Regenwasserableitung

Etwa drei Viertel der kanalisierten Gebiete in Berlin werden über das Trennsystem und ein Viertel über das Mischsystem entwässert.

Im Trennsystem werden Schmutzwasser und Regenwasser in zwei voneinander getrennten Kanalisationsnetzen abgeleitet. In den Schmutzwasserkanälen gelangt das häusliche, gewerbliche und industrielle Abwasser zu den Pumpwerken. Von hier wird es über Druckrohrleitungen zu den Klärwerken geleitet. Die Regenwasserkanäle nehmen das Regenwasser von versiegelten Flächen auf und leiten dieses meist direkt in die Gewässer. Insgesamt werden durch das Trennentwässerungssystem rund 48 Mio. m³ Regenwasser pro Jahr in die Gewässer eingeleitet. Neben der hohen hydraulischen Beanspruchung der Gewässer bei Starkregen führen stoffliche Belastungen im Regenwasser zu signifikanten Schäden. Das von versiegelten Flächen abfließende Regenwasser ist durch Staub, Luftschadstoffe, Abrieb von Straßen sowie von Autoreifen und Bremsbelägen, Ölverluste, Laub, Exkremente von Tieren, Streugut im Winter sowie Bioziden zum Teil stark verunreinigt (siehe auch OgRe – Relevanz organischer Spurenstoffe im Regenwasserabfluss Berlins).

Besonders kleinere Fließgewässer und Seen werden durch die Schad- und Nährstoffe extrem hoch belastet. Nach Starkregen kann es zu Fischsterben kommen. Um die stoffliche Belastung der Gewässer zu reduzieren, werden zur Reinigung des Regenwassers z.B. Retentionsbodenfilter (mit Schilf bepflanztes Becken mit sandigem Filtersubstrat) als zentrale Anlage vor der Einleitung in das Gewässer eingesetzt. Diese Strategie hat ihre Grenzen, da nicht ausreichend Flächen verfügbar sind. Zudem werden mit zentralen Anlagen in der Regel die hydraulischen Abflussspitzen nicht gekappt und somit das Hochwasserrisiko nicht begrenzt. Maßnahmen müssen daher zunehmend in den Einzugsgebieten ansetzen – ob im Bestand oder bei Neubauvorhaben.

Im Mischsystem werden Schmutzwasser und Regenwasser in einem Kanal abgeleitet. Das Mischwasser ist deutlich höher mit Nähr- und Schadstoffen belastet als das im Trennsystem abfließende Regenwasser. Im Regelfall wird das Mischwasser mittels Pumpwerken und Druckleitungen zu den Klärwerken geleitet. Somit werden jährlich rund 15 Mio. m³ belastetes Regenwasser in Klärwerken gereinigt. Bei Starkregen reicht die Aufnahmekapazität des Kanalnetzes nicht aus; es kommt zu Überläufen aus der Kanalisation direkt in die Gewässer. Es gelangen ca. 5,5 Mio. m³ Regenwasser und 0,5 Mio. m³ Schmutzwasser pro Jahr unbehandelt in Spree, Havel und die innerstädtischen Kanäle. Die Folgen sind gravierend und reichen bis zu Massenfischsterben.

Stauraumkanal Weigandufer

Im Rahmen eines umfassenden gemeinsamen Bauprogramms des Landes Berlin und der Berliner Wasserbetriebe werden im Kanalnetz Speicherkapazitäten zur Verringerung der Überlaufhäufigkeiten und -mengen geschaffen. Ziel ist es, bis 2024 insgesamt über 300.000 m³ zusätzlichen unterirdischen Stauraum bereit zu stellen, um Mischwasser bei Starkregen speichern zu können. Neben dem Bau von unterirdischen Becken (Regenbecken) werden Maßnahmen zur Aktivierung von vorhandenem Stauraumvolumen durch den Bau von steuerbaren Wehrklappen/Hubschütze o.ä. und die Erhöhung von Überlaufschwellen im Rahmen des Programms umgesetzt. Weitere Informationen zum Bauprogramm erhalten Sie hier.

Mit der Umsetzung dieses Programms können die mit Mischwasserüberläufen verbundenen Probleme für die Gewässer noch nicht vollständig gelöst werden. Weitere, ergänzende Maßnahmen sind erforderlich. Wie beim Trennsystem, stoßen auch hier zentrale Maßnahmen im Kanalnetz aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit an Raumpotenzialen im Untergrund an ihre Grenzen, sodass zunehmend dezentrale Maßnahmen an der Oberfläche (vor allem Entkopplung und Begrenzung von Neueinleitungen) erforderlich werden.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Umweltatlas sowie auf der Homepage der Berliner Wasserbetriebe.