturierung ihr vorhandenes Potenzial im Biotopverbund künftig besser ausschöpfen. Schon jetzt ist die Panke ein bedeutendes Element im Biotopverbund. Durch die geplanten Maßnahmen ist eine Verbesserung der Verbindungsfunktion von der Innenstadt bis ins Umland zu erwarten, insbesondere für Tiere und Pflanzen, die feuchte und nasse Standorte brauchen.

Zusammenfassung der Maßnahmen:
  • Abschnitte mit Aufweitungen / Sekundäraue: gesamt rd. 5.000 m
  • Strecken mit Mindesthabitat zur Verbesserung der Gewässerstruktur: gesamt rd. 5.100 m
  • Neutrassierung Flussbett: rd. 950 m
  • Neustrukturierung der Uferlinie und Initialmaßnahmen für Eigenentwicklung in Abschnitten
  • Anpassung oder Umgestaltung der Einmündung von Nebengewässern und Gräben
  • Neubau von zusätzlichen Flutmulden und Umbau von Rückhaltebecken
  • Neubau von 4 Fischaufstiegen bzw. Sohlgleiten und 3 Furten
  • Neubau von 2 Fuß- und Radwegbrücken
  • Ausgleich der Gehölzverluste durch Neupflanzungen von heimischen, standortgerechten Bäumen und Sträuchern
  • Ansaat mit heimischem Saatgut und Pflege von Rasenflächen und Staudenfluren im Bereich der neuprofilierten Ufer, der Flutmulden sowie der Böschungen in den Landschaftsraum

Die Renaturierung der Panke auf rund 17,6 km ist ein umfangreiches Projekt und wird über mehrere Jahre schritt- und abschnittsweise erfolgen.
Die Planung sieht vor, zunächst mit zwei Teilabschnitten zu beginnen: zuerst im Wedding in einem Abschnitt von der Mündung der Panke im Bereich Nordhafenvorbecken / Sellerpark bis zur Chausseestraßenbrücke. Hier soll die Panke so umgestaltet werden, dass Fische das Gewässer künftig ungehindert passieren können. Der nächste Abschnitt umfasst den weniger städtisch geprägten Teil der Panke nördlich des A10 Autobahnrings in Karow/Buch bis zur Landesgrenze nach Brandenburg.

Planungsabschnitt Nordhafenvorbecken

Nach Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens (PFV) mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wurde das Vorhaben „Ausbau der Panke in den Bezirken Mitte und Pankow von Berlin, Phase II“ mittels Planfeststellungsbeschluss genehmigt.
Ab Herbst 2021 erfolgt die umfangreiche, bauliche Umsetzung erster Maßnahmen entsprechend dem bestandskräftigen Planfeststellungsbeschluss. Der Abschluss der Bautätigkeit im Planungsabschnitt Nordhafenvorbecken wird bis Mitte 2023 erwartet.

Los geht es mit dem Bauen in Mitte, im Ortsteil Wedding, in einem Abschnitt von der Mündung der Panke im Bereich Nordhafenvorbecken / Sellerpark bis zur Chausseestraßenbrücke. Hier wird zunächst das Nordhafenvorbecken entschlammt, ein Teil der rechtsseitigen Uferwand ersetzt, eine Fischwanderhilfe neu gebaut und der Gewässerlauf bis zur Chausseestraßenbrücke mit dem gezielten Einbau von Strukturelementen ökologisch aufgewertet.

Bildvergrößerung: Luftbild Nordhafenvorbecken
Luftbild Nordhafenvorbecken
Bild: Geoportal Berlin / Digitale farbige Orthophotos 2019 (DOP20RGB)

Das Nordhafenvorbecken bildet den künstlich geschaffenen Endpunkt der Panke. Die Panke mündet aus östlicher Richtung kommend mit einem ca. 2,8 m hohen Absturz in das Nordhafenvorbecken. Der Absturz stellt ein unüberwindbares Hindernis für die Wanderung aquatischer Organismen von den Berliner Innenstadtgewässern in die Panke dar und muss deshalb mittels einer Fischwanderhilfe / Fischtreppe passierbar umgestaltet werden. Auf der westlichen Seite schließt das Nordhafenvorbecken an den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal mit dem Nordhafen an und stellt damit die Schnittstelle zwischen dem Gewässer der Panke und der künstlich geschaffenen Kanalstrecke dar.

Bildvergrößerung: Baufelder: Nordhafenvorbecken und ökologische Strukturmaßnahmen
Baufelder: Nordhafenvorbecken und ökologische Strukturmaßnahmen
Bild: Geoportal Berlin / Karte von Berlin 1:5.000 (K5 Farbausgabe)